Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 47 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 I Mitgliedern des Friedbcrger Vereins traf. Herr. Zahnarzt Stern wies in seiner Begrüßungsansprache darauf'hin, da er sich freue, die Frankfurter Wandergruppe in Fried- I bcrg begrüßen zu können und sprach die Hoffnung aus, daß man in Zukunft öfters Gelegenheit nähme, gemeinsame Ausflüge zu ^veranstalten. Im Namen der Frankfurter Wandergruppe dankte Herr I. Kahn den Friedbcrgcrn für den freundlichen Empfang. In einer humoristische» Rede brachte Herr T h. R o s e uthal den Damentoast aus, wofür Fräulein Heule im Namen der Damen dankte. Um den geselligen Teil machten sich Fräulein Sinio lt sowie die Herren Epstein, Roos/Rosenthal und Selig verdient, und als man sich Abends trennte, hatten alle das Bewußtsein, einen schönen Tag zusammen verbracht zu haben. „AgudaS JiSroel"-Lrtsgruppe. Montag, 1. Dezember, abends 8»/i Uhr, findet im oberen Saale der Liederhalle, Langestr. 26, eine Mitgliederversammlung der Ortsgruppe statt. Tagesordnung: Wahlen zur Delegiertenversainmlung in Halberstadt am 14. Dezember a. c. ' Die Zukunft der deutsche» Jude« uud die Orthodoxie. Montag, 1. Dezember, abends 83/4 Uhr, spricht in der Agudas Jisroel - Jugcndgruppe Rechtsanwalt K ahn- Cöln über die Zukunft der deutschen Juden und die Orthodoxie. Zu dieser Versammlung, die in der Liederhalle, Langestr. 26,. stattsindet, sind Gäste — Damen und Herren — willkommen. Der Shhlock von Krakau. Im „U.-T. auf der Zeit", dem vornehmsten Tonbildtheatcr Frankfurts, wird von morgen ab das Drama „Der Shhlock von Krakau", ein Meisterwerk kinematographischer Kunst, gegeben. Die das Stück in einer Privatvorstellung schon sahen, hatten den Eindruck einer von künstlerischem Geiste und sittlichem Ernste erfüllten Leistung vor sich. Kein Wunder, wenn ein Rudolf Schild kr aut die'Titelrolle spielt und ihm Künstler wie Friedrich Kühne Beate Ehren und Lia Rosen zur Seite stehen. Lebenswahr ist das Milieu; in Krakau selbst hat das Ensemble „gefilmt". Die Handlung selbst ist folgende: In der Judengasse wohnt mit seinen zwei Töchtern der Geldverleiher Levi, den kein Armer vergebens um eine Gabe bittet, und der ein Leben voller Gottesfurcht führt, bis das Unglück über - sein Haus hereinbricht und die ältere der Töchter, Rahel, mit einem polnischen Adligen slüchtet. Da geht eine Wandlung mit dem Alten vor, er wird verstört, wirft sein Geld unter die Armen und vergräbt sich in die Bibel. Wundervoll gibt das Schildkraut; und man vergißt ganz, daß da nur ein Film vor uns steht, so unendlich ausgeprägt ist sein mimisches Spiel, das seinen Höhepunkt wohl in der Szene findet, wo er dem Polen gegenübersteht und um sein Kind fleht. Packend und ergreifend ist er auch in der Schlußszene: Rahel, verstoßen und' verlassen, kehrt nach Jahren ins Batershaus zurück. Der Vater kennt sie nicht, aber wie sie auf den: Sterbelager ihr elendes Leben ausgekämpft hat, da verklärt ein milder Zug seine Mienen, und segnend breitet er die Hände über die verlorene Tochter aus. Wer nicht glaubt, daß auch der Film echte Kunstwirkungen zu vermitteln verniag, wird hier eines andern belehrt. Mit großer Liebe für alle Eigenheiten des- Milieus sind die einzelnen Szenen aufgebaut, und auch, wo religiöse Gebräuche zur Darstellung gelangen, macht sich nirgends Trivalität bemerkbar. Die Widergabe des Freitagabends' ist geradezu ein Kabinettsstück. Der Besuch kann nur warm empfohlen werden. Bibliothet des „Montefiore-Lerein". Die Bibliothek des „Montefiore" wird nächsten Montag wieder geöffnet. Die Buchausgabe findet wie bisher Montag und - Donnerstag von 9—10 Uhr abends statt. Die