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Neue jüdische Presse · 1913-03-07 · Heft 10 (7.3.1913) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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" " z» Nr. 10 ckk8 MMfvrter UmMslkm MMmklMs. Die Bezalel-Ausstellung in Frankfurt a. M. I Endlich ist' es auch Frankfurt vergönnt, in'die Reihe I der Städte einzurücken, die sich einer Bezalel-Ausst e l l u n g haben erfreuen dürfen. Und zwar ist es das H ans W r o n t e r / das uns durch seinen Kunstsalon ein getreues Bild von jener großen Kulturarbeit bietet. Wir können uns mit eigenen Augen davon überzeugen, daß 'die K u n st g e w e r b e s ch u l e Bezalel zu Jerusalem ein Knlturfaktvr bildet — ein Kulturfaktor für das jüdische Land und für das jüdische Volk — im wahren Sinne des Wortes. Vor allem auf sozialem Gebiete liegt die iinmcnse Bedeutung des Bezalel. An 1000 Jude n sind cs, die durch ihn ihr Brot finde n. Er ist cs, der 500 jüdische A r b e i t e x und A r b e i t e r i n n e n beschäftigt, ihnen 140 000 Frcs. an Arbeitslohn zahlt. Er ist cs, der eine Hausindustrie im jüdische» Lande schuf. Und der Bezalel ist es, durch dessen fruchtbares Wirken das Kunst ge werbe in Palästina seinon Einzug hielt. Und hierin liegt seine rein kulturelle Bedeutung. In den Anfängen eines neuen Juda in Palästina stellt der Bezalel den Bürge» dafür, daß einer etwaigen zukünftigen jüdischen Kn n st g e b ü h r c n d e Vorarbeit geleistet wird. Er bildet die Borsorge dafür, daß Juda und Kunst sich endlich versöhnen können. Schon jetzt ist die k ü n st l e r"i s ch e Leitung des Bezalel eine nicht zu unterschätzende. Angenehm überrascht ist man von dem orientalischen Reichtum der Formen, von der Phantasie der Muster und in gleicher Weise von der Gediegenheit der Ausführung, von der Sicherheit und Feinheit der jüdischen Hand. Dazu noch die Mannigfaltigkeit der Gebiete, auf denen er arbeitet! In der Tat, der Bezalel überrascht jede Vorstellung. Wohl ist er noch Schüler. Wohl kann noch lange keine Rede sein von einem jüdischen Stil! Aber wir glauben, der bisherige Erfolg berechtigt uns zur Hoffnung: Einst kann etwas wahrhaft Großes und Wunderbares aus ihm werden. I c h u d a. Frankfurter Berichte. Das Thema „Die Lage der deutschen Judeu" ist in zionistischen Kreisen schon manchmal behandelt worden; — Herr Julius S i m on - Mannheim, der Montag Abend in der Frankfurter Zion. Bereinigung sprach, wußte aber diesem Thema eine solch', eigene Note »zu geben, daß das Publikum seinen Ausführungen mit der gespanntesten Aufmerksamkeit folgte. Vornehm und abgetönt in Wortgestaltung und Gedankenäußernng bot der Vortrag einen ästhetischen Genuß und wirkte überzeugend. Alls dem Vortrag sei hier einiges wiedergcgeben: Unsere Gegner orientieren ihr Judentum nach ihrem deutschen Empfinden, wir aber orientieren unser Deutschtum liach unserem jüdischen Empfinden. Wer heute die Erhaltung des Judentums will, >nuß entweder Zionist oder Förderer des Zionismus sein. Daß aus dem äußerlich bedrängten, innerlich freien Ghettojnden der äußerlich freie, innerlich unfreie Emanzipationsjude lverden konnte, kommt daher, daß man es llicht verstand, die jüdische Eigenart mit der kulturellen Umgebung in Einklang zu bringen. Das orthodoxe Judentum wurzelt im nationalen Bewußtsein. Zion, jüdisches Volk, tönen als Akkorde durch all' seine Gebete, durch all' seine Einrichtungen. Die Reform ist der kindliche Versuch vortrefflicher Menschen, die sich als Freidenker vom Judentum befreit glauben, aber durch ein geheimnisvolles Band mit ihm verknüpft sind. Trotz aller Assimilation hat der Antisemitismus heute ans der ganzen Linie gesiegt: freilich Radauantisemiten sind heute nur noch Tölpel. Wir finden heute in der indifferenten Judenheit als Regel den Truhjuden, der das nationale Judentum ablehnt und dem religiösen fernsteht, der nicht für die Existenz des Judentums, sondern nur für das abstrakte Recht aus die Existenz des Judentums kämpft. Mit einer solchen Masse läßt sich nichts anfangen, während ein bewußtes jüdisches Häuflein die Kraft hat, die Judenfrage zu lösen. Zum Schluß behandelte Redner das Palästina-Problem. In der Debatte sprachen I u l i u s Meyer, Dr. Fränkel, D. Tachauer, Martin Levigard und Heinrich Birke n st e i n. Die Organisation „Moria" vcrcuistaltete hier eine, öffentliche Versammlung, die gut besucht war. Dr. Carl Cohn- Altona präsidierte, und Rabbiner Deutsch- Lemes und Dr. Julius Möller- Altona referierten. Der Vorsitzende ünd die Referenten betonten in ihren Ausführungen, daß die „Moria" eine Lücke anssüllc. An den bestehenden Palästina-Organisationen haben sich große Teile der Orthodoxie nicht beteiligt: es sei daher eine orthodoxe Organisation