Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 38 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Frankfurter JsraeWsches FamAenblatt. «eite 5 VsscKmascKinen, MscKe-AkLuyeln, Vrinzer, ZLvilmenrpsnner, Mgelbretter, Bügeleisen. - Erstklassige Fabrikate. Breitwieser & Franke Kaiserstrasse 8. —■ Telephon-Amt I. 901 Universitäts-Cafe BockÄemBr -- Enstklasmlges Familion-Gafö. Mässige Preise. *W8 _Besitzer: Ennst Oünkol. Gefühl regt sich in Großvater und null chn übermanuen. Doch nein, der da, — der hat ihm ja den tiefsten Schmerz angetan! „Was willst Du hier bei mir?" fragte er schroff. „Nur nach Dir sehen," erwidert der junge Mann demütig, „ich hörte, Du wärest krank, und da glaubte ich. Du könntest vielleicht — was — brauchen!" Wieder spürt der Alte dieses weiche, milde Gestihl inr Herzen, ihm ist es, als müßte er dem Jungen die Arme um den Hals legen und ihn küssen, wie er ihn als Kind geküßt. Doch nein, nur nicht weich werden! „Ich danke schön," sagt Großvater kalt, „es geht mir schon besser, und ich brauche nichts." Er dreht sich nach dem Fenster um, und in dem dumpfen Ziminer waltet Schweigen. Wer dann kommt er einen Schritt näher: „Großvater!" Der Alte dreht sich nicht um, aber er muß die Nägel m die Hände Pressen, um standhaft zu bleiben. „Großvater!" bittet es nochmals. Da dreht er sich langsam um. Und da liegt auf einmal Benzion vor ihm auf den Knien und preßt schluchzend des Alten hagere Hände an sein Gesicht: „Großvater, verzeihe mir und nimm Deinen Fluch von mir!" Der Alte zittert und spricht kein Wort. Ter schreckliche Mend steht vor seiner Seele, als Benzion, sein ältester Enkelsohn, ihm gestanden hat, daß er sich mit Marietta, dem italienischen Mädchen, verlobt hat. Sein Enkel, der Sohn seines ftommen Jsaac, mit einer Goje verlobt! Verflucht hat er ihn vor allen anderen Kindern und ihn von seiner Schwefle gewiesen! Und nun, — dieser weiche, linde Sonntagnachmittag, — und das einsame Stübchen, — die anderen Kinder fern und fremd, — und dieser hier, den er am meisten geliebt, den es zurückzieht zum alten Großvater. „Marietta ist mir ein so treues Weib," schluchzt Benzion, „und das Geschäft geht gut, und ich könnte so glücklich sein! Aber Dein Fluch lastet auf mir! Marietta ist guter Hoffnung, — morgen oder übermorgen kann es sein, — und ich habe solche Angst, daß etwas passiert, habe Angst vor Deinem Fluch! Vergib mir, Großvater!" Dem Alten ist es, als schmölze ihm das Herz, aber noch einmal wacht der alte Groll in ihm auf. Er richtet sich empor und steht mit seinen weißen Locken vor dem Enkel, wie einer der Propheten: „Deiner Eltern Namen hast Du entehrt, Deinen Geschwistern ein böses Beispiel gegeben, und mir, Deinem Großvater, hast Du das Herz gebrochen!" Der junge Mann weint laut auf. „Großvater," ruft er gequält, „es ist das Land, dieses Land, das uns alle umkehrt und den alten Sitten untren macht!" Und leise, vorsichtig ftagt er: „Wer von uns hat denn zuerst dm Schabbos gebrochen?" Da ist es vorbei mit des Alten Krafter sinkt nieder auf seinen Stuhl und birgt stöhnend das Gesicht rn den Händen. „Nimm Deinen Fluch von mir!" bittet Beuzion, und mit zitternden Händen zieht der Alte den Enkel an sein Herz. Dann sitzen sie bei einander und reden vom Geschäft und den Zeiten, von den Geschwistern. Benzion ist so glücklich, wieder beim Großvater zu sein, daß er ihm immerfort die Hand küßt, und der Alte streicht ihm über das schöne Haar; von seinem Herzen ist eine unerträgliche Bürde genommen. „Was macht Chaim?" fragt Benzion, und Großvater erzählt, wie der Junge gut lernt und wie lieb ec ist. „Er ist der einzige, der im Sinne der Eltern leben wird." Benzions Gesicht wird ernst. „Großvater," sagt er, „Du soflst hundert Jahre alt werden, aber Tu bist ein alter Mann. Hast Du schon daran, gedacht, was mit Chaim wird, wenn, — wenn-". „Wenn ich nicht mehr sein werde," sagt Großvater. „Das ist ja meine Angst, meine entsetzliche Sorge, die mich gemartert hat, als ich krank war." „Großvater!" fleht Benzion. Wer da zieht der Alte seine Hand aus der des Enkelsohnes. „Nein, nein," sagt er, „das nicht. Nicht in Deinem Hause, wo die christliche Frau regiert, wo er keinen Feiertag mehr kennen und unreine Kost essen wird. Nein, nein, das nicht, — er ist der einzige, der mir geblieben ist, und er soll ein frommer Jude werden." . Stumm, mit gesenkter Stirn, steht der junge Mann da. Dann küßt er des Men Hände