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Neue jüdische Presse · 1913-06-13 · Heft 23 (13.6.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 23 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«rite 4. Frankfurter UraeWsches FamMenblütt. Nr. 23. tische Moment betonen. Kenner der Verhältnisse sind ober Der Tbisicht, daß persönliche Atvmente zu. stark mitsprechen. Jedensoals haben die drei Aktionskomitee-Mitglied« nichts ' erreicht. Das einzige erfreuliche Resultat Ft, daß in der Leitung der Engl. Zion. Foederation nunmehr nur 'Männer einer Richtung sitzen und so die Möglichkeit zum Arbeiten gegeben ist. Aus der Lehrerwett. Reukadt »Kr. Kirchham). Die dmch Pensionierung des Lehrers M. Markus freigewordene Schulstellc an der hiesigen öffentlichen israelitischen Elementarschule wurde dem Lehrer W c r t h c i m - Zimmersrode, übertrage». Demselben geht der Ruf eines tüchtigen Pädagoge» voraus," der sich das Vertrauen seiner Vorgesetzten Behörde im weitesten Maße erfreut. Off«i>b»eher Druckluft - Anlaut1 OftiknDacn a. M. relefon l2Cs (Anschluss mit Frankfurt'. Bewährteste T«nolehi,*lnlgMM , 100.000 qm jährlich sowie unübertroffene Bettennnd Bettfedernrelnlgnng mittelst Druckluft nnd Wasserdampf. ES j'eaillßtou. ES t Das „Schcker - Bon C. Berg. (18 Fortsetzung). Der Amtsrichter seufzte: „Ich muß mir diesen achten Oktober in meinem Ehestandsmenwrial notieren: es ist der erste Lag, an dem mein Weib mir ernsthaft böse ist. Adieu, Philipp, ich soll Dich entbehren, aber Du weißt ja, R>« vielmehr Du Glücklicher weißt nicht, oe que la femme veut!" Auf der Straße nahm Christine ohne weiteres Hirschthals Arm, wie den eines alten Freundes: „Wir gehen zunächst einen anderen Weg als zu Thorners." „Weit von hier?" „Zehn Minuten, eher länger als weniger." „Charmant!" Der Referendar zählte kaum vierundzwanzig Jahre; er war stolz, Christine Ritterdienste zu weihen, nur hätte er seine schöne Gefährtin in freundlicherer Stimmung gewünscht. Er war just noch kein Aefer Kenner der Frauenseele, dennoch wußte er von Mutter und Schwester, daß das heilsamste Mittel für Frauenunmut sei, sich den Aerger vom Herzen zu reden. Neigte Christine dazu, ihren Groll schweigsam in sich zu verschließen? Er sondierte behutsam: „Gnädige Frau, darf ich indiskret sein?" „Fragen Sie! Nur zu!" „Warum nehmen Sie so hervorragenden Anteil,cm dem Schicksal des Wasserträgers? Es kann unmöglich das alltägliche Mitleid mit einem Angeklagten sein; denn Sie, eine Richterfrau, sind an dergleichen Austritte, wie der heutige, gewöhnt. Warum verpflichten Sie sich so eifrig für die Unschuld jenes Mannes, da doch Ihr Gemahl infolge gewisser augenfälliger Lügen und Widersprüche des Perez Grund genug hat, ihn für schwer belastet zu hcüten?" „So!" Ihr Ton war eisig. „Ich menge mich sonst nie in die Berufsgeschäste meines Mannes: Es ist dies ein Glück für uns beide, ich könnte vielleicht nach der Erfahrung dieses Tages an der Unparteilichkeit und dem Wert des Urteils Ihres Chefs zweifeln lernen." „Tausend, das klingt bös! Aber erlauben Sie, daß .ich meinem Chef. assistiere! Wenn Perez nicht der Urheber selbst ist, sicher halte ich ihn für den Mitschuldigen und Begünstiger jenes Verbrechens." „Schweigen Sie!" fast brutal preßte Christine ihre Hand auf Philipps Mund, „schweigen Sie! Wol- ' len Sie einen Unglücklichen noch tiefer stützen?" Sie blickte, sich scheu um; hint« ihnen, vor ihnen, auf Danken, in den Haustüren, saßen und standen Zladnos Bürger und Bürgerinnen, müßig, schwatzend, strickend, aber ausnahmslos mit der dummdreisten Verwunderung der Kleinstädter Las seltsame Paar anstarrend. „Gehen wir schneller!" flüsterte die junge Frau, „in fünf Minuten können wir den Riegncrschen Park erreichen. Diese Leute hier schnappen nach jedem Wort aus Ihrem und meinem Münde, wie die Frösche nach den Fliegen. Gott sei Dank! Hier sind wir ungestört ..." Sie führte ihn durch eine stattliche Birkenallee eine geringe Anhöhe hinauf nach einer Moosbank, die zu Füßen einer prächtigen, alten Blutbuche