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Neue jüdische Presse · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1z. seine Zionisten an, sondern auf den Zionismus als solchen. Der Zionismus ist aber nicht antireligiös, sondern neutral in religiöser Beziehung, wie andere große Organisatioile» auch, und ' die zionistische Organisation wird nienrals etwas unternehme», was gegen das jüdische Religionsgesetz verstößt. Die Garantie hierfür liegt im Misrachi selbst, je größer und mächtiger er ist, desto stärker wird auch diese Garantie sein. Namentlich in Palästina, das gewissermaßen Nenland ist, hat die Orthodoxie heute noch die Gestaltung . der Dinge in der Hand. 3~ liegt in ihrer Macht, dafür zu sorgen, daß Palästina wieder ein jüdisches Zentrum im wahrsten. Sinne dieses Wortes iverde, und die Tätigkeit der Orthodoxie in diesem Sinne kann und muß innerhalb der zionistische» Organisation, nicht außerhalb derselben, geschehen. — Au den Bortrag schloß sich eine lebhafte D i S - knssion, die bewies, daß die Idee des Misrachi innerhalb der Thoratreuen Hamburgs, wenn auch schrittweise, so doch unaufhaltsam an Boden gewinnt. Es trat auch eine große Anzahl neuer Mitglieder der Misrachi- Grnppe Lei. Venedig. Die jild Gemeinde bat in einer ihrer letzten Sitzungen beschlössen, für den Jüdischen Nationalsonds einen Beitrag von 300 Jr. zur Verfügung zu stellen. Wenn auch diese Summe nicht sehr bedeutend ist, . so ist dieser Beitrag doch, als Manifestation einer italienischen Kultnsgemeinde nicht hoch genug einziischätzen! ilebrigens steht die Gemeinde von Venedig mit dieser Kundgebung nicht allein da, denn kürzlich hat anch die Turiner Gemeinde einen Beitrag von 1000 Fr. zugunsten der jemenitischen Kolonisation in Palästina gezeichnet. Mffefon. Bor de« Toren Prags. Historische Erzählung von A. E, Brachvogel. (Fortsetzung.) „Ausgelöscht ist meiner Väter Name, weggegeben ist meiner Väter Weisheit, mein Hans soll Teins und Du sollst sein Herr sein!" Bevor Markus und seine Mutter aus ihrem Staunen erwachen und Worte für das finden konnte», was sich ereignet hatte, trat der alte Rabbi zu dem flammenden Mädchen und legte seine Hand ans ihre Schulter. „Der Sabbat soll ein Friede sein für alle, Esther, eine Herzensfreude, eine ruhige Seligkeit im Gemüt! Wird Deiner Väter Weisheit, die vergrabene, heilige Rolle, uns etwa seliger machen im Herzen, da sie Dir. doch nur Unruhe verursacht hat? Wird uns etwa Dein Reichtum, der Dich nicht glücklich gemacht hat, mehr Frieden geben? — Niemand, Mädchen, hat die Macht, den Menschen aufzurichten und zu stürzen, als der Herr! Wehe dem, der sich selber stürzen oder erheben will, denn sein Kleinmut wie sein Hochmut sind Sünde. Ist es denn nicht dieselbe Narrheit, Esther, sich unter seine Mitmenschen herunterzustellen als hoch über sic hinweg? — Behalte Deine Weisheit, behalte Deinen Reichtum, Esther Katz, aber — gib uns Tein Herz! — Gebührt dem Manne die Weisheit, dem Weibe die Güte und beiden die Liebe, welche alles schafft und die Seelen zum Lichte hebt, und glaubst Du dieser Offenbarung, wie ich es aufrichtig tue, dann erfülle mein Gebot als eine Magd Gottes, nicht