Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 46 (21.11.1913)
- Date
- 1913-11-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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!»»--- ---■vär--'-:- Nr 46. cingeladen und ließ es sich dort wohl sein, einen Vinter, einen Frühling und einen Sommer lang. Nein, nicht ganz den Sommer über,' denn im August ging :cr an die See, natürlich an die Nordsee. Die Feuersteins waren gleichfalls in Norderney, „rein zufällig", wie Frau Mathilde betonte; aber .Frau Cassitde beteuerte es mit.den höchsten Eiden: „das Pack'" sei ihm heimlich nachgefahren. Und wie „dieser Verräter von einem Doktor" wiederkehrte, war cr mit Tinchen Feuerstein verlobt, mit der sommersprossigen, rothaarigen Tine, die chre geschlagenen sieben Jahre älter war als Trudchen Wassermann! (Fortsetzung folgt.) IROBflrfMtftsIilBE i 2.50 * 3.50p$ IH aromatisch &■ ausgiebig, billig im Verbrauch. Eine Rttualmordbeschuldigung in Kleinasien. _ Von S. W. ü c ß, Franffurt a. M. Es kommt auch vor, daß Ritualmordbeschuldigungen gutartig ausgehen und nicht erst in langwierigen Prozessen aufgeklärt werden müssen, die wachenlang die Kulturwelt in Spannung halten. Einen solchen Fall erlebte ich im Jahre 1909 in Mersina in Kleinasicn. Kurz vorher hatte es im nahen Adana den Armcnieraufrnhr gegeben, der so vielen Christen das Leben gekostet hatte. In Mersina war es dank der Energie des damaligen Mutessarif zu nennenswerten Unruhen nicht gekommen, aber die Luft war fiebergeschwängert und wohlvorbereitet für Ausbrüche des Klaubens- und des Rassenhasses. Es gibt in dem Städtchen Mersina nicht sonderlich viele Griechen und auch nur wenige Juden, aber der : Abgrund und der Haß zwischen den beiden Rassen ist so groß wie nirgendwo anders. Die Griechen sind felsenfest davon überzeugt, daß die Bekenner des mosaischen Gesetzes alljährlich einige Christenkinder schlachten, um ihr Blut in die Ostcrbrote zu backen. Aber da (sie das so bestimmt wissen, so nehmen sie sich beim Herannähen des jüdischen Osterfestes doppelt in acht und bewahren namentlich ihre Kinder gut. Und so kam cs, daß beim Herannahen des Passahfestes . die Juden in Mersina in tätlicher Verlegenheit waren. Nirgends war ein Christenkind aufzutreiben, aber Blut mußte beschafft werden, koste es, was es wolle. Ta kamen die Söhne Jakobs auf eine teuflische Idee, einen verruchten Gedanken, den sic auch ausführten. Jorgi, t>cr Schuhputzer und Nicoli, der Schuster, haben alles mit eigenen Augen gesehen und eigenen Ohren gehört, und können es noch heute beschwören. Moses, der Sohn Jakobs, der mit den Fellen getöteter Hämmel handelt, schlich sich in einer mondhellen Nacht in den Garten des griechischen Popen. Angetan war er mit langem, weißem Gebetmantel und schwarzen Gebctriemen. Er sprach abwechselnd hebräische Gebete oder fluchte auf die Griechen und die orthodoxe Kirche. Lange schien er nicht zu finden, was er suchte, aber schließlich glückte ihm sein entsetzliches Vorhaben doch, — er hatte die Katze des ehrwürdigen Psarrherrn gefangen und trug das arme, bedauernswerte Geschöpf unter seinem langen Mantel davon. Jorgi, der Schuhputzer, und Nicoli, de.' Schuster, folgten ihm unbemerkt und sahen, wie er seine Beute 'nach der Synagoge brachte. Und nun beobachteten sie durch das Schlüsselloch die Scheußlichkeiten, die sich in dem Bethaus zutrugen. Die ganze Judengemeinde war bereits versammelt,. und als. Moses eintrat, brach alles in lauten Jubel aus. Der Rabbiner aber