errichtet war. An den knorrigen, breiten Stamm des Baumes hatten fromme Hände ein Marienbild gehängt, und der Besitz« t>eg Parks hatte eine kleine Lampe davor angebracht, welche allabendlich das sein gemälte Bild- ' chen, Baum und Bank ' wie, einen Teil des Weges mäßig erhellte. Christine schien das Plätzchen zu lieben; aufatmend setzte sie sich und lud Philipp an ihre Seite. .. „Man kann voir diesem Punkte aus am besten gewahren, ob uns Lauscher nachspürcn. . . Frieren Sic, Herr Referendar?" „In Ihrer Nähe, gnädige Frau?" „Schön, machen Sie uiir immerhin ein wenig den Hof, das wird Sic um so schneller als meinen Bundesgenossen gewinnen." Er wollte ihre Hand küssen, sie entzog sic ihm, verschränkte die Hände mit anmutiger Geberdc »uiL sah ihm so ehrlich vertrauensvoll ins Gesicht, daß er verlegen die Augen zu Boden senkte. „Wir wollten von Perez reden." „Ich höre, gnädige Frau." „Warum ich mich für die Unschuld des Wasscrträg«s so stark interessiere? Nun, ich werde Ihnen die Wahrheit gestehen: aus Egoisnuis. Er war mir stets treu Ergeben, dieser mißachtete P«ez, und so diensteifrig, wie nur je ein Sklave sein« Königin. Selbstlose Treue und Ergebenheit ist sehr selten, Herr Hirschthal, und darum hochzuschätzen. Ich will gar nicht davon sprechen, daß ich seinem geschickten Botendienst all mein heutiges Glück verdanke; ließ ich doch seinerzeit durch den verschmitzten Burschen meinem Heinrich das Gewahrsam verraten, in welchen» mich der Zorn meines Vaters v«steckt hielt . . .. , Mein Mann" — sie lachte —, „trotz all« Schlauheit, deren er sich rühmt, hätte mich niemals gefunden. Perez ist auch der treueste Freund meines Sohnes, fein gefälligster Spielkamerad, sein Wächter, ja, ein besserer Erzieher, als die Eltern des kleinen Schlingels. Was wir mit Srheltc und Schlägen nicht erreichen, das tut der Junge Perez zulieb auf ein gutes Wort. Kind« irren in chrer Liebe nicht, jhr Instinkt leitet sie so viel sich«« und klüger." „Aber sagten Sic nicht aus Egoismus?" warf Philipp ein. „Ganz, recht, aus Egoismus ziehe ich für Perez ins Feld. Jeder Vorwurf, der ihn trifft, fällt auf mich zurück . .." „Unmöglich!" „Nein, leider voraussichtlich. Wied«holen Sie mir das Motto der Anklage!" „Perez soll Julek aus Eifersucht «mordet haben, weil er mit Pelagia ein Liebesverhältnis unterhielt." „Aber begreifen Sic denn nicht? Diese Beziehungen könnten sich nur in meinem Hause entwickelt haben; ich habe beide, Pelagia wie Perez, stets aller Welt als gut und sittlich gerühmt, sie beschützt und gefördert —, wird man mir nicht mit Recht vorwerfen, daß ich in meinen vi« Pfählen nicht auf Zucht und Ordimng zu hallen wußte? - Wie dumm, werden die Leute sagen, wie dumm muß diese Amtsrichtettn sein, daß sie nicht Unrat gemerkt hat. Wie wenig versteht sie auf die moralische Aufführung ihrer Dienerschaft zu achten! Dieser Perez, welcher in ihrem Hause wie das tägliche Brot war — ein Mörder! Und diese Pelagia, welche ihre Herrin für einen Tugendspiegel ausschric — eine Dirne, die es mit Christ und Juden hielt! Ei, die feine Frau Amtsricht«! Mit sauberem Hausgesinde umgab sie sich!" „Die Leute!" „Ja' wohl, die Leute! Denn es sind mir gar viele unter ihnen nicht grün, wtzil ich Hefter und glücklich bin und tue, »Vas mir gefällt. Kurz, d« schöne Julek starb mir sehr ungelegen, und alle bösen Gerüchte über seinen Tod werden wie v«pestete Wasf« mein reines HauS umspülcn. Sie sehen, .Herr Referendar, aus Egoismus will ich, daß Perez unschuldig sein soll." Philipp fühlte eine starke Rührung, wie fie den modernen Menschen selten genug befällt; er war auf dem besten Wege getvesen, die schöne Christine für eine leichte Kokette zu Hallen, und nun erkannte er mit tiefer Beschämung die unendliche Herzensgute ein« reinen Frau: „Verstellen Sie sich nicht länger, gnädige Frau!" sprach er bewegt; „aus jedem Ihrer Worte schaute doch Ihr Mitleid für den Unglücklichen heraus?' „Wenn Sie das fühlen, wollen Sie mir helfen, ihn von jenem Verdachte zu reinigen?" „Ja," er zögerte, die dargebotene Rechte