Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1913-09-19 · Heft 37 (19.9.1913) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 37 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692819-2692856--07915-2703021
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

HHH Nr. 37. diese schreikngsum, bit das Aechzxg luaten und kein Ende? die Reih« :f, und itj r und weiß: er, „kommt endein Kleiie klappern l dem Klei- > Tier rvinärter drein, die ver- 3ett strahlt rzt und die versagende» und schon nach oben, l'nein. Cm , aber er nein Sohn, c Erde zun den des ie Kinder, eldenhasten Ich wache werde sie erziehen." der Sterlater, düs bebender es Sohnes auf. Aber Pfeifender >en, dann sich. ine Stirn chrei aus, chrecken. eweckt und hen stehen jtern um- Sie nehü ihn mst ster Morhinten in Land! r Zittern;t er die trockenes, Kehle. Väter mit alle seine einzigen m Boden. and sieht aß er ist, tlich durch Händchen, und eine ter Groß- Ja, cs das ist rück und er auch und sein -schlossen. Herr ge- Ruhen? )irekt in »ldnianns sitzt am e Kinder, ■läee rankfart). 1 jährlich einignng Mage M ilt. Z7 Jüdisches Gemeinde-Jahrbuch?) Das ershe jüdische Gemeinde-Jahröuch seiner Art! Das Buch M freudig zu begrüßen als .ein Zeichen dafür, daß. die zionistische Tätigkeit sich auch innerpolitischen Aufgaben zuwendüt und . vor dem Gemeindeleben nicht Halt macht; giöt es doch dort noch mancherlei zu lösen, viele Schäden zu beseitigen und den alten, verrosteten GemLindemechanisntus mit neuem Geiste zu beleben. Mit dem frischen und ernsten Geiste einer jungen und wieder — jüdischen Generation, die sich nun auch die Regeneration der jüdischen Gemeinde zur Aufgabe macht. Die Regeneration der jüdischen Gemeinde, das bedeutet: In die historisch wie inhaltlich verblaßte, historisch wie inhaltlich degenerierte Institution soll endlich neues, erweckendes Leben einziehen; das heißt, die Gemeinde soll wieder das vollauf .werden, was sie vor .der Emanzipation war: der natürliche Organismus der Juden in der Diaspora. Bon diesem Wunsche ist das ganze Buch bsscelt. Und um diesem Wunsch konkrete Gestalt zu geben, ist hier versucht worden, Grundsätze auszuarbciten, Vorschläge zu machen und Forderungen zu stellen. * 1 Dr. Witkowsk Y-B erlin skizziert an erster einleitender Stelle „Ein Gemein de Programm", das Grundsätze und' Richtlinien festlegt und hierauf Forderungen stellt. Als wesentlichste Grundlage wird hier ausgebreitet die dem denkenden positiven Juden zu Bewußtsein gewordene Notwendigkeit von der „Erhaltung und Förderung des Judentums". Auf dieses Prinzip führen sich nachfolgende, vom Verfasser im einzelnen begründete Forderungen zurück, die wir hier in aller Kürze nur knapp formulieren: Erhaltung und Pflege der hebräischen Sprache jn Gottesdienst und Unterricht, jüdisch-historische und Modern-pädagogische Richtlinien für den Religionsunterricht, Schaffung jüd. Volksschulen, persönliche Unabhängigkeit des Rabbiners in allen religiösen Fragen, die Materielle Sicherstellung des Lehrers, Heranziehung aller Juden zur Mitarbeit aM Gemeindeleben und an der Gemeindeverwaltung durch Einräumung des aktiven und, passiven Wahlrechts, durch Schutz der ausländischen Juden vor Wahlrechtsraub und durch Einführung der Verhältniswahl; schließlich wird als letztes die progressive Einkommensteuer nach Maßgabe der Staatseinkommensteuer gewünscht. Im übrigem wird noch die verständliche und dringende allgemeine Forderung gestellt, daß die Gemeinde den engen Rahmen ihrer bisherigen Tätigkeit überschreite