Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 31 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Veite 4. bie Wahrheit . . . Und es Machte dazu ein furcht-' bares Geräusch." Me gesamte, sehr zahlreiche Gesellschaft, in welcher der Oberamtmann Riegner, der Bürgermeister, Dr. Thorner, der Förster, der Apotheker, kurz alles, was einen Namen in Zladno trug, anwesend wäret?, hatte mit begreiflicher Spannung dem Vorgänge gelauscht. Jetzt erhob sich Frau Oberamtmann Riegner, eine würdige, alte Dame aus alladeligem, polnischen Geschlecht, übrigens eine Verwandte von Frau Christine, welche von jedermann schr verehrt wurde, näherte sich dem Hausherrn und faßte erregt seine Hand: „Mein ÜÄer Heinrich Dcsiderius, dieses Mädchen scheint wirklich, wie Ihre teure Gemahlin soeben bemerkte, eine schlechte Person zu sein. Das Gespenst, welches sie gesehen oder gehört haben will, scheint mir die Stimme ihres eigenen Gewissens gewesen zu sein. Da, wie uns allen bekannt, das Mädchen in einer Sache von Bedeutung sein Zeugnis ablegen soll, so würde ich raten, sie zur helligen Beichte zu schicken, Hamit das verirrte Kind zur Wahrheit geleftet werde." Der Amtsrichter ^verbeugte sich zustimmend: „Gewiß, Frau Tante. Wie Sie raten, soll cs geschehen!" Aber Christine, welche zu Franjas unendlichem Schreck« heute die lang 'getragene Maske einer ftemidlichen Beschützerin fallen gelassen, rief heftig: „Gleich soll sic beichten, hier auf der Stelle! Sprich! Was hast Du zu bekennen?" Jetzt erst merkte Franja Gefahr. Sie ahnte ihren Nimbus als interessante Persönlichkit verloren, — sie sah sich als lügnerische Anklägerin gebrandmarki. Auf ein Entkommen aus dieser Not war nicht zu rechnen, bestürzt blicke sie im Kreise umher. In einer Fensternische stand der Bürgermeister mll zorngerötetem Gesicht, — hatte sie recht gesehen? Er hob warnend den Finger. Da blicke Franja die verwandelte Herrin tücksch an, senkte darauf die Augen zu Boden und schwieg. Alle Blick richteten sich auf sie, es herrschte «ne peinvolle Stille. Franjas Augen suchten die Tür. Nur hinaus! ... Da kam aus dem Winkel am Kamin, dessen untere Hälfte durch einen großen, seidenen, kunstvoll gesticken Ofenschirm verhüllt war, rin unheimlich^ Schnarren und Knarren, ein gräßliches Geräusch. Nclly Thorner, die vor dem Schirm kauerte und die prächtigen, gelben Blumen zu bewundern schien, verließ erschrocken ihren Platz und flüchtete zu Christine. . . . Das häßliche Knarren klang noch stärker und mißtömger, — bald dort, — bald da, — jetzt jedem in der Nähe. Alle.'Damen hiellen sich entsetzt die Ohven zu. Franja fuhr leichenblaß in die Höhe. „Es fommt in den Saal!" kreischte sie. „Barmherzigkeit, — ich, — will ja — alles gestehen!" schrie sie, „es ist kein Wort wahr, was ich von Perez gesagt habe, er sitzt unschuldig im Gefängnis." Auf der Stelle verstummte der Lärm. Man sah einander erstaunt an, die Damen schämten sich ein weing ihrer Furchtsamkeit und atmeten auf. Anders die Männer. Ihrer hatte sich jetzt eine viel stärkere Erregung bemächtigt; der alle Förster Hegemann, der junge Herr v. Werder, Phllipp, Riegner umringten das Mädchen in Hellem Zorn. Durch ihr Stimmengcbraus rang sich triumphierend der hohe Sopran der alten Oberamtmännin: „Was habe ich Ihnen gesagt, mein lieber Nessel Müller sprach mll mühsam vc.haltencr Wut: „So Eckest Du uns alle angelogcn, Du abscheuliche