als meine Magd, und Du wirst gerecht sein gegen Dich und uns alle!" „Ich tue, was Du mich heißest, Rabbi!" entgegnete Esther gesenkten Hauptes. „Lasse Dich von Markus zum Grabe Deiner Ahne führen, hole das teure Buch, das Vermächtnis Deiner Väter. Dann schenke es dem, den — Dein Herz am höchsten hält, und mit der Weisheit gib ihm alles, was Du hienieden — zu geben hast. Was der Dir aber dafür wieder tut, das nimm als Deinen richtigen Gotteslohn an! Dein Herz wird dann still werden und nicht mehr wund! sein! Markus kann Dir die Rolle vom Grabe tragen, wohin Du willst. Kommst Du dann wieder in Rabbi Spiras Haus, so sollst Du fröhlich und friedsam mit uns zu Tische sitzen!" Esther reichte Markus gesenkten Hauptes die Hand. „Führe mich zu meiner Ahne!" Markus nahm den Schlüssel zum.Friedhof vom Nagel am Türpfosten, und sie schritten stumm in den Abend hinaus. — — Wenn der Alt-Neufriedhof schon am Tage die Herzen beklommen macht und dem Geiste das Ende aller Dinge melancholisch düster vor Augen stellt, wie schreckhaft großartig erscheint er nicht bei Nacht! — Der Mond steht tief am Himmellinks über dem Hradschin und wirft seine schrägen Strahlen durchs dichte Laubdach des Holunders auf die Leichensteine, die da anssehen. wie eine ungeheure Versammlung auserstandener toter Inden, in Grablaken gehüllt. Im Frankfurter Israelitisches Familienblatt. blauschwarzen Himmel droben zittern die Sterne und sehen friedlich, sehnsuchtsvoll nieder auf die Stätte des Verfalls und der Trümmer, die in fast undurchdringlichem Schatten liegt. Durch diese Schatten, diese fast greifbare Finsternis, aus der nur hin und wieder ein Denkstein sich hob, vom Mondstrahl beleuchtet, hatte Markus Esther zu Sara Katz Grabe gefiihrt, und sie hatten nicht ein Wort gesprochen. Esther kniete nieder, die Rolle hervorzuholen. - Da fühlte sie Markus Hand auf ihrer Schulter. — Aber sie zuckte nicht und tat keinen Laut,' sic ließ die Schaufel sinken und hielt stille. „Esther Katz, fürchtest Du Dich noch, mit 'mir allein zu sein? So allein in dunkler Nacht?" „Ich fürchte mich nicht mehr vor Dir, Markus," flüsterte sie leise und begann zu graben. „Glaubst Du auch jetzt noch, Mädchen, daß freventliche Lust es war/ was mich einst wahnwitzig machte, Dir zn tun, was Dich erzürnt hat? Oder glaubst Du, es — es sei — ein anderes — besseres gewesen, was mich verführt hat?" ' „Es war ein anderes, besseres, Markus!" Sie setzte ihre 'Arbeit fort. „Esther, wenn ich dächte, es brächte Dir den alten Frieden, brächte Dir Helle und Freude ins Gemüt . . . ivenn ich wieder nach Spanien ginge? Der Krieg ist ja aus, die Prager Inden bedürfen meiner jetzt nicht mehr!" Esther schluchzte auf. Sie ließ den Spaten fallen und ergriff Markus' Hand, die noch auf ihrer Schulter geruht hatte. „O, gehe nicht mehr weg, Markus! Zerreiße nicht ganz mein Herz!" Zitternd preßte sie seine Hand an ihre Lippen und flüsterte: „Bleibe hier, bleibe bei mir, wenn ich Frieden haben soll!" Markus nahm ihre Rechte, mit der sie seine Hand au ihren Mund gedrückt hatte, und legte sic ans sein klopfendes Herz. „Esther, glaubst Du, daß ich Dir Frieden bringen. Deine Sehnsucht stillen. Dein