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Neue jüdische Presse · 1913-05-02 · Heft 17 (2.5.1913) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 17 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 _ Zcits Abend geworden und rings um sie herum war auf dem Friedhöfe kein Menschcnwesen zu erblicken. Dem Mädchen ist in diesem Reiche der Toten unheimlich zumute geworden. Von einem furchtbaren Schrecken erfaßt, stürzte sie davon und rannte durch den alten Friedhof über die Gräber der Heiligen nach Hause. Unterwegs strauchelte sie und siel auf eines dieser Gräber. Sie stieß einen Schrei hervor und' verfiel in Ohnmacht. Der Wächter des alten FriÄchofs, den Schrei vernehmend, eilte auf sie zu, und nachdem sie zur Besinnung gekommen war, führte er sie heim. .Im Verlaufe einiger Wochen nach diesem Unfall schwebte das Mädchen in Todesgefahr; kein Wort vermochte es hervorzubringen. Die Aerzte hatten schon alle Hoffnung auf die Genesung der Kranken aufgegeben.- Eines Tages aber ließ sie plötzlich den Vater zu sich rufen und sprach zu ihm: „Eben war ich im Himmel bei einer Verhandlung des ,F)beren Gerichts" (Beth-din schcl malah), und dort hat man mir eine neue, erhabene Seele verliehen." Nach einigen Tagen genas sie. Seit jener Zeit begann sie sich ganz wie eine Mannsperson zu fuhren: sie legte einen Talis-Kvton mit Ziziß an, bekleidete sich mit Talis und Tephilin und widmete sich ausschließlich dem Gebete und der Thora. Die Berlobungspapiere (Tenoim) 'ließ sie ihrem Bräutigam zurückzuschickcn, sie entschloß sich nunmehr nicht zu heiraten, da sie dem Erdenleben für immer entrückt sei. Unterdessen starb der Vater der „heiligen Maid" und hinterließ ihr ein beträchtliches Vermögen. Sic ließ einen neuen Beth-hamidrasch untz an ihm eine aparte Klause bauen. In dieser Zelle hielt sie sich beständig auf, betete und stMerte die Thora. Der Rnhm der ,Ludimirer Maid" verbreitete sich rasch nach allen umgebender Städtchen und Ortschaften, und viel Volk, Frauen und Männer, wallfahrteten zu ihr; auch Gelehrte und Rabbiner wunderten zu ihr. Jckoch zu sich hat sie niemand' gelassen. Meistenteils saß .sie in ihrer Klause bei offenen Türen, und die im angrenzenden Raume—versammelte Menge lauschte ihrer Rede durch die offenen Türen. Bald erlangte sie den Ruhm einer Wundertäterin. Man sprach allgemein, daß sie in die Gcheimnissc des Himmels und der Erde eingeweiht sei und Kranke gesund machen könne. Tatsächlich hat sie auch manche Patienten, die sich an sie gewandt haben, mit Gräsern gcheilt. Allmählich bildete sich um sie eine besondere Gruppe von Chassidim, die man als die „Chassidim der Ludmirer Maid" bezeichnete. Sie beteten in ihrem Beth-hamidrasch, und an jedem Sonnabend zur Stunde der „dritten Mahlzeit" versammelten sie sich, um ihre Predigt zu hören: die Worte der Rednerin gelangten zu den Hörern, die im Bethause sich aufhielten, aus der benachbarten Klause, wo die heilige Maid sich isolierte. Die in der damaligen Zeit berühmten Zaddikim drückten ihre Verwunderung aus über die Erscheinung des neuen Kollegen im weiblichen Gewände. Manche suchten sie auf, nur um dieses Phänomen anzuschauen; sie nannte ja jchen derartigen Besucher beim Namen, sogar völlig Unbekannte. Doch schließlich haben viele Zaddikim an ihr zu zweifeln angefangen, sollte nicht vielleicht gar eine „unreine Kraft"' aus bin Lippen dieses wunderbaren Mädchens sprechen? Manche dieser Zaddikim versuchten sie zu bereden, ihre bisherige -Lebensweise aufzugeben und in den Ehestand zu treten, doch sie mochte kein Wort darüber hören. Erst als der berühmte Zaiünk R. Aiotel Tschernobiler in sie drang, diesen Schritt zu tun, stimmte sie zu und heiratete einen Rabbiner. Rabbi. Motel — erzählt