Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1913-03-07 · Heft 10 (7.3.1913) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2692819-2692829--07517-2702600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ente. L Ans Her LehrerrveU. BieUtz. Rabbiner Dr Siegmund Groß ist — 72 Jahre alt — verschieden. Luzern. Mit dem 1. April wird Kantor Moos mit vollem Gehalte von der Gemeinde pensioniert. Volle 40 Jahre hat Herr Moos sein-Amt in der Gemeinde zur vollsten Zufriedenheit der Mitglieder verwaltet und sich durch Pflichterfüllung und strengreligiöse Führung die Sympathien aller Kreise zn erwerben verstanden. Schneiderei Crössmann Kaisonatnasmo tOa, Entnoso!. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Kleiderm Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Anf Wunsch zuverl. koschere Verarbeitung. W dtmlfßton. W Das „Scheker - Bilbnl". Bon C. Berg. (5. Fortsetzung). „Ich weiß, ich weiß. Du hast mir diese rührende Geschichte oft erzählt, wie Du ein armer, vaterloser Junge warst, und wie freundlich sich der alte Hirschthal und seine ganze Familie gegen Dich bezeigten." „Ich werde Dir nie so viel Gutes von ihnen erzählen könne», als sie an nrir getan haben," sagte er ernst und wandte sich ab. Die junge Frau haschte nach seiner Hand. „Ich verstehe uidj, dankbar für Dich zu sein, mein Alter. Ich will mich freuen mit Deinem Gast, Philipp heißt er,, er war Dein Schüler, nicht wahr? Apropos, dieser Philipp ist wohl das einzige Kind Deines Gönners?" „Pein, es war noch eine Tochter da." „Ach so! Sich mal, Heinrich, diese Tochter hast Du mir Pis Heute unterschlagen." „Was fällt Dir ein?! Du wirst es vergessen haben." „Schr wahrscheinlich," lachte Frau Christine, sich an der offenkundigen Verlegenheit ihres Gatten weidend. „Ich wette, dieses Fräulein Hirschthal war meine Vorgängerin im Amt." „Wette nicht. Du gewinnst!" „Ah! Uno warum haben Sie sic nicht gcheiratct, mein Herr?" „Weil mich der alte Hirschthal — — —" „Hinausgeworfen?" „Nicht so ganz. Er stopfte mir alle Taschen voll Geld und sagte: „Geh fort! Studiere anderswo, und wenn Du etwas geworden bist, komme wieder!" „Und als Du wiederkamst?" „War die Mine Jeanette natürlich längst verheiratet." „Bravo!" lachte Frau Christine und klatschte vergnügt in die Hände; „dafür werde ich diesen Herrn Philipp wie einen kleinen Prinzen aufnehmen und bewirten. Ich will ihn sogar, falls er ein leidlich ausschender Mensch ist, in mich verliebt machen; auch die Brillanten sollen prangen, nur die schwarze Standcsamtsflagge aufzuziehen, nicht wahr, das erläßt Du mir?" „Also zur Tagesordnung!" seufzte er. „Ist der Lachs frisch?" „Delikat." „Ist der Junge zu Bett?" „Er sitzt bei Pelagia in der Küche und wartet auf Perez. Du weißt, ehe er seinen Intimus nicht - gesehen hat, gibt er keine Ruhe!" „Er soll auf der Stelle schlafen gehen," zürnte der Amtsrichter. „Wenn Du ihm das selbst sagen willst." Große Macht schien der Hausher über seinen fünfjährigen Sprössling keineswegs zu besitzen; er kam nach wenigen Minuten allein in das Speisezimmer zurück und schalt wieder seine Frau, daß sie ihr einziges Kind schmählich verziehe und den Dienstboten überlasse. Frau Christine hörte den zornigen Gemahl mit Seelenruhe an. „Was willst Du, Heinrich? Pelagia ist eine vorzügliche Person, der Kleine hängt an ihr, und Perez — Wer den Geschmack läßt sich streiten —, Dein Sohn schwärmt für ihn." „Ich werde Perez das Haus verbieten," fuhr der Amtsrichter auf. „Tue es lieber nicht! Du würdest Dich der einzigen Autorität, die Dein Sohn anerkennt, beraWen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ~ ' Nr.' 10. So können wir ihm wenigstens durch Perez ab und zu eine Unart verweisen lassen." „Eine reizende Pädagogik," brummte der Amtsrichter. Er sollte sogleich wieder guter Laune werden, Pelagia' trat eilt und meldete den Gast. Mit ausgebrcitcten Armeit