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Neue jüdische Presse · 1913-10-31 · Heft 43 (31.10.1913) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 43 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43. 6723fort der imbahn. eMfciheraus: fleißige ter Kitts, beiurmelte meiner, Frau! ortressirgrund etwas :r Zeis Hantln, d« rotzdem :r wolkennen. l, «ich ht, wie x Ge- £ Lieiädcheu ltet sie nemals als sie c erben x noch ten erlchkoma nur g fpöttvürdc 'sagen; das ist Vaters >N kleirn bcilN ÄII- : leben, n eine l auch Mädel. Sohn en auf n zehn r keine o wirst Vater ner am r Torls sie ied zu t nächgsbrief weiinal en von wußtcr ch ein ß seine Grunde er von rstärke ld die Keilage za ilc. 4Z Natnrwiffenschaft uud Gottesglaube. (Aus einem Vortrag.) Von Bezirksrabbiner Dr. Benno Fischer in Palänka. (Fortsetzung.) Wilhelm Herschel (1738-1822), der „ColumNus der FiMernwelt", dör seine glänzenden Entdeckungen selbWonstruierten Entdeckungsmitteln — vorzüglich seinen selbstgvschliffenen Teleskopen — vcrdantte; der Nciwtons Grundgesetz der Weltkörperliewegung auch auf das Transsaturnische übertrug und die Entdeckung der Gravitation, als kosmische! Grundkraft, nicht nur auf das Planetensystem oder die nähere Sonne-ilumgebung, sondern auch auf die Fixsternregionen anwendete, und! '.somit die transolare Astronomie, die Fixstörn-HimMelskunde in wissenlicher Fassung begründete; der vor allem durch seine Großtat, die Uranusentdeckung, die! Pforten der alten Hinrmelsforschung mit ihrer Meinung, daß jenseits des Saturn sofort die Fixsterntveilt beginne, sprengte und den Weg in die unerforschten Tiefen der jenseitigen Sternenzelt bahnte; der insbesondere durch seinen Riesenteleskop die Tiefen der HiMmelstüelt, in die bis dahin noch kein Menschlicher Beobachter vorzudringen wußte, erschlossen, und viele hunderte von Phänomenen an dem Sternenhimmel — wie: den Saturnring und Jupiters-Monde, wichtige Wahrnehmungen an den Kratern des Mondes und an dem veränderlichen Stern im Walfisch-Sternbilde, eine Menge neuer Fixsterne, die beidm ersten Uranusmonde, die verschiedenen neuen Mondvulkane, zahlreiche Mondflocke, Nebelsterne, Sternhaufen — entdeckte, war zwar kein stark ausgeprägter religiöser Charakter, doch ist er als Gottesgläubiger zu erkennen, der für den Gedanken eines göttlichen Waltens im Bau des Weltganzen Raum gab. Zuerst von Locke (Versuch über den menschlichen Verstand) beeinflußt, später als .Anhänger der Gedanken Kaat's in seiner „Allgemeinen Naturgeschichte des Himmels" ein theistischer Naturphilosoph, eignet er sich die Theorie der Weltentstehung auf dem Wege einer Evolution der einzelnen Himmelskörper aus rotierendem Ilrnebel an; dann aber in seinen kosmologischen Anschauungen auf Newtons Gedanken sich stützend, ist schließlich die Grundvoraussetzung seiner'Kosmiophysik: die Idee Aon der göttlich geordneten Harmonie des Weltganzen. Der Gedanke von der Allmacht und Weisheit des Schöpfers als ordnende und erhaltende Grundursache der Bewegungsverhältnisse der Sternenwelt ist eine Hauptstütze seiner Theorie. Die Anziehungskraft oder Gravitation im Newton'schen Sinne ist ihm die alles bis in die fernsten Fixsternwelten hinein tragende und gestaltende Grundkraft des Universums. Diese Anziehungskraft würde jedoch für sich allein nichts als einen Fäll aller Körper aufeinander bewirken. Daß solcher allgemeine Zusammensturz nicht stattfindet, bewirkt die Tangentialkraft (oder Zentrifugalkraft) der Umlaufsbewegungen und zwar kraft des ihr zugrunde liegenden göttlichen Waltens. Gott.verhindere, daß