Herz fröhlich machen kann? . . .. Glaubst Dn's? . . . Höre, wie mein .Herz schlägt!" ,O ja, Markus. Lieber Markus, das glaubeich!" „Sv will ich Dir in dieser Stunde, hier, wo alle unsere Väter und Mütter ruhen und wo auch wir einst schlafen werden, Esther, das Geheimnis offenbaren, das der Herr zwischen. mich uni} Dich gesetzt hat in wunderbarer Kraft! Es soll Dein Haupt zn Freuden und Dankbarkeit erhebeil '. . . Als ich Dich vor fünf Jahren beleidigt habe im Rausche meines armen Herzens, haben die Eltern Dir Dein Recht gegeben und mich nach Spanien verbannt. In Spanien aber habe ich gesehen, wie die Stiere mit Menschen kämpfen! Ich bin zurückgekommen mit Schmerzen der Reue und doch voll Liebe für. Dich, da bin ich unter die Schweden gefallen! Ich habe von ihnen gelernt, wie die Menschen mit Menschen kämpfen durch Gewalt und List! Ich habe aber nicht gewollt, wozu mir das soll! ... Ich bin wieder nach Prag gekommen nnd bin ein Viehhändler geworden, damit ich im Lande umher wandern könne, und ich brauchte nicht Dich, Du brauchtest nicht mich immer zu sehen. Da habe ich das Böhmerland kennen gelernt. Weg und St'g, — warum? Ich hab's auch nicht gewußt. Noch einmal geriet ich unter die Schweden, um die ganze Perräterei des Odowalsky zu erfahren. Ich habe mich gefragt, Esther, weshalb der Herr meinen Wahnwitz zu Dir zugelassen hat, meine Verbannung und mein Wissen von Streit und Krieg und von Prags zukünftigem Elend? 'Ich habe mich gefragt, ob das eine Fügung sein sollte, durch die mich Gott zum Streiter für unser Volk uns unser Land machen wollte. Ich habe es aber immer noch nicht glauben können. Da bist Tu in unser Hans gekommen, Esther, mit Deinem alten Groll nnd Stolz und Deiner Verachtung zu mir! Hierher bin ich gegangen! dieser Stelle, wo Du kniest, habe ich gelegen und zu Gott um Erbarmen geschrieen, und in mir hat eine Stimme gerufen: „Steh' auf und streite! Hat sie Dich verworfen, will ich Dich zum Streiter in der Not für alles Volk nnd den Kaiser machen!" So bin ich denn hingetreten und' habe getan, was ich konnte, und so ist meine Verirrung an Dir nnd meine Liebe, so ist Dein Zorn und Deine Verachtung nur die Gabe Gottes gewesen, ist der Panzer geworden, der mich stark gemacht und mir die Errettung von tausend Leben hat gelingen lassen ... Ist das nicht wunderbar, Esther? Und ist es nicht wunderbar, daß Du hier kniest an Saras Grab, um die Rolle zn holen, die Dir geweissagt hat?" „Markus, es ist Heiliges und Großes an uns geschehen! Meine Seele wird still, mein Herz wird licht! Seite o . . . Laß auch mich vollenden, was der Wille Gottes ist!" Sie nahm die Molle, hob sie empor und wendete sich mit tiefer Bewegung zn Markus. „Die Weisheit, welche mir nichts hals, ist Dein, ist des Mannes!" Sie legte ihm 'das Kleinod in die Arme. „Esther, was inst Du?!" „Ja, Dein ist Weisheit und Kraft, Markus, laß mich 'allein der Güte pflegen! Unser beider aber soll innige Liebe sein, und ich Dein Weib und Du mein Mann, damit das ewige Geheimnis in unseren Herzen erfüllt werde!" „Du — T», mein Weib, Esther! Hast Tu in — in Deinem Herzen denn etwas — wirklich etwas von Liebe für mich?" „Ich habe für Dich die