Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 45 (14.11.1913)
- Date
- 1913-11-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Zahlreichen uns geäußerten Wünschen entgegenkommend, sind ' wir bereit, die Erez Jsroel-Briefe von Nach um Goldm ann in Buchform erscheinen zu lassen. 2er Preis dürfte sich -voraussichtlich auf etwa 2 Mk. broschiert, 3 Mk. gebunden stellen. Wir bitten alle die, die für Erez Israel Interesse haben, um umgehende Vorbestellungen. Me Briefe geben ein wahrheitsgetreues Bild vom Lande unserer Väter und sind in einem glänzenden Stile geschrieben. 'Redaktion des' Franks. Jsr. Familienblattcs. ' Agudas Jtsroel. Die Wiener Jüd. .Volks stimm «bringt in ihrer letzten Numiner einen Leitartikel, in dem sich Max Jung mit der Agudas Jisroel beschafttgr. Jung schreibt: „Die Arbeit ist ins Stocken geraten. Der erwartete Massenanschluß ist nicht erfolgt. Die Grenzen Deutschlands bedeuten auch die Grenzen der Aguda. Ungarn verneint absolut die Notwendigkeit einer Weltorganisation, Rußland erkaltet allmählich, Galizies erwärmt sich kaum hierfür, und in den anderen Ländern stcht man der Sach« zum mindesten sehr skeptisch gegenMer. Der Grund: Mangel eines. groWigigen, über zeugenden Programms. Der Standpunkt Rabbiners Dr. Breuer kann wohl in der „Freien Bereinigung" zur Geltung gelangen. Da geht es an, exklusive orthodoxe Politik zu machen, von kundiger Seit« belehrt zu werden, welches Unheil denk Judentum entstände, wenn „Gemeindeorthodoxe" als Mitglieder der Aguda anerkannt würden. Wenn die deutschen Juden sich das sagen lassen, die ^geistreich schillernde Phrase von den „Paurschim min haztzibur", die Sohn-Breuör als Schlagwort auf die Gemeindcvrthodoxen und hie Separatisten, (die eitwa die Hauptgemeinde. fördern) geprägt, als Erleuchtung feiern, dann denken sie wohl an eine große ,)Chewrast" vieler fromMer Juden. Eine Weltorganisation allör Gesetzestrenön Must eine andere Basis haben. Darüber hätten die Gründer der Aguda klar sein müssen, an diesem Standpunkt hätte nichts gedeutelt wvrdLn sollen. Bald hieß es „A gmda Sy-steM Breuer" bald „Aguda System Rosenheim". Eine entschiedene Präzisiernn.g her nunmehrigen Richtung .erfolgte nicht, mag sein: aus taktischen Gründen. Doch diese; verschwomnlene Physiognv Mio der Bewegung, die ängstlich alle möglichen Masken annahm) mn! nur. allen gerecht ju werden, wirkte mit der Heit deprimierend . . ... Die russischen rabbinischen Größen begrüßten die Aguda als eine Volksbewegung, die versöhnen soll, Herr Dr. Breuer mÄnt) sie möge .abstosten. Man ist wohl auf der ganzen Erde der Meinung, daß für die Beurteilung der religiösen (Zuverlässigkeit einer Person die Art ihres Lebens, ihr Verhalten zur Beobachtung .der MiLwaus von auss.chl'u-A.-- geben-der Bedeutung sei, Herr Dr. Breuer Meint, .die Mtgliedschaft W das Primäre. . Leider hat Dr. Breuer in der orthodoxen Kanzlei in .-Budapest eine willige Genossin. . ." Jung -schließt -seine Ausführungen: „Gebot der' Jugend ein Ideal, das sie! 'begeistert) eine klare Eestnmjrissene Idee: „ErNeuerung,des^' Judentums imr Thoragedst^, — und .sie fliegt euch M Wecket die Hiebe Mr Erez Jisroel in ihrem! Herzen, luhrt sie in die Geschichte unseres Volkes) das nicht zerrissen werden darf durch -Menschliche Anschauungen sondern durch den Wandel der Zeitest, durch Gottes Allmacht zusammxngeschmiödet wurde als ein Ganzes, lasset sie die Tiefe des Satzes erfassen: „Kol Jisreol arewim seh Äoseh" . ... und ihr :-HM die „Agudas Jisroel^ gegründet." Mr sehen lange nicht so pessimistisch in hie Ker.UWä'-Me.Hqx Zhvtg.