Dirne?" „Ich habe hall nur so gesagt," schluchzte Franja, „ich habe mir nichts Böses dabei gedacht." Es wäre der Sünderin mitten unter den empörten Männern wirllich übel ergangen; der alle Thorner allein mahnte zur Ruhe und Mäßigung, dabei, lachte er immerfort vergnügt, als erlebe er da den schönsten Spaß. „Ich begreife Ihre Hellerkell nicht, Doktor," rief der junge Herr v. Werder mißmutig: „Ich möchte ans der Haut fahren, wenn ich daran denke, daß ein kindisches Geschöpf, wie dies da, eine Anzahl vernünftiger Menschen an der Nase herumfiihren durste." Thorner gab dem jungen Apotheker einen sanften Klaps. „Scheu Sic, mich freut das Gespenst. Ist doch nett von ihm, daß cs schnurstracks aus der vierten Dimension hier hereinpoltert, um Ihnen über die . natürlichsten Tinge der Welt die Augen zu öffnen." „Es gibt keine Gespenster," sprach die Frau Förster Hegcmann, blicke aber doch etwas vorsichtig nach " der Tür. . „Warum soll es denn leine gchen?" ftagte Thor- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. net ganz ernsthaft, „so glaubwürdig wie die Erzählungen eines nichtsnutzigen, hysterischen Frauenzimmers sind sie am Ende auch." Aber die Frau Obcramtmann drohte ihm energisch: „Doktor, Doktor! Denken Sie jetzt belieibe nicht an diejenigen, die nicht alle werden. Ich verbiete es Ihnen hier im Namen unserer werten Gesellschaft." Der Doktor lachte und küßte der allen Dame gälant die Hand. Bürgermeister Hartmann hatte der ganzen Szene mü dem höchsten Aerger bcigewohnt, mll all dem Verdruß, wie er nur einen Menschen peinigen kann, der gezwungen ist, die Beschämung eines Bundesgenossen mll anzusehen. Er verwünschte Christine, „die polnische Schlangt, wie er sie im Stillen schall, die ihn mit gleisnerischer Freundlichkeit in ihr Haus geladen, vielleicht nur, damll er Zeuge dieses ihn mit blamierenden Geständnisses sei. Das Gelächter Thorners erbitterte ihn vollends, und als er zufällig, an Philipp vorbeischreitend, bemerke, daß der Referendar auf dem Fächer seiner Braut in fliegender Elle eine Karte schrieb, offenbar eine unverzügliche Benachrichtigung au Dr. Peterson, den ersten Verteidiger des Perez, da hielt sich Hartmann nicht länger, und er beschloß, Franja trotz seines Zornes über ihre alberne SeWbezichtigung zu Hilfe zu kommen. Er zwang sich sogar zu einem Lächeln. „Ich glaube, lieber Doktor, Sie haben ein unbesiegbares Vorurteil gegen die Kleine da." „Herr Bürgermeister," unterbrach ihn der tiefe Baß des Försters Hegemann, „ich habe niemals ein Vorurtell gegen ein Mädchen, aber' ich habe eine unbezwingliche Lust, der da ein paar Maulschellen zu geben." „Könnte nicht schaden," sagte der Oberamtmann trocken. „Aber wer bürgt uns dafür," wehrte Hartmann hartnäckig ab, „daß' Franja nicht in diesem Augenblick wieder die Unwahrhell spricht. Der Herr Dollar ließ da ein Wort fallen, das mir zu denken gibt: hysterisch! Solche Leute sind doch für ihr Tun und Reden gar nicht veranttoortlich." - „Bravo! Bravo!" lachte Turner. Der Bürgermeister warf dem Doktor euren bitterbösen Blick zu. „Ich will .nicht behaupten, daß einzelne der Herrschaften eine gewisse Voreingenommenhell für Perez an den Tag legen. Aber wissen wir denn, ob Franja nicht so ein Medium ist, das unter dem Drucke einer unwiderstehlichen Gewalt etwas ganz Falsches vorbringt oder aussagt? Und da' sie sich offenbar im Banne eines ungeheuren Schreckens