Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 41 (15.10.1913)
- Date
- 1913-10-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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41. Frankfurter Asraegtisches Familienblatt. riet ihnen, sich zu beeilen, denn die Abende' seien sehr finster und die Wege unsicher. Die Musikanten jlgten diesen Rat und machten sich raschen Schrit- ^weiterauf den Weg. Im Winter wird es schnell dunkel; die Dämmeüberraschte die Wanderer im Walde. Der Wind I durchbohrend, die Kälte drang bis auf die Knochen. Ifc kauerte sich trotz seines Pelzes zusammen, Da- > bebte, Anschel klapperte mit den Zähnen^ Der kleine nmbaß aber schlug, um sich zu erwärmen, ab- ^sünd bald mit einerbald mit der zweiten Faust Tamburin los, daß das Echo im Walde widerst. „Muji!" schrie Judka, „Verrückter, was treibst Tu, um trommelst Du wie zum Alarm?" „Ist denn solch eine Külte kein Alarm?" antwortete na, „daß der Teufel die ganze Hochzeit hole, ich hie lieber, hinterm! Ofen sitzen und Kartoffeln schälen." ' „Still, still," ließ Anschel sich vernehmen, „Du ein abscheulicher Junge ... Statt Gott zu fkcn, daß er einen schönen Verdienst beschert . . hst Du . , Du willst lieber hinterm Ofen Kar- |e(n schälen . . . Ganz wie meine Ziege, — sie auch lieber »ine rohe Kartoffel, als einen Rubel." „Ihr redet mit einander," cntgegnete Chuna, „und werde trommeln. Mir ist kalt. Worauf soll ich dämmern? Es schickt sich doch nicht, daß ich auf fe Rücken losschlage." „Du Lump!" fiel Judka ein, „eine solche Welt [ Ijeutc, solch freche Jungen ... Er wird uns irgend ein Unglück heraustrvimnÄn." Kaum hörte Judka auf zu reden, als jäh eben der Sieite Korcowkas Zurufe erschollen. ,Her dal Her da! Hopp, hoptz!" „Hast Du eine Trommel, Du Schmutzfink, Du Pops, Du Zigeuner! Was hast Du angerichtet?" „Nu, was?" „Du hörst nichts!" „Ich höre jemand schreien, möge er schreien. ., jhrscheinlich ist ihm auch kalt." „Vielleicht ist es ein Räuber." 'T!er Lärm steigerte sich, man konnte einzelne Stimin unterscheiden, und gleichzeitig vernahm man Wagenwssel und das Mufrühren des Kotes von Pferdeh'ufcn. Brummbaß hörte auf zu trommeln, — sie blieben auf deml Wege stehen, unsicher, was beginnen, — ob davonlaufen oder den Angreifern mutig die Stirn zu bieten? Judka und 'David wollten sich im Wald verstecken. Anschel' riet, zu warten, und überzeugte die Kameraden, daß es noch genug Zeit zu einer Flucht sei. Das Schreien wurde inrmer lauter, — dabei begann jemand aus voller Kehle zu singen. „Ru, seht Ihr," sagte Anschel, „wir können ruhig fein. Wer hat je gchört, daß Räuber singen? Das ist irgend eine lustige Gesellschaft, — sie fährt nach ihrer, — und wir nach unserer Richtung." Sie gingen ivpfter, schon bedeutend beruhigter, und vor Kälte und einigermaßen auch vor Freude, daß er einem großen Unglück entgangen war, begann der kleine Brummbaß aus Leibeskräften auf die Trommel loszuhämmern. Ein Freudenruf antwortete von den Wagen. .Musik!" — rief man, — „Musik!" Dfie Wagen kamen näher, einige junge, angeheiterte Burschen umringten die Spielleute. „Donnerwetter, daß Euch der Teufel' . . rief einer, — „das ist doch Judika, die beste Kapelle iu unserer Gegend! Wohin geht