die Haufen der Sterne nicht von selbst aufeiuanderstoßen, vielmehr durch Gottes weise Veranstaltung halten die verschiedenen Teile der Welt einander das Gleichgewicht. Hieran anknüpsend, erwähnen wir gleich den jüngeren Herschöl (1792—1871), einzigen Sohn des großen Astronomen, einen hervorragenden .Vertreter des physischgeographischen Forschungsberichts wie der beobachtenden und rechnenden Astronomie, der sich in seinen Schriften deutlicher und wärmer als sein Vater für dsn Gottesglauben ausspricht. John Herschel erwarb sich durch seine astronomischen und physischgeographischen Forschungen, wie Bestimmung der Bahnen .von Doppelsternen, Sternmessungen, Nebelflecke, durch seine Verzeichnisse der Sterngruppen, womit er eine ganze Topographie des Himmels gab, wie durch seine meteorologische Forschungen den Ruf eines Naturforschers ersten Ranges. In seiner Naturbetrachtung legte er großes Gewicht auf das teleologische Prinzip. So bezeichnet ieir als „Ziel der physischen Geographie: die gesammelte und angehäuste Menge von Einzelheiten als ein harmonisches Ganzes Wdend. darzulegen, .vereinigt durch wechselseittge Beziehungen und Einwirkungen und einem großen Plane unterworfen" (Physical Geogr. p. 3). In seiner Einleitung .in das StudistM der Naturkunde (Prslimiaary discourse on the study of Natural Philosophy, 1830) spricht er die Ileb^zeugung aus, daß die zweckvolle Einrichtung des Universums eine gottgewirkte sichtbare Parallele bildet zur Welt des Geistes. Gottes Größe und Weisheit findet er im Universum abgebildet, in den durch Teleskop enthüllten unermeßlichen Welträumen, wie in den unendlich kleinen Naturvorgängen. Daß Naturforschung und Gottesglaube einander stärken imd fördern, spricht er in folgenden Sätzeü aus: „Nichts kann nngegründeter sein, als der seitens wohlmeinender aber beschränkter Personen dem Studium der Naturkunde gemachte Vorwurf, daß es-znM Zweifel an der Unsterblichkeit der Seele und an geoffenbärter Religion verleite. Die natürliche Wirkung muß, wir können es versichern, auf jeden wohlbeschafsenen Geist gerade die entgegengesetzte sein. Ohne Zweifel muß das Zeugnis der Naturforschung, welcher Art es auch sein mag, bei solchen Wahrheiten notwendig aufhören, die durch Offenbarung bekannt zu werden bestimmt find. Aber da es Gottes Existenz und hauptsächlichste Eigenschaften auf solche Gründe baut, welche den Zweifel unvernünftig und den Atheis- Mus lächerlich machen müssen, so setzt es weiteren Fortschritten der Erkenntnis kein natürliches Hindernis entgegen, sondern befreit vielmehr den Geist von Borurtellen aller Art und — öffnet ihn jedem höheren Eindruck, den er aufzunehmen imstande ist." (vlsoourss p. 7.) Auch Karl Friedrich Gauß (1777—1855), der Fürst der Mathematiker, können wir hier nicht übergehen, wenn wir die Beziehungen der großen Naturforscher zum Gottesglaubsn besudeln. Gauß ist wissenschaftliche Größe ersten Ranges nicht nur als Mathemattker, sondern auch als berechnender Astronom und Erforscher mehrerer Hauptgebiete der Physik. Wie er mit seiner mathematischen Leistung, den „Disquisitiones arithm'eticae", sich als ein Reformator der mathematischen Wissenschaft l>ewahrt hatte, so hat er auch durch seine astronomische Berechnungsmethode, womit er den verlorenen Planeten ntit untrüglicher Genauigkeit ihre Stelle im Weltenraume berechnete, noch mehr aber durch sein unsterbliches Hauptwerk: „Theorie der Kegelschnitte-Bewegungen der Himmelskörper" (Theoria motus corporum coefesfcium in sectionibas conigis solem ambientibus), sich als ein Lehrmeister