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Neue jüdische Presse · 1913-08-01 · Heft 30 (1.8.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 30 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 30. til 130000 Fr., die Kosten des Häuserbaues sollen sich auf etwa 850 000 Fr. belaufen. Nach einer Mitteilung der Jerusalemer Zeitung „Hacheruth" hat Herr Schalom in der Kalkuttaer Filiale der Bank tff England anderthalb Millionen Francs für palästinensische Wohlfahrtszw ecke deponiert. 40°/» der Zinsen sollen zur Erhaltung des genannten Stadtviertels und 5<Vo für das jüdische Hospital in Hebron verwendet werden. Amerika. New-Kork. Die Tagung der Zentral-Konferenz der amerikanischen Rabbiner (Organisation der Reformrabbinerhat gezeigt, daß in Amerika das Reformjudcntum eine Krisis durchmacht. Die ehrlichen Elemente sind mit der Verchristelung der Synagoge immer unzufriedener. Das Predigen von Pfarrern in der Synagoge und der Rabbiner in den Kirchen, dieser Humbug, bei dem in beiden Fällen eine Verherrlichung des Christentums betriebe» wird, die Gewohnheit der Rabbiner, in ihren Predigten Zitate aus dem Neuen Testament zu bringen; die Mischehen, das Ausmerzen aller Zionsstellen aus den Gebeten, — all' dies hat die Ehrlichen endlich mit Ekel erfaßt, — und besonders Rabbiner Dr. S ch u l m a n hat dem auf der Konferenz Ausdruck verliehen. Die Konferenz ging nach einwöchentlicher Tagung nicht grade stimmungsvoll auseinander. Die nächste Konferenz in einem Jahre wird das weitere zeigen. Linolenm ä □ m 3.75 einfarbig braun, Ia Qual. 3,6 mm Bei grösseren Quanten Extraofferten, ff. Kupsobt Frankfurt a. 8L, Altegasse 27/29. — — ■ Bingfreie Tapetenindustrie. .. — ■■ IßttÜIeton Das „Scherer-Bilvul". Von C. Berg. (24. Fortsetzung). „Eine einzige Frage nur, liebe, gute Rclly: Christine und Sie hielten hier heimliche Zusammenkünfte? Philipp war oft dabei? Ihr kommt, um Euch insgcheim wegen Perez zu beraten? Ist es nicht so? Der unterbrochene Verkehr mit Ihnen war ein Schein- Manöver von meiner Frau, mich irre zu leiten?" „Ich verstehe Sic nicht." Nelly wandte sich ab; aber er hielt sic fest. „Die Botenfrau vorhin, Ivar sie nicht die schwarze Hanne? Ich hab's, Hanne ist mit im Komplott!" rief er triumphierend, „ich werde daheim sofort nach ihr recherchieren." „Was Ihnen nicht einfällt," entgcgnete Nelly rasch. „Ueberhäupt, Herr Amtsrichter, alles, was Sie sich da zusaurmenrcimen von Verschwörung und Heimlichkeit, —" erstens ist cs nicht wahr, und zweitens — rund heraus, cs geht Sic gar nichts an. Und wen» Sie nicht ablasscn, uns nachzuforschen, dann werde ich Christine und Hirschthal Ihren abscheulichen Verdacht \ erzählen." „Nelly," rief Müller erschrocken, „Sie werden doch nicht ..." .„Freilich werde ich." Sic bückte sich blitzschnell und hob die beiden Papierfetzen aus, die sie flink in ihre Tasche gleiten ließ. „Noch heute will ich es Christine und Philipp berichten . . . jetzt ... auf der Stelle . . . und wenn Frau und Freund Ihnen nie wieder ein gutes Wort geben, wird es Ihnen ganz recht geschehen." „Kieme Wetterhexe, bewilligen Sie mir wenigstens mildernde Umstände und geben Sic mir das dumme Billet zurück!" Er trat halb verlegen näher, sie wich ihm geschickt aus. „Ich werde nrich solch artiger Zivickmühle berauben! Das bleibt als Denkzettel für Sie in meiner Tasche." Sie sprach es mit funkelnden Augen, deren Glanz und Schwärze, wie der Amtsrichter im Stillen bemerkte, eine große Achnlichkcit mit Frau Christinens Prachtstcrnen zeigte; die Kleine gefiel ihm in diesem Augenblick zu gut, besser als für einen soliden Ehemann gerade nötig war. Neu eröffnet!” Cafe Cor so Ecke Kaiserstrasse and Moselstrasse. Franz Krist• Frarckfurter Israelitisches FmnMenölakt. „Nelly," flüsterte Müller und umfaßte allen Ernstes ihre feine Taille, „wenn Sie mir nicht, bis ich drei zähle, das Billet ivicdcrgeben — wahrhaftig, ich gebe Ihnen einen Kuß! — Eins — zwei —" Er hätte auch ohne weiteres seine Drohung ausgeführt, wen» er nicht unterbrochen worden wäre. In der Tür stand der Referendar Hirschthal »nd sah ihn an, dann sprach er: „Fräulein Thorner, ich bitte darum, begeben Sie sich unter meinen Schutz!" Es.ereignet sich wohl, daß ein braver Mann eine» Ucbcltätcr sucht und ihn nicht findet. Aber daß der nämliche Brave hernach selbst als Schuldiger sachte von dannen schleicht, das ist selten, und es ist fatal. Müller versuchte zwar eine Rechtfertigung: „Philipp, lasse. Dir nur erklären . . .", aber die Kleine schnitt ihm mit hochmütigem Kopfnicken das Wort ab: ..