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Neue jüdische Presse · 1912-12-06 · Heft 48 (6.12.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 48 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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■HP LS Nr. 48 underterlei Gestaltungen angenommen und vor. der Vercidigungslime einen Wäll schwedischer Menschenleiber gebildet, der beim letzten Angriffe dem Feinde selber »in Hindernis geworden war^ „Markus," rief der Statthalter, dem Tapferen die fand' reichend, „Seine Majestät und die Einwohnerschaft anken Euch und Euren Freunden die Erhaltung der w stabt. Sagt, welche Gnade begehrt Ihr für Euch und | je Judenschaft? Ehre und Andenken will ich einsetzen, / iämit Euer Lohn Euch werde!" Markus hatte Esther Katz wie seine Mutter sehr »sohl gesehen, doch was auch in.seinem Herzen nach len Stunden überstandener Angst jetzt vorging, er blieb I iußerlich kalt und ein Soldat, der sich seiner Aufgabe »Mußt ist. „Wir haben nicht um Lohn und Gnade geochteu, Herr Statthalter," cntgegnele er, „sondern um :cr Gerechtigkeit Gottes und des Kaisers, unseres ' Zchutzherrn wegen, darum bitten wir auch ' um nichts. 19. Vir verlangen nur, Herr Graf, daß Sie uns die Brücke mb den Turm gegen den Feind halten lassen, so lange »och ein lebendiger Odem in meinem Leibe ist und ch Sie nicht selber um Hilfe anschreie!" „Wackerer Jude, Du bist ein anderer Gideon," ief Kinsky. „Wenn ich leben bleibe, will ich nach dem frieden Euch jüdischen Leuten beweisen, daß ich Euer uter Freund bin!" Er schüttelte Markus die Hand. „Hauptmann Spira," entgegente der Statttzaltcr, „ich ernenne Euch nunmehr ausdrücklich und -»widerruflich jetzt zum Kommandanten des Altiiädter Turmes und der Brücke! Niemand, selbst ich licht, soll Euch in Euer gutes und kluges Tun hliieiupfuschen! Habt Ihr viel'Leute verloren?" „Von Bath Schewas vier Söhnen sind zwei geästen. Auch Schmuck Hampas ist nicht mehr. Von Redekka Löws Söhnen aber liegt Aroir. aus den Tod. Drei Lriider Pincas von fünsen und den Herz Fischel nahm »uch der Herr zu sich. Abgekriegt aber.haben wir alle ras. Heran, Weiber, da Ihr einmal da seid," wandte sich zu den Frauen, „steht und'schreit jetzt nicht! Reine gute Mutter soll mich nicht eher segnen, als bis iic den Toten ihr Recht, den Verwundeten ihre Barmserzigkeit gezeigt hat!" ,. Eben nahte Czernin »üt den Medizinern der Uni- / »crsität, den Betten der Mönche, und schweigend taten iic Frauen .ihre Pflicht; nur leise weinend und klagend,. wenn sie einen ihrer Teuren ohne Leben in »den. Nachdem Markus inzwischen neue Streitkräste in die vordere Linie postiert und damit das Wegbringen ter Toten und Verlvundeten gegen einen plötzlichen An- . I zrisf gesichert hatte, stattete er Colloredo und Kinsky Q leisen Bericht über den Verrat des Odowalsky ab. Er erzählte, wie die Schweden ihn gezwungen hätten, zwei ihrer Offiziere zu dem Verräter zu bringen, und was ihn bewogen habe zu schweigen und nur darauf zu sinnen, den Angriff auf die Ostseite der Stadt unmöglich zu machen. Er habe durch Joel, seinen Diener, des Odomalkys alten Knecht Bobowic mittels Drohungen und Veld bestochen, damit dieser den Joel vonr Fortgange der Verräterei genau unterrichte. Er habe somit Tag iür Tag das Wachsen der Gefahr erkannt. Gestern Nacht, als die Schweden wirklich angerückt seien, habe Joel mit der Laterne das letzte Zeichen gegeben und den Pobowie mit Hilfe Elis herüber in des Sochefcr Haus gebracht, >vo er noch sitze und dem Statthalter seine Aussagen machen könne. „Ich sehe, Markus," entgegnete Colloredo, „Ihr lonntet nichts anderes bei unserem geringen Glauben m Eure Warnungen tun, als Ihr getan habt. Freilich ist die Kleinseite zum Teufel, aber besser, als wäre cs ganz Prag. — Was, Markus, denkt Ihr jetzt zu tim?" (Fortsetzung folgt.) Normal School Bovano wessrstr. 