Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1913-10-15 · Heft 41 (15.10.1913) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 41 (15.10.1913)
Date
1913-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692819-2692860--07975-2703089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erscheint wöchentlich am Freitag. Dttugspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei inS Haus. Bei der Post abonniert SO Pfg., frei ins Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1.50, für Rußland 1 Rubel, für alle übrigen Länder Mk. 2.— Einzel-Nummern kosten 10 Pfg. Redaktion und GXpedition: Frankfurt a. M. :: Eangeftr. 7. Fernsprecher Amt I. 10507. Herausgeber: Ga kg Heis. Jnstrtionsprris für die fünfgefpaltene Petitzeile 25 Pfg., für die Reklamezeile Mk.1.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Stellen-Angebote und -Gesuche, Wohnuiigsinferate. Heirat 3-Annoncen 15 Pfg. die sechsgespaltene Petitzeile ohne jeden Rabatt. Platz- und Datum-Vorschrift ohne Berbindlichkrit. Annoncen-Annahme bei der Exped. und ina.Ännoncen-BureauS. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. Mittwoch, -e» 14. Tischri 5674 (15. Oktober 1913) N. Jahrgang. Infolge üer Feiertage erfckeint no 42 n 27. Oktober — Montag—natt, mittags, chtuhäerlnferaten-lßnnalrmevormittags Uhr. tto. 43 erfckeint am 31. Oktober, Freitag —. Das Jahr 5673. ui. Deutschland wächst sich in immer stärkem Grade Mm Zentrum der europäischen Judencit aus. In keiner Stadt der Welt befinden sich die itzc so vieler bedeutenden jüd. Organisationen als i Berlin-; und wären nicht Alliance und Jca aus ebensächlichen und unvernünftigen Gründen an laris gebunden, sondern hätten — wie es sich geilte — ihre Zentralen nach Berlin verlegt, dann me Deutschland in der Tat das Land aller großen iterterritvrialen jüd. Organisationen. Daß diese lachsende Bedeutung Deutschlands für die Gesamtidenheit nicht allein durch Gründe verursacht wird, ie auf das Konto der deutschen Juden M schreiben nd, ist wohl richtig; doch ist nicht M verkennen, aß einer der wichtigsten Gründe hierftir in der cfteulichen Regenerationsbewegung zu 'Heu ist, die innerhalb des deutschen Judentums li konstatieren ist. Zunächst ist da jenes Ereignis zu verzeichnen, as einen lebhaften Widerhall in der gesamten sudenheit fand und in Kreise, die in eine gewisse tarrheit versunken waren, neues Leben zu bringen ersucht: die Gründung der Agudas-Jsoe l. Es ist sehr bezeichnend für die vorherrschende itellung, die das deutsche Judentum im Leben des. ii>. Volkes einnimmt, daß auch diese Idee einer Weltorganisation der Orthodoxie von Deutschland fjteit Ausgang nahm, und die Leitung dieser Orgaisation sich ebenfalls in Deutschland befindet, lnsere Leser wissen, wie freudig auch wir ini Eingang mit dem überwiegenden Teile der jüd. Presse ller Länder die Agudas-Jsroel begrüßt haben, ist doch in der Tat die Idee, die Gesamtorthodoxie u einen und zu organisieren, ein bedeutsamer »d zündender Gedanke. Umsomehr bedauern wir, aß sich die Hoffnungen, die wir an die Kattoitzer Versammlung geknüpft haben, bisher nicht rsüllt haben. Organisationen wie die Agudas-Jsoel müssen eben in der Begeisterung geschaffen weren; in dem hoch emporlodörnden Feuer des subcls, mit dem die Idee begrüßt wird, muß das Betf zusammengeschweißt werden. Die Stunde der goßen ' Begeisterung ist nun vorbei, und das Wer? st — nicht vollbracht. Wohl sind in vielen Städten Gruppen begründet worden, wohl laufen noch die ststinnnungserklärungen in ungemindSrter Zahl in, — aber die Gruppen bestehen meist