Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 47 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 47. . Frankfurter Israelitisches Faniilienbkatt. früher Professor an der Universität Kolozsvar (Klansenburg), den Lobatzevszky-Preis verliehen. — Nach der letzten Volkszählnng leben in Ungarn 932406 Inden — 4Vs°/° der Gesamtbevölkerung. — Baron Alexander Halvany-Dentfch erhielk das Großkreuz des Franz Josef-Ordens. — Im Monat September sind in Ungarn 62 f ü - disch-christliche Ehen geschlossen worden. Lemberg. Der gesamte Großgrundbesitz Galiziens beträgt' 2 385 500 ha, wovon auf jüdische Besitzer 301600-ha kommen. Hinzu gefügt sei, daß die überwiegende Mehrzahl der" Gutspächter Juden sind. Posrony «Ungarn). Ein trauriger Zwischenfall überraschte eine hiesige jüdische Hochzeitsgesellschaft. In dem Augenblick nämlich, als das Brautpaar nach vollzogener Dränung den Speiscsaal betrat, verhaftete ein Geheimpolizist aus unbekannten Gründen den Bräutigam. Paris. Das Central-Komitee der Alliance I s r a s l i t e Universelle (Paris, Rue La Bruyere 45) und das D e n t s ch e Bureau d e r A l l i a n c e I s r a e - lite Universelle (Berlin-Charlottenburg, Grolmannstraße 48) erbitten dringend Spenden für die n o t leide n d e j ü d i s ch e B e v ö l k e r u n g auf d c in B a l k a n. Kiew «Rußland). Leo Brodsky. der reichste Jude Rußlands, wird n ach P a r i s z i e h e n. Mit ihm verliert Kiew einen Philanthropo». Er verläßt Rußland wegen des hier herrschenden Antisemitismus, den er an sich genugsam erfahren hat. So ivnrdc er, weil er sich bei den Progroinen im Jahre 1905 zu verteidigen erlaubte, als das Gesindel sein Elternhaus stürmte, seiner besonder» Rechte verlustig erklärt. Er errichtete und unterhielt in Kiew ganz ans eigenen Mitteln eine höhere Gewerbeschule unter der ausdrücklichen Bedingung, daß dieselbe für Juden und Christen in gleichem Maße zugänglich sei. Trotzdeni hat die Regierung für diese Anstalt nur eine sehr geringe. Prozentnorm für jüdische Kinder statuiert. Er errichtete eine Talmud-Thoraschule: kaum war die Schule im Aufblühen begriffen, als die Polizei sämtliche Lehrer der Anstalt aus Kiew auswies, trotzdem Brodsky ihnen mit großen Geldopfeon ein ständiges Wohnrecht erwirkt hatte. Erst in jüngster Zeit führte die Regierung einen neuen Hieb gegen ihn. Für seine großen Berdienste um den Rübenbau und dir Zuckerfabrikation war er Präsident des Verbandes der Zuckerproduzenten; nun kam ein Erlaß der Regierung, daß an der Spitze eines solchen Verbandes nicht ein Jude als Präsident stehen dürfe. Cherson iRußland). Im Dorfe Nowoarchangels ist die nchtköpfi ge j ü d i s che Fa m i l i e R c s s ch e z von Räubern e r m o r d c t w o r d e n. Rew-Aork. In Kansas-City starb im 82. Lebensjahre der Philanthrop B. A. Fein m a n n, Schwiegervater Rabbiners Dr. I. K r a u s k o p f in Philadelphia. Jkiffefon Bor den Toren Prags. Historische Erzählung von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung.) Um jene. Stunde kehrte Odowalsky hastig in sein Haus zurück, eilte, ohne Licht zu machen, an seinen Schrank, schloß auf und belud seine Taschen mit dem Golde, das er am Abend vorher als Lohn seiner Verräterei von den Schweden empfangen hatte. Aus einmal erfolgte in dem Gemache ein knirschender Schlag, ein furchtbarer Schrei, ein kurzes Röcheln. Dann wurde alles still. — — Nach einiger Zeit schlug jemand Feuer an und entzündete den Leuchter. Es war der alte Boboivic. — Sein blutloses Gesicht und der furchtbare Blick auf die Leiche seines Herrn, neben der eine blutige Axt lag, verrieten, >vas er getan. Jetzt grinste der Kerl. „So kannst Du mit' Deinem Gelbe doch nicht ins Weite urtb mich und die Liszka verlassen. Die Sache aber wird auf der Schweden Rechnung kommen!" Nach diesen Trostgründen plünderte er seines Herren Taschen wie den Schrank aus, schnallte dessen Degen an, hing die Jagdflinte um, löschte das Licht und