und zur lebhaften Anteilnahme übergehe an allen jüdischen Fragen sozialer und allgemeiner Natur. — Wir können uns im wesentlichen mit den Ausführungen und Ergebnissen Witkowskys nur einverstanden erklären. Von den nachfolgenden Aufsätzen gemeindepolitischen Charakters stehen eigentlich nur drei Arbeiten in direkter anknüpfender Beziehung zum leitenden Artikel. Es sind dies: Die Finanz- Wirtschaft der Gemeinden (Kolleinscher- Posen), Die Bevölkerungspolitik der deutschen Juden (Theilhabör), Wirtschaftspolitische Aufgaben der Gemeinde lHans Goslar-Berlins. Kollenscher stellt .die Bedingungen und Voraussetzungen einer gesunden Finanzwirtschüft fest und gibt vor allem die notwendigen Materiellen und ideellen Bedürfnisse, an/ deren Befriedigung ein vernünftiger GeMeinde-Etat voraussetzen und decken soll. Als hauptsächliche finanzielle' Quellen werden progressive lÄnkoMmtznsteuer und.Anleihen angegeben. Theilhaber zieht in seiner Arbeit notwendige praktische Folgerungen aus seinem Meisterwerke „Der Untergang der deutschen Juden". *) Jüdisches Gemeinde-Jahrbuch 1913/14—5674. Herausgegeben von/der Zionistischen Bereinigung für Deut,chland. Berlin W. 15. Mn einem Borwort von Max Kollenscher- Posen und einem jüdischen Kalender, redigiert von I. H. Magner-Berlin. Der Artikel Hans Goslars befürwortet dringend! die Errichtung einer jüdischen Wirtschastszentrale und .als Unterabteilungen fiir diese Institution an die Gemeinde angegliederte soziale resp. wirtschaftliche Dezentralen. Dör Vorschlag ist bedeutungsvoll und zeitgemäß. * Die weiteren Aufsätze, die sich mit Gemeindepolitik befassen, geben nur Ausarbeitungen von durch Witkowsky schon skizzierten Einzelheiten; wir nennen Themata und Autoren:. Die. Sprache des Gebetes (Heinrich Löwe), Ausländer und jüdische Gemeinden (Victor-Wandsbek), Gemeinde und Schule (Ernst Kalmus), Die Verhältniswahl in den jüdischen Gemeinden (Elias Straus). Die Sammlung weist noch zwei erfrischende Auffätze religiöser Natur auf: Unsere Fasttage (Lew Messen) und vor allem: Unsere Feste (Rabb. Joseph-Stolp). Der literarische Teil des Buches enthält bekannte Namen und ist geschickt zusammengestellt. Als Gesamtergebnis unserer Besprechung können wir.nur nochmals unsere Freude über dieses zeitgemäße Buch äußern und wünschen, daß es in berufenen Kreisen seine herzhafte Wirkung habe. Hoffentlich stellt es.das erste vielversprechende Glied einer Kette von stetig verbessernden Seinesgleichen dar. Jehuda. Kraukenhausfragen. Frankfurt a. M., im September. Das neue Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde befindet sich bcheits im Stadium d^r Jnnen- Einrichtung, und auch die Israelitische Religionsgesellschaft hat heute ihre praktischen Krankenhansinteressen, denn mehr als 600,000 M'arM hat ihr die Opferwilligkeit ihrer Mitglieder für die Erbauung eines Krankenhauses zur Verfügung gestellt. Grund genug also, daß sich das Publikum von hüben und drüben mit Krankenhausfragen befasse! Wir wollen heute kurz nur einiges streifen: Wie wir hören, soll die Klasseneinteilung in dem neuen Krankenhaus dör Jsr. Gemeinde eine andere als bisher sein. Es wird eine Klasse 1b. geschaffen, die der 2. Klasse anderer Krankenhäuser entspricht, und in der die Patienten freie Aürztewahl haben. Für die Klasse 2 fällt nunmehr die fieie Llerztewwhl weg. Wenn der Preis für 1 d. nicht wesentlich höher als für die bisherige Klasse 2 angesetzt ist, dann kann man ja mit dem neuen Modus einverstanden sein. Recht erfreulich ist, daß in den poliklinischen