Bibliothek ist durch eine Anzahl neuer Bücher bereichert worden. , Verein für jüd. Geschichte und Literatur Aus den Vortrag, den Dr. Simchowitz, der Dramaturg der Bereinigten Stadttheater in Köln, Montag abend 9 Uhr im Aufträge des Vereins für jüd. Geschichte und Literatur in der Frankfurt-Loge halten wird, sei besonders hingewiesen. Der Redner sowohl als das Thema — „Einführung in die jüdisch-deutsche Literatur" — versprechen eine angenehme und wertvolle Stunde. Die innere Bedeutung des Prophetentums. Donnerstag hielt Dr. R. Scligmann in der Zion. Bereinigung seinen zweiten Bortrag und zwar über die innere Bedeutung des Prophetentums. * Referent ging von dein Standpunkte ,aus, daß der Kampf des Guten mit dem Bösen in der Welt, von dem der ganze Prophetismus beseelt ist, auf einem dualistischen Prinzip beruhen müsse. Die moralische „Forderung", das. „Sollen" könne überhaupt keinen Bestand haben, wenn sie nicht auf einem selbständigen, von der natürlichen Tatsächlichkeit unabhängigen Prinzip süßt. Daher hätten die Propheten, die nach der Meinung des Referenten diese moralische Forderung im Gegensatz zu der in der alten, (wie übrigens auch in der modernen) Welt überall herrschenden indifferenten Tatsächlichkeit zuerst proklamiert und verfochten haben, nicht einer monistischen, sondern einer dualistischen Weltanschauung gehuldigt. Ihr. Monotheismus habe nur darin bestanden, daß sie den. Dualismus zwischen Person und Person, nicht über den zwischen Person und Welt zu überwinden suchten. frankfurter ZsraeMsches FamAenAatt. WaS dieses der Moral zu Gründe liegende Prinzip selber anbetrifft, so erblickt es der Referent in dem Momente des „Persönlichen", das zugleich das „des Absoluten" darstellt, im scharfen Gegensatz zu. dem Momente des „Seins", das zugleich das „des Relativen" und „Indifferenten" ist. Referent unterwarf einer genauen Analyse den Begriff der hellenischen Kunst uud fand, daß diese es vor allem mit dem Leben zu tun hat, aber nicht mit dem der Person, sondern dem Leben überhaupt, dem Leben als solchem, dem „reinen" Leben, das schließlich abstrakt und indifferent ist. Referent findet also, daß auch die von den Hellenen geerbte Kunst nichts vom Persönlichen und also nichts von einer moralischen „Forderung" an sich hat. Das „Persönliche" und mithin auch das „Moralische" sei erst von den Propheten erfunden worden. S. h! Go ld ma n n, der den Vorsitz führte, dankte dem Referenetn für seinen tiefgründigen und formvollendeten Vortrag. Kleine Nottreu. Ein überzeugungstreuer Jude und ein edler Mensch ist in der Person des Herrn Seligmann Rau, der kürzlich dahier in dem jugendlichen Alter von kaum 38 Jahren entschlafen ist, von dieser Welt gegangen. In ihm verliert eine jugendliche Gattin schon nach 5 jährigem, glücklichem ehelichem Zusammenleben einen mustergültigen, treubesorgten, zärtlichen Gatten, eine betagte, würdevolle Mutter einen wahrhaft guten, in seiner kindlichen Liebe und Hingebung keine Schranke kennenden, hoffnungsvollen Sohn; verlieren Berivandtc und Angehörige ein treues, hochgeschätztes Familienmitglied und zahlreiche Freunde und Bekannte einen warmen Freund, einen aufrichtigen Genossen, den sie achteten und ehrten. Als Sohn des vor einigen Jahren in Fürth verstorbenen, ivegen seiner innigen Gottesfurcht und überaus großen Menschenfreundlichkeit in weiten Kreisen rühmlichst bekannten Herrn Raphael Rau s. A. war der Verewigte mit Eifer und Begeisterung allzeit bestrebt, die von seinem srommen Vater s. A. und seiner von. gleicher Gesinnung beseelten Mutter hochgehaltenen Ideale in ungeschmälerter Meise zu fördern. Mit peinlicher Gewissenhaftigkeit erfüllte er alle Gebote des Ewigen. Er