Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 44 (7.11.1913)
- Date
- 1913-11-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 pe 41| I I erl nJ enl ml zul enl u.r n.l >41 ll-I en| t. II Die Syrian Exploration Et);—. Sitz: London luub Haifa — nimmt bei El Makarin (125 Kilometer von lyctifrt) Bohrungen nach Petroleum i„r. Rach Ansicht der Bohrmeister durfte sich dieses I,rst in 350 bis 400 Bieter Tiefe finden. I Auch am Westufer des Toten Meeres sind — von Idem deutschen Geologen Dr. M. Blankenhorn — Pctroleum- I (Hielten entdeckt worden. I Neben der genannten englischen Gesellschaft ist neucrlOigs eine amerikanische Gesellschaft ins Leben gerufen I morden, die gleichfalls Bohrungen unternehmen will. Auch I in der Nähe von Beirut hat man vor kurzem eine iPetroleummine entdeckt; für deren Ausbeutung interessiert 'sich der ägyptische Prinz Jussuf Pascha Kamel. Schneiderei Crössmann KaisBP*tnaB*o lOa, Erttposoi. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Kieider» | Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. | Solide Preise. — Auf Wunsch zuverl. koschere Verarbeitung. J . Besiegt. Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) „Und darüber soll ich mich nicht .aufregen?!" fuhr sic ihn an. „Habe ich Deinen Gleichmut, der ruhig mit anseheu kann, wie sich sein Kind zugrunde richtet?" i Sic kreiselte wie ein Wirbelwind umher, stellte das ganze Zimmer auf den Kopf, an jedem Gegenstände einzeln durch Darüberstreichen und Rücken und Abstauben ihren Aerger auslassend. Plötzlich blieb sie stehen und sah ihren Mann mit einem Blick an, ungefähr wie ein hauptmann seinen Burschen, den er drei Tage in den Ästen steckt; dann sprach sie mit dumpfer Stimme: „Du fährst morgen hinüber zu dem Jungen! Ter Schnellzug geht zehn Uhr dreißig; in einer Stunde bist Du angclangt, — um drei Uhr kommst Du nach Haus! Brauchst — Gott vcrhiit's —, wegen solcher Bagatelle nicht in den Schabbes hineinzufahren? Da hast Du Zeit genug, und dielveil . . ." Jakob räusperte sich, aber Frau Cassilde schmetterte: „Keine Widerrede! Du bringst mir die Sache auseinander!" „Und wenn sich unser Junge Deine Weigerung zu Herzen nimmt und nach 'Amerika geht?" fragte Vater Jakob kleinlaut. „Da kmin ich ihm auch nicht helfen," grollte die Gattin; „meinethalben kaufe ihm das Billet!" „Und wenn er dann das tut, was, leider Gottes, schon Manch anderer getan hat?" „Was?" fragte Frau Cassilde argwöhnisch. Jetzt faßte sich Vater Wassermann ein Herz und' sprach so fest er nur konnte: „Du wärst nicht die erste Mutter, die ihren Söhn durch Eigensinn und Habsucht ins Verderben treibt. Und wenn er nun hingeht und heiratet aus Trotz eine Andersgläubige?" „Bist Du verrückt?!" schrie Frau Cassilde. Und dann besann sie sich auf ihre angestammten Frauenrechte und begann zu weinen. Das besorgte sie sehr gründlich; sie weinte den ganzen Tag, bis der Abend hereinbrach. Da war Vater Wassermann mürbe und seufzte: „Also ich werde morgen hinübcrfahrcn! Sei nur still! Ich bringe cs auseinander." „Wohin willst -Du denn?" fragte Frau Cassilde, die auf einmal aus ihrer Tränenstimmung in ihre alte, forsche Borstigkeit zurückgekehrt war. „Wozu nimmst Du Hut und Stock?" „An die Luft," erklärte