Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1913-02-21 · Heft 8 (21.2.1913) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2692297-2692819-2692827--07487-2702568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Blut, die deutsche Jitdenheit aufhöven würde zu existieren. Me Einheitlichkit des Judentums sei deshalb nnantastbar aufrecht zu erhalten» wie es der Zionismus erstrebt. Im Zionismus könne die gesamte Judenheit der ganzen Welt, welcher Sprache, welcher Kultur, tvelcher religiösen Wberzeugung sie auch sei, Mitarbeiten an der Regeneration und an der Zukunft des jüdischen Volkes. An den mit ungewöhnliche lebhaftenr Beifall aufgenommenen Vortrag schloss sicheine Diskussion an, in welcher seitens der Redaktion des Hamburger .Israelitischen Familienblattes" der Versuche unternommen wurde, die Tendenz des im Referat erwähnten „Ausländer"--Artikels als sich mit den zionistischen Bestrebungen deckend hiuzustellen. Bon zionistischer Seite wuxde dem unter Zustimmung der Versammlung in entschiedenster Weise entgegengetreten. Mit der Verlesung eines Schreibens Oberrabbiner Dr. Lerncr, welcher die Vorschläge, die Wahlrechte ausländischer Juden zu beschränken, als eine empörende Vergewaltigung bezeichnet, die der Grundlehre der Einheit des Judentums Hohn spräche, wurde die eindrucksvolle Versammlung, die dieser Kundgebung lebhaft applaudierte, geschlossen. L. L. Einfarbig, braun, 3 mm stark, a □ m 2.45 Hk. Spezial-Inlaid 2,4 mm stark, b □ m 8.45 Hk. bei ganzen Bollen von ca. 50 □ m. C. Ku|»scli, Altoeasse. 27—29 ü feaiffefoa. Das „Scheker - Bilbul". Bon C. Berg. (3. Fortsetzung). Monatelang noch nach jener Unglücksnacht rannte der Knabe tagsüber drei, vier Mal mit einem Eimer, den er irgendwo aufgetricben, zum Brunnen, füllte ein und eilte an die kahle Stätte, wo sein Elternhaus in Trümmern lag. Dann goß er das Wasser über den Schutthaufen, murmelte unverständliche Klagen und floh wieder davon. Dieses Gebühren wiederholte er Tag um Tag; fragte ihn jemand, was er da anstelle, oder wollte ihm gar sein Tun verwehren, schrie er angstvoll: „Es brennt, es brennt! — Ich lösche, ich lösche!" - Gute Leute nahmen sich seiner an und brachten ihn in die Lehre. Aber der schwachköpfige Junge lernte nichts, lief alle Tage» wenn ihn sein Dämon trieb, wicher Wasser schöpfen mid die vermeintliche Fenersbrunst löschen. Schließlich wollte sein Prinzipal, ein furchtsames Schneiderlein, den unheimlichen Lehrling nicht länger behalten, und der Knabe war wieder sich selbst und dem grausamen Gespött der Sttaßenjugend überlassen, die sich bereits über den absonderlichen Wasserttägcr kostbar zu amüsieren begann. Ein zweiter Lehrherr, der Buchbindermeister Selle, ein Mann von sehr cholerischer Komplexion, fing das Ding anders an. Jedesmal, wenn er gewahrte, daß sein Lehrjunge ihm davonlaufen wollte, packte er ihn bei den Ohren, prügelte ihn windelweich, nahm chm unter den furchtbarsten Drohungen, chm jedes Ohr einzeln abzuschneiden, oder ihm die Kannen am Schädel zu zerschmettern, seinen Eimer fort und glaubte, so seiner Pflicht als Lehrherr und Erzieher äußerst väterlich nachgekommen zu sein. Die Folge dieser ausgezeichneten Pädagogik war, daß der Junge, schlägefaul und störrisch, seinem Meister die boshaftesten Streiche spielte, alle aufgetragene Arbeit verdarb, dem lieben Herrgott den Tag