Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 knmpsuiig des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Berbandes, ein und legte im wesentlichen die Richtlinien der zu leistenden künftigen Tätigkeit dar. In der D i s k n s s i o n zum Geschäftsbericht verbreitete sich Rabbiner Dr. Werner- München ausführlich über die Wirksamkeit des Centralvereins in Schächtangelegenheiten und gab Winke, in welcher Weise insbesondere dem Vorgehen des jetzt an die Frauenwelt herantretcnden schächtgegnerischen Fräulein Lida Gustava Heymann entgegengewirkt werden soll. Die Herren K o h n st a m m - Nürnberg und N e u - Pirmasens legten die Mittel und Wege,' welche sie mit besonderem Erfolg in der Propagandatätigkeit cingcschlagen hatte», dar. Dr. Mainzer-Frankfurt a. M. referierte über das erfolgreiche Vorgehen der Frankfurter Ortsgruppe gegen den Dcutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband unter ausführlicher Schilderung der Organisation der Kaufmannsgerichtswahlen seitens des Centralvereins in Frankfurt a. M. Nach Erstattung des Revisionsberichtes wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wieder gewählt, und zum Schluß der Versammlung hielt Rabbiner Dr. David- Bochum einen bis ins einzelne ansgearbeiteten Vortrag über den „A n t i s e m i t i s in u s in d en Schule n", in dem er nicht nur die Erscheinungsformen, sondern auch die Bekämpsungsmöglichkeiten des Antisemitismus in Schulen ausführlichst darlegte und an der Hand vieler praktischer Beispiele Anregungen zur Tätigkeit der Ortsgruppen und Einzelmitglieder des Centralvereins gab. spurte neue Auster, französische Bindeart. Naturpräp. Kränze in grösster Auswahl. Wolscliendorff •& Meissner 38 TOngesgasse 38. Aus aller £»elX Deutsches Reich. Berlin. Der Etat der jüdischen Gemeinde sieht für.1913 eine Gesamtausgabe von 3024967 M. vor; im einzelnen: 596 427 ,.IL Zuschüsse für Arinenzwecke und Wohltätigkeitsanstaltcn, 677 015 JL Kultus- und Ritualangelegenheiten, 415141 JL Gemeinde- und Religionsschulen sowie Bibliothek, 760 022 JL allgemeine Verwaltung und 636 220 JL Vermögensverwaltung, hiervon ab ein Ueberschußpostcn (Beerdigungswesen) 59 860 JL Also über 3 Millionen Mark sind durch Gemeindesteuern aufzubringen! Berlin. Die jüdischen Hilfsgesellschaften hatten bereits durch ihre Delegierte» — Dr. Paul Nathan, Elkan Adler und Dr. Bernhard Kahn —, die den Balkan bereisten, Vorsorge getroffen, daß der Notleidenden jüdischen Bevölkerung Adria nopcls, die mit 18000 Seelen fast ein Viertel der Einwohnerschaft allsmacht, sofort nach dem Falle der Festung rasche. Hilfe gebracht werden könne. Seit einiger Zeit wurden für 65000 Francs Lebensmittel, Heizmaterial, Kleidungsstücke usw. bereitgehaltcn, die einen Tag nach dem Fäll der Festung nach Adriauopel gebracht wurden. Eine elfgliedrige Kommission reiste in einem Sonderzuge, der einen Waggon Geflügel und zehn Waggons Lebensmittel enthielt, zur Hilfeleistung ab und ist bereits in Adriauopel eingetrofsen. Auch/zwei Krankenschwestern aus Berlin und ein Arzt zur Pflege der Kranken und Verwundeten mit den nötigen Medikamenten sind von Sofia, wo sie inzwischen stationiert waren, nach Adriauopel abgegangcn. Berlin. Eine Kommission des Abgeordnetenhauses beschäftigte sich mit einer von Gelnhäuscr