„Es bedarf der Erklärung nicht." Dann nahm sie mit der Grandezza einer Fürstin den Arni Hirschthals und rauschte hinaus. Fünfzig Schritt war das Pärchen wortlos durch den. Park gegangen, endlich hob Nelly' das tief gesenkte Köpfchen und sagte schüchtern: „Ich hoffe, daß Sic von unserem Freunde nichts Böses denken werden." „Böses? Hm, wie man es ansicht. Ich vcrniute, er habe wohl ob. der häufigen abendlichen Ausflüge seiner Frau Verdacht geschöpft, heute ist er ihr nachgeschlichen und suchte nun von Ihnen eine Aufklärung zu erpressen. Ucbrigcns," Philipp sah lächelnd in das gerötete Antlitz des jungen Mädchens, „finde ich seine Keckheit sehr verzeihlich." Da fiel ein Schuß und dann noch einer. Erschrocken schmiegte sich Nelly an ihrer Führer. Aber weder Räuber noch Wilddiebe kreuzten ihrcir Weg. Der Herr Amtsrichter hatte nur über den Kiwitzabach seine Pistolen abgeschosscn. Es war doch besser so. Das Geständnis. Die erste Schwurgcrichtsperiode des neuen Jahres nahte heran —, am zwölften Januar sollte Perez aus der Untersuchungshaft seinen Richtern vorgeführt werden. Die Zladnoer kamen sich gcwalttg bedeutend vor: man schrieb in allen Zeitungen über ihre Stadt; seit den letzten dreißig Jahren, da Fischer. iiu Waldbache einige Klumpen reines Gold gefunden, hatte Zladno nicht, mehr iit dieser imponierenden Weise die öffentliche Austnerksamkcit beschäftigt. Man vermutete damals, daß Waldboden wie Bach ganz hervorragend goldhaltig wären. Boden und Wasser wurden von Sachverständigen und Unverständigen durchforscht und durchwühlt —, die Gegend gewann mit Zanbcrschlag ein Allsehen, als ob man sich in „Frisko", an den Gestaden des Sakramento, befände; die Auftnerksamkeit der Behörden ward ans das Vorkommnis gelenkt, und schon begannen die Nachbargcmeinden Zladno um seine glänzcnden Aussichten auf unverdiente Pracht uird Rcichtümer gehörig zu beneiden, da stellte es sich heraus, daß ein Stadtkind, ein ungetreuer Goldschmicdegesclt, eineni Julvelicr aus Kalisch die Barren gestohlen und sie aus Furcht vor Entdeckung in den heimischen Waldbach gclvorfen hatte. Hernach lvar, lote selbstverständlich, das öffentliche Interesse an deni Pseudo-Kalifornien wieder eingcschlafen. Diesmal konnte Zladno mit einem wahrhaftigen Ereignis aufwarten. In seinem Weichbild war ein Menschenleben durch sündige Hand gefallen; die blutige Tat spitzte sich mehr und mehr auf einen „Ritualmord" zu, so posaunten tagtäglich die judenfcindlichen Blätter uild „Volksrcdncr". Aus allen Teilen Deutschlands strömten die Reporter nach der Landgerichtsstadt, etliche Ncbereifrigc waren schon eine Woche früher angelangt und fuhren fleißig nach Zladno hinüber, um die grausige Fundstelle in Augenschein zu nchnren »nd die vornehmsten Zeugen zu interviewen. Wußte doch die Mehrzahl der Einwohner über die ihnen noch frisch im Gedächtnis haftende Untat die packendsten Einzelheiten zu berichten; die Helden der Feder rissen sich uni die Ehre, nicht nur bei dem Bürgermeister, sondern auch bei Frau Schmula empfangen zu werden; den Löwenanteil olles journalistischen Jnleresses behauptete aber die kleine Franja. Wo sie sich nur auf der Straße blicken ließ — und man konnte ihr zu allen Tageszeiten begegnen —, war sie von einer Schar bebrillter Herren umgeben, die ihr den Hof machten, und deren Galanterien die ftschc Zofe mit immer neuen, bemerkenswerten Details über den Mord bezahlte. Und wie dramatisch verstand Franja zu, schildern! Sic beschrieb die Größe und Schärfe des Messers, mit welchem Perez den Julek abgeschlachtet, den weißen Kittel, den der Mörder in der Mordnacht getragen —, sie weinte, als sie das Hülfeflehen des