die Sage — soll über die Ludmirer Maid einmal gesagt haben:. „Wir wissen nicht, wessen Zaddiks Seele in dieses Weib wandelte, doch immerhin ist es der Seele dieses Zaddiks sicherlich nicht leicht, im Körper eines Weibes Ruhe zu finden." Auf dem Wege der Heirat wollte er nun die Seele dieses Weibes in ihren ursprünglichen, normalen Zustand zurückbringen. Doch es gelang ihm nicht. Der Mann der Ludmirer Maid fürchtete sich, mit einer solchen Heiligen gemeinsam zu leben, und kurz nach der Hochzeit sich er sich von ihr scheiden. Sie ging dann eine zweite Ehe ein, ine aber auch bald mit einer Scheidung endete. So blieb nun die Ludmirer Heilige eine Jungfer bis zu ihrem Tode. Allein schon nach ihrer ersten „Verheiratung" . schwand, der-Zauber von der Ludmirer Maid. Man kenn nicht mehr zu ihr, um „Wunder" zu erbeten, sie galt .■nun bloß als eine rechtschaffene Person, die gewissermaßen vom „Heiligen Geiste" (Ruach-hakodesch) ange- Frankfurter HsraeÜtischeL Hamilrenhlatt. , - haucht war, wie. sich einer ausßedrückt hat, der sie persönlich kaiuitc. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte die Ludmirer Maid iip Heiligen Lande. Aus der zionistische« Beweg««-. Posen. Von der Nationalfonds-Kommission Posen liegt uns folgender Bericht vor: Statt der obligaten Surimsammlung veranstalteten wir in diesem Jahre zwei artenverkaufstagc zu Gunsten jemenitischer Juden. Obgleich ei» Verkauf nur in Wohnungen und Geschäften unserer Glaubensgenossen vorgesehen war, gelang es doch dem Eifer unserer jungen Mädchen und Kinder, ca. 130 Serien Jemeniten- und Nationalsondskarten unter das Publikum zu bringe», sodaß wohl jetzt jeder Jude Posens über' die Hilfsaktion für die jemenitischen Juden unterrichtet ist; eine gute Vorbereitung für weitere größere Sammlungen zu diesem Zwecke. — Der Bruttoerlös beläuft sich vorläufig auf ca Jk 750, doch wird der Kartenverkauf noch immer in kleinem Maße fortgesetzt, und wir^hofseu, in Kürze das Haus der „Posener jüdischen Jugend" vollenden zu können. Nach den guten Erfahrungen, die wir mit dieser Art Samnielarbeit selbst in den uns sonst ganz fern stehenden Kreisen gemacht haben, können wir sie nur allen Ortsgruppen empfehlen. Wir stehen mit Material an Büchsen usw. gern zur Verfügung. Die Nationalfoiids-Kommission Posen. Johanna Lubinski. Rebccka Landsberger. A«s de« Vereine«. Hamburg. Auf der Monatsversammlung des Vereins selb st st. jüd. Handwerker und Gewerbetreibender entstand eine lebhafte Debatte über den Antrag Eskeles, den im Mai stattfindenden Verbandstag zu ersuchen, ans dem im Herbst 1913 in Hamburg äbzuhaltenden Deutschen ' I n d e n t a g eine allgemeine Ausstellung der Erzeugnisse des jüdischen Handwerks zu veranstalten. Der Vorsitzende teilte mit, daß der Verbandsvorstand dem Antrag, so schön nnd ideal er auch gedacht sei, aus praktischen Gründen nicht sehr sympathisch legenübcrstehe, da die Zeit zur Arrangierung einer großen Ausstellung viel zu knapp bemessen sei. Auch würde der Judentag diesmal eine derartig reichhaltige Tagesordnung zu erledigen haben, daß die Delegierten kaum Zeit und Muße zur Besichtigung der Ausstellung finden würden. Von anderer Seite wurde dagegen betont, daß der Hamburger Verein den Antrag dem Verbandstag vorlegen solle, um die Stimmung. der Delegierten kennen zu lernen. Wenn der Antrag auf dem Verbandstage keine Gegenliebe finde, dann sei es immer noch an der Zeit, ihn zurückzuziehen. Jedenfalls müsse etwas geschehen, uin das noch vielfach vorhandene Vorurteil gegen das jüdische Handwerk zu bekämpfen. Nach weiterer Debatte lehnte schließlich die Versammlung den Antrag ab. Brün« (Oesterreich). Der Verein „M a ch s i k e h a d a s" unterhält eine sünkklassige unentgeltliche Knabennnd