befindet —" seine Augen streiften Christine, welche seinen Blick fest und ruhig aushielt. Ja, chm dünlle, als ob die Frau Amtsrichter ihm zum Trotz lauter als sonst ihre klangvolle Sttmmc erhob, daß nur ja jeder und jede es deutlich vernehmen solle, als sie chm erwiderte: „Schrecken! Gewalt! Beide sind nichts als die selbstgcschaffenen Qualen dieser fchuldbestccken Seele; ein reines Gemüt kömtte noch ganz andere Fährnisse furchtlos crttagen. Es steht Ihnen frei, Herr Bürgermeister, alle mellie Räume vom Boden bis zum Keller zu durchsuchen, ob irgendwo eine unbefugte Person auf das Mädchen gewaltsam Einfluß^ geübt." „Aber ich bitte sehr, gnädige Frau . ." „Sehen Sie! Sie halten selbst jeden Verdachisgrund für ausgeschlossen." Die junge Frau lächelte mit all dem Liebreiz, der chr zu Gebote stand. „Nicht Ihr Urteil, Herr Bürgermeister, nur Ihr gutes Herz veranlaßt Sie, für diese Unwürdige Partei zu nehmen." Sie reichte dem entwaffncten Gegner die Hand, dann wandte sie sich schnell zu Franja. Das eben noch so liebliche Anllitz blicke finster, hart, und sie sprach kalt: „Du gehst mir sogleich aus den Augen! Es war kein böser Geist im Hause, ehe Du kamst und ihn mit Dir brachtest. Der Unhold wird Dich auch nicht verlassen; wo Du immer bist, wird er Dich schrecken, Tag und Nacht. Er wird nicht von Dir weichen, ehe Du nicht vor aller Welt Deine Lügen eingestanden. Merke Dir es, daß Du übermorgen vor Gericht nicht wieder neue Ränke ersinnst! Sonst wird jeder einzelne von den Herrschaften hier bereit sein, Dir Deine Schande zurückzurufen! Geh!" Christine folgte ihr mll den Augen, bis die zitternde Gestalt hinter der Tür verschwunden war, dann wandte sic sich, befriedigt lächelnd, wieder zu ihren Gästen: „Ich bitte, meine lieben Freundinnen und Freunde, zur Erholung nach diesem garstigen Intermezzo sich noch einmal in den Speisesaal zu bemühen, um sich dort an einen, kleinen Nach-Jmbiß ein wenig zu erholen.** (Fortsetzung jolgt.) Nr. 31. J> Wa Albert, Optik Pits-u. Plncenez Donblä Mk. 7.50, Nickel Mk. 4.00. Weissfrauenstranna II, Erke Neue Mainzerstrasse. Brmte Chronik. General «imv Lambert. I>» Museum der Gendarmerie zu Nancy ist das Porträt von General Ai me Lambert aufgehängt worden. Aimö Lambert, grand osficier der Ehrenlegion, der 1896 ln Paris starb, hat eine lange rühmliche Karriere durchgemacht. Er hat an 13 Schlachten-tcilgenoininen, mehrere Wunden erhalten und ist während des Krimkrieges allein im Tagesbefehl lobend genannt worden. ■ Er war Besitzer zahlreicher Auszeichnungen nnd aller Medaillen des Krimkrieges, des italienischen, mexikanischen und türkischen Krieges. Der Schah von Persien verlieh ihm den Löwen- und Sonnenordcn. Die Königin Jsabella und Zar Alexander verliehen ihm den Koinmandenr-Titcl und Papst Pius IX. das Kommandeurkreuz des Ordens des ' heiligen Gregors des Großen. Ausgrabungen iu Babylonien. Das 21. Heft der Deutschen Orientgesellschast enthält verschiedene interessante Einzelheiten. Aus den die letzten sieben Monate umfassenden Grabungsberichtcn ist hervorzuheben, daß in Babylon die Ausgrabung des als Südburg bezeichneten ältest e n Palastes Ncbuküdnezars ans dem Kasr-Hügel beendet ist, und daß sich Professor Koldcwey seit Mitte Februar der Erforschung der sogenannten Hauptburg wieder zugcwcndct hat. Diesen von turmstrotzenden Maliern uniwehrten Bau hat ebenfalls Ncbukadnezar auf