der Mann. „Nach einem Tag so voll Aerger hat's einer wohl nötig!" „Geh," sagte sie gmiz weichmütig über ihren Zorn gegen den nachgickigen Gatten, „geh, Väterchen!" Sie sah chm nach, wie er durch das Wäldchen, den einzigen Erholungsort des Städtchens, schritt; als er sich aber aus dem Bereich der liebenden Gattinaugcn wußte, machte Vater Wassermann auf einem Seitcnpsade kehrt und ging auf Umwegen nach der Post. Hier gab er, — ein unerhörtes Wagnis! — ohne Wissen seiner Frau ein Telegramnr an seinen Sohn auf mit folgendem Wortlaut: „Komme morgen 11 Uhr dreißig nach dort betreffs Deiner Verlobung. Gruß Vater!" „Was braucht mein ariner Junge zu erschrecken?" murmelte er, „so wird er wenigstens wissen, um was es sich handelt." J- W. Albert, Optik Fi.tsu.Pincenez Double Mk. 7.50, Nickel Mk. 4X0. Weissfrauenstrasse II« Ecke Neue Mainzerstrasse. Frankfurter Israelitisches gmmRenBlati. Und mit heimlicher Vergnügtheit kehrte er durch das Wäldchen wieder nach Hause zurück. * Jakob Wassermann war soeben ein wenig schwerfällig dem Bahnwagen entstiegen mrd sah sich mit seinen kurzsichtigen Träumeraugen in dcnr Gewühl der Reisenden unruhig nach seinem Sohne um. Auf dein Perron schoben und drängten sich eine große Anzahl Menschen, die alle riesige Eile hatten, nach der Stadt zu gelangen, und viele geberdeten sich, als ob ihnen der stillsuchende Mann mit seiner langsamen Ungeschicktheit recht im Wege wäre. „Sollte mich Heinrich verfehlt haben?" dachte er, als sich gerade eine ivarme, weiche Hand in seinen 'Arm schob und eine zweite Hand gmiz resolut Nach seiner Reisetasche griff. Ein großes, sehr hübsches Mädchen stand vor ihm, gab ihm mitten auf den Mund einen herzhaften Kuß und sagte: „Guten Tag, Vater! Sei herzlich willkommen! Ich bin Heinrichs Rosa!" Und dann winkte sie einer Droschke, schob Herrn Wassermann hinein, setzte sich mit all ihrer Lieblichkeit neben ihn und breitete sorglich eine Decke über seine Kniee; denn es war kalt und regnerisch an diesem Tage. „Du mußt Heinrich entschuldigen," begann sie, — >vas für eine warme, klangvolle Stimme sie hatte, und solch eine feine, anmutige 'Art zu reden, dachte Jakob, als Rosa fortfuhr: „Er hat gerade um diese Stunde eine Besprechung mit einem Berliner Grossisten, der nur heute hier anwesend sein kann, und da bat ich ihn, mache mir die Freude und lasse mich den Vater' von der Bahn holen. Und sichst Du, ich habe Dich sofort erkmmt; mein Heinrich ist Dir ja auch wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich . . . Die Mutier ist doch gesund, nicht tvahr? Wir haben uns halb toll gefreut, als wir gestern Dein Telegramm bekamen." Vater Jakob saß da wie ein armer Frosch, den eine junge Störchin in ihr Nest getragen hat und den die gefürchtete Feindin nun, statt ihn zu verzehren, mit fetten Mücken und rundlichen Brummflicgcn füttert. Er wollte, gewissenhaft, ivie er eigentlich war, mit einigen Bemerkungen das Mißverständnis aufklären; aber wenn er in die fröhlichen Mädchcnaugen sah, die mit so zärtlich-liebevollem Glänzen in die seinen blickten, brachte er es nicht übers Herz, den Glückswahn des holden Geschöpfes zu zerstören. Er sagte zu dem fröhlichen Geplauder immer nur: „Ach so! Ja, ja!" ließ sich'» unter