erforderlich, die die Palästina- Arbeit auf ihre Fahne geschrieben hat. Wohl 'wolle die Agudas Jisroel auch in Palästina arbeiten, es warten ihrer aber vorerst zahlreiche Aufgaben in den Golusländern, und in Palästina dürfe die Wahrung der orthodoxen Interessen nicht aufgeschobeii werdon, lvenn das Thorajudentum nicht gerade im Lande der Thora großen Schaden erleiden solle. Wie neben der Freien Vereinigung der „Schomre Schabbos" - Verein bestehe und bestehen müsse, so könne und müsse neben der Agudas Jisroel die Moria bestehen. Die Moria habe bereits die Pslege der Bienenzucht in Palästina in Angriff genomnien, die neben dem intensiven Thorastudinm einen Erwerb ermöglicht. Jetzt wende sie sich einer zweiten Aufgabe zu: dem Häuserbau für die jemenitischen Inden. Für diese große Aufgabe, tausenden dieser thoratrcuen, fleißigen Menschen eine Wohnstätte zu bereiten, müsse auch die Orthodoxie mit aller Kraft das ihrige, tun. Ueberlasse sie die Aufgabe der zionistischen Organisation, so dürfe sie sich nicht wundern, in' Palästina dadurch einen moralischen Verlust zu erleiden. Als erster Diskussionsredner sprach Prosessor A. W e h l. Er ist ein Freund der Moria, glaubt aber, betonen zu müssen, daß das provisorische Komitee der Agudas Jisroel alles getan habe, uni die gesamte Orthodoxie zur Tätigkeit für die Agudas Jisroel heranzuzichen. Paul A r o n ergriff sodann das Wort. Er wünscht im Interesse der Agudas Jisroel in Frankfurt keine 'Ortsgruppe der Moria, denn in Frankfurt seien die Verhältnisse in der Agudas Jisroel noch nicht geklärt. I. L. G o i t e i n begrüßte in seiner Eigenschaft als Zionist die Moria, denn jede jüdische 'Arbeit in Palästina müsse der Zionist begrüßen. Hiermit war die Diskussion geschlossen, und cs folgte» dann noch einige Schlußworte. Nach Schluß der Versammlung fand noch eine interne Besprechung statt. Es wurden in das vorbereitende Komitee der Moriah-Ortsgruppe gewählt: Rechtsanw. Horovitz, Willy Mainz, MichaelKohn, JosefDiamant und Emil F e u ch t w a n g e r. D ie Sitzung d e s A u s s ch n s s e s der i s r a c l i t. Gemeinde war eine sehr interessante, indem sie recht deutlich zeigte, daß dem Ausschuß mit den wachsenden Aufgaben der Gemeinde das Bewußtsein seiner Verantwortung wächst. Der Ausschuß Lenchmigt nicht mehr init Leichtigkeit wichtige Positionen, sonder er will jede Position von Grund auf^ gewissenhaft prüfen, ehe er seine Genehmigung gibt. So wurden denn die wichtigsten Pmrkte der Tagesordnung zur Beschlußfassung auf die nächste Sitzung verschoben. Der Haushaltsplan des Gemeinde-Hospitals pro 1913/14 verlangt einen Zuschuß der Gemeinde von 64 061 Mark (im Vorjahre 60 475 J&) und der Haushaltsplan des Philanthropin einen Zuschuß von 104 043 M. (im Vorjahre 100 247 */&). Beide Positionen sollen von den Ausschuß-Mitgliedern erst noch eingehend geprüft werden und. daher erst in der nächsten Sitzung erledigt lverden. Der Bericht Direktors Dr. Adler über den Religionsunterricht sieht vor 13160 Jf. für Religionsunterricht» 1000 JL für die Unterrichtsanstalt Rabbiners Dr. Seligmann und 780 Jfe für die der Rabbiner Dr. Lazarus »md Dr. Salzberger. Hier fragt Herr Hugo Fränkel» wer über die Einteilung des Religionsunterrichts verfüge. Rabb. Dr. Nobel sei kontraktlich zu 8—10 Religionsstunden an den höheren Schulen verpflichtet worden; bisher sei ihm aber noch nicht die Möglichkeit geboten worden, Religionsunterricht zu erteilen. Es sei eine Kommission für den Religionsunterricht notwendig. Justizrat Dr. Bär, der Syndikus» erwidert, daß an den. städtischen Schulen die Rabbiner nur an den oberen Klassen Religionsunterricht geben, und daß da inzwischen noch nichts frei geworden sei. Die Erteilung des Religionsunterrichts liege in den Hqndon der .städtischen Schuldeputation, und der Mittelsmann zwischen dieser und dem Gcnleindevorstand sei Direktor Dr. Adler. Auch dieser Punkt der Tagesordnung wird in der nächsten Sitzung nochmals behandelt werden. D 1 ", 4 S;i m. It osmlli <il\ acht. Tel.-Amt i, 2991. Inh. Gustav Sichel, Zell 13. Me Bezugsquelle j. alle Xolonialroaten. Zn Fni'ini «mpt-di-- Delibalessbörbe Hei Julius Lang, Dadittl- (12767). _ Bendergasse 4). Telefon A. 1. 12767. Einzig jüdisches Gesohäft dieser Branche am Platze. ■ Uebernaiame aller Neu- und TJ'mdeckungen. ■ Schnelle und solide Ausführung unter Garantie. ——— Jährliche Dachnnterhaltnngen yon 10 Hark an. - Prima Referenzen stehen zu Diensten. Bekannt ist die vorzügliche Qualität der Geschäftsbücher aus der Fabrik von J. G. König & Ebhardt, alleinige Vertretung Wilhelm Büttel Frankfurt am Main Prima Bürsten- und Besenwaren aller Arten zu billigsten Preisen bei Allerheiligenstrasse 89 I. 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