Sprechstunden künftighin die verschiedenen Spezialgebiete von Spezialisten versehen werden sollen. Hoffentlich wird in dem.Neubau die Möglichkeit geschaffen, mittellosen Patienten der Poliklinik Heilbäder und orthopädische Behandlung zu gewähren. Es würde das eine überaus segensreiche Einrichtung sein. Hinsichtlich des Krankenhauses der Jsr. Religionsgesellschaft sind ja solche Detailfragen noch lange nicht aktuell, denn vorläufig ist nur das Geld da und die Leitung der Gemeinde ist über theoretische Erörterungen bisher noch nicht hinausgekommen. Eine praktische Frage ist aber in den Kreisen der Religionsgesellschaft schon lebhaft diskutiert worden: die Chefarztfragü. Unter Berücksichtigung der Verhältnisse — besonders des Umstandes, daß es sich um ein kleineres Krankenhaus handelt — dürste hier das Prinzip der fieien Aerztewahl am zweckmäßigsten sein. Wenn das Krankenhaus-Kuratorium sich aus drei Aerzten und drei Laien zusaMmensetzt, dann ist wohl für eine fachmännische Führung des Krankenhauses genügend Vorsorge getroffen. Der XI. Zionisteukongretz. Dienstag, Nachmittagssitzung. Julius Simon-Mannheim teilt mit, daß Friedensrichter Moser für das Hebräische Gymnasiuin in Jaffa die restlichen Baukosten im Betrage von Frs. 31 WO übernommen sowie für fünf Jahre die Zeichnung von je Fr. 5000 zugesichert habe, falls auf dem Kongreß die gleiche «summe aufgebracht werde. Dies sei nun geschehen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung gelangte eine große Anzahl von Resolutionen des Palastinaausschusses zur Verlesung, die sämtliche dem zu wählenden Aktionskomitee zur Durchführung überwiesen wurden. Unter atemloseer Spannung des Kongresses gab sodann der Vorsitzende des PermanenzauSschusscs, Professor W e i z - mann, folgende Erklärung ab: „Der Permanenzansschuß hat in seiner Sitzung vom Sonntag den Beschluß geefaßt, daß das Große Aitioiiskomitee mit dem Aufpichtsrat der Bank identisch sein muß. Auf Ersuchen des Engeren Aktionskomitees, welches sich im Laufe des Kongresses mit der Bankleitung verständigt hat, hat der Permananzausschuß aus die Durchführung seines Beschlusses verzichtet und ,stellt gleichzeitig den Eintrag, über alle Anträge zu diesem Punkte zur Tagesordnung überzugehen." Der Kongreß stimmte diesem Anträge zu, nachdem dre Vertreter der zionistischen Arbeiterparteien und der westösterreichischen Organisation .Erklärungen dahin abgegeben hatten, daß sie fest aus dem Boden der von ihnen gestellten Anträge ständen und nur unter dem Druck der Verhältnisse auf die Durchführung in diesem Augenblicke verzichten. Auf Antrag des Präsidiums wurde sodann folgende Resolution einstimmig angenommen: „Der in Wien versammelte XI. Zionistenkongreß gibt in Erwägung der gegenwärtigen Lage unserer Volksgenossen aus der Balkan-Halbinsel solgende Er-; klärung ab: 1. Zn Anbetracht der Grenzverschiebungen und der^Neugestaltung staatsrechtlicheer Einrichtungen auf der Balkan-Halbinsel ist es eine dringende Notwendigkeit» die nationale, bürgerliche und religiöse Gleichberechtigung der jüdischen Volkselemente in gleicher Weise wie die alle anderen Bevölkerungsteile sicherznstellen. 2. Der Kongreß gibt seiner festen Ueberzeugung Ausdruck, daß die bei der Regelung der Fragen der Neugestaltung in Betracht kommenden Machtsaktoren die Durchführung dieses Prinzips verwirklichen und vor der Ratifizierung des Bukarester Friedenstraktats sichern werden. 