Juden eingcreichteten Petition, die um Abschaffung der alten Ge >' etze über die Verhältnisse der Juden in Kur Hessen ersucht. Es handelt sich unt die Verordnungen von 1823 und 1833. Die Petenten wenden gegen diese Verordnungen folgendes ein: Die Gemeinden können nicht einmal ihre Äeltesten selbst wählen, die Aeltesten werde» ihren aufgedrungcn, und es ist bezeichnend, daß zwei Inhaber der obersten jüdischen Behörde des Provinzialvorsteheramtes in N. ihre eigenen Kinder einer anderen Religion zugeführt haben. Weiter wird zur Aufbringung der Gemeindelasten statt einer Klassenstener die Besteuerung durch Zuschläge zur Staatseinkoininenstencr getvünscht, ferner bei den Provinziallasten ei» ähnlicher Modus wie bei der Besteuerung der Kirchengemeinden zu den landeskirchlichen'Lasten, schließlich, daß das Provinzialamt einen Etat aufstellt, ihn den Gemeindevertretungen zugänglich macht und den Bedarf gemcindeweise, nicht wie jetzt nach ihrer Steuerlast, sondern nach ihrer Steuerkraft, wie sie sich ans der Staatseinkommensteuer ergibt, umlegt. Der Regierungsvertreter, Geh. Oberregierungsrat Hermes, meinte, die bestehende Organisation werde in weiten Kreisen der hessischen Judenschaft geschätzt. Der Antrag auf Materialüberweisung wurde mit knapper Mehrheit angenommen. Köln. Eine unse-er Großgemrinde würdige Geineindebibliothek ist nunmehr'Tatsache geworden; Dienstag fand im Gemeindehause Roonstraße die feierliche Eröffnung statt. Der Bücherbestand, hat die Zahl 1000 bereits überschritten. Bl Unöleben. Bald folgt die Wiederkehr des Tages, an dem Frau Moses Gärtner das Zeitliche gesegnet hah Tkn diesem Tage gelangen die von ihr und ihrem Frankfurter Israelitisches Familienblatt. sel. Gatten, der ihr kaum um 2 Jahre in den Tod vorausging, bestimmten Legate zur Auszahlung. Das aenannte Ehepaar, das über ein großes Vermögen verfügte, in seinen Lebensansprüchen aber selten bescheiden war, setzte seinem Wohltun die Krone auf durch' Errichtung eines Testainentes, in welchem der dritte Teil seines Vermögens für wohltätige Zwecke bestimint wurde. Das Testament, das schon vor 13 Jahren unter Einleitung des damaligen Rabbinatsverwesers, Rabb. Dr. Stein in Schmeitlsurt, abgesaßt wurde, berücksichtigt viele Zweige der Wohltätigkeit. Für den hiesigen Ort und llmgebung wurde eine Braut-Aussteuerstiftung errichtet, der Armenfonds wurde vergrößert, dem heiligen Land, dem Würzburger Lehrerseininar, dem Spital in Würzburg, der Präparandenanstalt in Burgpreppach, der Kinderheilstätte in Bad Kissingen, dem Bayerischen Lchrerverein wurden größere Summen zugewcndet, die nun bald zur Auszahlung gelangen. Alles' in allem bestiininte das Ehepaar ungefähr 100 000 JL für. wohltätige Zwecke. Dieses wohltätige Wirken verdient öffentliche Anerkennung, wenn auch das Gärtner'sche Ehepaar niemals nach Ehre und Anerkennung strebte, sondern im Gegenteil über sein Testament stets das größte Stillschweigen bewahrt wissen wollte. Möge jederzeit mit innigen Gefühlen der Dankbarkeit des Gärtner'sche» Ehepaares gedacht werden! Mögen seine segensreichen Stiftungen zur Nachahmung veranlassen! Amerika. Montreal «Kanada!. Die hiesige Jüd. Kolonisations-Gesellschaft plant die Errichtung einer jüdischen Kolonie im K o o t e n a y - L a n d fB r i t i s ch - E o