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Neue jüdische Presse · 1913-09-30 · Heft 39 (30.9.1913) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 39 (30.9.1913)
Date
1913-09-30
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 3Ö. schleunigte, aus jeden Fall genas, ich bald danach von meiner schweren Erkrankung. - Daß diese wunderbare Heilung den Ruf des Rabbi bei mchren Eltern und deren Bekannten noch gewaltig steigerte, braucht nicht besonders hervorgehvben zu werden, zumal dieser Falt nicht vereinzelt dastand. Tausende solcher ' uNd größerer Wunder ranken sich um die verklärte Gestalt des großen Rabbi und schlucken als eine lichte, iveithin ragende Krone über sein Grab, das vor kurzer Zeit erst tausende von Juden aus allen Teilen J>e§ Ostens umstanden, dem Dahingegangenen nachweinend und sich von seinen Taten und Werkenerzählend in rührenden Worten des Glaubens und der Ghrftircht. Obwohl der Dschikewer Rabbi viele Feinde hatte, hörte man nie aus seinem Munde ein verwünschendes Wort, einen Fluch oder eine abfällige Bemerkung über sie. So Übte er seine Tage trotz seiner reichen und großen Umgebung doch einsam, ohne einen eigentlichen Vertrauten. Niemand vermochte dem hohen Schwung seines Geists zu folgen, seine dunkle und bizarre Ausdrucksweise ganz zu verstehen. So schick er im Alter von stetig Jahren als ein Großer seines Volks, von vielen beweint, doch nur von wenigen gekannt. Vor dem Mtualmordprozetz Kiew» 25. Sept. Die Enthüllung des Denkmals von Stolypin hat die. erwartete Aufhetzung der Geister nicht gebracht; nicht einmal eine Pogrompanik ist unter den Juden ausgebrochen. Die Reaktionäre haben offenbar ihre ganze Kraft für den Prozeß aufgespart, denn fie wissen sehr wohl, daß ihre Sache verloren ist» wenn der Gerichtshof, nach den elementarsten Begriffen der Gerechtigkeit sein Urteil fällen sollte. Um ihre Position zu stärken, haben sie neben dem verrufenen S ch m a k o w auch den bekannten S a m y s - lowski bewogen, als Zivilkläger aufzutreten, so daß das Blld der Gerichtsverhandlungen schon jetzt ziemlich klar vor Augen tritt. Einst ein sogenannter Liberaler, hat es Samyslowski in den letzten Jahren ferüg gebracht, muht nur das reaktionärste Programm zu verteidiget, sondern .selbst für das Lockspitzelwesen und für die Knute zn plädieren und gegen jcke Reformtendenz den wütendsten Kampf zu entfesseln. In der Bellis-Affäre selbst hat er bereis eine traurige Rolle gespielt, indem er von vornherein die Parole, daß es sich hier um einen Ritualmord handle,-ausgab und damit auch auf die Hoskreise einen verhängnisvollen Einfluß auszuüben verstand. Während der letzten anderthalb Jahre hat er durch eine Unzahl von Reden — sowohl in den hochgestellten Kreisen als vor dem niedrigsten Gesindel — die Blutbeschuldigung gegen - die' Juden erhoben und durch gewissenlosse Fälschungen zu beweisen gesucht. Man weiß es schon daher im voraus, daß er zusammen mit Schmakow und dem von oben dirigierten Staatsanwalt die Geschworenen, die meist kleine Leute sind, zu terrorisieren bemüht sein wird. Charakteristisch für die Situatton ist ja auch das Interview, das der Vorsitzende der Gerichtskammer einem Ansstager gewährt hat. Er hatte sich nicht geniert, in diesem Gespräch direkt zu erklären, daß es sich in der Justschinski^ae^ um einen Ritualmord handle, wenn auch nicht das ganze Judentum daran schuld sei, sondern die Tat einzelnen Fanatikern zuzuschreiben wäre. Uebrigens bllligte der Justizminister den Standpunkt des Staatsanwaltsgehllfen Wipper, der den rituellen Charakter der Mordtat vertreten wird. Trotzdem sich der Justizminister dabei überzeugt hatte, daß nach allen Anstrengungen der Untersuchungsbehörden gegen Bellis nichts herausgekommen ist, soll der Staatsanwalt ttotzdem den Nachweis zu liefern haben, daß gerade Bellis her Mörder des Justschrnski gewesen ist. Man sieht also, .daß an höchster Stelle Vorsorge getroffen ist, daß der Prozeß wie ein von einem Theaterdirektor ayfs sorgfältigste vorbereitetes und einstudiertes Drama verläuft. II. Elliflger Söhne PeJzhandlung und Pelzkonfektion. Anfertigung nach neuesten —— Pariser und Wiener Modellen. —— Frankfurt a. M. Langestrasse 31. - "_Telephon Amt 1, 5281.