heiligte mit geweihten Empfindungen die Satzungen der Religion, und jede Aeußerung seines Handelns und Wandelns war von Liebe und Gerechtigkeit durchzogen. Simon Bamberger, Seniorchef ' der Firma Bambergcr, Levi u. Co.», erhielt den Titel Ko m merz i e n r a t._ Info-mations-u.Uebarsttzungs-Bureau: I. Weinst ein, färL. .BazIrkeFrankfart &.M. a. Wiesba,. Ealserxtrasse 11, Franhtu't am Hain, Telephon 933. I. Baiean k. 1 Tetteht nach Easalaal üalataatz, AmMafte, m». Schiefloasch. Bunte Chronik. Der Beilis.Prozetz Im Film. Mit unglaublicher Promptheit hat eine russische Filmfabrik die Vorgänge im Kiewer Gerichtssaal kinematographisch ausgenommen. In den meisten Städten wurde allerdings die kinematographische Aufführung des Beilis- Prozesses polizeilich untersagt. Origineller als diese alltägliche russische Maßregel war ein Mas der Polizeiobrigkeit des russischen Städtchens Kostroma. Auch iu dortigen Kinematographen bildete der Beilis-Prozeß einen Punkt des Kinoprogramines. So oft diese Bilder an die Reihe kamen, wurde die Musik, welche sonst alle anderen Stücke begleitete, unterbrochen. Der Polizeimeister erblickte jedoch in dieser peinlich traurigen Stille eine Demonstration. Er befahl daher, daß die Musik auch bei diesem Stücke zu spiele» habe, weil ec sonst dem Kinobesitzer die Konzession entziehen würde. Seitdem, wird die Arie aus der Oper „Die Makkabäer" hierbei gespielt. Die Juden in Südafrika. Die Juden genießen in Südafrika im geschäftlichen und gesellschaftlichen Leben volle Anerkennung. Zahlreiche Juden bekleiden auch städtische Ehrenämter. Dagegen ist cs bemerkenswert, daß im Regierungsdienst nur eine ganz geringe Anzahl Juden angestellt ist. Von einem eigentlichen jüdischen Gemeindeleben und' der Pflege jüdischer Gemeinschaftsinteressen ist nicht viel zu spüren. Besonders die junge Generation verhält sich allen jüdischen Angelegenheiten gegenüber kehr gleichgültig. Die einzige wirklich gut organisierte und eifrig tätige jüdische Organisation ist die z i o n i st i s ch e Föderation, der Hunderte von Zweigvereinen im ganzen Lande angeschlossen sind. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß die Erschließung der Gold- und Diamantminen die Juden ins Land gebracht habe. Die meisten angesehenen jüdischen Firmen in Südafrika bestehen schon seit Jahrzehnten und haben sich in langsamer Arbeit ihren Ruf erworworben. Bei den Bergwerken sind zahlreiche Juden als Fachleute aus den verschiedensten technischen Gebieten 'tätig. Die jüdische Schuljugend empfängt ihren Unterricht zum größten Teil, in den Regierungsschulen, die hauptsächlich von jüdischen Schülern besucht werden. Da hier täglich eine Stunde hebräischer Unterricht erteilt-wird und zwar auf Kosten der Regierung, können die Juden meist von der Errichtung eigener Religionsschulen absehen. Für seminaristisch gebildete jüdische Lehrer bieten Pch übrigens in Südafrika vorzügliche Chancen. Russisches Seite 11 Die „Abraham Lwiuu" - Synagoge. Lancz' Palästina-Jahrbuch gibt folgende Legende wieder, die sich bis heute in Hebron erhalten hat und sich an den Namen einer dortigen kleinen Synagoge knüpft. Bor Jahrhunderten zählte einmal Hebron nur zehn männliche jüdische Seelen. Da ereignete es sich, daß ein kranker Hebroner Jude kurz nach Roschhaschonoh nach Jerusalem fahren mußte. Er versprach, vor Jomkippur zurückzukehren. Er wurde jedoch infolge der Verschlimmerung seiner Krankheit zurückgehalten, und am Erew Jomtippur sahen die Leute von Hebron zu ihrem Schrecken», daß sie am Jomkippnr ohne „Minjan" werden beten' müssen. Den ganzen Tag suchten sie in der Umgebung einen zehnten Glaubensgenossen — vergebens. Traurig wollten sie Vorabends ohne