7. Sprachen-UebBrsetzungen. sei. 1242s. Privat-Zirkel- und Klassenanterrichfc. Besondere Zirkel ffir Damen heiserer Kreise. Oeffentl. Proheatnnden Mittwochs um 11.5,7 u. 9 Uhr. tc e 3r. Eingesandt. , In Sachen der A g u d a s -I i s r o e l »vollen Tic Mtigst einem Nicht-Rabbiner und Nicht-Juristen das Di»rt gestatte» zur Entgegnung auf die Ausführungen des Herrn Dr. jur. I. Breuer in Nr. 46 des „Israelit." Dr. Breuer-wirst mit Schlagtvorten uni sich wie „Reformgemeinde", „Willkürgemeinde", und der unbetaiigene, die Ereignisse nur oberflächlich verfolgende Leser komnit z>» dem Glauben, . es handle sich uni die Mitglieder einer Gemeinde, in der der Sabbat ans den Sonntag verlegt ist, in der Damen — getaufte und ungetanste — schöne Chor- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. lieber im Gottesdienste; singen, in welcher Schechitoh für nebensächliche Mikwoh für ' veraltete Einrichtung erklärt wird, und daß diese Mitglieder, nun zur Leitung der Aguda berufen werden sollen. Dieser Leser nun wird, mit dem Gefühl des gesättigten Bourgeois sich abwendend, rufen: Nein, laß mich nicht werden wie jene und schütze vor ihnen die Aguda. Setzen wir nun aber fiir das Wort „Reformgemeinde" das Wort „Großgemeinde" oder „Altgemeinde" und nrachen uns klar, daß in dieser Gemeinde sich ein kleiner Teil der Mitglieder abgesondert hat, der nur auf Grund des unverfälschten und unverkürzten Sinai-Gesetzes sein Leben eingerichtet hat, dafür — weil ihm " nicht, wie in der Austrittsgenieinde, alles schon bequem zur Verfügung steht — große Opfer an Zeit, Arbeit und' wohl auch an Geld bringt, daß dieser abgesonderten Minderheit ein Raw sonder Tadel vorsteht, daß alle Kriterien .einer gut jüdischen Gemeinde — Synagoge, Schule, Schechitoh, Mikwoh — in bester Verfassung vorhanden und ständig kontrolliert sind, — das soll nun keine durch die Tauroh organisierte Gemeinde, kein verjüngtes Abbild der großen Sinai-Gesamtgemeinde, das soll kein Zibbur sein? Nein, Herr Dr. jur., das glaubt Ihnen niemand. Und die Männer, die ihr Leben so echt jüdisch gestalten, ihr Familienleben so regeln, ihre Kinder so erziehen, das sollen keine Männer für die Leitung der Aguda sein? Nein, Herr Dr. jur., das glaubt Ihnen wieder niemand. lieber die Pflicht des Austritts aus Gemeinden, die Reformen eingeführt hatten, haben vor nun mehr als 30 Jahren zwei berufene Führer, wir können sagen, zwei geistige Fürsten in Israel nach langem Prüfen und Debattieren ihr Urteil gefällt und sind zu entgegengesetzten Resultaten gekommen. Wir, ihre Epigonen, können die Gründe, die zu dem Endstandpunkt führten, loahrlich nicht nachprüfen, aber eben deshalb muß es jedem einzelnen überlassen bleiben, der Entscheidung des einen oder des andern dieser Gaonim zu folgen und dies vor sich und Gott zu .verantworten. Wollen wir aber doch auch einmal den Mut haben, de» Austrittsgedauken logisch bis an sein Ende durchzudenken. In der ganzen preußischen Monarchie ist durch Gesetz den Juden die Möglichkeit geschaffen, aus der bestehenden Gemeinde auszutreten, in ganzen 5 Städten ist von dieser gesetzlichen Möglichkeit .Gebrauch gemacht worden. Ja, »venn nun aber die in diesen ü Städten N i ch t -- Ausgetretenen schon ein so .großes Unrecht begingen, — wie groß müßte erst die Sünde aller derjenigen sein, die in den vielen andern Orten des großen Staates als Jereim wohnen und gar nicht erst versucht haben auszutreten — obwohl sie es konnten und nach Ihrer Auffassung, Herr Dr. B., doch sicherlich auch mußten! Alle diese aber sind nun für jede Stellung in der Aguda brauchbar, nur in den 5 Städten find sie es nicht? Erkläre mir Graf Oerindur. . . Ich