Ihr?" „Wir gehen spielen . . auf eine sehr noble Hochzeit . . . Ssie haben wahrscheinliche gehört . . Boruch derheiratet morgen seine Tochter . ., wir» sind schon in der Hälfte des Weges." „Und wir fahren eben um Euch." „Wieso um uns? Wir müssen doch zu Boruch." „Was kümmert uns Euer Boruch!' Bei uns ist heute Hochzeit." „Wie das, bei Euch?" „Run, der reichst: Edelmann im Dorfe, Sadlvwski, verheiratet die Tochter, sie sind eben von der Kirche heimgekehrt . I ., und der Bräutigam hat die Musik vergessen, und so fahren wir jungen Leute, um Musik zu suchen . . . Vorwärts, steigt ein. Fahren wir, und spielt so, daß man es im zehnten Dorfe hört." .Meine Herren," bat Judka, „ein zweites Mal wLrde ich sehr gerne spielen, heute kann ich nicht, ich bin bestellt." Er begann sich zu entschuldigen, zn zanken; aber mit den Angeheiterten konnte man nicht fertig werden. Gr088e Auswahl erprobter und bewahrter Qualitäten in allen Grössen u. Preislagen. Zeit 78-79 teile 5. ,Mnsteigen. einsteigen!" schrien sic, „macht keine Faxen, solange man Euch bittet, denn wenn es zur Gewalttätigkeit kommt, wird es schlecht werden! Hier gibt es keine Spässe, Sadlvwski wird gut bezahlen, wir werden auch etwas beisteuern . . wir sind nicht die ersten besten . ) ,, wir haben Geld. Juden, Ansteigen! Jasch, Piotrufch, umkehren, und Ihr, Musikanten, spielt! Run, denn . . ." Es war kein Ausweg. Judka, David, Anschel und Chuna mit dem Tamburin krochen auf den Wagen und begannen, den unsterblichen „Polka-Marsch" zu spielen. Die Pferde rasten wie besessen, und die Melodie erlitt fortwährend eine Dissonanz, denn jede Vertiefung, jede Unebenheit rief eine nicht programmäßige Pause hervor. Anschel stieß des öfteru so heftig mit der Trompete an die Zähne, daß er vor Schmerz auffchrie. Brummbaß ließ das .Tamburin in den Kot fallen, aber es wurde glücklich herausgeholt. (Schluß folgt.) J. W. Albert, Optik Fi-tsn. Ptncene* voak>!6 Mt. 7.50. Nickel Mk. 4.00. Weissfrsuenstrasse II, E>.ke Nene Mainzeratrasae. Olfenbacher Druckluft - Anlage otfanbach a. H. Telefon 123. (AnHchlna« mit Frankfurt). Bewährteste TapulChralntgan*. 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernreinlgung mittelst Druckluft und Wasserdampf. Kaiser Friedrich Quelle ■ Offenbach &. M. — - - Gegen Gicht and Bhematimnn» bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frladrloh Stahl, Frankfurt U.H.. Günthershurjr-AIlee 37. Tel.259 u. 714. Wochen-Saleitder. (Frankfurter Zeit.) S u k k a u s. Festesanfang: Mittwoch abend 5 Uhr 20 Min. Donnerstag abend: 6 Uhr 20 Min. Freitag abend: 5 Uhr. Sabbat-Ausgang: 6 Uhr 15 Min. S ch m i ii i Azeres. Festesanfang: Mittwoch abend 5 tlhr 05 Min. Donnerstag abend: 6 Uhr 05 Min. Freitag abend: 4 Uhr 45 Min. , Sabbat-Ausgang: 0 Uhr. Julius Frankfurt a. M. <£äufer~ und BeppicR+Stoffe, BiscRdecRen, UfriwandecRen, Steppdecken, 2>aunendecRen, BettRoltem, BSameU Raar ~H)ecRen, BeisedecRen, JEinoleum - B&ppicße und ~£äufer, Bette, Bettvorlagen, %tferßindungsstücße, Bioderne M&eRoralionen, Bortteren, BRoßelßezugstoffe, Bfioquettes, Sioßelinstoffe, ^RorRangstoffe, Siardinen, Stores, Btottos, BettdeeRen, Soßelins, Baissen jeder Brt und Baissenplatten, Bßoß&släufer und ~<Maiten, *fflacRsfucRe.