arme» Opfers wiedergab. Regte sich hin und wieder ein Zweifel an der Wahrhaftigkeit ihrer Angaben, wagte ein besonders Heller Kowf ihr Widersprüche nachzuweisen, dann wußte sie mit betäubender Zungenfertigkeit alle Zweifler und Ungläubigen niederzureden. Unstreitig, Frangja war eine Berühmtheit, die große Attraktion der Zladnoer Saison. Aber das änderte sich mit einem Schlage. Drei Tage vor dem für Perez so bedeutungsvollen zwölften Januar, ait welchem 'Datum die erste Schwurgcrichtsperiode des Jahres 1889 eröffnet werden sollte, da begann eZ: Franja ward unzugänglich, schlich bleich, mit gesenktem Kopfe scheu umher und beschränkte sich nur auf die allcrnotwendigsten Gänge über die Straße. Wollte sie jemand anrcden, so lief sic erschrocken davon und blieb endlich, ftic alle Fremden unsichtbar, im Hause ihres Brotherrn verborgen. Selbst dein Amtsrichter, der, wie schon 'erwähnt, die Kleine nicht lcideit mochte und sic daher wenig beachtete, fiel ihre Verstörtheit auf und er fragte: „Was hat das Mädchen? Sie scheint krank zu sein, Christine, seirde sie zum Doftor!" Aber Franja bat mit Tränen in den Augen, sie nicht zum Arzt zu -schicken, sie wäre ganz gesund. Nein, Franja quälte kein körperliches Leiden, — sie kroch wie ein furchtsames Kind von einem Winkel des Hauses in den anderen. An jeneni achten Januar hatten die Zladnoer endlich einen anderen Unterhaltiingsstoff bekommen als Blut und Mord: der Referendar Hirschth'al und Cornelie Thorner hatten sich miteinander verlobt. Frau Christine improvisierte in ihrer Freude sogleich ein Fest, lud Freunde, Bekannte und die Honoratioren der Stadt zusammen: den ersten Abend als Brautleute sollten Nelly und Philipp bei' ihr feiern. Man war eben von der Abendtafel aufgcstanden. „Frau," sagte der Amtsrichter, der in Gegenwart von Gästen es liebte, sich als den gestrengen Hausherrn aufzuspiclen, „Frau, ich bin unzufrieden mit Dir. Heißt das ein Brautpaar ehren? Warum haben wir keinen Champagner erhalten?" Frau Christine griff sich an die Stirn. „Wie vergeßlich ich bin! Ich lasse ihn sofort heraufholen." Sie bat die Herrschaften in den Salon, sorgte geschickt, daß jeder und jede Unterhaltung finde, und' da sie nicrkte, daß sich überall zwanglose, vergnügte Gruppen bildeten, winkte sie insgeheim Nelly an ihre Sette. „Paß auf," flüsterte sic, „jetzt kommt der Champagner und mit ihm das Strafgericht." „Christine," ivispertc Nelly, „ich habe Angst." „Vor wem, Närrchen?" „Vor unseren Männern," seufzte Nelly. „Sie werden unser Tun mißbilligen, wenn sic es erfahren." „Das eilt nicht." Christine lächelte und schwippte mit dcn> Fingern. „Männer merken ja doch nie ein Ding, wenn sie nicht mit der Nase darauf gestoßen' werden. Merke Tir, Tu. einfältige Ehestandsnovize: wenn Du Dich jetzt schon nach dem Stirnrunzeln Deines Gesponscn richten willst, wirst Du gar bald das Lcitseil verlieren." „Ater Christine, was wir da treiben, — es ist so unehrlich." -0 „Das ist es. Ehrlich währt am längsten, bis man y sein Ziel erreicht. Pst! Ich höre Türen schlagen, — das Verhängnis nimmt feinen Laus. Nein, Nelly, kein Erbarmen mit dieser Abschenlichen, welcher Deine reine Stirn diese garstige Narbe verdankt. Mut! Eine unbefangene Miene, und sei in Ehr und Schimpf meine Kameradiit, wie es sich gehört. Sie kommt!" (Fortsetzung folgt.) Mm W. Albert, Optik Fits* u. Pincenez Doubl<5 Mk. 7.50, Nickel Mk. 4.00. Weissfrauenatrasse II, Ecke Neue Mainzerstrasae. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. M. - Segen Sticht and BhemmatlBmas bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a.M., Güntheraburg-AUee 37. TeL259 u. 714. Woche«-Aalert-er. (Zeitangaben nach dem Lnacb.1 Samstag, den 2. August (-- 28. Tamas.) Sabbat-Anfang in. Frankfurt a. M. 7 Uhr 35 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr — Min. in Berlin 8 Uhr 50 Min. Wochenabschnitt: Massel. — Aufzählung der Lagerstätten seit dem Auszug aus Aegypten. — Mahnung, daß Schonung der Ureinwohner Palästinas die Nachahmung deren Grcneltaten im Gefolge haben würde. — Die Geo-

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