eilte er auf den ein wenig verlegeir cintretenden Fremden zu: „Philipp, nieili Philipp, sind Sic es wirklich?" „Mich zu vergewissern, ob ich es bin, hätten Sic, mein teurer Lehrer fragen müssen: Philipp, bist Du cs?" antwortete der junge Mann, die Begrüßung herzlich erwidernd. „Was ein Jahrzehnt der Jugend doch Vorteilhaftes bringt!" sagte der Amtsrichter und hatte eine aufrichtige Freude mit seinem - ehemaligen Zögling. „Christine, ich staune, was aus diesem Taugenichts, der mir die Seele hcrausärgertc, für ein feines Herrlein geworden ist. Schau, mein Junge, das ist meine Frau!" „Alle Wetter, ist die hübsch!" dachte der junge Mann, berührte die feine Hand der Dame leicht mit seinen Lippen und sagte ihr eine Artigkeit. Es gab ein sehr vergnügtes Mahl, geivürzt mit fröhlichen Erinnerungen. Der Amtsrichter ließ sich den Studiengang Philipps erzählen, Frau Christine befragte ihn sehr eingehend nach Elterit und Schwester und wollte alle tollen Streiche, mit lvelchen der zwölfjährige Schlingel einst seinen Lehrer zur Verzweiflung gebracht hatte, hören. „Weil Sic es befehlen, gnädige Frau, da trage ich noch ein Marterwerkzeug als teure Reliquie jener Zeit bei mir." Philipp zog einen kleinen, blechernen Gegenstand hervor und bewegte ihn gegeneinander — es klang mißtönig, ja abscheulich. „Das Cri-Cri!" schrie der Amtsrichter. „Lebt das Untier noch?" „Ein Cri-Cri!" rief Frau Christine entsetzt, „um Himmelswilleit — geben Sic das Ding her! Mein Junge wäre imstande, es Ihnen. abzubetteln." Sic ließ das Klapperzeug in ihre Tasche gleiten; cs >var die .höchste Zeit: im nächsten Augenblick stürzte ihr Söhnchen ins Zimmer. „Papa, Papa, komm heraus, Perez ist draußen! Sieh, was er mir mitgebracht hat!" Er zeigte den Kuchen und die Sonnenblumen, überdies eine prachtvolle, rotgoldene Weintraube. Philipp nahm den lleinen Mann aus die Kniec und verglich entzückt seine Züge mit denen der schönen Mutter. „Wie heißt Du, mein Prinz?" „Heinrich Desiderius Müller, und Du?" Er fragte dreist: „Was bist Tu für ein Onkel? Was hast Du mir mitgebracht?" '* „Nichts, mein Kleiner!" entschuldigte sich Phfjipp betrWt, „ich wußte gar nicht, daß Tu auf der Welt bist." „Ich gehe wieder zu meinem Perez," schmollte der Kleine; „Perez schenkt mir immer ettoas." Er raffte seine Schätze zusammen und lief davon. „Wo hat Perez die schöne TraWe her?" fragte der Amtsrichter. „Sie wird in Riegners Garten nicht hoch gehangen haben," antwortete Frau Christine gleichmütig. Ihr Gatte wurde fast böse. „Sieh Dir diese Frau genau an, Philipp, es ist eine preußische Richterftau, aber sie hat so wenig Rechtsbewußtscin wie eine Zigeunergroßmama. Sie duldet, daß ihr Kind gestohlene Früchte ißt, ja, sie begünstigt noch den Spitzbuben und gibt ihm Zehrung und Geschenke." „Hehlerei in idealer Konkurrenz mit Barmherzigkeit," lachte Philipp. „Wer ist dieser Perez?" Nun erzählte der Amtsrichter die Geschichte des Wasserträgers, die wir kennen, häufig unterbrochen durch die lebhaften Anmerkungen Frau Christinen's. Die junge Frau rühmte Perez' rastlosen Fleiß mnd seine große Herzensgütc und beklagte laut, daß es niemals gelungen sei, jene Brandstifter zu entdecken und zu bestrafen. Philipp hörte aufmerksam zu. „Ihr Herr Gemahl hat Sie verleumdet, gnädige Frau," sagte er ernsthaft, „wer wie Sie für das Verbrechen, das an einem Unglücklichen begangen worden, echt menschlich nach Sühne verlangt, dem sollte man Rechtsgefühl absprechcn dürfen?" „Ereifere Dich nicht!" sagte der Amtsrichter, „so spricht meine Frau nur, weil ihr hier der passive Teil sympathisch ist. Umgekehrt würde sie ebenso echt menschlich die ganze Geschichte^ für verjährt erklären. Uebrigens, Du wirst sie noch verwunschen lernen, diese Sühne, mein Junge, wenn Du die Akten jenes Brandprozesses unter Dir haben wirst, denn man sucht noch immer nach Beweisen." „Mittlerweile baut sich