Mädchen -Bibelschnle (Frequenz 110 Kinder) und eine eigene Synagoge nnd veranstaltet Schiurim. Anläßlich des Chänukafestcs wurden 45 Kinder mit Kleidern beschenkt. Durch die Peah-Brockensammlung ist cs möglich. Bedürftige mit Kleidern nsw. zu versehen. Durchreisende werden unters stützt, ausländischen Juden wird Rechtsschutz zuteil nsw. usw. Im vergangenen Jechre hatte der Verein ca. 5000 Kronen Einnahmen und Ausgaben. Die in der jüngst stattgehabtcn Generalversammlung vorgenommenen Vorstands W ahlen ergaben folgendes Resultat: Hermann Halpern, Rudolf Meisl, Joachim Mulden, M. Breda, M. Hickl, I. Lax, S. März und M. Ticho.. Frankfurter Berichte. Zionistische Bereinigung. Die Zionist. Vereinigung Frankfurt a. M. veranstaltet Montag, den 5. Mai, abends 8'/« Uhr im großen Saale der Börse (Börsenplatz! einr öffentliche Versammlung. Herr Rechtsanwalt Eronemann, Berlin, wird das Thema „Zionismus und Deutschtum" behandeln. Freie Dislusston Aguvas Jisroel-Jugendgruppe. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe versendet folgenden Aufruf: „Wir beehren uns,,Sie hierdurch ergebenst davon zu benachrichtigen, daß wir nunmehr die Parterreräumlichkeiten Hanauerland st ratze 17 als Vereinslokal gemietet, und dessen Eröffnung für Anfang Mai a. c. in Mssicht genommen haben. In der Zwischenzeit gestatten wir uns, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß wir folgenden Lehrplan vorgesehen haben: 1. System ati'sch es „Gcm ara"- Lernen in 3 Abteilungen, unter Leitung unserer Mitglieder, der Herren Ch. Liverhand, Gustav Kaufmann, EmilGottlieb. 2. „Tanach"-Nnterricht. Die Dozenten geben wir noch bekannt. 3. „Tcfillo h"-K ursns. Leitung: Herr Jakob Rosenheim. 4. Bertiefnng in die jüdische Geschichte:, . a) Quellenstudien aus Grund des Hälevyschen Werkes: „Dauraus horischaunim". Leitung: Herr Direktor Dr. G. L a n g e. 1>) Systematische Vorträge: Leitung: Herr Rabbiner Dr. I. B o n d i, Mainz. 5V i C*\ Nr -11. 5. Hebräischen Sprachun t e r r i ch t für Anjäil ger und Fortgeschrittene.. Leitung: 'Herr Red a kt«! f S.-Schachtnv Witz. - '■ 1. f 6. Religionsphilosoph-ische Vorträge: Heg Prof. Dr. I. H. Bon di. 7. Disknss'ionsabende über jüd. Gegcnl wartsfragen. I 8. G-esellige und belehrende Beranstall t u n g e n. I Einen besonderen Platz nehmen hierbei unsere Verani staltungen am Sabbat-Nachmittag ein, an denen sich Jmil und Alt in gemütlicher Form zusammenfinden soll .(ja finden Vorträge über „Sidrah" und „Haftarah", fern» kurze Referate über die jüdische» Wöchenereignisse soivil kleine „Dcroschaus" statt. Wir beabsichtigen außerdem: 9. „Dinim"-Borträge ein- oder mehrere Male in dkl Woche von Vsl bis 1 Uhr Mittags stattsiiiden zu Inffeid an welche sich gemeinschaftliches „Minchah"-Gebet an» .schließen soll. , 1 Genauere Mitteilungen über den Zeitpunkt der ein» zelnen Veranstaltungen lassen wir Ihnen noch zugehciil möchten jedoch gerne den speziellen Wünschen unserer Mi» glieder Rechnung tragen und bitten deshalb Interessenten! sich mit dem Unterzeichneten Vorstand ins Benehmeis zu setzen. ] Wir haben Wert darauf gelegt, unsere Lokalitäteck in einer Weise auszugestalten, welche sie zu recht auf genehmen nnd gemütlichen Vereinsräumlichkeiten für mit sere Mitglieder stempeln, und tveisen Sie besonders baraiil hin, daß wir neben verschiedenen Lehrräumen und geräu! migem Vortragssaal ein besonders gemütliches Klubzimin» mit Veranda, sotvie ein Lese- und Schreibzimmer eingerichl tet haben, in welchem die bekannten jüdischen Zeitungen! hebräische Zeitschriften, sowie einige Tageszeitungen auf# liegen werde». Im Sominer steht unseren Mitgliedern eim schöner Garten zur Verfügung. 