stahl, in der Nacht aber bei Wind und Wetter abermals aus dem Haus lief, um seinem Drang, die vermeintliche Feuersbrunst zu lösch«!, nachzugeben. Als der Meister von diesem nächtlichen Unwesen erfuhr, warf er im höchsten Zorn den Kleistertopf nach seinem Zögling, und zwar so vortrefflich, daß er ihm fast die Beine zerschmetterte. Nun blieb Perez vier Wochen fein im Haus. Da er endlich gehellt war — geheilt, doch nie wieder gesund; denn er behielt Zell seines Lebens eine große Schwäche in den Beinen und einen schlürfenden Gang — erbarmte sich die Frau Doktor Thorner, die angesehenste und klügste Frau im Ort, des vaterlosen Knaben. „Du willst also durchaus Wasser holen," sagte sie ihm, „schön! Aber warum es aus die Erde ausgießen, daß es schmutzig untz^ unnütz wird? Versieh meine Küche damit und die ssamamsassssamim AranHirrter-MraeWHches AamKeaWatt. anderer guter Leute, dann würden wir einmal geschützt jein, wenn das Feuer bei uns ausbräche." Nach längerem Debattieren, Erklären und vielen Wiederholungen dieses Themas, unter der Einwirkung einer gütigen, verständigen Behandlung und dem allhellenden Einfluß der Zeit begannen die Eiitdrücke jener Schreckensnacht bei dem Knaben allmählich zu verblassen, und die Ermahnungen seiner freundlichen Beschützerin gewannen fruchtbaren Boden. So ward Perez der Wasserträger der Stadt und bildete sich in dem Doktorhaus, allwo ihn Herr und Frau mit unendlicher Geduld und Menschenliebe zu allerlei häuslichen Geschäften anhielten, nach und nach zu einem leidlich geschickten Diener aus: er putzte Stiefel, trug Botschaften, nagelte, hämmerte, klebte, was an Geräten kaput und wacklig war, wartete die Kleinen, verrichtete Gartenarbeit und erwies sich jetzt genau so anstelle und gutmütig, als er ehedem tölpisch und nichtsnutzig gewesen war. Hernach — Menschen sind in guten und bösen Dingen wie die Affen —, zog man ihn auch in anderen Haushaltungen zu lleinen Dienstleistungen heran, und da die Frau Doktor, deren gute Meinung die besseren Stände der Stadt beherrschte, streif darauf sah, daß man ihren Schützling auch nach Recht bezahlte, so konnte Perez manchen wohlerworbenen Groschen in die Hände seiner kranken Mutter legen. An seiner Mutter hing er mit echt jüdischer Kindesliebe; für sie ward er, der Halbidiot, klug, verständig, intelligent, für sie lernte er den Wert des. Geldes schätzen; um das Los der armen Gelähmten zu erleichtern, quälte er sich für geringen- Lohn oft weit über seine Kräfte.' Er selbst war bedürfnislos wie Diogenes in der Tonne. Seine Nahrung bildete ein wenig Brot mit Milch; am Sabbat oder Jomtow bewirtete ihn irgend ein wohltätiger Glaubensbruder. Und seine Garderobe? Er war der Nagel, an welchen die halbe Stadt ihre abgetragenen Kleider hing, und wunderlich genug lies er herum: in einem Rock des Doktors, einem Hut des Apothekers, in Stiefeln eines Kaufmanns und so weiter, und da die Gestalt und der Leibesumfang seiner Gönner so verschieden untereinander waren wie "Farbe und Stoff ihrer Liebesgaben, so vermag man unschwer zu denken, wie lächerlich sich der komische Kauz in diesem Potpourri von alten Sachen aufspielte. Gleich der Mehrzahl der Sonderlinge war er sich seiner Originalität wohl bewußt und ertrug kleine Foppereien und Anzapfungen mit guter Manier; aber wehe denen, die ihn ernsthaft beleidigten! Dann schosste er aus