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Neue jüdische Presse · 1913-01-17 · Heft 3 (17.1.1913) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 3 werde dadurch künstlich beschränkt, weil innerhalb dieses eingeengten ° Raumes die Lahrüngssuchenden sich drängen. Auch Lurch Auswanderung habe die deutsche Judenbevölkerung viel an Zahl verloren. Dr. A. Stern hält den Gegensatz von Stadt und Land unter den heutigen Wechselbeziehungen zwischen Stadt und Land für die jüdische Bevölkerung von heute nicht mehr für so wichtig, die Rationalisierung der Fortpflanzung greife auchaus dem Lande beängstigend um sich, besonders durch die immer wiederkehrende Besprechung der Bevölkerungsvrobleme in der Presse, llebrigens sei das französische Geburtendefizit vom Lande geschaffen, während Paris das Defizit einigermaßen ausgleiche. Die physische Unterlage des Geburtenrückgangs bei den Juden sei nicht ras senmäßig begründet, sondern dadurch!, daß die Juden als vorwiegende Stadtbewohner mehr durch Syphilis, Älkoholismus und Kopfarbeit physische geschädigt werden. Die Maßnahmen (Rom, Frankreich), die Geburtenzahl zum Steigen zu bringen, sind noch! zu allen Zeiten erfolglos gewesen. Dr. Wilh. Hanauer behauptet, die rückgängige Generationskraft der Juden sei nicht physisch begründet, sondern es sei eine gewollte Beschränkung der Kinderzahl anzunehmen. Auch sei der Zugang der Frauen zu allerlei Berufen von Einfluß. Frau Henriette Fürth weiß die Bedeutung osteuropäischen .Zuzuges als eines Regeneratiorrsmittels für die westeuropäische Judenheit zu schätzen, hält aber diesen Zuzug für uns Äs deutsche Staatsbürger nicht für ganz gleichgültig. Regierungsrat Knöpfel sagt, es bestehe augenblicklich für den Bestand der deutschem Judenheit noch keine Gefahr, die Gefahr komme, wenn sich die Dinge weiter so ' fortentwickeln wie bisher. Er weist auf. die Schattenseiten der Ergänzung durch osteuropäischen Zuzug hin, dessen Duldung im Sinne der Menschlichkeit erst zu begrüßen sei. Hugo Frankel möchet auch in diesen Osteuropäer» die Brüder gesehen wissen. Sie assimilieren sich schnell und «weichen in wenigen Generationen unsre Kulturhöhe. -In der Diskussion sprachen nochDr. Fenchtw an ger und Redakteur Cahn. Zum Schluß gab Dr. Wassermann seine Freude über die lebhafte und inhaltreiche Diskussion kund, die ihm selbst n«,e und wertvolle Gesichtspunkte gezeigt habe. Die erste Sitzung des Ausschusses der.jüdischen Gemeinde in diesem Jahre nahm folgenden Verlauf: Den ausgeschiedenen Mitgliedern — Dr. med. Wilh. Hanauer, Rud. Kahn, Benui Oppenheimer — tvird der Dank ausgesprochen und ein Schreiben des Polizeipräsidenten verlesen, das die Wahl der neuen Mitglieder — Dr. jur. Ed. Bärwald, Dr. jur. Siegfried Katzenstein, Julius Schopslocher — bestätigt. Zum Vorsitzenden wird Leo Jsaac, der bisherige Vorsitzende, zum zweiten Vorsitzenden Hugo Frankel gewählt. Es werde» delegiert: in das Pslegamt des Hospitals Eli Michael, in die Ritualkommission Hugo Frankel, in die Baukommission des Hospitals Dr. W. Hanauer, Dr. L. Hanau und in die Gemeinderegulativ-Kommission Hugo Frankel, Dr. jur. R. Merzbach, Dr. jur. Katzenstein. Der Vorstand hat den Aendcrnngsvorschlägen des Ausschusses zu der Krankenhüusordnung zugestimmt. Dem Sekretär des Alnrosenkasten werden 1900 JL Gehalt als S ammelvormund (91 Mündel) auch für 1913 bewilligt. Zum Schluß wird ein Legat von 1000 JL des Rentners Gustav Schmeh, wogegen 20 M. jährlich für seine Grabstätte aufgewendet werden sollen, angenommen. Zum Bericht über das Jubiläum der Frankfurt- Loge sei noch! folgendes nachgetragen: Die von der Frauenloge überreichte Plakette ist in besonders kunstvoller Arbeit aus Bronze in Verbindilng mit Silber ausgesührt und ging nach! denl Entwurf des Herrn Leo Horovitz aus dem kunstgewerblichen Atelier der Firma Felix Horovitz, Hier, hervor. Von privater Seite wurden anläßlich einer Barmizwohjeier, der Synagoge am Börneplatz prunkvolle Thoragegenstände, bestehend aus einem großen Thoraschild, einer mächtige» Thorakrone und einem Thorabcnter, gespendet. Die Gegenstände sind in feinster ziervergoldeter Arbeit ausgesührtnnd bilden einen weiteren wertvollen Beitrag zu dem an Kunstgegeiistäiiden reichen Schatz dieser Synagoge. - Die Arbeiten sind nach den Entwürfen des Herrn Leo Horovitz aus dem kunstgewerblichen Atelier der Firma Felix Horovitz hervorgegangen. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am Montag abend in der „Frankfurter Loge" Rabbiner Dr. S a l z b e r g e r von hier über „I e h n d a H a l e v i." Redner behandelte einleitend die Verhältnisse in Spornen zur Zeit Jehuda Halevis. Auf den Gehalt und das Wesen der Dichtungen des großen Dichters übergehend, kennzeichnete er deren wesentliche Merkmale in der Echtheit und Natürlichkeit des Empfundenen, ini Weichen, im Zarten und in der Lebendigkeit des Ausdrucks. Aus der Sprache des Meisters vernehmen tvir die erschütternden Klagen des Jerenira so wie die innige Ergebenheit und Sehnsucht des Psalmisten David, — und in dem der Meister in sich das Religiöse wie das Nationale in so wundersanier Weise vereinigte, vermochte er zum Dolmetsch des jüdischen Volkes zu werden. Gestützt auf seine große Sehnsucht, verstand es Heine mit Recht, als Leitmotiv für Jehuda Halevi „We>m ich Dein Jerusalem vergesse, so möge meine Rechte verdorren" zu setzen. Redner gibt alsdann kurze biographische Skizzen des Dichters und brachte in gelungener Auswahl Gedichte jeglicher Gattung, - sowohl solche, die den Web», die Liebe und sonstige-Freundschaften besingenals a»»ch solche, die Religion und Nationalismus betreffen, in eindrucksvollem Vortrage zur Verlesung. Auch auf den in Ploto'schen Dialogform gehaltene» Halevischeu „Rusari" ging Redner arisführlich ein; er betonte dabei Halevis geschichtliche Beweisführung für die Echtheit des Judentums nach der Art des arabischen Gelehrten Gasali —, die im Rusari zum Ausdruck gelangt. Halevi vertrat die Ansicht, daß nicht die Religio»» es ist, die der Philosophilc bedarf, sondern »rm ge kehrt. •v' benutzet zu Llückwünsckeu Telegramm-Jlblöstmgsformulare der Hebräischen Mittelschule Tachhcmonie in Jaffa. *** Stück ä Mk. 0.50. Blocks zu 10 Stück.b Mk. 5.— in allen faebrSischen Buchhandlungen sowie in der Redaktion zn haben. Zum Vertrieb von . 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