3. Der Kongreß ermächtigt die Leitung der zionistischen Organisation, diese Resolution den entsprechen» . den Instanzen zur Kenntnis zu bringen."; | ,* Gegen 10 Uhr abends wird die Schlußsitzung eröffnet. Das Budget mit 230 000 JL Einnahmen und Allsgaben wird genehmigt und eine Resolution gegen den Beilisprozcß angenommen, die in würdigen, energischen Worten gegen diese Schmach protestiert. Sodann wird zu de» Wahlen geschritten. Unter stürmischem Jubel wurde die alte Leitung (Prof. Warburg-Berlin, Dr. A. ^Hantke-Berlin, Dr. V. Jacobson-Konstantinopel, Dr. S. Lewin-Haifa, N. Sokolow- Berlin) wieder- und Dr. Jechiel Tjihlenow-Moskan neugewählt. Ins Große Aktions-Comite wurden gewählt: Wolffs o h n, dem der Kongreß eine begeisterte minutenlange Ovation darbrachte, Dr. Bodenheimer, Jean Fischer, Dr. F r a n ck, Dr. F r i e d e m a n n, B- G o ldb e r g - Wilna, H. G- Hey m a n n, Dr. I d e l s o h n, I. Kann, Keßler, Dr. Klee, Kremenetzky, Dr. Marmorek, L- Motzkin, Raiditsch -Moskau, Pod lisch e w s k y - Warschau, Dr. Reich-Lemberg, Ros o f f- Petersburg, Dr. Ro sen b au m-Minsk, Schein, I. Simon, Stand, Ing. Stricker-Wien, Ussischkin, Prof. Weizmann. Nach Beendigung der Wahlen dankte Prof. Marburg im Namen des E. A.-C. für die Wiederwahl und gab der Freude Ausdruck, einen Mann von der Bedeutung Tschlenows im E. A.-C. vertreten zu sehen. Es ergriff sodann das Wort, begeistert empfangen. CH. M. Bialik. Jn kurzer hebräischer Rede legte er die Bedeutung des Kongresses dar. Seine Worte lösten großen Beifall aus. Ing. N. S y r k i n feierte David W o l f f s o h n, der in unparteiischer, würdevoller Weise den Kongreß geleitet habe und, wenn auch nicht nominell, so doch de facto auch heute der bedeutendste Führer des Zionismus sei, sowie Dr. Tschlenow, der dem Zionismus das große Opser bringe, seine sichere Lebensstellung aufzugeben und nach Berlin als Mitglied des E. A.-C. überzusicdeln. Die Stimmung war bereits eine feierliche, als David Wolffsohn das Schlußwort ergriff. „Wir stehen am Ende eines arbeitsreichen und mühevollen Kongresses. Aber die schweren Mühen, die er uns auferlegt hat, sind nicht zu bedauern, denn auch der XL Kongreß hat uns einen schritt näher gebracht der Erreichung unseres Zieles. Manches harte Wort ist in der Erregung des Kampfes auf dem Kongreß gefallen. Nun aber, da wir scheiden, seien alle Kämpfe und Differenzen vergessen. Nun gehen wir nach Hause mit dem Entschlüsse, Arm in Arm gemeinsam für unser Werk weiter zn arbeiten. Wir können frohen Mutes in die Zukunft sehen. Solange wir Männer wie Tschlenow haben, die bereit sind, dem Zionismus ihre Lebensstellung zum Opfer zn bringen, können wir ruhig und freudig der Realisierung unseres Zieles entgegenschreiten. Noch mehr Mut aber verleiht uns die Ueberzeugung, die uns alle beseelt, daß es außerhalb unseres Lagers keine Lösung der Judenfrage geben kann." Mit Worten des Dankes an die Stadt Wien, an die Borbereiter und Ordner des Kongresses, an die Presse und die zahlreichen Gäste schloß Wolsfsohn den Kongreß. Und als dann die „Hatikwah" angestimmt wurde/ da klang der Sang stark und mächtig, wie noch nie. Die ganze innere Ueberzeugungskrast der erlesensten Geister des jüdischen Volkes, die gesamten heiligsten Hoffnungen des. ganzen Volkes'fanden in diesem imposanten Gesänge ihren Ausdruck. Sille empfanden es in diesem'Augenblicke: Die Tausende, die jetzt begeistert das' „Od lo abdah tikwatenu" singen, bergen in sich das Höchste und Heiligste, was unser Volk heute noch besitzt: die Hoffnung auf eine I große Zukunft im Väterlande. _

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.