resümiere meine Auffassung dahin: Soll die Aguda so geführt werden, wie sie von Anfang an jedem gut jüdisch Denkenden vorgeschwebt hat, so müssen Mitgliedschaft wie jedes Ehrenamt jedem Juden zustehen, der auf Grund des Schulchan-Arnch lebt und diesen als für sich verbindlich und demnach auch die Statuten der Aguda als für sich verbindlich anerkennt. Bon allen diesen darf niemand ausgeschlossen oder geringer bewertet werden, wo immer er wohnt, wie immer er über Austritt oder Nicht-Austritt denken mag und selbst Zionisteil und Misrachisten nicht, vorausgesetzt, daß diesen letzteren zwei Spezies die Möglichkeit des Mitmachens — nach den Kattowitzer Vorgängen — erst gegeben wird. Wollen Joir uns doch die Agüda wie einen hell strahlenden Stern am ewigen Firmament erstehen lassen, nicht aber statt ihrer, durch kleinliches Gezänk und Streit, einen Stern aus Goldpavier schaffen, der äußerliche Aehnlichkeiten hat, niemals aber den Glanz, der durch Einigkeit und 'Erhabenheit über Kleinlichkeiten geschaffen wird. Nürnberg. _ . . . n. In Ihrem geschätzten Blatte Nr. 47 wird in einem Artikel, der die lleberschrift trägt: „Die Ereignisse des Tages" die Behauptung ausgesprochen, daß das provisorische Komitee der Agudath-Jisroel sich gegen den Antrag des Herrn Dr. Breuer und der ungarischen Landeskanzlei entschieden pnd diesen Antrag abgelehnt habe, sowie ferner, daß ich an der Spitze alter Verfechter der Trennung mich auch» für diese Ablehnung entschieden habe. Hierauf sehe ich mich veranlaßt. Ihnen folgendes zu erklären: Es widerspricht der Tatsache, daß die erwähnte Forderung des Herrn Dr. Breuer abgelehnt worden sei. Ucber den Antrag Breuer selbst hat eine Abstimmung gar nicht stattgefunden: vielmehr wurde eine Resolution gefaßt und einstimmig angenommen, daß das provisorische Komitee seinerseits sich nicht berufen fühle, über jenen Antrag eine Entscheidung zu treffe», daß dies vielmehr den zuständigen Organen Vorbehalten bleiben müsse. Hierbei »vurde ausdrücklich erklärt, daß zuständig für diese Frage lediglich der Waad gedaule hätauroh sei. Fulda. Dr. M. Cahn, Provinzialrabbiner. Wir verstehen die vorstehenden Ausführungen des Herrn Dr. Cahn. Sie entspringen den in den Aguda- Kreisen vorhandenen, bei der Position, die Herr Dr. Breuer einnimmt, verständlichen Bestrebungen, einen Modus für die Mitarbeit des Herrn Dr. Breuer zu finden. Es bleibt aber eine Tatsache, daß Herr Dr. Breuer in der Plenarversammlung _ des provisorischen Komitee als Zeichen seines Protestes die Sitzung verlassen hat, und daß dann ohne ihn und gegen seine «eit 5 Anschauung und die der ungarischen Landeskauzlei einstimmig — einschließlich des Herrn Dr. Cahn — «ine Resolution gefaßt wurde, die die aktive Mitarbeit aller Gesetzestreuen an der Aguda fordert, also die Einheit der gesetzestreuen Judenheit, und damit, da sie doch die Gemeinde-Orthodoxen einschließt, der gesamten Judenheit ausspricht. In Ihrem heutigen Artikel zur Ägudas Jisroelfrage bringen Sie eine Aeußerung des Inhalts, daß die Moria in Ungarn ihre meisten Mitglieder habe» trotzdem die Landeskanzlei sie befehde. Die letzte Aeußerung darf nicht unwidersprochen bleiben, da sie den Tatsachen widerspricht. In den Händen des Komitees der Moria befindet sich iin offizielles Schreiben der Ungarischen orthodoxen Landeskanzlei, dessen wesentlich Passus folgendermaßen lautet: „Ich beehre mich hiermit Ihnen mitzuteilen, daß den ehrwürdigen Herrn Rabbinern und Mitgliedern der Landeszentralkommission die Zwecke dieses Vereins sympathisch erscheinen, und daß sie es nicht ungern sehen, wenn Einzelne demselben beitreten wollen, jedoch es nicht für opportun halten, daß eine Bewegung von Seiten der Landeskanzlei ausgehe." 