zN ergreifen, „Unter einer Bedingung: Ihr Herr 'Genwhl muß erfahren . " „Daß Sie aus luemerSefte sind? Das »»erde ich selbst, ihm noch heute Abend erzählen. Schlagen Sie ein?" „Topp! Ihr Verbündeter zu allem, was Sie befehlen." : „Ich halle Ihr Wort. KoMmen Sic, wir »vollen jetzt nach meiner arnien Nell») fragen!" Doktor Thvrner ösinete ihnen selbst. Ganz erstaunt ließ er die späten Gäste in fein Wartezimmer treten: „Potztausend, Herr Referendar, »vas lusttvNndeln Sie zu so. vorgerückter Stunde? lind obendrein mit der Frau Ihres Chefs!" Philipp , wollte diskret znrückbleiben, aber die junge Frau zog ihn ungestüm mit hinein. „Ich möchte Nell») sehen," bat sie, „eine Sekunde nur!" „Sonst nichts?" brumnltc der Doktor, „tvarnm kommen Sic nicht früher, »»eine Gnädige? Müller erwartet Sie hier fett einer halben Stunde." s . : „Christine, komm herein!" rief Nellys Stimme. Der Dollar legte schnell die Hand aüf die Tür'- klinke -es Nebenzimmers. „Hören Sie nicht auf sie! Nell») soll jetzt schlafen." - „Hub meine Frau nach Hause gehen," sagte der Amtsrichter und schob gebieterisch Christinens Arm in den seinen. Allen unertvartct erschien Nell»), Lurch eine»» Vorhang ins Zimmer schlüpfend, und warf sich in Christinens Arme. *r „Marsch hinein und zu Bett!" rief der Doktor erzürnt, aber Nell») klammerte sich »vic ein eigensinniges Kind an die Freundin: „Christine, Du mußt ihr die Wahrheit berichten." „Wem?" „Der alten Röschen. Bor einer Stunde hat man sic ins Gemeindehaus geschafft." „Ja, Kind, »vas meinst >Du wohl damit?" fragte Christine und sah ratlos nach Nellys Bat«. Der machte ihr die lebhaftesten Zeichen, das Mädchen zu entfernen und raisonniertc dabei heftig über seine Frau, welche mit dem Transport der alten Röschen gegangen sei. und besser täte, ihre eigenen Kranken zu Pflegen. „Dn mußt wissen," »vandte sich der Amtsrichter an Philipp, „daß, dank dem ausgezeichneten Nachrichtendienst in uns«« Stadt, die Damen hier von allen Vorgängen des heutigen Tages unterrichtet sind. Ja, man weih sogar schon von dem jüngsten Streit zwischen meiner Frau und mir „Ihre Frau hat recht," rief Nelly, „Perez ist unschuldig." „Kleine Nelly, statt mir böse Augen zu machen, sollten Sie sich lieb« über Ihre Freimdin entrüsten, welche zur Nachtzeit unter d« Marienbuche mit fremden jungen Leuten gegen den eigenen Gatten konspiriert." Christine sah betroffen auf: „Woher weißt Du?" „Jawohl, Madame, ich weiß alles." Sic errötete u»»d sagte ärgerlich lachend: „Nun, wenn Du alles weißt : . ." „Dann," fiel Philipp üb« alle Maßen ernsthaft ein, „dann habe ich nur noch die Ehre, dem Hevyr Amtsrichter mitzuteilen, daß ich mich an der Verteidigung des Perez beteiligen werde." (Fortsetzung folgt.) Mm W. Albert, Optik Pits« n. PIncenez Donblö Mt. 7.50, Nickel Mk. 4.00. Waissfrauenstraasa II, Ecke Neue Mainzerstrasse. üateer Friedrich Quelle —— Ottenbach a. M. —— Gegen Nickt nnd Bheamatlsmas bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frladrloh Stahl, Frankfarta.il., Gttntheraburg-Allee 37. TeL259 n. 714. Wochen-Salender. (Zeitangaben nach dem l-oacb.) Samstag, den14. Juni 9 Siwan.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. Wl 8 Uhr — Mw. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. TO..9 Uhr SS Min. in Berlin 9 Uhr 30 Min. Wochcnabschnitt: Behaalaus'cho. — Die Weihe der Leviten. — Der goldene- Leuchter soll sieben Lichter trage»», täglich gespeist von reinstem Olivenöl, ein Bild des reinen Gottesgeistes und Thoralichts, das stets in Israels Mitte strahle. — Wer durch einen Unfall verhindert gewesen, am. 14. Nissan das Pesachopfer zu bringen, der darf zum Ersatz, ein solches am 14. Jjar bringen. Auch dieses sogen. Pesach-Scheini muß mit ungesäuerten Broten und bitteren Krönt«» genossen werden. —Die Zugsordnung beim Aufbruch des Lagers. — Das Volk ist mißmutig. -Gott bestraft es mit Feuertod. Das Molk murrt, verachtet selbst das köstliche Manna und lobt die egypttschen Zeiten. Moses ist empört, ver-

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