wetzte ein Messer-und sang Psalmen. Die Katze wurde vor ihn: auf das Gebetpult festgebunden, und nun stach die ganze Gemeinde mit spitzen Messern in das arme, schreiende Tier ein. Tann brachte ihm der Rabbiner einen tiefen Schächtschnitt bei, und die Aeltesten der Gemeinde singen; in einem Eimer das' Blut der unschuldigen Christenkatze auf. Das Schrecklichste aber sollte noch, kommen. In einer Ecke' neben der Helligen Lade hatten die Juden ein Kreuz errichtet und es mit der Aufschrift J. N. R. J. versehen. Die Katze wurde von Rabbiner und Vorbeter an dieses Kreuz geschlagen, und die Juden tanzten schreiend und jubelnd um ihr Opfer herum.' Das alles haben Jorgi und Nicoli gesehen, aber da sie auf einmal Angst bekamen, die Hebräer möchten sie ent» decken, so machten sie sich davon und können leider Frankfurter Israelitisches FamillenKakk. nicht berichten, was sich in der betreffenden Nacht noch alles in der Synagoge zugetragen hat. . Am anderen Morgen aber wußte bald die ganze Stadt, was sich in ihren Mauern begeben hätte, und drohend rotteten sich die würdigen Epigonen des Aristoteles und des Euripides vor den Judenhäusern zusammen. Helden sind die fernen Nachkommen Kalebs und Gideons, des Richters, in Mersina gerade nicht, und so schlossen sie angsterfüllt ihre ärmlichen Lädchcn und verrammelten sich in ihren Häusern. Ihr Glück waren die türkischen Behörden, die zunächst kurzerhand den Jorgi und den Nicoli «insperrten. Tie hatten sich mittlerwelle einen tüchtigen Rausch angetrunken, denn vom vielen Erzählen bekommt man Durst, und Durst löscht man am besten mit Branntwein und am billigsten, wenn er, aus einem erbrochenen Judenladen stammt. Aber auch die Juden wurden einem peinlichen Verhör unterworfen. Es stellte sich nun heraus, daß der verdächtigte Moses seit einigen Tagen verreist und gar nicht in der Mordnacht in Mersina war. Der Rabbiner aber wußte absolut nichts von der Katze. Wie es nun die Juden bei ihren Ritualmorden immer machen, sie wollten absolut nichts gestehen. Der türkische Richter und der Mutessarif, die beide gebüdete und aufgeklärte Männer waren, hatten für die ganze Geschichte nur ein feines Hohnlächeln, wie es die Moslem bei den Streitigkeiten Andersgläubiger oft zeigen und verhinderten energisch den Ausbruch von Unrichen. Die Griechen murrten freilich weiter. Ich weiß nicht, ob die unglückselige Katze sich schließlich wiedergefunden hat, aber es ist anzunehmen, denn sonst wäre es vielleicht doch noch zu blutigen Ereignissen gekommen. Eines aber ist sicher. Die Griechen in Mersina halten seitdem vor dem jüdischen Passahfeste auch ihre Katzen gut in Verwahr. Und aller Wahrscheinlichkeit nach tun sie gut daran, denn auch Katzen sind wirklich zu anderen Dingen da, als um ihr Blut für die Osterbrote der schlechten Juden herzugeben. So aber macht man „Ritualmorde". J. W. Albert, Optik Flts-n. Pincenez Doublö Mk. 7.50, Nickel Mk. 4.00. Weissfrauenstrasse II. Ei ke Nene Mainzerstrasse. Kunst und Literatur. Soziale Ethik im Judentum. Zur 5. Hauptversammlung in Hamburg 1913. Herausgegeben vom Verband der Deutschen Juden. Verlegt bei I. Kauffmann. Frankfurt a. M. 1913. Inhalt: Die Schöpfung des Mitmenschen (Rabb. Dr. Leo Kaeck, Berlin) — Staat und Gesellschaft (Dr. Simon Bernfeld, Berlin) — Recht und Rechtspflege (Justizrat Bernhard Breslauer, Berlin) — Mildtätigkeit (Rabb. Dr. Juda Bergmann, Berlin) — Die Frau im Judentum (Rabb. Dr. Max Eschelbacher, Düsseldorf — Erziehung und Schicke (Oberrabbincr