- M .ist urphl; pranches versäumt worden, — hoch das Versäumte- Wird sich zum Teil noch heute wieder gut machen lassen. . Eines ist sicher: wenn die Aguda bis heute noch nicht weiter gekommen ist, und wenn sie nicht die Bedeutung erreichen sollte, die sie erreichen könnte, .so darf Man sich in erster Linie dafür bei Herrn Rabbiner Dr. Breuer bedanken. Das Recht auf Propaganda. Heini: ich Mar gulies, früherer Vorsitzender des Vorstandsvereines Breslau. (Schluß.) Denn so liegt der Tatbestand: wir Zionisten, die wir die Zukunft des Judentums nur durch nationale Erziehung gesichert sehen, betrachten es als unsere heiligste Aufgabe, für diese Erziehung zu kämpfen! Wie könnten wir es vor uns selbst, wie vor der Geschichte und den kommenden Geschlechtern verantworten, wollten wir zngeben, daß kaum der Assimilation entronnene Männer unsere Jugend blind an uns, dem Volke, vorüber führen! Daß sie die Jugend, die heute, wie selten eine Generation, sehnsüchtig nach Führern bangt, die ihnen Ganzheit, Eindeutigkeit, Stärke und Unbedingtheit lehren, zum Zwitter und zur Halbheit führen! Verbrecher wären wir an unserem Volke, Mitschuldige an der Untat des Mordes! Noch bäumt sich jeder Nerv in uns, denken wir an die jüdische Zukunft, noch sind wir unlöslich Eins mit dem jüdischen Volke, noch gibt es für uns kein Leben in einer Welt» die keinen Raum hat für unser Volkstum! Und solange dies ist, werden wir mit allen unseren Kräften kämpfen für die nationale Erziehung, uns einsetzen für die Idee, die wir zur Herrin machten über uns und der wir dienen, „wenn wir aus» stehen und wenn wir uns niederlegen." Kein Recht zur Propaganda? Wir haben die Pflicht zur Propaganda — immer und überall — denn sie ist unser Leben — — Da entstand dieser Verband. Keine andere Aufgabe hatte er, als die jüdische Jugend jüdisch zu erziehen. Kein Wort darüber, in welchem Simie jüdisch. War es nicht selbstverständlich, daß wir als die ersten auf dem Plan erschienen? Verstand es sich nicht von selbst, daß nir herbeiströmten, um mitzutun an der jüdischen Erziehung, die ja in unseren Augen nur eine nationale sein konnte? Da begingen wir einen Fehler: wir glaubten an die Möglichkeit eines Kompromisses; an die Möglichkeit, mit Männern wie Dr. Apfel und Lichtenberg gemeinsam jüdische Arbeit leisten zu können. In diesem Glauben arbeiteten wir mit, wurden die Stützen vieler Vereine. Statt, von vornherein offen und konsequent eine Oppositionspartei zu bilden, glaubten wir, in gemeinschaftlicher Regierung jüdische Werte erzielen, zu können. Aber wir erkannten bald: es war ein unmögliches Beginnen. Man zog uns zur Regierung zu, um uns lahm zu machen. Als wir dies endgültig erkannten, kamen die vielgeschmähtcn Posener Beschlüsse: Wir verzichten unter diesen Umständen, das war ihr Sinn, auf jede weitere Regierungsarbeit. Die Mitgliedschaft aber wahren wir uns, um die Entwicklung kontrollieren und einen besseren Zeitpunkt abwarten zir können. Klar und offen: wir verzichteten daraus, Regierungspartei zu sein und proklamierten uns als Opposition. Wir lehnten die Zumutungab, Arbeit zu leisten, die doch nicht uns zugute käme. Wir wollten uns abwartend verhalten, durch