den sanften Blicken wohl sein und schmunzelte, locnn ihn die weichen Mädchmhände liebkosten und streichelten. „Ich werde schon mit Heinrich reden." Hinter diesem Borsatz verschanzte er sich mit einem großen Aufwand von Energie. Im übrigen war es gar kein so übler Gedanke, Vaterrechte über solch ein anmutiges Wesen zu besitzen. „Weißt Du," schmeichelte der frische Mund da vor ihm, „solch einen Schwiegervater wie Dich habe ich mir immer von Herzen gewünscht!" Uff! Da hielt der Wagen vor dem Hause von Meyer und Compagnie. Jakob Wassermann sah zlvei breite mit Textil-Erzcugnissen — „fertiger Damenkonfektion" — dekorierte Schaufenster und in der Lädentür eine hervorragend rundliche Dame, die nun an den Wagenschlag herantrat und ihn mit freudestrahlender Miene willkommen hieß. „Das ist reizend von Ihnen, Herr Wassermann," rief sie, ihm im Verein mit dem jungen Mädchen aus dem Wagen helfend. „Aber warum haben Sie Ihre liebe Frau Gemahlin nicht auch mitgebracht?" Da faßte sich Herr Wassermann ein Herz und sagte mit allem Mute, dessen seine Heldenseele fähig war: „Meine Frau läßt bestens grüßen." „Komm nur, Vater, Du mußt hungrig sein," drängte Rosa, und sie führte ihn ohne iveiteres in das' Speisezimmer. Das Mahl war vorüber, und cs war sehr gut gewesen: bei Meyer und Compagnie aß man einen überaus schmackhaften und auch recht reichlichen koscheren Bissen, benetzt von wie Oel hinuntergleitcndcm Külmbacher und einem fanwsen weißen Bordeaux, den der Hausherr zur Feier des Tages gestiftet hätte. Freilich, dieser Hausherr war noch gar nicht sichtbar gewesen, mrd der Schwerenöter, sein Heinrich, auch nicht. Die Hausfrau klagte, die Männer kämen alle Tage später zu Tisch, sic speisten oft in vier, fünf Parteien. Rosa werde heute wegen der Anwesenheit „ihres künftigen Schloiegcrvatcrs" von ihrer Tochter Sidonic im Geschäft vertreten, und. das sei eine große Gefälligkeit von Sidvnie. Uebrigens sei ihre Tochter auch schon mehrere Monate verlobt mit dem Reisenden des Hauses, und „da wäre es doch sehr nett und im Interesse des Geschäftes sehr gut, lucuii die Pärchen an einem Tage, — ich meine, meine Sidi und ihr Ber- Eeitr 5. lobtcr und Rosa und Ihr Heinrich an einem Tage Hochzeit machten —, natürlich am Sonntag oder am ersten Weihnachtstag, wo doch so wie so fest geschlosseu sein muß. Was sagen Sie dazu, Herr Wassermann?" Herr Wassermann sagte: „Ja, ja! Das wäre sehr praktisch." In Wahrheit aber wußte er schon längst nicht mehr, ivas um ihn her vorging, wer bei ihm ivar, und was er hier sollte. Tie Reise, sein Auftrag, das wirklich auserlesene Mahl, das alle' Kochkünste Frau Cassildcns tief i n den Schatten stellte, der weiße Bordeaux, das Lächeln Rosas und die Freundlichkeit der Wirtin hatten ihn in einen geistigen. Dämmerungszustand versetzt; auch das viele Starren nach der Tür, durch die Heinrich eintreten sollte, — er konnte sich kaum mehr aufrecht halten vor Müdigkeit. Nun öffnete sich wirklich die Tür, und Meyer und Compagnie erschien: ein kleiner, energischer Herr in mittleren Jahren, den sehr dunklen Schnurrbart stramni aufgewichst, kurz, resolut, jeder Zug ein Feldherr der Damen-, Mädchen- und Kinderbekleidungsindustric. Er schüttelte Herrn Wassermann