Franz Luschek eilt Haits auf der Stätte seines Verbrechens," unterbrach Frau Christine ihren Gatten heftig. „Doch verzeihen Sie, meine Herren, ich gehe, nteineit Knaben zu Bette zu bringen." Sie stand hastig auf und verließ das Zimmer. Ihr Gatte blickte ihr lächelnd nach; Philipp dünkte die junge Frau in der Erregung, mit den von Zorn geröteten Wangen noch viel schöner, als da sie scherzte; er konnte sich nicht enthalten, den Amtsrichter zu fragen: „Wo haben Sic dieses herrliche Kleinod gefunden?" „Du würdest besser sagen: gestohlen, geraubt, entführt." Philipp sah ihn bestürzt an; sein früherer Lehrer war ihm stets als ein Urbild aller Besonnenheit, Korrektheit, ja Nüchternheit erschienen. (Fortsetzung folgt.) ■ amepiRanisciiBFits-uPincenez 5Ä5 Grosse Auswahl in ameiik. und deutscher Optik. J W. Albert, Ecke Nene Hainzerstr. n. Weisafraoenstr 11. üaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. X. -- Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Ganthersburg-AUee 37. TeL259 u. 714. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 8. März (--- 29. Adar Rischaun.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 45 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 05 Min. in Berlin 6 Uhr 37 Min. Wochcnabschnitt: Pekudei. — Die Summe der eingehobene» Silberschekel, die Priestergewände, Efodmantel, Brustschild, Oberrock, Gürtel und Stirnschild, die innere Einrichtung der Stiiftshütte und deren Einweihung, die Priesterweihe. Parschas Schckolim. — Es wird in einer 2. Thorarolle der Abschnitt von den Silberschekeln verlesen, die jeder Männliche vom 20. Lebensjahre an bringen sollte. Die Steuer war eine gleichheitliche für Arm und Reich. Die Silbcrschekel dienten zur Anfertigung der Füße für die Bretter der Stiftshütte. Lehre daraus: Die Wohnung Gottes beruht auf dem Grundprinzip der Gleichheit aller vor Gott. —i Als später keine Steuern zum Baue mehr nötig waren, verwendete man die eingehobenon Steuern zu Gemeindeopferu, an denen auch alle durchaus gleichmäßig partizipieren sollten. Das Borlesen der Parschas-Schekolim vor dem Neumond Adar hatte dann den Sinn einer Mahnung, die Opferstcuer zu bringen, dainit am 1. Nissan schon die „neue Hebe" Verwendung finden kann. Einsegnung des Neumondes Adar Schcini, der auf Sonntag und Montag fällt. Wochengottesdienste in Frankfurt. Morgens: 6 Uhr 30 Min. (Hauptsynagoge und Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr 30 Min.). Abends: 6 Uhr. (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge Königsteinerstraßc 7 Uhr). Offenbaeber Druckluft - Anlage Offanbach a. M. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste TapnlCbralnlganp, 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernrelnigong mittelst Druckluft und Wasserdampf. Allgemeine Mitteilungen. Mancher Verdruß würde den Damen erspart, wenn Komplettierungen des Porzellans sofort imd ohne langes Warten geschehen könnten, ja so manches Mädchen würde vielleicht selbst, ünr sich den Verdruß zu ersparen, lieber gleich selbst gehen und die zerbrochenen Teile ersetzen. Dazu gehört natürlich ein Geschirr, welches leicht, bequem und zu jeher Zeit ersetzt werden kann, und da hat sich, um diesen Bedürfnissen mit der Zeit voll und ganz gerecht zn werden, die Firma Bernin g er, welche ja jedermann als eine unserer ältesten und solidesten Firmen der Porzellanuild Glasbranche genügend kennt, keine Mühe und Kosten verdrießen lassen, endlich eine Kollektion sogenannter Sericn-Geschirre anfzubauen, welche sie ständig ani Lager führt. Linolein Inlaid (Master dnroh and darob) per Qm von Mk. 2.88 an , Uul(Einfarblg.Farbe durchgehendJpeiQ-m von Hk. 1.60 an Druckwnre.per Q-m von Mk. 1.35 an Bei grösseren Bezügen billiger. Snr tadellose, fehlerfreie Ware. . C. Kupscli Ringfreie Tapeten-Industrie. Altegasse 27/29.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.