__ Personalien n. Kleine Mitteilungen. Berlin. Im Jnserateutell des »Berliner Tagblattes", dem bekannten Heiratsmarkt der halb und ganz Getauften, finden mir folgende vielsagende Anzeige: »Hiesiger Großkaufmann, Vater einer evangelischen, wohlttzogenen, sehr sporlliebenden jungen Dame von 23 Jahren, mit. einer vorläufigen Mitgift von 180000 Jk (später große Erbschaft), beauftragt mich, zwecks Heirat passenden Lebensgefährten aus grotzindustriellen Kreisen zu suchen. Herren jüdischer Abstammung, jedoch evangelisch getauft, bevorzugst." . , . , Vilbel. Bel der Gemeinderatswahl wurde der langjGrige 1. Vorsteher der isr. Gemeinde, Simon Frankfurter. Israelitisches Familienblatk. Wechsler, zum Gemeinderatsmitglied gewählt. Bon den 5 Kandidaten vereinigte er die meisten Stimmen auf sich, ein Beweis, welcher großen Beliebtheit er sich bei der ganzen Bürgerschaft erfreut. Wie«. Jack Johnson, der hier weilende Negerchampion, saß jüngst mit Sportslenten im Kasseehause. Es kam die Rede auf den Rassenhaß der ^weißen Amerikaner gegen die Schwarzen. Johnson äußerte seine Freude darüber, daß das auf dem europäischen Konttnent ganz' anders und daß hier vom Rassenhaß gar nichts zu spüren sei. Einer der anwesenden Wiener fühlte sich zu der Entgegnung veranlaßt, daß eine Art von Rassenhaß auch in Europa vielfach gepredigt werde und erwähnte das Kapitel Antisemitismus. Johnson hörte aufmerksam zu und . meinte: „Das interessiert mich sehr." — „Warum gerade Sie?" — Zur allgemeinen Verblüffung antwortete Johnson: „Ich bin nämlich Jude — ein frommer Jude!' Auch meine Frau ist Jüdin!" Dann güb Johnson auch die Aufklärung: Als lleiner Knabe wurde er von einer armen jüdischen Familie in Galveston ausgenommen und' wie ein Kind des Hauses erzogen. Er nahm den jüdi-, scheu Glauben an und beschäftigte sich sogar viel mit dem Studium der Bibel. Budapest. Ein für die „jüdischen" Interessen unserer „jüdischen" Führer recht charakteristischer Beschluß ist von hier zu melden: Der Ausschuß der israelit. Religionsgemeinde beschloß, zum Andenken an den Staatsmann Eötvös jährlich vier Sttpendien an solche Schüler der israelit. Bürgerschule zu verleihen, die in der „ungarischen" Sprache besondere Fortschritte gemacht haben.. Budapest. Die orthod. Gemeinde hatte bisher nur eine gemietete Synagoge. Letzten Samstag hat sie chre neue, eigene Synagoge, einen Prachtbau, seiner Bestimmung übergeben. — Aus dem staatlichen Bade Tatra-Lomnitz wird gemeldet, daß die dortige Bade-Direktion mehreren Juden wegen Drer Sttrnlocken (Peies) den Aufenthalt « untersagte. Czeruowitz. In dem Dorfe Czemawka drangen nachts acht Männer in das Haus des Mendel Goldenberg und feuerten mehrere Schüsse ab, durch.die Goldenberg schwer v e r l e tzt wurde. Einer der Banditen schlug dem Sohne Goldenbergs mit einem Pflockhieb das Auge aus. Die Gattin Goldenbergs wurde arg mißhandelt. Die Banditen, die der Beschreibung nach Bauernbnrschen gewesen sein dürften, flüchteten. Prag. Die hiesigen Zeitungen bringen einen Protest gegen die Blutbeschuldigung seitens angesehenster Persönlichkeiten. Prag. Prot. Dr. Samuel S t e in h e r z ist zum Dekan der philosophischen Fakultät gewählt worden. Rom. Luzzattt, der gewesene Mmisterpräsident, geht nach Amerika, um dort die öffentliche Meinung für die Juden Rumäniens zu