Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1913-07-04 · Heft 26 (4.7.1913) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 26 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2692297-2692819-2692845--07762-2702869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 26. Frankfurt Israelitisches FamilienLlati. Seite 5. Briefe gewechselt — ihr Gatte würde sie darum auslachen, wenn er es erführe. Sie hatte mit dem den Frauen eingefleischten Eigensinn Tag um Tag gegen ihren Mann behauptet, Perez sei unschuldig. Ter Amtsrichter hatte sie ausgelacht. Es kam so weit, daß Müller jedes Gespräch an der Mittagstafel einleitete: „Und Brutus, will sagen Perez, ist ein ehrenwerter Mann. Was gibt es sonst Neues, Christinchen?" Einigemale schon hatte sie ihrem Gatten entgegengeschleudert, daß er ja selbst nicht an die Schuld seines Angellagten glaube. Und immer gleichmäßig hatte sich der Gatte entrüstet: „Was fällt Dir ein, Weib? Willst Du gescheiter sein, als die Herren von der Untersuchungskommission?" „Ich bin auch gescheiter," erwiderte sie grollend. Ja, nun steigerte sich bis zum Fanatismus ihr Wunsch, den wahren Mörder Julek's zu entdecken. Wieder nahm sie Philrpp's Brief vor, dessen 'letzte Seite noch einmal zu überfliegen: „Dem Kollegen Dr. Peterson gegenüber beträgt sich unser Mann in seiner bekannten drollig-gravitätischen Manier. Er macht dem Doktor ungezählte Verbeugungen, drückt ihm die Hand und versichert, wie stolz er sei, von ihm verteidigt zu werden; bis jetzt habe er freilich noch niemals einer so hohen Auszeichnmig bedurft. Ich glaube, Freund Perez hält uns für eine Art Ehrenwache, und cs bereitet ihm viel zu viel Spaß, sich mit den Gelehrten, wie er sagt, zu unterhalten. Gestern fragte er mich insgeheim, wie dieser Rechtsanwalt Peterson zu bezahlen wäre. Er wolle nicht, daß sich der Herr so viel umsonst bemühe, und ganz gewiß würde er dem Herrn Rechtsanwalt ein schönes' Stück Geld offerieren, darauf käme es ihm gar nicht an. Neugierig gemacht, wo Perez Schätze habe, klopfte ich auf den Busch, und siehe: tief versteckt in seinem Geldbeutel zeigte er mir eine Loszettel der sächsischen Lotterie. „Nun, einmal wird Perez doch auch etwas gewinnen!" Mit welch' wütendem Gebell gewisse Blut- und Hetzhunde in Perezens Fall wieder das alte Blutniärchen wittern, erlasse ich mir, Ihnen mitzuteilen. Tagtäglich gehen dem Kollegen P. und mir anonyme Zeitungsausschnitte und Drohbriefe zu; letztere tragen meist — lachen Sie nicht, gnädige Frau! — den Poststempel Zladno und sind in Stil wie Orthographie gleich bösartig und gefährlich. In einem Punkt stimmen Wr. Peterson und ich vollkommen mit den Anklägern des Wasserträgers überein: Die Pelagia Czorny spielt sicher in dieser Tragödie eine Hauptrolle. Aber alles Nachsorschen betreffs dieser landflüchtigen Schönheit ist leider, leider erfolglos geblieben. Man hat in Kalisch recherchiert, wo das Mädchen einige Jahre gedient haben soll, auch an die Polizeibehörde nach Wlozlapek, dem angeblichen Geburtsort der Czorny, hat man geschrieben. Alles umsonst. 'Ein Mädchen in Russisch-Polen zu suchen — das ist, als ob man einen Regentropfen aus der Weichsel herausfischen wollte. Cherchez la komme! Womit hochachtungsvoll Ihre Hände küßt Ihr diensteisrig ergebener ° Hirschthal.?. 8. Ueber Pelagia schweigt Perez beharrlich. Mehr ritterlich von ihm, als ftir seine Sache gut. Und doch, wenn ich mir dieses gebrechliche, verkümmerte Männlein betrachte, scheint es mir Wahnsinn, da an eine Liebelei zu glauben." „Es ist auch Wahnsinn," wiederholte Christine mit starker Stimme. Da sie sich . umblickte, gewahrte sie ihre Köchin an der Tür stehend. Hanne hielt vielleicht ihre Herrin, die so laut mit sich selbst sprach, für verrückt. Christine schlug einen strengen Ton an. „Was stehst Du hier herum, Johanna?! Hättest Du lieber die Federn gewaschen, wie ich Dir geheißen habe." „Hab' ich auch. Und sehen 'mal, gnädige Frau, was ich in dem Unterbett des Keinen Heinrich gefunden habe!" Sie reichte Christine ein Büchlein. Es war einkleines, stark abgerissenes, polnisches Brevier, der eine Deckel fehlte. 