Dr. Moritz Güdemann» Wien) — Volksbildung (Rabb. Prof. Dr. Philipp Blach, Posen) — Der Sabbat (Rabb. Dr. N. A. Nobel, Frankfurt a. M.) — Das Gottesreich (Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Hermann Cohen). Hebr. Kommentar zum Jjob-Buche von David D a v i d o w i t s ch. Mit einer deutschen Beilage „Zur Auslegung des Jjob-Buchcs" von Prof. A. Berliner. Berlin. Verlag von Litis Lamm, 1913. Man kann in diesem Kommentar Nachlesen wo inan will, man findet überall etwas Neues und Interessantes. Das will von einem Koinmentare zu einem Buche wie Jjob, welches eine so unübersehbare Literatur aufweist, sehr viel heißen. Es gehört wahrlich schon etwas Außerordentliches dazu, um in der Hiob-Interpretation auch nur nach Mälbim etwas Neues zu bieten. Zumal wenn man, wie unser Verfasser, nicht auf historische und philologische Untersuchungen sich beschränkt, sondern mit der sinngemäßen Auslegung selbst einen ganz neuen Weg einschlägt. Sehr wertvoll wird dieses Buch durch das Geleitwort des Herrn Professor Berliner, welches das Mter des Jjob- Buchcs zum Gegenstand seiner Untersuchung hat. In feinsinniger Weise zeigt A.» daß, wie die ganze Naturbetrachtung dieses biblischen Buches von einem ägyptischen Gesichtspunkte ausgeht, da der Nil und'das Krokodil in der dortigen Schilderung einen breiten Raum einzunchmen scheinen, so auch kein anderes biblisches Buch soviele ägyptische Worte als dieses aufweist. Daran findet B. eine Bestätigung der talinudischeu Behauptung (Baba-batra 14.), wonach Moses der Verfasser des Jjob-Buchcs sei. Jampel. I ü d i s ch e Ge schichte in Charakterbildern von der Zerstörung des ersten Tempels bis zur Gegenwart von ' S. Müller. Große Ausgabe. I. B. Metzler-Stuttgart, geb. 3,20 JL Das geschmackvoll ansgestattete Buch ist eine große Ausgabe der vor zwei Jahren erschienenen „Jüdische Geschichte in Charakterbildern" von S. Müller. Die Veränderungen, die cs erfahren hat, haben seinen Wert noch erhöht. 'Das gilt nicht mir für den Stoff, der hinzngekommen ist, sondern ganz besonders für die s. Zt. gewünschten Leite 5. Kürzungen, die. vorgenommen wurden. So erscheinen nunmehr die erheblich gekürzten Charakterbilder von Berthold Auerbach, Kompert, Franzos, Mosenthal und Hallgarten dem Rahmen des Buches besser angepaßt. In begrüßen ist auch die übersichtliche Gliederung in Altertum, Mittelalter und Neuzeit und das sorgfältig angelegte Personen- und Sachregister. Außerordentlich praktisch ist die ganze .Bearbeitung' . des weiten Stoffgebietes; besondere Anerkennung verdient die Objektivität, deren sich der Verfasser sichtlich bemüht hat. Alle, die nachbiblischen jüdischen Geschichtsunterricht zu erteilen haben, werden ihm für diese tüchtige methodische Arbeit, die unsre Jugend mit Verständnis und Begeisterung für die jüdische Geschichte zu erfüllen geeignet ist und darum als ein sehr brauchbares Schulbuch sich von selbst empfiehlt, dankbar sein. Aber auch sür unsere schulentlassene Jugend, der es ja leider gar oft an religiöser Fortbildung gebricht, kann das Buch zum Segen sein, und auch der Laie wird cs mit innerer Anteilnahme und nicht ohne Gewinn, an Belehrungen und Anregungen auct fiir Erscheinungen der Gegenwart lesen. R. Mo aus zur jeschuosi. Gesammelte Chanuka-Ausführungen von Frieda Mehler. 70 Seiten. JL 2,50. 