heiße Sehnsucht der Liebe, Markus!" ... Still in Lust und' Seligkeit hielten sie sich umschlungen. die geheimnisvolle Rolle zwischen sich, lieber ihnen stand in mildem Schimmer die Leuchte der Nacht und der Liebe. * Eine Stunde mochte seit dem Weggehen Esthers und Markus' verflossen sein. Der Rabbi saß noch am Tische, den träumerischen Blick in die Flamme der - Lampe vor sich gerichtet: wie wenn selige, helle Lichtgeister, Engel der Freude, ihr entstiegen, die er sähe, erglänzte sein seines, furchenreiches Antlitz. Sara aber, die ihre eigenen Gedanken haben mochte, war mit den Dienstleuten hinaus zur Küche neben dem Flur gegangen und hantierte da, als Esther hocherglühend hereintrat, Markus hinter sich, der die Rolle trug. Das schöne Mädchen sank Sara stumm um den Hals. „Komm, Tochter, komni, Kind! Gesegnet sei Dein Eintritt!" Frau Sara führte Esther zn dem Rabbi hinein. „Und Du kommst heute doch noch zum Sabbat, Mädchen?" rief dieser froh. „Weil in mir Sabbat ist und ich immer mit Euch Sabbat halten will. . . . Rabbi Simon, Sara! So wahr ich in Gerechtigkeit leben möchte," — sie erhob die Hände — „so wahr liebe ich Markus, Eure» Sohn. Saras Prophezeiung chat sich in allem erfüllt! An meiner 'Ahne Grab, über der Rolle, sind Markus und 'ich eins geworden; sein ist meine Weisheit, sein ist mein ganzer irdischer Besitz, sein ist mein -Leib, meine Seele, mein Leben! Vater! Mutter! Segnet mich!" „Wahrlich, der Herr der Zeilen," cntgezuete der Rabbi bewegt, „hat es dahin geleitet! Du sollst mein Kind sein und unseres Sohnes Weib!" Simon und Sara segneten Esther und Markus und umarmten sie. Darauf schloß der Rabbi die ausgcgrabene Schrift in seine eiserne Truhe, Sara aber ließ für Esther auftragen, dann rief sie: ,Laßt mich nun eine glückselige Mutter sein und zwischen Euch sitzen." Esther aber blieb stehen. Sie war' plötzlich sehr bleich geworden. Erschrocken nahm -Markus sic in seine Arme, die Wankende zn stützen. „Sara, Markus, Pater Simon," sprach Esther, „ich rede zu Euch mein letzten Wort! Ich habe mich verschworen, ehe ich Markus liebe, müsse er ein Held werden in unserem Volke, nnd meine Zunge solle verstummen, wenn ich je das Wort der Liebe zu ihni spräche! Er ist ein Held geworden: ich habe das Wort der Liebe zu ihm gesprochen! So soll denn diese meine unnütze, lose Zunge zur Strafe, wie ich gelobt, verstummen für immer, bis der sie mir mit Gewalt nnd gegen meinen freien Willen löst, der allein jede Schuld, Irrtum und Sünde lösen kann! So tue. ich nach meinem Gewissen!" (Fortsetzung folgt.) ilinepl&anism Fits-u Pincßnez S Bk- Grosse Auswahl in amerik. und deutscher Optik. .. 9t J W. Albert, Eck» Nene Mainzeratr. II. Weiafraoenslr. ll. Briefkasten B. Die Abstimmung über die Resolutionen erfolgte in der Z e n t r n l v e r e i n s - Be r s a m m l u n g einstimmig. Es haben sämtliche anwesenden Gemeindemitgliedev. — etwa LOOO — dafür gestimmt: die anwesenden Religions- Gesellschaftsmitglieder waren, wie auch der Borsitzende hervorhob, nicht stimmberechtigt. 8 Schweizer Stickereien g q F. C. Strubberg d: (7a. q O 2» Neue Mainzerstrassa 25. Q

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