'Christine schlug es auf, ein alter, vergilbter Zettel fiel heraus. Christine hob ihn selbst auf, entfaltete ihn schnell und las. Darauf stieß sie einen Freudcnruf aus— einen um den anderen. „Q Hanne, Hanne, daß Du das gefunden hast! Und gerade jetzt! Es ist herrlich! Das ist ein kostbarer Funo! Was willst 'Du, das ich Dir dafür schenken soll, Mädel? Und jetzt bin ich wirklich gescheiter als sie alle!" Diesmal glaubte Hanne in der Tat, ihre Herrin sei übergeschnappt. Mein! Um die alte Schwarte tat Madame, als habe sie das große Loos gewonnen. Aber als Auges Weib beschloß Hanne, die Sftuation auszunützen. (Fortsetzung folgt.) J. W. Albert, Optik Fits* n. Pincenez Donbld Mk. 7.50, Nickel Mk. 4.00. Weissfrauenstrasse II» Ecke Nene Mainzerstrasse. üafeer Friedrich Quelle ■ Ottenbach a. M. — Gegen Gicht znd Bhenmatlamna bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl» Frankfurt a.M., Güntheraburg-Allee 37. TeL259 u. 714. Wocherr-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 5. Juli (= 30. Siwan.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min. in Berlin 9 Uhr 30 Min. Wochenabschnitt: Chukas. — Das Gebot der „roten Kuh." Eine vollständig rote Kuh, durch den Hohenpriester als Sündopser dargebracht, wird zu Asche verbrannt, und in den Brand wird Zedernholz, Isop und Karmesinwolle geworfen. Der opfernde Priester, ebenso wer sie verbrennt, wird dadurch tome (unrein). Die Asche der Kuh, die in Urnen aüfbewahrt wird, dient aber zur „Reinigung" der Unreinen (Unrein ist jeder, der einen Toten berührt, mit ihm unter einem Dache geweilt, ein Grab, einen Knochen öder sonstige Teile eines Toten berührt hat üsm.s. Wan warf von der Asche in ein Gesäß mit lebendigem Quellwasser und besprengte die' „Unreinen" damit am 3. und 7. Tage. Erst dann durften sie wieder ins Heiligtum treten oder verschiedene Opferteile genießen. (Dies Gesetz führt an das größte Problein unseres Daseins: den Gegensatz zwischen Leben und Tod.) — Mirjams Tod in Kadesch. Die Gemeinde murrt wegen Wassermangels. Mosche soll dem Bolle Wasser geben, indem er einen Felsen anredet. In seinem Zorn schlägt er jedoch zweimal den Felsen. Er verscherzt sich so das gelobte Land betreten zu dürfen. Ebenso sein Bruder Ahron. — Ahron stirbt auf dem Berge Hör in Gegenwart Moses und seines Sohnes Eleasar. Letzterer wird Nachfolger, im Hohenpriesteramt. Das Volk betrauert Ahron. — Das Volk will durch Edom ziehen. Es erhält hierzu nicht die Erlaubnis und Universitäts-Cafe Bocw“S2,,w Erstklaamlgea Familien- Oafö. MT* Mässige Preise. Wl Besitzer: Ennat Dunkel- Grosser Saison-Ausverkauf von Domen- «m lünder-Confection u bedeutend herabgesetzten Fieisen, ein grosser Teil kür die Hilfte des regulären Weites. lacken-Kteidec Waschstoffe’teils auf Han*eide> frahe5etb^ 5Z5 enorm billige Posten in den Preislagen Mk. 8.75 13.50 19.50 22.75 35 — Uehrgangs-Saletots SgÄ“1"2.90 enorm billige Posten in den Preislagen Mk. 5.50 8.50 11.50 15.— 19.50 dstefteteiiMiaf Popeline, moderne lange Formen, mode, braun, grau, früher *1 ffL dlaUUlUäUlEl bis Mk. 16.75..jetzt enorm billige Posten in den Preislagen Mk. 9.75 12.75 17.50 19.50 21.— VavIüim OSrbe aus imit. Leinen, mel. Stoffen engl. Art oder blau wollenen 9 RA AOSlUurftOCKe stoffen, früher bis Mk. 5.75 ........ jetzt 6.2U enorm billige Sortimente in den Preislagen Mk. 3.90 4.75 6.50 7.75 9.75 Ifnl/tnMApIfA schwarzand farbig-weiss-gestreift, mit hübschem QA „ WaSCtt-UnKCMCttß Volant, früher Stück Mk. 1.25.jetzt »U* enorm billige Sortimente in den Preislagen Mk. 1.40 1.75 2.20 2.90 3.50 Sanierte Kleider SV“.“‘i8 w“cl“M' 5.75 enorm billige Posten in den Preislagen. Mk. 8.75 14.50 19.50 24.— 36.— UafleMA Dfetemi WoU-Musseline oder Popeline, teils ganz gefüttert, 9 RA woiiene piuaen früher bis Mk. 6.50 ..jetzt «»aif enorm billige Posten in den Preislagen Mk. 3.50 4.50 5 50 6.50 8.50 9.75 Muat DfocMi bedruckt Cretonne oder gestreikt Zephir imitiert, früher 7C » WaSCa-piU5BH bis Mk. 2.50 .jetzt W» enorm billige Posten in den Preislagen Mk. —.95 1.501.75 2.50 2.90 3.50 Bettel DIhsmi mit Einsätzen, Sänmchen and Stickereien, hochgeschlossen AA . panst-plttsen früher bi3 Mk. 2.25.. jetzt 3« enorm billige Posten in den Preislagen Mk. 1.25 1.75 2.50 3.75 5.75 8.75 Seidene Binsen St r“!t" 250 enorm billige Posten in den Preislagen Mk. 5.75 9.75 12.50 17.50 24.— Wasch-Morgenröcke Kattun, Baumwoll-Flanell, früher 9 7R bis Mk. 4.75. . . . . jetzt "• *» Wasch-Matinces türkisch gemustert od. gepunktet, 1 7C aus Taschentüchern . . jetzt «W SteiseruMtd & Kaiser.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.