'Achtungsvoll gez. Adolph Frankl. Was die Moria selbst anbetrifft, so möchte ich hierdurch noch einmal feststellen, daß die Moria jeden gcsetzestreuen Jehudi als vollberechtigtes Mitglied aufnimmt, ohne Rücksicht darauf, welchem religiösen oder jüdisch-politischem Verbände er sonst angehört. Altona. Dr. I. Möller. Der nichtssagende Brief der Landeskanzlei mit seinen liebenswürdigen, zn nichts verpflichtenden Redewendungen entkräftet unsere authentische Behauptung in keiner Weise. Die Redaktion. Bifchheim (Alsace), den 1. Dez. 1912. Mit großem Interesse habe ich im Israelit die Polemik zwischen Herrn Referendar Jsaac Breuer und Herrn Jacob Rosenheim gelesen. — Seitdem aber laufe ich wie ein Mann ohne Kopf herum. Ich möchte doch auch Anteil an „Aulom .habboh" haben! In welche Gemeinde soll ich denn eintreton? Ja! ruft mir eine innere Stimme zn, warum trittst du näht in eine orthodoxe Trennungs- Gemeinde ein!? — In eine solche? Hat auch diese Gemeinde nicht ein Chor mit Dirigent? — Trägt ihr Rabbiner nicht ein Ornat? Ja wenn ,^>rgel" „Chnkas hagoi" ist, so sind Ornate, Chöre es sicher auch — Was würden die „Gedaulim", die im Jahre 1819 die Orgel verboten, gesagt habe», wenn sie erfahren hätten, daß «ine Orth. Trennungs-Gemeinde, welche wegen „Chnkas hagoi" die Orgel verabscheut, einen Rabbinex mit Talar hat. Man möge doch nicht immer, „pvur les besoins de la cause", „Chnkas hagoi", Reform, usw. herausfinden, man wird nie konsequent bleiben können. — Hat denn Herr Rabbiner Hirsch s. A. nicht auch reformiert? Hat er nicht auch, statt nach Vorschrift, die Minhagim von Frankfurt anzunehmen, manche abgeschafft und auch polnische eingeführt? Zn solchen Betrachtungen kommt man unwillkürlich, wenn man die Religionspolitik der heutigen Orthodoxie verfolgt. Ich bin überzeugt, daß die von Herrn Jsaac Breuer so verpönten Reformgemeinden - Orthodoxen von Frankfurt a. M. mehr nach dem jüdischen Gesetz leben, ihre Institutionen bester überwachen als manche von ihm hochgeachteten Trennungsgemeindo-Orthodoxen. Unsere Religion hat höhere Bestimmungen, wichtigere Gesetze und soll der Welt ein schöneres Bild geben als diese in einer Nacht entstandenen und in die Welt hincingeschleuderten „Jssurim und Hetterim", „pour les besoins de la cause", die zu Zersplitterung und zu Ränken im Judentum führen. Jules Klein. . Unter der Spitzmarke „Eine Kundgebung Jnngzions" brachte der Israelit" einen Bericht über eine am 26. Oktober a. c. in Köln stattgehabte zionistische Versammlung, die die Vorgänge in dieser Versammlung in tendenziöser Weise entstellte. Wir haben es zunächst unterlasse», der Zeitung eine Berichtigung zugehen zu lassen, da uns bekannt war, daß die interessierten Herren Rabbiner Dr. Hannover. Dr. Klatzkin, Nachnm Goldmann selbst das Wort ergreifen werden, was ja in. der Zwischenzeit geschehen ist. Trotzdem besagte Herren in eingehenden Erklärungen die ihnen in den Mund gelegten Aenßernngen kategorisch dementiert und ihre Gedankengänge richtig gestellt haben, hält der Korrespondent der Zeitung seine Behauptungen in vollem Umfange ' aufrecht. Wir können nicht umhin, über diesen Versuch, die Wahrhaftigkeit der Herren Rabbiner Dr. .Hannover, Dr. Klatzkin und Nachnm Goldmann in Zweifel zu ziehest, unserer Entrüstung Ausdruck zn geben und halten es für unsere Pflicht, auch unsererseits zu erklären,*) daß der dem „Israelis" von seinem Vertrauensmann zugegangcne Bericht keinen Anspruch mrf objektive Berichterstattung machen kann. Zionistische Bereinigung Köln i. A. Kart Baer, Borfitzender. *) Der „Israelit" hat es nicht für nötig befunden^ unsere diesbezügliche Zuschrift zu reröffentlichen. Gustav Schwärs 14 Cutleutstrass* 14 nächst dem Schauspielhaus. Kein Laden. Tat 13479.

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