Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 40 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mage z» Nr. 40 ites Die näAitwSAcniliAe Dummer er» fcfteint bereits IDlttwoct» Iröb- Sediutz der Inferaten-Hnnabine Dienstag Mittag. Eine Konferenz der sepharvischen Inden in Wie«. Anläßlich des XI. Zionistenkongresses veranstaltete der akademische Verein „Esperanza" eine Konferenz der sephardischen Inden. 90 ans der Türkei, Bulgarien, Serbien, Bosnien, Griechenland, Palästina, Wien, New Jork stamimendo Sephardim waren anwesend, unter ihnen sämtliche spaniolische Kongreßdelegierte. Die Konferenz, die im' Becthovensaal tagte, eröffnete der A. tz. der „Esperanza", Dr. Joseph Salom-Wien. Als Präsidium wurde erwählt: Leon Haim-Wien, Dr. Marko Romano- Philipoppel und Ing. J s. S u mb> u l-Sarajevo. Leon Haim hielt eine Ansprache, in der er hcrvorhob, daß es sich vor allem um die Frage des Spaniolischen und der Dezentralisation der Sephardim' handle. Sodann sprachen Sokolow und Dr. Jacobsohn Vom Zionistischen Engeren Aktionskomitee. Dr. L e v y - Sarajevo referierte über die gegenwärtige Lage der. seph. Juden. Nach einem historischen Rückblicke auf die einstige Produktivität und geistige Tätigkeit der Sephardim ging er zur Besprechung ihrer heutigen Lage über nnd schilderte mit ergreifenden Worten den Verfall dieses einst so lebendigen, schöpferischen Teiles des jüdischen Volkes, indem er insbesondere auf den geistigen Rückgang der Sephardim hinwies. Die Ursache dieses Verfalls sieht er iM Osmanismus. Es ist aber der entscheidende Moment gekommen, führte Dr. Levy aus, daß wir uns aufraffen und von diesem osmanischön Geiste befreien, und wir können es', denn in uns leben noch die alten Sephardim, die großen Juden. Zum Schlüsse beantragte er die Schaffung einer Union der fpaniolisch sprechenden Juden, die den Zweck hätte, eine Zeitschrift herauszugeben .und das I n t o r e s s e für j ü d. Geschichte und Kultur unter den Sephardim zu erwecken. 1 Chief-Rabbi Dr. Gaßer-London hob den ethischen und nationalen Wdrt der jüd. Traditionen, die die Sephardim in der spaniolischen Spräche behalten haben, und für die Beibehaltung dieser Sprache ein. Was den Sephardim aber besonders nottue, sei die Heranbildung tüchtiger und gebildeter Rabbiner, .denn diese sind es schließlich, die das Judentum gerettet haben. Dr. Benzion-Jerusalem befürwortete die Verbreitung der hebräischen Sprache^ und beantragte die Gründung eines Rabbinerseminars und die Schaff-ung einer Organisation mit kulturellen und nationalen Zwecken. Nun erteilte der Vorsitzende Herrn Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher) das Wort. Birnbaum .tritt mü viel Temperament für das spaniolische Jüdisch ein, dessen nationalen Wert und Bedeutung er betont. Es ist die Sprache unserer Freuden und Tränen, in der wir unsere Jüdischkeit aufbewahrt, unsere Seele gerettet haben. Er sei nicht gegen das Hebräische, glaube aber nichts daß es in der Diaspora die gesprochene Sprache der Juden werden kann; däs sei eine soziale.Unmöglichkeit. Die Probleme der Sephardim seien analog denen der.Ostjuden. In der Nachmittagssitzung gelangten Begrüß-, schreiben des Grandrabbin Jacob 'Meir-Salonique und )>es Belgrader Oberrabbiners Dr. Jsaac Alcalay zur Verlesung. Dann ergriff David Florentin, Redakteur Hes „Avenir" (Saloniquö), das Wort. Er konstatierte den Mangel einer gebildeten sephardischen Jugend, und verlangte gleichfalls die Schaffung einer allgemeinen Organisation der.Sephardim. Dr.. I. Niemirvw er, Oberrabbiner der sephardischen Gemeinden in Rumänien, betontes die Wichtigkeit der Pflege des Hebräischen als lebender Sprache, für die- Sephardim, urtÖ wandte sich gegen die Einseitigkeit der Betonung des Spaniolischenseitens des auch von ihm hochgeschätzten Dr. Birnbaumwenn er auch sonst unbedingt für die Kultivierung des Spaniolischen sei. Es handle sich jetzt um eine Renaissance nicht nur der biblischen, sondern auch der arabischspan i s ch e n Epoche, und die Sephardim. hätten eine große Mission zu vollbringen. Eine allgemeine sephardische Organisation würde die Kluft überbrücken, die sich immer mehr zwischen den. Spaniolen des Orients nnd den Sephardim