dem Born seiner eigenen Narrheit die tollsten Ungeheuerlichkeiten und warf sie seinen Feinden nach; wem Perez jemals einen Spitznamen oder eine Lächerlichkeit angehangen, der ward sie nie wieder los. Ein weinreisender Berliner hatte ihn einmal wegen seiner, allerdings sehr unregelmäßigen, Sprechweise öffentlich verspottet und ihn „Mauschel" geschimpft. Perez musterte den eleganten Dandy aufmerffam vom Zylinder bis zu den Lackstiefeln, ließ langsam über die sehr von einander abweichend geschnitzten Pedale des Merkurjüngers seinen Mick schweifen und rief dann geringschätzig: „Und Sie! Sie mauscheln mit den Füßen." Der Herr strich Zladno von seiner Tour und ließ sich dort nie wieder blicken. Neben .seinem Zivilstand als Wasserträger war Perez auch Kultusbeamter, das heißt: er weckte die Gemeindemitglieder, sie an ihre religiösen Pflichten mahnend, mit dem Rufe: „Herein in Schul!" Eines Frühsommers lag Einquartierung in Zladno, und ein junger Leutnant, ein Herr von Malotki, welcher beobachtet hatte, daß der Wasserttäger mit der Morgenröte aufftehe, beauftragte den Schulklopfer etwas hochfahrend, ihn gleichfalls zu wecken, damll er die Reveille nicht verschlafe. Am nächsten Morgen, getreu seiner Pflicht, stand Perez mitten auf dem Markte, ermunterte zuerst den frömmsten Mann der Gemeinde, welcher gegenüber dem Quartier des Sommerleutnants ' wohnte, mit dem langgezogenen Weckruf: „Herein in Schul, Reb David Schntul," und schrie darauf, so höhnisch und geringschätzig er nur vermochte: ,^üehavdel, der Herr Leutnant!" Man kann sich unschwer ausmalen, wie wenig der.junge Offizier von dieser Rangordnung entzückt war. Utä> die guten Zladnoer fragten manchmal kopffchüttelnd: „Was ist dieser Perez eigentlich? Ist er ein verstellter Chochem oder ein lluger Narr?" ... Eben war Perez heimgekommen und öffnete behutsam die Tür der einzigen Stube, die er und seine Mutter bewohnten. Er trat schnell in den nurvon dem hereiMickenden Vollmondlicht erhellten Raum, näherte sich dem Tisch, auf dem schon Las Narden- Nr. 8. büchslein; ein Licht, ein Becher und ein Fläschchen mit Branntwein bereit standen, verrichtete sogleich das Hawdalagebet, zündete das Licht an und rief, der allen Fran auf dem Bett das wohlriechende Büchslein hinübcrreichend, sehr laut, denn die Mutter hörte schwer: „Gut Woch, gut Woch!" „Gut Jahr, mein Sohn!" „Wie geht's, Mutterlicb? Als ich vor Schul wieder bei Dir war, schliefst Du schon." „Ich war ein wenig eingenickt, ja," seufzte die Alte. „Bist '3hl zu Tisch gewesen bei bet Frau Doktor Thorner? Wie war es?" „Fein, Mutterlcbcn, fein, fein! Der Herr Dokcor war da und die Frau Doktor, und das Fräulein Cornelia und der Herr Stundenlehrer und her lleine Herr David, und ich habe neben dem jungen Herrn gesessen und habe Suppe und Gänsebraten und Apfelkugel und Pflaumen mitgegessc», von einem feinen Tischtuch mit silbernen Messern und Löffeln und Gabeln und einer Serviette, und alle wären sehr freundlich zu mir, mid das hat Fräulein Cornelia für Dich heute Abend hergeschickt." ' Er holte aus der Küche ein Körbchen; da lagen, sauber in Seidenpapier gewickelt: große, rote Apfelsinen, eine Flasche Wein, Pomeranzen und. ei» ansehnliches Stück Torte. „Mit der schwarzen Hanne hat sic es hergeschickt,! das Fräulein Cornelchen; denn sie sagte zu mir: „Es ist heute Schabbes, Perez, Du wirst es doch nichtj tragen." „Das Fräulein ist sehr gut zu uns," murmelte! die Mutter, „es sind seltene Menschen, die Thorners." „Sehr feine Leute, und es ist ein hochgebildetes Mädchen," rief Perez begeistert. „Ich 'unterhalte mich j so gern mit ihr." (Forschung solgtt) Ntrbel ,, 4.