Opposition versuchen, so weit unser Einfluß reicht, dasür zu sorgen, daß die programmatisch erstrebte jüdische Erziehung auch wirklich jüdisch, d. h. nationaljüdisch erfolge. An diesem Tatbestand ist bisher nichts geändert. Und so betrachten wir uns nach.wie vor als eine Oppositionspartei im Rahmen des Verbandes. Wir vertreten sein Grundprogramm: jüdische Erziehung, bei völliger Toleranz allen Richtungen gegenüber. Nicht gegen dieses Prinzip wenden wir uns, sondern nur gegen die jetzige Regierungsmajorität. Solange sie besteht, wird sic von uns keine Unterstützung finden, es sei denn in den Punkten, in denen sie national arbeitet: Pflege der hebräischen Sprache, Förderung der Turnerschaft. In allen anderen Punkten: radikale Opposition. Dr. Apfel pfeift auf uns. Verbittet sich parteipolitische Mitarbeiter. Woher nimmt er sich das Recht? Bereits vor Jahren setzten wir auseinander: wenn man schon unsere Tätigkeit eine Parteipolitische nennen will, so kann man keinen anderen Namen für uns finden als - die Partei des Alljudentums, die gegen die Partei des Halbjudentums kämpft. Und die hat keinen Zutritt zum Verbände? Zwischen uns und jenen Berbandsmitgliedern, die ans der Grundlage der hebräischen Sprache und Ge- , schichte-stehen, gibt es nur einen Unterschied: Wir sind die Radikaleren. Wem gibt das ein Recht, uns die Tür zu weisen? Wir sind nicht reaktionär und auch nicht liberal genug, um den Vorwurf zn scheuen, daß wir um* stürzlerisch wirkten in diesem Verbände. . Wissen wir doch das eine: der Weg zu gesunder Reform führt nur über den Radikalismus! *) Wir geben dem temperamentvollen Aufsatz in unserer Zeitung Raum, ohne uns mit allen Einzelheiten seiner Ausführungen einverstanden zu erklären. Besonders können -wir nicht dem Tpne beistimmen, in .dem der Untor die Angriffe gegen Dr. Apfel richtet, wenn wir auch die Heftigkeit-der Sprache als Replik auf. die im! Tone ^ebenso ungehörigen Bemerkungen des Herrn Dr. Apfel gegen die zionistischen Mitglieder her Jngend-Vereine wohl begreiflich finden. Es wäre jedenfalls gut,- daß die Frage des Verhältnisses zwischen dem Verband der Jugendvereins und (einen zionistischen Mitgliedern aufgeworfen und diskutiert wird, wozu ja der vorstehende Artikel Anlaß gibt. Denn wir betrachten diese Frage als recht bedeutsam für die Jugendvereine. Wir selbst haben bereit-) anläßlich des VerbandstageS die Frage besprochen und unseren Ltandpnnkt dargelegt. Wir würden es aber begrüßen, wenn vorher aus _ den Kreisen der Berbandsleitnng jemand das Wort ergriffe und den Standpunkt des Vorstandes in dieser Sache klar und präzis auseinandersetz.cn würde. D. Redakt. G Leo Sohweinfest i Damenschneider«! empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung, W Gr. Escfaeahelmeratr. 19. I. Telef. 1220g. Wt PerfoEe» «. Kleine MitteUrmse«. Berlin 12. Nov. Der Kaiser erschien gesteinabend gegen 6 llhr bei Frau Geheimrat Goldberger in der Drakestraße 3, wo er sich vorher hatte amnelden lassen. Der Kaiser sprach Frau Geheimrat Goldberger sein Beileid zum Tode ihres Gemahls .aus, nahm Sei* . ihr den Tee und verabschiedete sich gegen 7 Uhr, um in das Schloß zurückzukehren. Berlin. Dr. Hans Ko-hn, Prosektor beim Poti» klinischen Institut für innere Medizin, und Dr. E rn dl Mannheim, Privatdozent in der phil. Fakultät der Universität Bonn, erhielten das Prädikat Professor, Stratzbnrg