auch der Astronomie erwiesen. Seine tvissenschaftlichen Verdienste auf den Gebbieten der theoretischen Astronomie — als Miturheber der Planetenentdeckungen —, der Geodäsie und Geometrie, der Elektrizitäts- und Magnetismuslehre! — als Erfinder des Magnetometers und als Begründer der Theorie des Erdmagnetismus usw. sind unvergänglich. Und dieser große Geist war nicht nur Gottesglaubiger, sondern war auch von der Hoffnung eines Fortlebens in einem höheren Jenseits erfüllt. So schrieb er einst an seinen Freund, dem Sternwarte-Direktor Schuhmacher, anläßlich des Ablebens dessen Bruders tröstend: „Dunkel sind die Wege, die eine höhere Hand uns hier gehen läßt: es ist ein unvollkommener Trost, daß die Auflösung Ihres verewigten Bruders besser war, als die Fortdauer seines beklagenswerten Zustandes. Halten wir fest an dem Glauben, daß eine schönere, .erhabenere Lösung der Rätsel des ErdenleMis da sein und uns einst zu Teil werden wird." Wie sehr ihn außer seiner Fachwissenschaft die höchsten Probleme» der Menschheit beschäftigten, bezeugt folgende Aeiußerung: „Es gibt Fragen, auf . deren ..Beantwortung ich unendlich höheren Wert legen würde, als die mathematischen; z. B. über Ethik, über unser Verhältnis zu Gott, über unsere Bestimmung und unsere Zukunft." (Fortsetzung folgt.) Dritter Bericht Dr. Faitlovitschs. über feine Mesfinienreise. Seit acht Tagen — schreibt Dr. F. — befinde ich mich in Amba-Gualit, gegenwärtig die bedeutendste Gemeinde der Provinz Segelt, wo ich auch vor fünf Jahren während der Regenzeit wohnte. Hier habe ich der Zercinonie des Pesach-Opfers beigewohnt, die am Abend des vorigen Sonntags vor Sonnenuntergang feierlichst begangen wurde. In meinem vorletzten Briefe schrieb ich Ihnen bereits, daß die Falaschas uns in diesem Monat (Nissan) mit einem Tage voraus sind, und demgemäß fiel ihr Erew-Pesach auf den vorigen sonntag (203 und nicht aus Montag, wie bei uns. Obwohl ihr religiöses Jahr, wie bei allen anderen Juden, ein Mondjahr ist, betrachten sie, da sie unsere Regeln des Kalenders nicht kennen, immer als ersten des Monats den Tag, der sofort auf den Neumond folgt: deshalb fällt der 'Anfang der Feiertage bei ihnen an Tagen, an denen sie nach unserem System nicht fallen können. Das .Kalendersystem der Falaschas ist eines der verwirrtesten und verursacht immer Streitigkeiten wegen der Festsetzung der Feste. Ihr religiöses Jahr .besteht ans 12 Monde» von je 29—30 Tagen abwechslungsweise. Nissan ist der erste Monat und hat 29 Tage: der zweite hat 30, der dritte 29 Tage usw. Am Ende von vier Jahren fügen sie einen Monat von 30 Tagen ein, um das Mondjahr, das nur 354 Tage hat, im Gleichgewicht zu halten mit dem christlichen Jahr von Abessinien (Koptiser Kalender), das ein Sonnenjahr ist und ans 12 Monaten von je 30 Tagen besteht mit einem Zuschuß von 5 (und alle vier Jahre von 6) Komplcmentartagen. Um aber zu verhüten, daß die Feiertage in einer vor der in der Bibel festgesetzten Zeit verschiedenen fallen, sind sie gezwungen, nach einer gewissen Zahl von Jahren einen ganzen Monat zu überspringen und den Monat Nissan nicht vor dem abessinischen Monat M i ch a z y a, der der Tag- und Rachtgleiche im Friihling gleichkommt, anznfangen. So übersetzt die aethiopische Bibel „schamor eth chodesch Haabib" durch „beobachtet den Monat „Miyazya"" und ähnlich „Ki bechodesch Haabib hoziacha A. Elohecha Mimizraim laila" mit „da dich der Herr, dein Gott, im Monate Miyazya in der Nacht aus 'Aegypten zog". Dieses System, das Mondjahr mit dem Sonncnjahr in Einklang bringen zu wollen, wird nicht