und geht. Ms er fort ist, sitzt Großvater wieder am Fenster und sinnt. So leer ist das Stübchen jetzt wieder, so einsam. Chaim spielt noch unten aus der Straße. Großvater kann ihn sehen, — dieser einzige, der ihmgeblieben, dieses Kind, das er so lick hat! Großvater suhlt plötzlich eine tiefe Schwäche, die Auftegung war so groß, und er ist doch schon ein recht alter Mann. Eine Angst befällt ihn, — wenn er doch nun wicker krank wird, und wenn er etwa stirbt! Was wird aüs Chaim werden, seinem letzten? Und auf einmal wird Großvater von einer Ungckuld ergriffen, seinen Entschluß, den er während der Krankheit gefaßt, auszuführen. „Chaim!" ruft er zum Fenster hinunter, „komme herauf, mein Kind!" Gehorsam folgt der Junge dem Ruf. Großvater stellt ihn zwischen seine Knie. „Sage, mein Kind, möchtest Du in einem schönen, großen Hause wohnen und alle Tage gut essen?" „Ja, Großvater," sagt Chaim verwundert. „Und möchtest Du immer ein ftommer Junge bleiben und schön Gemore lernen?" Der Junge nickt, — was hat Großvater nur? ■ „Siehst Du, Chaim," sagt er, „Großvater ist ein alter Mann, und kann sich heute oder morgen zum Sterben hinlegen, und Du wirst dann ganz allein sein. Dann wird Benzion kommen und wird Tich zu sich nehmen, und dort wirst Du alles vergessen, was Dir in Deines Broßvatersj Haufe hejisig war^ Und darum!, mein Kind, wfll ich Dich in das Waisenhaus bringen, zu den andern Kindern, wo Du es gut haben wirst und dem Andenken Deiner Eitern Ehre machen kannst. Nun zieh Dich an. Mein Sohn, und komme mit!" Chaim hat den Großvater nicht recht verstanden, hat nicht begriffen, daß er sich ganz von ihm trennen soll. Aber er macht sich ganz folgsam fertig, und Großvater nimmt ihn bei der Hand. Ms der Me über die Schwelle tritt, sieht er zurück in das düstere Zimmer, — sein letzter! Er fühlt die entsetzliche Ocde, die von jetzt an über diesem Raume lagern tvird, und ein Aechzen ringt sich von seinen Lippen. J. W. Albert, Optik Fitsn. PIncenez Doubte Mk. 7.50, Nickel Mfc. 4.00. Waissf«-3uen»*i*«sse II, Erke Nene Mainzpratraaae. Fasttag. Mir ist so müde Traurigkeit An diesem Tage eigen. Wo sich zum Bach, wie todgciveiht. Die Weidenzweige neigen. Umdüstert ist und schwer mein Sinn, Von meines Stammes Leiden. Mein Leben, wie des Bachs Gerinn, Spiegelt nur Trauerweiden. Wien. Marek Scherlag. kfdser Friedrich Quelle - Offenbaoh s. JL ■ Gegen Gicht and Bhewnattemna bewahrt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl, Frankfurt a.M., Günthersbnrg-Allee 37. Tel.259 n. 714» Wochev-Kalerrder. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 27. September (= 25. EUul.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Ubr 45 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr — Min. in Berlin 6 Uhr 37 Min. Wvchenabschnitt: Nizowim und Wajeilech. — .Moses ermahnt Israel, dem göttlichen Gesetze Treue zu wahren. Für die Nichtbeobachtung stellt er Strafen in Aussicht: Krankheit, Zerstreuung unter die Feinde usw. Die Thora, das göttliche Gesetz, ist jedem „nahe"; jeder kann sie erfüllen. Aufruf von Himmel und Erde atz Zeugen, Israel das „Gute" und somit das „Leben" zur freien Wahl vorgelegt zu haben. — Ermahnungen Moses an Israel, Strafverkündigungen beim Abfall. Die Pflicht, die Thora abzuschreiben und so zu deren Wahrung beizutragen. Sonntag beginnen die S e l i ch a u s t a g e. Mittwoch ist Crew Rausch-haschonoh. Es wecken mehr Selichaus (Bußgebete) als an den vorhergehenden Tagen verrichtet. Das Schofarblasen unterbleibt, um einen merklichen Unterschick zn machen zwischen dem bisherigen freiwilligen Blasen während ganz Ellul und jenem am Rausch-haschonoh, an dem es Pflicht ist. Der Tag sei dem Ernste und der Buße gewidmet. — Das Wichtigste des Tages ist die Aussöhnung Befein- Ffir die zahlreichen Beweise wohltuender Teilnahme während der Krankheit and anlässlich des Hinscheidens unserer innigatgeiiebten, teuren Matter und Grossmntter Frau Rabbiner Dr. Ai sagen herzlichsten Dank Frankfurt a. M., London, den 21. Sept. 1913 Die fpauBrndBn Binder and Enkel. Iu deren Namen: Br. med. Gustav Stiebei and Frau. MARKECONOOR •] Herbst-3\T eulieiten SclmürundL K.n opfstiefel, sowie Halbschuhe hochmoderne Ausführung, schicke Formen, teils mit aparten orangefarbigen oder hellgrauen Chevrcaueinsätzen 10.30, 11.30, 12.50, 14.30 GsnßdMCsftfi. Frankfurt a. ZEIL 07, Tel. Amt I. 12832. Frankfurt a. M. 107-109., <3 * m *bH Tel. Amt I. 12832.