l u m b i c n). Sie hat die Regierung um Bewilligung von vorläufig 609 acres Land ersucht Itnttn Das „Scheker - Bilbal". Bon C. Berg, sg. Fortsetzung). Man hatte den Toten auf dem Gesicht liegend ausgefunden, der Förster liest eine Karre Reisig herbeischaffen, und so hatten sie ihn aufgebahrt. Ertrunken oder ertränkt? Alle blickten gespannt auf den Doktor, lvelcher, Kopf und Rumpf des Entseelten eingehend untersuchend, sich streng alle störenden Fragen verbeten hatte. „'Der ist in seinem ganzen Leben nicht ertrunken," brummte der Gendarm Quitte, „wäre er ins Wasser gefallen, er konnte schwimmen wie ein Fisch." „Richtig!" nickte Thorner. „Meiner Meinung nach ist er in den Bach hinuntergestostcn worden, worauf ihm im Wasser der Schlag gerührt . . . Ah, der Herr Physikus!" Der Herr Kreisphysikus trabte mit weitausgreifenden Schritten heran. Unterwegs auf einem Dominium hatte er die Schauernachricht erfahren und war sofort mit höchstem Eifer herbeigeeilt, die wichtige und recht einträgliche Untersuchung nicht zu versäumen. Nach den üblichen Komplimenten zwischen den Herren Kollegen und einleitenden Erklärungen seitens Thorners über den Fall, k., k. besichtigte der Herr KieisphysikuS den Leichnam, wiederholte die Manipulationen des Doktors von A bis Z, dann räusperte er sich, um sich zu äutzern. „Gebt acht," flüsterte Quitte, „was ein richtiger Kreisphysikus ist, der ist immer anderer Meinung." „Ich bin nicht Ihrer Meinung," begann der Kreisphysikus. „Schlag gerührt!" — er wiederholte cs wegwerfend, — „selbstredend ist Hirnschlag eingetreten. Aber betrachten Sic zuvörderst diese klaffende Schnittwunde am Scheitelbein!" „'Das ist keine Schnittwunde," sagte Thorner. „Ah! Ah! Sie halten das für etwas anderes?" Der Zwicker des Kreisphysikus funkelte drohend gegen die Brillengläser des Doktors. Wer die goldene Brille wußte in ihrer Ruhe dem zornigen Blitzen des goldenen Kneifers standzuhalten. „Jawohl. Meine Auffassung des Falles ist eine total andere." „Sehr merkwürdig. Aber, hm . .. . hm . . wie ich höre, ist sogar das Messer neben der Leiche gefunden worden? . . ." „Ein Messer, allerdings. Dieses hier" — er überreichte es dem Kreisphysikus und sagte mit leiser Ironie: „Abgesehen davon, daß der Herr Kollege selbst das Ding für höchst ungeeignet halten werden, so bedenkliche Verwundungen anzurichten, würde es doch wenigstens blutig sein." „Nee! nee!" schrie Tilniän, „ich Habs ja selber zuerst gesehen. Blutig war's nicht." 6eite 5 Das Messer wunderte von Hand zu Hand, wurde mit Interesse, das aber angesichts der armseligen Beschaffenheit der vermeintlichen Mordwaffe bald zur Geringschätzung sank, von den Männern besichtigt. „Da stehr gar was darauf!" sagte Tilman, der nicht lesen konnte. „Eiw -lateinisches P," rief der Gendarm wichtig. „Ein P!, richtig ein P! Ich werde alle einsperren, die Paul und Peter heißen." Die Umstehenden bestätigten das P, ohne ihm und dem Messer weitere Bedeutung beizul.gen. „Es ist fiir die Katze," entschied der Förster, „nicht eine anständige Wurst schneidet man damit." Thorner fuhr mit großer Bestimmtheit fort: „Diese Wunde hat weder ein Messer, noch sonst eine Waffe hervorgebracht. Bei dem Sturz ins Wasser ist der Kopf auf einen der großen Steine, welche Sie vielfach auf dem Grunde des