1 Mit großer Freude wird sicherlich, alle diejenigen,! denen die Pflege von „Talmud-Tauroh" in althergebracht tem Sinne am Herzen liegt, die Nachricht erfüllen, da» wir ein „Beis - Hamidrasch" mit einer reich ausgestattetcm Bibliothek eröffnet, das jedem Freunde des Lernens Gelege»! heit bietet, sich in die Schätze unseres heiligen Schrifttum-! zu Verliesen. Eine recht lebhafte Inanspruchnahme aller! Institutionen, die selbstverständlich auch Nichtmitglieder»! zugänglich sind, würde uns iin Interesse unserer heiligen! Sache ganz besonders erfreuen. I Mit besonderer Genugtuung verzeichnen wir bei dieser! Gelegenheit, daß uns seitens der Freifrau Wilhelm Carl! von Rothschild in liebenswürdiger Weise eine jüdisch ei Bibliothek von ca. 300 Bänden überwiesen wurde! nnd uns auch von verschiedenen .Seiten größere Mittel! zwecks Bücheranschaffung zur Verfügung gestellt worden! sind, sodaß wir unsere Bibliothek weiter auszubanen im-k stände sein werden.! So stellt sich der Beginn unserer Tätigkeit recht! hoffnnngsvoll dar, und mit Gottes Hilfe ivird unser Wert! gelingen. I Das äußere Gerüst unserer.Jugendgruppe geht nunI feiner Vollendung entgegen. An unseren Mitgliedern iß! es jetzt, den inneren Ausbau zu vollbringen. Ihnen! liegt nunmehr die Pflicht ob, unsere heilige. Sache zmn! Siege zu führen. Gilt es doch, dem großen Gedanken der! „Agudas Jisroel" in de» Herzen der jüdischen Jugend! eine dauernde Stätte zu bereiten und diese mit dem Rüst-I zeuge jüdischer Lebensanschauung zu versehen, damit sie! im sturmbewegten Wellenschläge des Lebens als kraftvolle! jüdische Persönlichkeiten sich zu behaupten vermögen und! als frischer Nachwuchs der großen Organisation zu tätigen! Mitarbeitern für die Zukunft heranwachsen. Der Vorstand: Joses Bamberger. Martin Feist. Hermann Frankenthal.] Ch. Liverhand. Albert Mayer. Leopold Oppenheimer. Leopold Perlmutter. Josef Springnt. Delegierte der Ortsgruppe: Direktor Dr. G. Lange. Leopold Schwab. D i e K o m m i s s i o n: Felix Beisus. Arthur Dahlheim. Edwin Feist. Mark. Hirsch! Sälly Michel. Eugen Neuberger. Wilhelm Rosen. I Karl Rosenthal. Joel Sänger. Carl Weil. H. Weingartens Errichtung eines SrankenhanseS. Die Synagogengemeinde „Israelitische! Religionsgesellschaft" erläßt zwecks Errichtung! eines Krankenhauses einen Aufruf, in dem es heißt:! „Während fremde hier erkrankende Glaubensbrüdei 1 in der unserer Verwaltung unterstehenden Georgine Sara von Rothschild'schen Stiftung Unterkunft nnd sorgsamste I Pflege finden, sehen sich die Angehörigen unserer Gc-I meinde samt ihrem Hausstande — abgesehen von den im] Rothschild'schen Hospital für sie verfügbaren wenigen Betten — fast ausschließlich auf die städtischen, nichtjüdischen Krankenhäuser angewiesen. Wer die zahllosen, peinlichen Schwierigkeiten kenn!,! die dem Jehudi aus der Inanspruchnahme eines nichtjüdischen Krankenhauses erwachsen, wer ans der anderer Seite auch nur einmal den Segen eines wahrhaft jüdischen Krankenhaus-Milieus für den Patienten und seine Angehörigen in den schweren Stunden körperlichen und seelischen Leides würdigen gelernt, der wird die! nunmehr beschlossene Errichtung eines Gemeindehospitale- -j der Israelitischen Religionsgesellschaft in ihrer weittragenden humanitäreis"und religiösen Bedeutung richtig ein* zuschätzen vermögen. : Die sofortige Ausführung dieses lange erwögeneu Beschlusses ist umso dringender-notwendig, at§ — von dem natürlichen Wachstum der Gemeinde ganz abgesehen — auch die Neigung zur Hospitalbehandlung für zahllose Krankheitsfälle (insbesondere Infektionskrankheiten) in den letzten Jahren außerordentlich gewachsen ist, sodaß wir. den berechtigtsten Ansprüchen unserer Mitglieder auf Hospitalverpflegung vielfach machtlos gegenüberstehe».

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