Minjan zu beten anfangen, da kam plötzlich aus .her Ferne^ ein alter jüdischer Greis in die Synagoge, noch bevor Sterne sichtbar waren. Darob große Freude in der Gemeinde. Man wies dem Gast einen Ehrcnsitz neben dem Rabbiner an, bei dem er auch übernachtete. Den ganzen Jomkippnr stand der Greis mit dem Gesicht zur Wand gekehrt, f» daß .die Anwesenden sein ehrwürdiges Antlitz nur als er zur Thora aufgerufen wurde, sehen konnten- Abends' nach- Reila verschwand er plötzlich. lieber das Verschwinden war die Gemeinde sehr be- . stürzt, besonders der Rabbiner, der vor Erschöpfung einschlief. Da erschien ihm der Greis im Traume und sagte: „Betrübe dich nicht, über mein Verschwinden, denn ich, .der ich heute mit Euch gebetet, bin — euer Vater Abraham." Hierauf erwachte der Rabbiner und teilte die Traumerscheinung der Gemeinde mit. Daher soll der Name „Erzvater Abraham-Synagoge" datieren. G Leo Schweiiftfest fe O Damenschneider«! empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. (Q Gr. Eschenheimerstr. 19. I_Telef. 12206. Kunst »ud Literatur. Heines Werke. (Goldene Klassiker-Bibliothek, Hempels Klassiker-Ausgaben in neuerer Bearbeitung.) 15 Teile in 4 Leinenbändeni 6 UL Berlin \V. 57, Deutsches Verlags» haus Bong ii. Co. Die „Goldene Klassiker-Bibliothek" hat auf dein deutschen Büchermärkte bisher nicht ihresgleichen. Wer sich früher eine Hausbibliothek unserer großen Dichter und Schriststeller anlegcn wollte, her mußte wählen zwischen Ausgaben, bereu hoher Preis eine Anschaffung im größeren Umfange den meisten unmöglich machte, oder aber die ihre Wohlfeilheit mit minderwertigem Papier, engem Druck und unansehnlicher Ausstattung bezahlten. Die Go 5dene Klassiker-Bibliothek bietet zum eisten Male zu ganz geringem Preise eine Ausstattung, die in bezug aus Einband, Papier und Druck alle Anforderungen eines verwöhnten Geschmacks befriedigen muß. Sedoch das ist nicht der einzige oder wichtigste Vorzug ibliothek. Vielmehr ist durch eine große Zahl erster Fachleute dafür gesorgt worden, daß jede einzelne Ausgabe dem gegenwärtigen Stande der literarhistorischen Wissenschaft entspricht. Ein ausführliches Lebensbild, Einleitungen zu den einzelnen Werken sowie erklärende Anmerkungen sollen dem Leser das Verständnis erleichtern, wie auch dem Fachmann wertvolles Material bieten. Alphabetische Verzeichnisse, Wort- und Sachregister erhöhen die Benutzbarkeit' der Ausgabe. Zahlreiche ausgezeichnet wiedergegebene Portraits, Handschriftenproben und sonstige Abbildungen dienen gleic^eitig zum Schmuck und zur Belehrung. Unlversitäts-Cate “'"“j:!?.1—*~ ■ 1— Eratklaomtgoo Fam Ilion- Oa/d. ==s HF* lässige Preise. -MW _Besitzer; Ennat Dunkof. Spende». Bei der Jüd. Nationalfondskommission gingen ein: Clementine Goldschmidt/Nathan Sondheimer anläßlich ihrer Verlobung Oelb aumspende S. H. auf den Namen seiner Frau Personal der Firma Flörsheim n. Co., 1 dem Brautpaar Kochmann/Selka Frankfurter Jemenitenhans Zur Verlobung' Kochmann/Selka gratulieren Würzburger u. Frau, S. Wolpert u. Frau L 1.— JL, David Hamburger 0,50 UL 2.50Jfc 50.—M 6.- „ Oelbamn 6.— Jfc Allgemeine Mitteilungen. Dieser Tage fand in den Ateliers des Plane» ner Robenhanses (Goethestr. 32, Entresol) zmn ersten- Male eine große Mode-Schau nach Pariser Art statt. Einige junge Damen in elegante Kostüme und Blousen gekleidet, präsentierten sich den geladenen Beschauern. Auf Anregung der anwesenden Besucher - wird die Mode-Schan von jetzt ab jeden Donnerstag von 4—6 Uhr daselbst stattfinden. Crlocken - D rogerie Allerheiligenstrasse 53. Telephon I, 3217. Vorteilhafteste Bezugsquelle für alle Parfümerien, —;—- Seifen und Toilette-Artikel. ■... -41 ii i| j.il ■j| f.» j