interessieren. London. Kardinal Burn hat dem Chief-Rabbi Dr. Hertz gegenüber seinen Protest gegen die Mär der Blutbeschuldigung, wie sie jetzt, im Beilis- Prozeß wieder zu Tage getteten ist, ausgesprochen. Warschau. Ein typisches Judenschlcksai, dos die grauenhafte Lage der russischen Judenheit grell beleuchtet, wird aus Feodosia berichtet. Dort brach eine jüdische Frau — ihre fünf kleinen Kinder um sich — vor Hunger auf der Sttaße zusammen. Die Familie hatte in Kiew gewohnt. Eines Tages fand die Polizei einen Grund heraus, ihr das Wohnrecht zu entziehen. . Man packte also die Habseligkeiten zusammen und wanderte nach Amerika aus. Dort angekommen, fand die Einwanderungsbehörde bei dem Manne einen Herzfehler und sandte die Familie zurück Der Mann wurde wahnsinnig, und Frau und Kinder verloren so die letzte .Stütze. RewPork. Einen Rekord stellen die diesjährigen Einwanderungsziffern dar. In den ersten acht Monaten sind fast eine Million Zwischendeckpassagiere gelandet, fast 300 000 mehr als int gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ans der Lehrerwett. Saaxanion. Kantor Weil« MolSheim ist nach hier berufen worden. Oluhausen (Württemberg!. Leopold Pollack beging sein 25jähriges Jubiläum als Lehrer unserer Gemeinde. Czernowitz. Der Ausschuß des Vereins der jüd. Lehrer und Lhrerinnen in der Bukowina beschästtgte sich mit der Zurücksetzung per jüd. Lehrer seitens der Regierung. An verschiedenen Schulen, die nur von jüd. Kindern besucht werden, waren kürzlich definitive Lehrerstellen zu besetzen, — doch wurden die jüd. Aspiranten nicht berücksichttgt. Ferner wurde über Enthebungen jüd. Lehrer und Lehrerinnen berichtet deshalb, weil bieselben den von den deutschnationalen Inspektoren bevorzugten Lehrern'aus fremen Kronländern den Platz räumen mußten. (Eine - sonderbare Taktll der Bukowinaer Schulbehörden.) Ein Klagelied bildete ferner eme Reche erledigter Lellerstellen, die deshalb nicht zur Besetzung gelangen, well nach den bestehenden gesetzlichen Bestunmungen diese Stellen den Juden zufallen müßten. Der Ausschuß faßte den Beschluß, mll den jüdischen Abgeordneten in engere Fühlung Lu tteten und ferner wettere Kreise der jüdischen Bevölkerung für eine diesbezüglich einzuleitende Aktion zu gewinnen. Dedreezen (Ungarn). Zum Direktor der Staats« oberrealschnle ist Professor Dr. Albert Kardos, ernannt worden. Er ist der erste Jude, der in Ungarn Letter einer schall. Anstalt wurde. Kardos hat sich literarisch einen guten Ruf gemacht, als Jude hat er sich in den 70er Fahren exponiert, setther regelte ftr mehr. im kongreganischen Fahrwasser. Bemerkenswert ist, daß auch die Stadt Nr- Debreczin, „das kälvinische Rom", seine Kandidatur eifrig unterstützte. Rew'Vork. Das Rabbi Jsaac Elchanan- Thevlvgie-Seminar graduierte dieser Tage fünf Hörer: Salomon Zimmermann, Jschar Levine, Jsaiah Aaron Horowitz, Jacob Sachs und Joseph Drevy. Die Prüfung nahnien Rabb. Dr. Philip Klein, Rabb. M. S. Margolies und Rabb. Wolf Margolies ab. Frankfurter Berichte. Die KnltnSstener» orthodoxer Gemeindemitglieder. Nachdem im Jahre 1876 das Austrittsgesetz proklamiert war, das den Juden gestattete, „wegen religiöser Bedenken" ihren Austritt aus den Synagogen- Gemeinden zu erklären, drehte sich bekanntlich der Streit zwischen Rabb. S. R. Hirsch s. A. und Rabb. S. B. Bamberger s. A. um die.Frage, ob der Austritt auch dann geboten sei, wenn die Synagogen-Gemeinde die zur Beseitigung der „religiösen Bedenken" notwendigen Institutionen einrichtet und unterhält. Während Rabb. Hirsch die Frage bejahte, entschied Rabb. Bamberger entgegengesetzt, und die in der Gemeinde verbliebenen Orthodoxen beriefen sich mit ihrem Verbleiben auf Bamberger. Um jckoch auch diese Richtung zum Austritt zil veranlassen, tauchten fortgesetzt neue