Baches sehen, hart aufgeschlagen." „Und dies? Und das'?" Der Kreisphysikus wies erregt auf die blutrünstigen Hände und den Hals des Leichnams. „Bestimmen Sie dies auch als Beschädigungen durch die Bachsteine?" „Nein, das sind reguläre Kratzwundrn." „Und durchaus nicht geringfügiger Art," setzte der Kreisphysikus bewegt hinzu. „Man errät, im weiteren Verlaufe des Kampfes hat der Mörder den Armen gewürgt und, nachdem er ihm einen tötlichen Messerstich in den Hinterkopf versetzt, sein Opfer in den Bach geschleudert." „Den Messerstich bestreite ich ganz entschieden!" rief Thorner lebhaft. 1 Hierauf bekämpften die Herren Doktoren jeder sehr energisch die gegenteilige Ansicht, warfen einander die schlagendsten Zitate und die packendsten Fälle aus der eigenen Praxis an den Kopf, ohne im Eifer ihres Disputs zu bemerken, daß die übrigen Mitglieder der Kommission sich bereits in heftigen Bewegungen der Ungeduld und Langeweile ergingen. Der Förster Hegemann flüsterte nicht allznleise dem Gendärmen, auf Intel deutend, zu: „Tot muß er wohl sein, sonst wäre er sicher von dem Speftakel, welchen die Herren vollführen, wieder auferstanden." Mittlerweile hatten auch die Juristen und Magistratspersonen für und wider die Meinungen der Söhne Aeskulaps Partei ergriffen. Philipp, als echter Neuling, Und der pathetische Bürgermeister erkannten unverzüglich auf Mord, während der Amtsrichter sowie der Oberamtmann Riegner und der Förster, beide erfahrene und besonnene Männer, für Körperverletzung mit tätlichem Ausgang plaidierten. Ueber einen Punkt aber waren die Gelehrten einig: Blediziner wie Juristen behaupteten, daß der Leichnam seit mehr als vierundzwanzig Stunden im Wasser liege. (Fortsetzung folgt.) J. W. Albert, Optik Pitsn.Pincenez Double Mk. 7.50, Nickel Mk. 4,00. Weissfrauenstrassa II, Eike Neue Mainzerstrasae. Haber Friedrich Quelle - Offenbuilt a. Hl» —> Gegen Gicht ud Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. S., Güntherahurg-Allee 37. TeL259n-714. Wochea-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Loach.) Samstag, den 5. April (= 27. Adar II.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 llhr 30 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. in Berlin 7 llhr 30 Min. Wochenabschnitt: Sasria. — Reinheitsvorschriften für die Wöchnerin.^ Gesetze über Aussatz oder Ausschlag, der an Menschen, Häusern oder Kleider sich zeigt. Parschas Hachandesch. — Es wird eine zweite Thorarolle ausgehoben und darin 2. Bch- M., Kap- 12, Vers 1—20 verlesen. Inhalt: Bereitung des Pesachlämmes. Jeder Hausvater.für sich und seine Familie; gebraten am Feuer mit bitter» Kräutern und ungesäuerten Broten soll es genossen werden. Genuß- und Besitzverbot von Gesäuertem aus die Dauer des ganzen Pesachsestes. Einsegnung des Monats Nissan. Rausch» chaudesch: Dienstag. Stets nur 1 Lag. Mit Nissan Beginn des Festjahres. (Also Pesach als erstes Fest.) Nissan — 1. Monat. Das eigentliche, d. h. bürgerliche Jahr, beginnt im 7. Monat (Tischri). Nissan ganz der Freude gewidmet. (Vom 1.—12. Nissan war die Einweihung der Stiftshütte, und dann folgt das Pesachfest.) Kein Tächänun, kein Jehi-rozaun vor Thora-Einheben am Werktag, kein Zidkoscho-Zedek Samstag-Rachmittag, kein Fasten bei Jahrzeiten, kein Zidduk-Hadin bei Beerdigungen.