-.I Grosse Auswahl in amerib. und deutscher Optik. J. W. Albert, Bi ki Nene Mainierslr. n. Weisstauenstr 11. aatoer JKrledrlcti Quelle ——- Offenbacb a. H. ——— Gegen dickt and BheimatlBmua bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl« Frankfurt a.M.,Gfintheraburg.Allee 37. Tel.259 u. 714. Wocherr-Aaleuver. lZeitangaven nach dem Luacb.) Samstag, den 22. Februar (= 15. Adar Bischaun.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 20 Mtn. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 40 Min. in Berlin 8 Uhr 15 Min. Wochenabfchnitt: Ki-Sifso. — Die Schekelsteucrl (nach der Tradition zur Anfertigung der SUberfüße z»I den Brettern des Stiftszeltes). Am Eingang des Stifts-1 zeltes stehe ein 'kupfernes Waschbecken. Aufzählung betl Gewürze zur Bereitung des Salböls; Die SpezereievI zur Herstellung "oes Räucherwerks. Nachahmung beiderI verboten. Das Gebot des Sabbat als Bnndeszeichen. -I Moses weilt auf dem Berge, um das übrige Gesetz zu! empfangen. Das Volk wird ungeduldig, zweifelt an Moses > Rückkehr und zwingt Ahron zur großen Äationalsi'mde.I Aus Ohrringen und anderen! Schmuck entsteht da-I goldene Kalb. Moses kehrt vom Berge zurück. In Ent-t rüsttmg zerbricht er die Steintafeln. Gott will da»! Volk vernichten. Moses wünscht sich selbst den. Tod. . Sein« ergreifende Fürbitte für Israel. Gott verzeiht. Der! Gott treu gebliebene Stamm Levi schart sich um Moses r sie bestrafen die Sünder durchs Schwert, Gott außerdem durch eine Seuche. — Moses schlägt die Stiftshütm außerhalb des Lagers auf. Gott will nicht selbst da-I Volk mehr führen. Moses fleht von neuem um Wohl! wollen, Gott willfahrt ihm. — Moses steigt auf de» Berg, uin zum Metten Male steinerne Tafeln zu er« halten. — Die Gebote der Fernhaltung von Bermischun» mit den heidnischen Ureinwohnern Palästinas, der Pflicht der Wallfahrten und der Weihe der Erstgeborenen, -j Moses Antlitz strahlt beim Abstieg vom Berge der Somi^ gleich; er verhüllt sich, wenn er zum Volle redet. Wochengottesdienste in Frankfurt. Morgens 6 Uhr 30 Mn. (Hauptsynagoge und Syna goge Kömgsteinerstraße 7 Uhr 30 Min.). . Abends & Uhr 30 Min. (Hauptsynagoge 4 Synagoge Kömgsteinerstraße 7 Uhr). luirl In Spende«. Für den Jüdischen' 'Nattonalfonbs gingen bei Herr Dr. Siegfried Schwarzschild durch Büchsenleerungen ein! I. Springut 3,—. N. N. ' 1,— . . Pension Wolf 3,54 ,1 N. N. 1 —,] I. Klinger 41,18 Laut Spendenbuch: S. Glauberg 15,— Für einen Oelbaum aus den,Namen Dr. Ernst Lindenbaum s. A., gestiftet von seinen Geschwistevn 6,— , Fritz Sondheimer auf den Namen des verstorbenen Dr Ernst Lindenbüum einen Oelbaum. 6,— zu tion gan Wi das Kill Kör weil hoff Ma stau Uni wisj Leb Sir Ichthec ken »eil Neb Leh moi .Ui mal ftmeriKanisciiB Fits-u Pincem 7Sui lieg alle tief, tari rekr I'cha Wo, der Jüi tisck Prii der sch den vcrj Bas miss ren Uni inst Fra ver( Leb, tige moi M als der Ziel die -oz Jen Ges, soni wie uu& Zioi zu öun lasse zum Wi von zum Bek, Jud mag der tum derr ..thc Ich« leich die jüdi aus io weil die' Pro

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.