die Hand und schnarrte wie ein höherstehender Militär: „Angenehm! Angenehm! Freut mich sehr!" Und da saß er schon, die Serviette auf den Knieen, den Löffel in der Hand, aß und sprach im Galopp. Herr Meyer hatte keine Sekunde zu verlieren. „Wirklich prächtig, Herr Wassermann, daß Sie selbst gekmnmen sind. Bangte schon, es ioürde Ihnen nicht passen, daß meine Nichte keine direkte Barmitgift, — verstehe, — verstehe . . . Ihr Sohn hat nicht nötig, darauf zu sehen. Allerdings ist die Filiale, die ich ihm übergebe, das heißt, die Tantiemen davon sind so gut wie eine Lebmsrente. Ich kann Ihnen nur sagen: Ihr Söhn ist ein gerissener Junge', der weiß, was er tut; — meine Nichte, — will sie nicht loben, — wächst mir ohnehin bald über den Kopf, — aber versteht was! Meine Schule! . . Mahlzeit! Mahlzeit!" Herr Meyer warf schmr wieder die Serviette zurück. „Zigarre gefällig, Herr Wasicrinann? . . . Wollen sich bischen hinlegen? Recht so! . . . Auf Wiedersehen heute abend!" Herr Meyer ivar längst wieder hinaus, und Jakob überlegte noch immer, was er chm sagen wolle. „Komm, Väterchen, Du nimmst jetzt rin paar Augen voll!" Vater Wassermann ließ sich widerstandslos in ein durch grüne Vorhänge verdunkeltes Gemach bringen, wo er sich bald auf einem weichen Divan behaglich ausgestreckt fand, gut eingewickelt in eine warme Decke. Er schlief bereits fest, als irvch einmal die Tür ganz leise ging, und ein paar Lippen sich auf seine Hand preßten, nur daß diese Lippen seine Haut streiften, etwa als ob eine weiche, ganz feine Bürste darüber fahre: Sein Heinrich war gekommen. Die Turmuhr schlug vier Uhr, und das Glockenspiel, das die Kirche weit und breit berühmt gemacht hatte, begann eben: „Großer Gott, wir loben dich", als Vater Wassermann erwachte. Vier Uhr! Er ivar sofort Herr der Situation, das heißt, er zog alle Konsequenzen seiner Lage. Erstens hatte er seinen Zug versäumt, — der nächste ging sieben Uhr fünfzehn. Unmöglich für ihn, sich dessen zu bedienen, da war der Sabbat längst Herr über die gesamte Judenheit. Und zweitens hatte er seinem großen Schlingel, seinem Heinrich, iwch immer nicht das Licht aufgesteckt, das seine Frau zu Haus, in Feuer und Flamme hielt. (Fortsetzung folgt.) S&alser Friedrich Quelle —— OMhuh s. 1L - (Siegen Gicht «ad Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frledrloh Stahl« Frankfurt a. M., Günthersburg-Allee 37. TeL259 u. 714. Wocheu-Kaleuüer. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 8. November (— 8. Cheschwan.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 25 Min. Sabbai-AuSgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 40 Min. in Berlin 5 Ubr 10 Min. Wochenäbschnitt: Lcch-lecho. — Gottes 'Aufforderung an Abram — so hieß er damals —, die Heimat zu verlassen und sich, in fremdem Lande anzusiedeln. Abram kommt dem Befehle nach. Tara und Lot ziehen mit. Ueberall verkünden sie Gottes Namen. Im Lande Kanaan offenbart sich ihm Gott von neuem, ihm Land und Nachkommen verheißend. Wegen der Hungersnot zieht 'Abrain nach Aegypten. Der dortige König raubt ihm Sara, muß sie aber, nachdem Gott ihn mit Strafen heimgesucht, wieder Abram zurnckgeben. 'Abram erhält reiche Geschenke, zieht wieder nach K'anaan zurück.