Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10. frankfurter JsraeMfches Hamitzenblatt. JkflS. sohn weist Larmff hin, daß es nötig sei, sich mit dem Milieu des Ostjudenvertraute zu machen, ebenso wie .de» .Ostjude das Milieu des Westjuden erkennen müsse. Die Verschiedenheiten seien die Begleitumstände der verschiedenen Lebensbedingungen. Herr Martin Feist geht sodann auf die einzelnen Ausführungen ein und wendet sich gegen die Annahme, als ob die Frage eine künstliche sei. Sie sei vorhanden, und man dürfe nicht an ihr Vorbeigehen. Die Lösung müsse sich nach ideeller und praktischer Richtung bewegen: durch Pflege der gemeinschastlichen jüd. Interessen und des einigenden Bandes der hebräischen Sprache sowie durch praktische Zusammenarbeit auf allen Gebieten. Die. Jugendgruppe bemühe sich, im Kleinen diesen Zwecken zn dienen. Nachdem noch Herr Nenbergcr in launigen Worten die Arbeit der Jugendgrnppe beleuchtet hatte, schloß die anregende Veranstaltung mit einem Schlußworte des Referenten. Es meldeten sich viele neue Mtglieder an, sodaß die Jngendgruppe nunmehr ca. 400 Mitglieder besitzt, ferner wurden Beiträge für den Met- und Einrichtnngsfonds gezeichnet, sowie A. I.- Marken verkauft. Verein Montefiore. Im Verein „Montefiore" wird die Winter-Saison mit der General-Versammlung am 16. April ihr Ende erreichen. Die letzten offiziellen Vereinsabende brachten noch mancherlei Interessantes. So hielt am 26. März, Kapellmeister Artur Holde einen höchst anregenden Vortrag über ichard Wagner und das Indcntnm", der rednerisch und gedanklich auf respektabler Höhe stand. Redner hatte sich aus Anlaß der bevorstehenden Wagner-Centenarfeier die Aufgabe gestellt, die bekannte Schrift des großen Tonsetzers „Das Judentum in der Musik" als moderner Musiker und Musikhistoriker neuerdings unter die kritische Lupe zn nehmen. Er kam zu dem Ergebnis, daß die Betätigung der deutschen Juden während der letzten 30 Jahre auf allgemein künstlerischem Geriete und zunral als Komponisten das abfällige Urteil Wagners über künstlerischen Sinn und künstlerisch-schöpferisches Vermögen der Juden gründlich zunichte gemacht habe. Wagners gehässige Kritik, die schon zur Zeit ihrer Niederschrift ungerechtfertigt war, erkläre sich aus dem unbegründeten Wahne, daß die Juden an der anfänglich langsamen und bestrittenen Ausbreitung seiner Miisikdramen schuld waren. Die Juden brachten und bringen den Werken des Bayreuther Meisters, trotzdem er sie persönlich empfindlich verletzte, das größte Verständnis entgegen und lassen sich bei gebührender Würdigung von Wagners menschlichen Schwächen in der Begeisterung für sein Künstlertum nicht irre machen..— Am Mittwoch, den 2. April, gab es im gleichen Vereine eine sehr rege Aussprache übqr die für den 1L und 12. Mai bevorstehende große Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands". Ueber die verschiedenen Resolutionen des Verbandsvorstandes wurde manches Für und Wider gesprochen, das dem Vorstande des „Montefiore" den Standpunkt seiner Mitglieder klarlegte. In der gleichen Versaunnlung teilte der Vorsitzende mit, daß die Verhandlungen.mit Ler Agudas Jisrvech-J irgend gruppe wegen statutarischer Festlegung der Grenzen von deren Arbeitsprogrämm und der Neutralität in gemeindepolitischen Fragen zu einem negative» Ergebnis führten, "da die A J.