Dr. Leo nid Mandelstam, Pcipatdozentsür Physik, erhielt den Titel Professor. — Kreisarzt Dr. Meyer in Saarbnrg erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse. Mittelsiun. Markus Marx ist zum SaltuS» Vorstand gewählt worden. (L.) Posen. In Gnesen wurde Kommerzienrat Rogowski als Magistratsmitglied verpflichtet und in Cron« Stadtältester Alexander Cohn pt Maaistratsdetgeord'neten gewählt. — In Berlin verschied Hermann Licht, früher Vorsteher der jüdischen Gemeinde Pndewitz. Breslau. Infolge Ueberfahreys durch die Trambahn verschied .Dr. med. Max Heilborn im 68. Lebensjahre. — . Sanitätsrat Dr. Heinrich Friedländer erhielt den Titel Geheimer Sanitätsrat und 'Schriftsteller Karl Bilerfeld den Kronenorden 4. Klasse. Budapest. Ueber len im 4L. Jahre verschiedenen Dr. Heinrich Jncze (Israel) schreibt die „Ungar!. Jüd. Zig.": „Der arme, lahme Jeschibahbachnr hat sich in verhältnismäßig kurzer Zeit zn einer in Budapester gesellschaftlichen und literarischen Kreisen geachteten Person metamorphosiert. Heinrich Israel ist aus Ragyvarad gebürtig »besuchte die Pozsonyer Jeschiba, wo er sich Äs Redner hervortat und ein ung. orth. Organ „Magyar Zsido" gründete, das aber nach zwei Monaten eingrng. Er ging dann nach Frankfurt -und Budapest und wurde Sekretär am Lustspieltheater. Er hat auch ein Libretto zur Operette „Uj söldesnr" geschrieben. In letzteren Jahren wurde er Stadtrepräsentant und Stadtrichter. Er gründete den' isr. Frauenverein des V- Bezirkes, betätige sich journalistisch im „Neues Pol. Volksblatt' und gab einen Schauspieleralmanach heraus. Ragy Tapoloesaatz «Ungarn). Frau Lotto Levt'n wurde am 6. Cheschwan nach langem» schweren Siechtum zn Grabe getragen. -Voll aufrichtigen «chmerzes wurde die Dahingeschiedene zur ewigen Ruhe gebettet. Es trauert um sie die Familie, eine große Freundesschar, denen die kluge, liebevolle Beraterin nicht ersetzt werden kann, und die in Dürftigkeit Lebenden, denen sie mit ihrem gütigen Herzen und hilfreicher Hand zur Seite stand. Sie war eine Esches chajil in des Wirtes volljftr Bedeutung, voll frommer Gottergebenheit, Güte und Biederkeit. Rom. Der König hat Dr Bellom PaScarolo Prosessor an der Universftät Turin, und Signor Gabriele Pincherle, Sektionspräsident im Staatsrat, zn Senatoren ernannt. Die Anzahl der jüdischen Senatoren ist nunmehr ans vierzehn gestiegen. Konftautinopel. Samuel Efsendt J.sraeft. ist soeben zum politischen Leiter des Departements für öffentliche Sicherheit im ottomanischen Reiche ernannt worden. Die Erhebung eines jüdischen Beamten auf einen so wichtigen Posten geschah in Anerkennung des Heldenmutes, den Samuel Efsendi bei der Verhaftung der Anstifter des aus den Großwesir Mahmud Schefket Pascha verübten Attentates bewiesen hat. Samuel Mendt» der kaum 35 Jahre alt ist, hat bereits eine hangjä^cige; erfolgreiche Laufbahn in der Polizeiverwaltung hinter sich. PnriS. Bankier Samuel Snul-Merzbnch ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. r Teppichhaus Hbub flalnzBrstp. Z2,Echo FplBdsssstp. J «as oer zioutMlye» «eroeftHÄg. München. Auf einem vom Zionist. Gruppen» Verband Bayerns an Se. Majestät König Ludwig HI. ab gesandtes Huldigungs telegramm namens der Zionisten Bayerns, traf beim Vorsitzenden des Verbands, Herrn I. Frankel folgendes Telegranyn ein: ' „Besten Dank für den Huldignngsgruß zn meiner Thronbesteigung Ludwig." 4780