im Occident öffnet. Ing. Js. Sn Mb ul wies auf die Schwierigkeiten hin, mit denen die Weiterexistenz des Spaniolischen zu kämpfen hat. und zählte viele Gründe auf, die die Schaffung einer kulturellen Organisation der Balkanjuden dringend fordern. Dr. Marko Romano führte die Motive zur Einberufung dieser Konferenz an, vor allem die Balkankämpfe und die Zerstückelung eines starken, kompakten, einheitlichen jüd. Volksteiles. Er ist für die Beibehaltung des Spaniolischen, erwähnt aber die ungünstigen Bedingungen für diese Beibehaltung und noch vieles, was zum Nachdenken Anlaß gibt: die allmähliche Verdrängung durch die Landessprachen, das Verschwinden der jüdischspaniolischen Schrift und die Ersetzung durch die lateinische und . die cyrillische, den Mangel an Kultur und Werken, an dem diese Sprache leidet usw. Er glaube an die Möglichkeit der Ersetzung des Spaniolischen durch'das Hebräische; die Erfahrungen als Mitglied des jüdischen Schulkomitees in Bulgarien berechtigten ihn zu diesem Glauben. Er sei selbstverständlich auch für die Organisation der Sephardim, sie möge aber ihren definitiven Charakter erst in der noch einzuberufenden konstitutiven Konferenz erhalten, und diese soll gelegentlich des nächsten Zionistenkongrüsses und in derselben Stadt stattfinden. Zum Zentralorgan der Organisation schlägt er den Verein „Esperanza" vor. L u c i e n S c i n t o, Redakteur der „L'Aurore", Konstantinopel, will, daß. die Organisation auch^ die Propaganda der hebräischen Sprache bezwecken soll. B i t a K a j.o n stellte den Antrag, dem E. A.-C. eine Deputation zu entsenden, die den Dank für die Begrüßung und Vertretung des E. A.-C. sowie die Versicherung der Konferenz aussprechen soll, daß die zu gründende Organisation keine Separierung beabsichtige, vielmehr in engster Berührung mit der zionistischen Organisation bleiben wolle, denn schließlich sei sie ja nichts anderes als ein Produkt des zionistischen Gedankens. Daraufhin besprach er die Frage der jüdisch-spaniolischen Sprache, in der er die Physiognomie und die Seele, den Stil lind die Logik der Spaniolen erblickt, und die er vorläufig als ein Konservierungs- und und Bindemittel der Sephardim beibehalten wissen will. Als letzter sprach NissiM Bchar-NewBork, der der Organisation auch den Kampf gegen die katholischen Missionsschulen im Orient empfahl. Schließlich wurde die Betgründung einer allgemeinen Sephardimvrganisation zu kulturellen Zwecken mit der speziellen Aufgabe, für die Spaniolen der Balkanstaaten und der Türkei zu wirken, beschlossen. Ein besonderes verantworlliches Komitee — der.Vorstand der „Esperanza" und Leon Haim, Dr. I. HaiM, Dr. Benzion und.Dr. I. Salom — wurde beauftragt, die nötigen Vorarbeiten zu verrichten, ein Statutenprojekt auszuarbeiten und eine allgemeine Konferenz der Sephardim im geeigneten Moment einzuberufen. Ein allgemeines Komitee — Sicco- Adutt (Wien), Dr. David Alcalay (Belgrad), Nissim Bchrr (New Jork), Jsac Epstein (Salonique), Dav. Florentin (Salonique), Dr. Gaster (London), Dr. M. Levy (Sarajevo), Jacob Meir (Salonique)» Dr. Marko Romano .(Philipoppel), Dr. I. Niemirvwer (Bukarest), Lucien Scinto (Konstantinopel), Ing. Js. SumVtü (Sarajevo), Dr. I, M. Valero (Jerusalem), Dozent A. S.'E. Dahuda (Berlin) — wird . das spezielle Komitee unterstützen. . . Ans -er Lehrerwett. Wiesbaden. Die Entwickelung der orthodoxen ältisrael Kultusgemeinde hat es .nötig gemacht, einen weiteren Beamten für denDienst in'Synagoge, Schule und Schlachthaus anznstellen. Die Gemeindeverwaltung hat daher seit längerer Zeit nach einer geeigneten Kraft gesucht, bis es. ihr jetzt gelungen ist, in der Person des Herrn Joses Sulzbacher, bisher Kultnsbeamter bei der Religionsgesellschaft in Stuttgart, einen Mann zn finden, der die Qualitäten hat, den ans ihn gesetzten Erwartungen zu entsprechen. Am Vorabend des Roschhaschonohfestes vor Beginn des Maarivgottesdicnstes wurde Herr Sulzbacher feierlich in sein neues Amt eingeführt. Namens des Gemeindevorstands hieß ihn Dr. L i p m a n n herzlich willkommen. Herr Sulzbacher dankte sür den freundlichen Empfang und versprach, seine ganze Kraft in den Dienst der Gemeinde, stellen zu wollen. Breslau. Dr. Simonsohn, der 