-Jugendgruppe sine statutarische Festlegung dieser vom Standpunkte des „Montefiore" aus unerläßlichen Bedingungen ablehnte. Der Vorstand des „Montefiore" empfahl daher seinen Mitgliedern konservativer Richtung sich nicht feindselig, wohl -aber abwartend der A. J.-Jugendgruppe gegenüber zu verhalten. Sitzung des Ausfchnffes der JsraelU. Gemeinde. Noch nie war der Ausschuß so gründlich in seiner Arbeit und so gewissenhaft in der Erfüllung seiner Pflichten wie der gegenwärtige. Auch die diesmalige Ausschußsitzung legte Zeugnis von diesen Tugenden ab; sie dauerte zwei Stunden, und ihre Debatten zeichneten sich durch ein lebhaftes Interesse aus. Vor Eröffnung der Tagesordnung gedachte Leo Jsauc, der Vorsitzende, des verschiedenen Benny Oppenheimer, der zweimal dem Ausschuß angehörtc und sprach sein Bedauern aus, daß der stellvertretende Vorsitzende, Hugo Fränkel, den Tod seiner Mutter zu be-, klagen habe. , ' Die Position „Umbau der Hauptshnagoge" wurde nach Besprechung zur weiteren Aufklärung vertagt. ,>Kracauer, Urkundenbuch, zur Geschichte der Frankfurter Juden" liegt nunmehr in einem 900 Seiten starken Bande vor. Die Kosten belaufen sich auf 16 656 Jk Hiervon trägt die Sternsche wissenschaftliche Stiftung 5000 und die Königswärter Stiftung 3000 ifc Der Ausschuß bewilligt den Rest dieses' von ' der 'Gemeinde herausgegebenen Buches. Auf Grund -des Urkundenbuches wird Professor Dr. Kracaner uuiimehr eine Geschichte der Frankfurter Inden verfassen. Der Deutsch-Israelit. Gcmeindebuiid erbittet für den Neubau der „Fürsorgccrzich nn gs.-Anstalt f ü r M ä d ch c n" eine Beihilfe. Es iverden 2500 ,1k bewilligt. Die Anstalt hat seit 1900 92 Mädchen ausgenommen und so den christlichen Anstalten entzogen. Der neue Bau ist für 40 Personen bestimmt. Die Aiisschußmitglieder sprachen allgemein den Wunsch ans, daß Vorsorge getroffen werde, daß kein jüdischer Fnrsorgczögling in eine christliche Anstalt komme. Der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" werden wiederum 1000 Mark Jahrcssnbvention gewährt. Es wird nunmehr in die Besprechung des Voranschlags des „H ans h a l t u n gsp l a ns für 1913" eingetreten und der Voranschlag genehmigt. Bei dieser Gelegenheit teilt der,Syndikus ans Anfrage mit, daß dic.Bnros in diesem Jahre nicht mehr in das neue Gemeindeh a u s kommen werden, da die Renovierung dieses Hauses längere Zeit beansprucht. Ferner wird der Vorstand beauftragt, mit dem Friedhofsverwalter einen neuen Vertrag abznschließen, der eine bedeutend höhere Abgabe bringt. Dem Verein „Linas -ha -Zedck" lverden 600 Jk als Mietebeitrag für den von ihm eingerichteten Betsaal bewilligt. Rechtsanwalt Dr. B ä r w a l d befürivortctc sehr warm diese Position, da cs Pflicht der Gemeinde sei, jedem religiösen Beoürfnis zu genügen und dem galizischen Juden sein besonvcrer Gevetsritns heilig sei. Zum Schluß wird ein Brief der „Franks. Zeitung" verlesen. Mehrere ihrer Abonnenten hätten sich darüber beschwert, daß das Frankfurter Israelit. Familienblatt eine Liste der aus dem Judentum Ausgetretenen veröffentliche, und da das Amtsgericht die Hergabc der Namen verweigere, so könne die Zeitung die Namen wohl nur von der Israelit. Gemeinde erhalten haben; hierüber möge die Gemeinde sich äußern. Der Vorstand hat darauf erwidert, die Zeitung diene damit , dem Interesse ihrer jüdischen Leser, er finde umsoweniger "Anlaß einzuschreiten, als die Berliner jüdische Gemeinde in ihrem Gemeindeblatt ständig solche Listen veröffentlicht. Der Ausschuß erklärt sich mit der Antwort des Vorstandes einverstanden. Haushaltsplan-Voranschlag