nur aus iner .geringen Zahl von Mitgliedern, und die Zutimmungen kommen nur von den Rabbinern, die lb.er auch w'efter nichts tun als — zuzustimmen. Sie große länderumspannende Organisation ist bis >ente nicht geschaffen, und der Kongreß, der beeits dieses Jahr hätte tagen sollen, ist wiederum «schoben. Die Gründe für diesen relativen Mißerfolg >er Agudas-Jsroel sind verschiedener Art. Aeußere Gründe, wie die Schwierigkeiten organisatorischer Arbeit in Rußland, paaren sich mit den inneren, vic es das alle Mäßen übärsteigende Jntransigenum dev ungarischen orthodoxen Führer ist, um |™-’ Gelingen des . großen Werkes. M erschweren, r allem aber sind, zwei Ursachen wirksam, die in Wahrheit eine sind: der Mangel an großen, geeigneten Führern innerhalb der Orthodoxie und — was noch schlimmer ist — der Mangel einer begeisterten Jugend. Die westeuropäischen Führer der Orthodoxie verfügen bei aller Ergebenheit zur Sache und allem organisatorischen Geschick nicht über jene Autorität den osteuropäischen orthodbxön Massen gegenüber, die die Voraussetzung für ein erfolgreiches Wirken wäre, jene Autorität, die ihnen nur bedeutende jüdische, vor allem talmudische Kenntnisse verleihen könnten, die sie eben nicht besitzen. Und die Rabbinen und Rabbis Osteuropas haben entweder für derartige praktische Dinge überhaupt wenig Sinn und Interesse, oder wenn sie es auch haben, so ist auch ihr Horizont so eng, daß sie sich nicht zu einer Ueberbrückung der Gegensätze innerhalb der Orthodoxie selbst aufschwingen können. Was aber — wie gesagt — noch schlimmer ist, ist der Mangel einer begeisterten Jugend. Mit Ausnahme Frankfurts hat nirgend die Jugend Begeisterung für die Agudas-Jsroel bewiesen, und es ist eine Tatsache,. die ebenso fest wie unerfreulich ist, daß die Orthodoxie in Rußland die Jugend nicht mehr hinter sich hat; und auch in Galizien wird der Gegensatz der alten und der jungen Generation immer stärker und schärfer. Der heftige Widerstand gegen alles .Moderne, der ° die Führer der osteuropäischen Orthodoxie beherrscht, beginnt sich eben bitter zu rächen, und wie vor 100 Jahren die deutsche Orthodoxie ihre beherrschende Stellung in den Gemeinden infolge ihrer Rückständigkeit verloren hat, so beginnt auch die osteuropäische Orthodoxie, aus demselben Grunde aus ihrer führenden Position immer mehr verdrängt zu werden. Nirgends aber machen sich die Zeichen dafür benierkbar, daß die Führer der osteuropäischen Orthodoxie ihre Fehler zu erkennen beginnen. Unentwegt verharren sie auf ihrenr Standpunkt im Kampf gegen die moderne Bildung und lassen auch das einzige Mittel unbenutzt, das ihnen zur Erhöhung ihres Einflusses noch zur Verfügung steht: den Anschluß an die nationale Bewegung. Sie stehen abseits und tun nichts, — und besorgten Herzens fragt man sich, wohin diese Unvernunft und Blindheit führen soll. Und so bleibt denn die z i on istis ch e Organisation die einzige Bewegung inr Judentum mit einer günstigen Zukuuftsprognose. Ter Zionismus hat .gerade im letzten Jahre in Deutschland manche harte Kämpfe zu bestehen gehabt. Sowohl im Zentralverein wie im Verband der jüd. I ugendvoreine ist es zum Kainpf gegen den Zionismus gekommen, und in der Gründung des Anti zionistischen Komitees hat dieser Kampf seinen krassesten Ausdruck gefunden.