von allen Falaschas gutgeheißen und ohne meine Intervention vor fünf Jahren hätte es unter ihnen leicht zu einer Spaltung kommen können. A b b a Kcndie, ein berühmter Cohen der Provinz S e m i e n» heute der angesehenste Gelehrte der Falaschas, wollte aus der Rechnung .und der Einteilung der Zeit in den Büchern „Hanoch" und „Jubiläen" schließen, daß das religiöse Jahr nicht vermehrt, werden müsse, um es mit dem christlichen Kalender in Einklang zu bringe». Er wollte das Pessachsest im abcssinische» Monat M a s k e r e m sestsetzen, der ungefähr mit unserer herbstlichen Tag-' und Nachtgleiche beginnt. Er stimmt nicht der aethiopische» Bibel zu, die „Haabib" Mit „Miyazya" übersetzt, sondern übersetzt richtig „den Monat der Aehren", und der Monat „Maskcrem" ist in Abessinien der Monat der Aehren, da der Sommer, die trockene Zeit, in diese«» Monat beginnt. Der Irrtum Abba Kendis' s wie so manche Jrrtümer des Falaschakultils kommen von der falschen Uebersetzung der aethiopischen Bibel, und dieser Gelehrte, der den Pcssach am 'Anfang unseres .Herbstes sestsetzen wollte, befand sich in seinem guten Glauben, da er die Jahreszeiten Palästinas nicht kannte und glaubte, daß sic überall zur gleiche» Zeit wie in Abessinien wären. Meine Intervention machte diesem Meinungsstreite ein Ende, und der ehrwürdige Priester beugte sich ineiner Meinung, der Stimme — wie er sagte — die von Jerusalem komme, um den Pesach für alle Juden der Welt gleich festzustellen ... Es scheint, daß die Falaschas früher ein genaues Kalendersystem gehabt haben, das aber heute vollständig vergessen ist, und durch diese ' Verwirrung haben . sie keine Regel und Festsetzung der Feiertage mehr. So geschieht es manchmal, daß die Feste nicht überall gleichzeitig gefeiert werden, sondern mit einem Unterschied von , 2—3 Tagen von einer Gemeinde zur anderen. Die Falaschas erkennen diese Jnkonvcnienz und bitten mich immer, ihnen Kalender nach unserem System zu liefern . . . Als sch am vorigen Sonntag-Nachmittag hierher kam, waren schon alle Falaschas dieser Gemeinde sowie diejenigen der umliegende» Ortschaften im Mesgid zur feierlichen Zeremonie des Korban-Pesach versammelt. Alle hatten Feiertagskleider an, und es war schon alles für den Pesach vorbereitet. Debtera Bar och, der Cohen dieser Gemeinde, ordnete alles für die Opferzeremonie: er schärfte sein zweikantiges Messer, andere zündeten das Feuer im Hose des Mesgid am Altar an; andere wieder brachten das nötige für das Opfer. Bor Sonnenuntergang schlachteten sie ein junges Lamm und, wie es der Ritus heischt, imnitten der üblichen Gesängen; nachdem es gebraten war, verteilte der Kohen unter die Anwesenden Stücke vom Opfer, die stehend vor dein Altar mit Mazzoth verzehrt wurden. Den Rest des Lammes brachten sie in das Innere des Mesgid, und dort wurde ein gemeinschaftliches Mahl abgehalte», bis daS ganze Lamm — noch vor Mitternacht — verzehrt war. Die ganze Nacht wurde mit Psalmensingen im Mesgid verbracht, und sie schieden erst am Morgen, nach dem Morgengebcte, von einander. Allgemeine Jüdische Kolouisatious-Orgarmatio» («. I. K. D.). München, im Oktober. Hier fand eine gut besuchte Versammlung der A. I. K.-O^ statt. Justizrat Ofner, der Präsident der Münchener jüd. Gemeinde, hielt die Begrüßungsansprache. Die Bedeutung der A. I. K.-O. läge vornehmlich darin, daß sie, entgegen den bisherigen vereinzelten und zumeist nach philanthropischen Gesichtspunkten unternommenen Kolonisationsversuchen, ein planvolles, aus wirtschaftlicher

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