der Israel. Gemeinde für ISIS. O r d i n a r i u m. Einnahme n: Hauptsynagoge 7800 Jk — Synagoge Börneplatz 24 600 Jk — Synagoge Königsteinerstraße 26 000 Mark — Synagoge und Religionsschule Bockenheim 2000 Jk sonstige Gottesdienste 1200 Jk — Bccrdigungswesen 52100 Mark — Schlachtwesen und sonstige rituelle Betriebe 29150 Jk, — Ritualbad 3000 Jk — Verwaltung und Unterhaltung der Gemcindegebäude 4405 Jk — Zinsen 17 875 Mark — Steuern 618000 — Unvorhergesehenes 218 Jk Gesamtsumme 785 348 Jk Ausgaben: Allgemeine Verwaltung 38 650 Jk — Hauptsynagoge 44:730 Jk — Synagoge Börneplatz 38 780 Mark — Synagoge Königsteinerstratze 46 560 Jk — Synanagoge und Religionsschmc Bockenheim 14 000 Jk — son- : stige Gottesdienste 6950 Jk— Pensionen 31160 Jk Philanthropin 104000 Jk — Hospital 72 500 Jk — Beerdigungswesen 24 225 Jk — Schlachtwesen und rituelle Betriebe 47120 Jk, — Ritualbad 3240 Jk — Verwaltung und Unterhaltung der Gemeindegebäude 17 720 Jk — Versicherungen 6700 Jk — Verzinsung und Tilgung der Schulden 216 473 Jk — Steuern 12 000 Jk —■> Religionsunterricht 33150 Jk — Beiträge für allgemeine Zwecke 16 300 Jk — Diverses 13 000 Jk Gesamtsumme 785 348 Jk Extraordinariu in. Einnahmen: Gekündigte Darlehen 500 000 Jk — . Aus Anleihemitteln 295 000 Jk — Erlös Liegenschaft Königswarterstr. 20 200000 Jk — Schenkung Baronin Edmund de Rothschild 255 000 Jk Ausgaben: jfteu&au Krankenhaus 500 000 Jk — Neuer Friedhof 250000 Jk — Erwerb Liegenschaft Königswarterstraße 20 150 000 Jk — Erwerb Liegenschaft Unterlindau 29 65000 Jk — Erwerb ehem. Rothschildsche Geschäftshäuser 235000 Jk — Mazzenbäckcrei 30 000 Jk - . ■ ■ Gesamtetat. Der Gesamtetat enthält außerdem noch, die Rubriken Fonds (120 800 Jk) und Nebenverwaltungen (8920 Jk), so daß er mit einem Betrag von 2145068 Jk balanziert. Jüdische Frauenbewegung. Der Verein v e r m i t t e l t e im vergangenen Jahre 240 Stellen (206 im Hans, 34 im Geschäft). Jn seiner Unte'rstützuNgstätigkeit leistete er Beisteuer zur Mete, zur Auslösung von Pfandscheinen , und.) zum Kurgebrauch an Badeplützen. Kranken verhol, - er zur Aufndhmc in SpitÜferf Mnderüberwies er geeigneten Pflegest« tteii, Arbeitslosen verschaffte er Beschäftigung usw. Eine große Stütze bot die Einrichtung der Freitische, eS gelang, 1-10 Mittagstische per Woche zn beschaffe». In der Abteilung I u g e u d s n r s o r g c' wurde zurückgebliebenen Kindern und Ausländern Unterricht erteilt und Kinder während der schulfreien Zeit unter Leitung spazieren geführt oder zu Gesellschaftsspielen aiigehaltr» Die der Vereinigung unterstehende Herrn ann Lehma n rr-Schn le in Ofsenbach wurde von 129 Kindern besucht. Ihren Mitgliedern bot die Vercinignng einen Lehrgang ans dem Gebiete der jüdischen Geschichte (Dozent: Rabb. Dr. Bondi-Moinz), gesellige Abende und Vorträge. Zu Ehren des verschiedenen Kommerzienrats Louis F e ist s. Ä„ der seit. Beginn dem Vorstände angehörtc, hat der Vorstand die' Gründung einer. L o rr i s Feist- Kasse beschlossen, deren Zinserträgnis eine noch näher zn bestimmende Verwendung im Sinne des Heiiiigegangenri, finden soll. Airs dem Kreise des Vorstandes wurden sofort 1000 Jk dazu gespendet. Die verdienstvolle Vorsitzende, Frau I a c o b i n e W o h l f a r t h, legte ans Gesundheitsrücksichten' ihr Amt nieder. Der 1913 amtierende Vorstand besteht ans folgenden Damen: Erna Bamberg er, Henriette Bischofs, Fanny B i r n b a n in, H e d w i g C r a m e r, W a n