Gründe auf, insbesondere, daß die Steuerleistung auch Verwendung für die Haupt- Synagoge und das Philanthropin fände. Die Ritual- Kommission sah sich infolge neuerlich erhobener Behauptungen veranlaßt, bei dem..Vorstand der Gemeinde anzuftagen, ob in der öfteren Zusage des Vorstandes (zum letzten Male 1899) inzwischen etwas geändert worden sei, und erhielt hierauf die nachstehende Antwort: „Ans die uns mit Protokoll-Auszug vom 8. v. Mts. mitgeteilte Anregung bestätigen wir andurch ausdrücklich, daß die Kultussteuern orthodoxer Gemeindemitglicker auf ihren schriftlichen Antrag in Gemäßheit des Gemeindebeschlusses vom 7. Juni 1899 verwandt werden, und daß somit die Verwendung zur Erhaltung des Philanthropins und des Kultus in der Hauptsynagoge und Synagogen gleicher Richtung ausgeschlossen ist. Wir ermächtigen Sie vorstehende Erklärung vervielfältigen zu lassen und in der Ihnen gutscheinenoen Weise zu verbreiten." Es steht also jedem Steuerzahler frei, zu beantragen, daß seine Leistung nur für die rituellen, also der Kontrolle der Ritual-Kommissionunterstellten Institutionen Verwendung findet. Frankfurter Zionistische Bereinigung. In der Montag stattgefundenen Versammlung, aus deren Tagesordnung die Berichterstattung der Kongreßdelegierten stand,entwarfI. L.G.vitein in längeren Ausführungen ein klares Bild der Verhandlungen des Kongresses. IN der Diskussion sprachen Carl Rosenheimer, Harbnrger und Tachaner. N. Goldmann besprach in einer längeren Rede die wichttgsten Fragen des Kongresses im Zusammenhang mit den Problemen der palästinensischen Kolonisation. Da. seine Rcke verschiedene für die künftige Entwicklung des Zionismus bedeutsame Fragen anfwarf, wurde angesichts der vorgerückten Stunde die Debatte vertagt. Die nächste Versammlung findet Dienstag, den 7. Oktober im blauen Saal hes Kausmännischen Vereines statt. Da sie sich mit der Behandlung äußerst wichtiger Fragen des Zionismus und der Palästinaarbeit beschäftigen wird, ist ein zahlreiches Erscheinen aller zionistischen Gesinnungsgenossen dringend geboten. Zion. Jugendgruppe. In der Generalversammlung gab der bisherige Vorherige Vorsitzende, D. Tachaner, den Bericht. Zum Vorstand wurden gewählt: Zahnarzt Nathan (1. Bors.), Dr. Seligmann (2. Vors.), Frau Bamberger, Srl. Grnnblatt, Harbnrger, Dr. Adler, Max oitein und Rothschild. In Herrn D. Tachaner, den bisherigen Vorsitzenden, der aus beruflichen Gründen eine Wederwahl ablehnte, verliert die Jugendgruppe ihre hervorragendste Kraft. . .; . '! i A J.-Jugeudgruppe. Vom Büro der A. I'.-Jugendgruppe wird uns geschrieben: Am Roschhaschonoh finden folgende Sonderveranstaltungen statt: Am ersten Tage, nachmittags 3*/i Ahr: Gemoroh (Liverhand); Mischnah „Rausch-Haschonoh" (Direktor Dr. Lange). Mi zweiten Tage, nachmittags 41/* Uhr: Gemoroh (Liverhand); Mischnah „Ransch-Haschonvh" (Direktor Dr. Lange). Am Schabbos Nachmittag S Uhr wird Dr. Maier Munk-Lembergüber „Historisch-Homiletische Betrachtungen der Sidra" sprechen. Kleine Rothen. Frau Johanna Grünebaum, Zahnatelier, Bleichstr. 44, hat für unbemitteltejüdischeKinder jcken Nachmittag von 5—6 Uhr eine kostenlose Sprechstunde eingerichtet, in der sie für Zahnziehen, Plombieren usw. nichts berechnet. Sie I von der Da f I oi' Um Lut Mit l&riiiibui I auch H j flciiomin I verpflan 1 2Bei l Spitze k allein, I immerhi ditionell redend wenn i späteren I ms de jederzeit will? s! letzteres I bet dei [ Rolle Eil j billig e eine b 1 es sich handelt der gr werden, > ein A De sitz-: P Frcime ,ß- Prof. Anlaß, sen A und ik zeichne lassen. B> Mai l 1. bor e Chija, Dr. M durch ziigänj Ci 01 Lager daher n i Hfl Frai Mi per Pi Jo E. emp Tap Spei Aepf( bis zi Oft wird Bewe triebe keit i Pfleg wend

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