- Diese Kämpfe haben, von einem historischen Standpunkt aus gesehen, zwar keine erhebliche Bedeutung; denn aufhalten können sie die Entwicklung des Zionismus für die Dauer nicht. Und der ganze Kampf, in dem das vornehmste Kampfmittel der Gegner die Verleumdung der Zionisten als unpatriotisch war, wird in der Geschichte lediglich als ein häßlicher Fleck der Assimilation bleiben in ihrem Widerstand gegen das Wachsen der nationalen Bewegung. Immerhin vermögen solche Streftigkeiten dem Zionismus für die nächste Zukunft zü schaden, und aus diesem Grunde bedauern wir sie aufs lebhafteste. Wir bedauern sie umsomehr, als einen gewissen Teil der Schuld an dieser Verschärfung der Nr. 41. Gegensätze auch der Zionismus trägt, oder genauer gesagt, manche seiner Führer in Deutschland. Wir können es uns nicht verhehlen, daß die zionistische Agitation und Taktik in Deutschland überaus scharfe Formen angenommen hat, die geeignet sind, den zionistischen Bestrebungen die Sympathien weiter Kreise verlieren zu lassen. Viel richtiger wäre es, die Vertreter und Führer des Zionismus in Deutschland suchten für die vornehmste und wichtigste Arbeit desselben, die Palästinaarbeit, weiteste Kreise des Judentums heranzuziehen, statt in der Agitation die Kräfte auf unfruchtbare Polemik über theoretische Streitftagen zu vergeuden. Mit einer solchen positiven Agitationstätigkeit ließe sich sehr viel mehr erreichen, als es bisher geschehen ist, denn das allgemeine jüdische Interesse wie das für Palästina wächst auch innerhalb der deutschen Judenheit. Dies ist die erftouliche Tatsache, die auch in diesen Kämpfen zum Austwuck gekommen ist. Das jüdische Selbstbewußtsein entwickelt sich immer stärker, und große Teils der Ideologie, wie man sie vor.wenigen Jahren noch nur in zionistischen Kreisen hören konnte, vernimmt man heute auch von solchen, die sich zu den schärfstem Gegnern des Zionismus zählen. Gerade weil dies der Fall ist, sollte man eine vernünftige, die positiven Bestrebungen des Zionismus betonende Propaganda und Taktik beobachten. Eine solche praktische Agitation würde den anormalen und unlogischen Zustand beseitigen, der heute besteht, daß bei Zunahme des allgemeinen jüdischen Interesses dieser Kreise auch ihre Gegnerschaft zum Zionismus wächst, und daß sie immer negativer in ihrer Haltung Mr zionistischen Bewegung werden, obwohl sie in der Entwicklung ihres jüdischen ^elbstbervußtseins eine positive Aufwärtsbewegung zu konstatieren haben. Ein erfreuliches Symptom des wachsenden Verständnisses für die wahrhaften Bedürfnisse des Judentums stellt auch der neuerdings entbrannte Kampf um die jüdische Volksschule dar. Dis Erkenntnis von den Gefahren, die die christliche Schule für die jüdische Erziehung unserer Jugend hat, bricht sich durch, und der vom Lehrerverband mit "Energie und Konsequenz geftchrte Kamps verspricht gute Erfolge zu bringen. Tie Entscheidung wird ja der bevorstehende Gemeindetag bald bringen, und es ist nur gut und logisch, daß zusammen mit dieser Angelegenheit die Frage der Reform des Gemeindewahlrechts den wichtigsten Punkt der Tagesordnung därstellen wird. Diese Reform durchzusetzen und dcnnit der Machtherrschaft einer Keinen Gruppe von Männern innerhalb der Gemeinden ein Ende zu bereiten, dies ich die wichtigste Aufgabe, die der deutschen Juden heit für die nächste Zeit bevorsteht. Die Demokratisierung der Gemeinden wird eine ungeahnte Steigerung und Neubrlebung des jüd. Lebens bewirken und den Regenerationsprozeß der deutschen Juöenheit um ein gutes Stück vorwärts bringen. (Schluß .folgt.) Erez-Jsrael. (Reisebriefe.) Von Nachum Goldntann. XVII. Pvriah. — Kinereth. — Da gania. In Untergaliläa kann Man heute schon — mit Keinen Unterbrechungen — den ganzen Tag. fahren und immer auf jüdischer" Erps bleiben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.