n y L c.v i s, H e n n y L o e w e n t h a l u. F a n n y Strauß und den Herren: Pros. Dr. I. Bon di und Jacob Dahlheim. Erholungsheim für jüdische Kinder in Hofheim. Das Kuratorium des Ettlinger'schen Erholungsheims für jüdische Schulkinder faßte in seiner letzten Sitzung den wichtigen Beschluß, die an der Südseite des Sanatoriums bereits vorhandenen Veranden zum Zwecke von Jrcilnft-Knren zn verbreitern und mit verschieblichen Glasvcrschlägen zn versehen. Durch diese, mit nicht unerheblichen Kosten verknüpfte, aber in sozialhygienischer Hinsicht bedeutsame Neuerung wird es möglich sein, die erholungsbedürftigen Kinder auch bei ungünstiger Witterung in der kräftigenden Lust der Taunuswälder atmen zn lassen. Die erftenlichcn Erfolge, die schon seither bei Blutarmut, Unterernährung, Nervenschwäche, gefährdeten Atnrungsorganen u. dgl. erzielt wurden, werden sich nunmehr zweifelsohne noch wesentlich steigern lassen. Das Heim wird gleich nach dem Peßach-Festc eröffnet und wird bis November einschließlich in Betrieb bleiben. Anmeldungen haben bei der Verwaltung des Heimes oder dem beratenden Arzte, Herrn Dr. Löffler in Frankftirt, Obermainanlage 18, zu erfolgen, der jeweils Dienstag und Mittwoch, nachm. s/r5 bis ö'/i Uhr, eine Sprechstunde angesetzt hat. Für Kinder aus dem Mittelstände, für den sich das Heim als ein ganz besonderes Bedürfnis erwies, ist ein äußerst mäßiger Verpflegungssatz festgelegt. Nationalfondsspenüe« in Frankfurt. Die Eingänge für den Jüdischen Nationalfonds.bei der Franks. Zion. - Vereinigung betrugen in der Zeit vom 1. April 1912 bis 1. April 1913: I. Durch das „Franks. Israelit. Familienblatt 507,78 Jk, II- Durch den Kassierer des Vereins 1. Erlös für verkaufte Nationalfondsmarken und Telegrammformulare 37,70 Jk, 2. Allgemeine Spenden 233,25 Jk, 3. Ablösung der Glückwurrsch- . karten zu Rosch-haschonah 186,50, 4. Oelbaumspenden 54 Mark, 5. Jemenitenhäuser: a) Frankfurter Jemenitenhaus 69,10 Jk. bl Louis Feist-Jemenitenhaus 800 Jk, 6. Büchsenlcerungen 426,10 Jk, 7. Spendenbuch 229 Jk Zusammen 2543,43 Jk Israelit. Wohlfahrtskasse. . Die Israelit. . Wohlfahrtskasse (Vorsitzender: I. B- Levh) schloß das abgelaufene Jahr mit 36Z,. ordentlichen und 63 außerordentlichen Mitgliedern und einem Vermögen von 35960 Jk ab. Am 1. April fand die 30. ordentliche Mitgliederversammlnng statt. Die Versammlung setzte das auszuzahlende Sterbegeld auf 500 Jk und den Jahresbeitrag pro 1914 auf 12 Jk fest. Die ausscheidenden Vorstairdsrnrtlieder Jakob Ettlinger und Joseph S ch wäll ch er wurden wiedergewählt. Frankfurter Ziou. Verelntaung. Die Franks. Zion. Vereinigung vereinnahmte in ihrenr am 31. März abgelansenen Geschäftsjahre: Geschenke nnd Legate 84 Jk, Mitgliederbeiträge 942,90 Jk, Schekel 247 Mark, Landesbelträgc, 501 Jk Kleine Notizen. Der hiesige Maler Armin Stern veranstaltet zur Zeit im Knnstsalon Schamcs eine Kollektiv- Ausstellung feiner neuen Arbeiten. Wir möchten nicht Kaiser- Kaiserstrasse 70 Strasse 70 Erfrischungsraum rö Cafe u. Conditorei ung i den 12. April, Nachm. 4 Uhr. ist das beste, angenehmste Abführmittel. -»■ Dasselbe ist stets za haben bei Manna, r Dasselbe Obst Telephon I, 8623. Schillerstrasse 17. Gleichzeitig empfehle für Pesach alle Sorten Obst» AdolfKotin, Samstags streng geschlossen. Spezialität: Gummiabsätze.. Praiikfurt». M., Obermain-Anlage 20 (Laden). Te|. Lagst* In aillon Sohuhon und Stlefsl* Dienstpersonal erhält Extra-Rabatt. 00^42524