1888 hier geboren wurde, ist zum stellvertretenden Rabbiner gewählt worden. Der Borstand hat sein Verlangen, daß der neue stellvertretende Rabbiner mich in der Orgelsynagoge den Jngendgottesdienst leite, zurückgezogen; doch muß er seine Schüler zn dem Gottesdienste geleiten und selber dabei anwesend sein. Budapest. Der Munkäcser Gaon ist schwer krank. Auch der Bonyhader Gaon ist kehr leidend. Bu'areft. Rabb. Dr. Beck veröffentlicht einen Bericht über die 20jährige Tätigkeit der jüdischrumänischen Schulen. Es sind nämlich 20 Jahre, seitdem die Regierung die jüdischen Kinder als „Fremde" von den nationalen rumänischen Schulen ausschloß. Infolge dessen waren die Juden gezwungen, jüdische Schulvereine zu gründen. Diese Vereine kamen durch die Förderung reicher Juden bald in die Lage, Volksschulen, Mittelschulen nnd technische Lehranstalten zu errichten. Heute ist in der kleinsten jüdischen Gemeinde eine Schule, in Bukarest z. B. 13 Bolksschulen (8 sür Knaben nnd 5 für Mädchen), 2 Gymnasien, 1 höhere Töchterschule- 1 Handwerkerschule, 1 Handelsschule uitd 1 Handelsakademie. In ganz Rumänien gibt es 81 jüdische Volksschulen mit 14 075 Schülern unb Schülerinnen. ' Es ist klar, daß die rumänischen Juden selbst nicht in der Lage gewesen wären» diese Schulen zn gründen und zu erhalten, wenn nicht die Alliance Jsraelite Universelle, die Jca usw. namhajte Subventionen gewährt hätten und heute noch gewähren. VI». Briese Gegründet 1832. Frankfurt a. M. Telefon Amt 186791 34 Goethestrasse 34 (nächst dem Opernhaus) Moderne Wand- und Stand-Ohren, Tasehen-Bhren. Glaahütter nnd. Genfer Fabrikate. Gi-ram nr» op3a.on.o. Offizielle Verkaufsstelle der Deutschen Grammophou-A.-Gi. Frankfurter Berichte. Frankfurter Zion. Vereinigung. In einem gut besuchten Disknssionsabend über den Kongreß und über Palästinafragen sprachen die Herren D. Tachauer,Harburger, Karl Rosen Heimes Nachnm Goldmann, Frl. Fränkel, I. L. Göttern und Fritz Sondheimer. — lieber das jüdische Leben in Palästina wird Herr Nachnm Goldmann Montag, den 20. Oktober, in einer öffentlichen Versammlung sprechen. Wandergruppe des „Montefiore'-VerrinS. Die Wandergruppe veranstaltet nächsten Sonntag eine „Fahrt ins Blaue" (Führung: F. Grünebau m u. L. P o s e n). Treffpunkt: 2 Uhr am Allerheiligentor, Rückkehr 7i/» Uhr. Vermöge der vom Vorstand erwirkten Fahrpreis-Ermäßigung auf sämtlichen städtischen Kleinbahnen stellen sich die Kosten dieser Fahrt aus nur 28 Pfg. pro. Person. Berel» zur Förderung der Jutereffen derJsrael. ReligiouSgesellschast (EhewraS SmeS wescholamn). Zu Roschhaschonoh empfingen die Mitglieder der Religionsgesellschaft -ein Zirkular, das ihnen die Gründung eines Vereins zur Förderung der Interessen der Israel- Religionsgesellschaft mitteilte. In diesem Zirkular heißt es: „Veranlaßt wurde die Gründung des Vereins durch das Erscheinen' der „Richtlinien", die aller Welt klar gezeigt haben, daß die nämlichen Umstände, die s. Zt, 11 tatkräftige Männer zur Gründung unserer Gemeinde veranlaßt haben, auch in der Gegenwart noch sortbestehen, ja gebieterischer als je gerade heute die immer größere Ausbreitung unserer Kehilloh und die allseitige Anerkennung ihrer Prinzipien verlangen. Nach beiden Richtungen will der Verein tätig sein. Der Verein sucht seinen Zweck zn erreichen: 1. in praktischer Arbeit: durch Gewinnung neuer Mitglieder für unsere Gemeinde. Jeder Tag fast bringt unserer Stadt einen ansehnlichen Zuwachs ihrer jüdischen Bevölkerung. An diesem Zuwachs ist unsere Gemeinde nicht in dem Maße beteiligt, als man es nach der jüdischen Gesinnung der Zuziehenden erwarten könnte. In dieser Hinsicht will der Verein durch planmäßige Heranziehung der Fernstehenden nnd Aufklärung der Unwissenden dem Wohl der Gemeinde dienen. 2. in wissenschaftlicher Arbeit: durch Abwehr der fortgesetzt gegen unsere Gemeinde nnd namentlich gegen ihre Grundprinzipien, oft in gehässiger Weise» erfolgenden Angriffe, durch immer klarere Erfassung und Verbreitung dieser Grundprinzipien, denen allein die Znkunst gehört. Im Gegensätze zu unseren Gegnern wollen wir den Kampf für. unsere Gemeinde in rein sachlicher» vornehmer Weise führen. In Aussicht genommen ist zunächst ein