1914. Berlin, Louis Lamm.. Inhalt: Die Makkäbäerschlacht. Ein Spiel sür die Kleinen — Ein Chanuka-Lied — Das MC — Der Chanuka-Leuchter — Ans der Makkabäerzcit — Aus bewegter Zeit, Episode vom Ausgang des dreißigjährigen Krieges in 2 Akten — Wir von Judas Stamm', 2 Szenen. Die um ihre Channkaausführungen besorgten Lehrer und Bereinsvorstände können erleichtert aufatmen, — und das danien sie den netten Dichtungen Frieda Metzlers, die soeben bei Louis. Lamm erschienen find. Deutsche Li ad er. Aconatsschrift für Dichtkunst und Kritik. Halbjährlich JL 2.80. Herarisgeber und Verleger: Hermann Kiehm, Frankfurt-Eschersheim. Zierliche Gedichte in zierlichem Gewände für fein gestimmte Seelen. Wiedergegeben sei hier ein Gedicht aus dem Nachlasse des Frankfurter Dichters Gustav Weinberg mit der Ueberschrift „Stimmen der Nacht": „Eine Stimme Hab' ich gehört in der Nacht Eine Stimme von Weinen und Klagen — Der Wind hat mir's zugetragen, Begrab'ncs Leid ist aufgewacht. Der stöhnende Sturm den Laut verschlang. Doch in des Herzens Tiefen, Wo alte Schmerzen schliefen. Da weckt er auf einen Bruderklang. Es steigt empor, es tönt mit Macht, Zum Doppelklang verschlungen — Vom weinenden Winde gesungen. Verhallt die Klage in der Nacht. Harry. Ein Roman aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Edward Stilgebauer. 451 Seiten. JL 4, geb. JL 5. Konstanz, Reuß u. Jtta. Wie mit seinem Götz Krafft hat ^-tilgebauer mit seinem neuesten Romane „Harry" einen großen Wurf gewagt. Denn welch' schwierigere, aber auch welch' dankbarere' Aufgabe kann es geben als die, eine Persönlichkeit, deren Lebenswcrk zu deil unvergänglichen Gütern der Menschheit gehört, selbst lebend hinzustellen, indem man sie zum Mittelpunkte eines Romancs macht. Die feinsten Verästelungen dieser Persönlichkeit heißt cs da aus ihren Werken intuitiv zu erfassen. Ob Stilgebauer dies bei „Harry", bei .Heinrich Heine", 'geglückt ist?, — diese Frage wird die Hcinekenner veranlassen, zu dem Romane zu greifen; wir selbst können die Frage nicht mit einem glatten Ja und nicht mit einem glatten Nein beantworten. Ludwigs Werke. Herausgegeben und mit einem Lebensbild versehen von Arthur Eloesscr. 1. Tell: 342' Seiten, 2. Teil: 370 Seiten, 3. Teil 300 Leiten, 4. Teil: 384 Seiten. In zwei 'Leinenbänden. Gesamtpreis JL 3,50. Berlin, Deutsches Berlagshaus Bong u. Co. ' Wenn man diese neue Ausgabe in die Hand nimmt, will es einem nicht in den Kopf hinein, wie cs möglich ist, 1400 Seiten tadelloses holzfreies Papier mit gediegenem Druck und in vornehmen Einbänden für JL 3,50 zu liefern. Otto Ludwig selbst, der Dichter der Makkabäer, bedarf bei unserem Leserkreise keiner empfehlenden Worte. Wir können uns füglich darauf beschränken, allen, die seine Werke noch nicht besitzen, auf diese neue Ausgabe hinzuweisen. dfdser Friedrich Quelle ■ Offenbach a. X. —— fiegei Gicht and Bheamatfgmaa bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a.V~. Güntheraburg-Allee37. TeUJSftn. 714. Wochen-Kaleirder. (Zeümlgaben nach dem Laach.) SamStag, den 22. November (— 22 Cheachwan.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a M. 4 Uhr 10 Min. Sabbat-Ausgang in Framfurt a. M. 5 Uhr 25 Min. in Berlin s Uhr 52 Min. Wvchcnabschuitt: Chaje-Soro. — Der Tod Saras, die 127 Jahre alt wurde. Der Kauf der Höhle Machpela. Abraham zahlt dem Efraun, der sich anfangs den Anschein gab» als wollte er die Höhle schenken, 400 Schekel. Die Höhle wird Familiengruft .Abrahams. — Jsaks Heirat. Nicht von den heidnischen Mitbürgern Kanaans soll Jsaks Frau sein. Um in Mrahams Familie zu passen, soll sie an ihrer Gastfreundlichkeit erkannt werden. Mrahams Knecht Elieser zieht mit zehn Kamelen,