hoher Terrasse, angeblich in 12 Tagen, errichtet und „zum Staunen der Menschheit" aufs prächtigste ausgeschmückt. Au der hier vorüberführenden Prozessionsstraße ist neuerdings wieder - eine überaus große Zahl farbig glasierter Ziegclbruchstücke gefunden worden. Im Merkes, dem eigentlichen Wohngebiet des antiken Babylon, sind die Arbeiten zum Abschluß gebracht worden, nachdem im ganzen über .2 Kilometer Straßenfronten von Wohnhäusern a u s g c g r a b e n und so ein Straßennetz wiedcrgewonncn ist, das eine Fläche von 12 Hektar bedeckt. Am Babylonischen Turm ist eine vorbereitende Untersuchung begonnen worden. In A s s u r wurde die systematische Durchforschung des ganzen Stadtgebietes nnttels paralleler Suchgräben, die allmählich von Schicht zu Schicht vertieft werden, weiter gefördert. Dabei stieß man auf ein besonders stattliches Privathans aus sehr früher Zeit, das Herr Maresch, der Vertreter Dr. Andreas während dessen vorjährigen Urlaubs, frcigclegt hat. Kürzlich wurde der Grundriß eines ebenfalls aus ältester Zeit stammenden Tempels des Mond- und des Sonnengottes aufgedcckt. Das Heft enthält zum crstennral auch Berichte aus der südbabylonischen Ruinenstätte Warka unweit des Euphrat. Dort hat Herr Dr. Jordan, von Herrn Dr. Preußcr unterstützt, nach Ueberwindung von Schwierigkeiten aller Art, Mitte 'November v. I. die Grabungen begonnen und als erste Aufgabe die genaue Erforschung des von den Arabern Wuswas genannten hochaufragendeu Hügels in Angriff genommen. ctalser JFrledrlcti Quelle —— Offenbacn a, JL — Gegen Gicht nnd Bheunattemw bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frlodrloh Stahl, Frankfurt a.M., Gttntherabnrg- Allee 37. Tel.259 n. 714.* Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem l-oach.) SmnStag, den S. August l--- 6. Aw.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 25 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr SV Min. in Berlin 8 Uhr 35 Min. Wochenabschnitt: H a d e w o r i m. — Moses wirft einen Rückblick auf die Wüstenwanderung, berührt die mannigfachen Verfehlungen, wie die Sünde der Kundschafter, des goldenen Kalbes, das Vergehen bei den Haderwassern, das Verhalten gegen die stammverwandten Völker Edom, Moab und Ammon, die Besiegung der Rieseukönige Sichon nnd Og und Verl.ihung deren Länder an die dritthalb Stämme. Dieser Wochenabschnitt wird stets am Sabbat vor dem 9. Aw verlesen. Nach der Hastara des Tages wird der Sabbat „Schabbos-Chassaun" genannt. T i s ch o - b o a w. Dienstag ist per Fasttag Tischo - boaw (9. Aiv), unser größter Tranertag. Er erinnert an den Untergang des 1. und 2. Tempelheiligtums, beides am gleichen Tage. Der 1. Tempel durch die Babylonier, der 2. Tempel 626 Jahre später durch die Römer. Auch andere Trauerfälle meldet die Tradition für diesen Tag. Das Fasten beginnt Montag Abend 7 Uhr 50 Min. und endet Dienstag .Abend 8 Uhr 34 Min. (Frankfurter Zeit). Wochengottesdienste iu Frankfurt a. M. Morgens: 6 Uhr (Hauptsynagoge 7 Uhr, Synagoge Kvnigsteinersttäße 7 Uhr 30 Min.). Abends: 7 Uhr (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge . Königsteinersttatze 7 Uhr). Offe Elbach er Druckluft - Anlage Offanbadl a. H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfort). Bewährteste Tapolchrslnlgan», 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Bettennnd Bettfedernreinlgung mittelst Druckluft nnd Wasserdampf. .'