verließ das Haus. Während auf der Kleinseite schon die Flammen lohten und Jammergeschrei ertönte, schlief hier im Dunkeln der Verräter bei seinem betrogenen Opfer. VI. Die Verteidiger der Klcinseite waren so sorglos geivcsen, der Ueberfall mittels Ddowalskys Niedertracht jo vorbereitet und plötzlich ansgeführl lvorden, daß die Schiveden sich nicht bloß des ivestlichen Atoldäuufers, sondern in raschem Vordringen über die steinerne Brücke sehr gut auch der Alt- und Neustadt hätten bemächtigen können, ivenn die Prager Jude» mit Rabbi Spira und seinen! wachsamen Sohne nicht gewesen wären. Sonderbarerweise traf eben alles, ivas Fügung, Zufall und menschliche Kurzsichtigkeit einerseits, andererseits Klugheit, kaltes Blut, zähe Beharrlichkeit und Glut der Begeisternng bewerkstelligen konnten, bei dieser Gelegenheit zusammen um zu verhindern, daß ganz Prag in dieser einen Nacht an die Schweden verloren ging. Die^.steinerne Brücke war für die Schweden der einzige Weg, Alt- und Neustadt zu überrumpeln. Allerdings hätten die Schweden auf Booten und Flößen den Uebergang in Massen versuchen können, wenn sie deren gehabt hätten. Graf Colloredo war aber schlau genug gewesen, alle Fahrzeuge auf die rechte Flußseite bringen zu lassen. Für die Verteidigung waren so die Brücke und der Altstädter Brückenturm die beiden einzigen Punkte, von denen ihre Rettung oder ihr Untergang abhing. Beide lvaren den Juden unter Markus Spira anvertraut worden, dem Mann, dessen Unerschrockenheit und Talent durch seine unter den Schweden zugebrachtcn Dienstjahre auch noch die kriegerische Fähigkeit erlangt hatten, die ihm zu seiner I Aufgabe nötig war. '| Er hatte längst die Vorbereitungen getroffen, von denen seine Erfahrung wie seine Schlauheit sich Wirkung versprachen. Der Statthalter hatte ihn, von seinen Veranstaltungen teils erstaunt, teils belustigt, gewähren lassen »nd nur ausgeniacht, daß der Verkehr mit der Klcinseite, der einigermaßen wiederhergestellt worden" lvar, nicht gehemnrt sein dürfe. Markus Spira hatte nun alle in "Alt- und Neustadt vorhandenen sogenannten spanischen Reiter*) vor den Brückenturm und auf die Brücke bringen lassen, lvv er dieselben so längs des steinernen Brückengeländers dicht hintereinander postieren ließ, daß sie die Verbindung über den Fluß nicht hinderte», für den Augenblick der Not jedoch sofort bereit standen. ' Das Ufer der Kleinseite ist in der Nähe der Brücke bedeutend niedriger, flacher, und verlief in den Fluß, die östliche, rechte Uferseite der Altstadt aber war höher und steilabfallend. Deshalb lag und lieg! heute noch der Kleinseiter Brückonturm erheblich tiefer als die Brücke selbst, die, von der Campainsel ansteigend, auf sechzehn hohen Bogen zur "Altstadt hinübcrgeht. Dort vor deni eigentlichen Ufer befand sich eine kleine Insel. Diese bildete den Sockel des mächtigen Altstädter Turmes und gewährte nach Norden zu einem kleinen, altersgrauen Kastell Platz, dessen Plattform bis zur halben Höhe des Turmes ragte und durch einen festen, gedeckten Gang, dessen Bogen sich bis zum Ufer spannten, mit dem ebenfalls sortifikatorisch den Fluß beherrschenden Konvent der Sternkreuz-Ordensherren verbunden >oar, der rechts hart am Eingänge der Brücke selbst liegt. Nicht bloß waren der Brückenturin und seine angrenzenden Mauern vorher schon mit' Feldstücken besetzt gewesen. Markus Spira» dringenden Bitten bei Graf Sternberg, dem Krenzherrcnmeister, war es gelungen, auf besagtes Kastell eine stattliche Reihe schwerer Geschütze aufznpflanzen, die die Brücke von der Seite bestrichen. Die Zwischenzeit, in der die Schweden vergeblich erlvartet lvorden lvaren, hätte Markus benutzt, seine Brüder kriegerisch einzuüben, sic mit Knebelspieß lvie Büchse und der Bedienung der Geschütze vertraut zu machen. — — Zwei Tage, bevor der Angriff lvirklich erfolgte, war Großmeister von Sternberz Plötzlich unruhig geworden; eine Art von Vorahnung schien ihn zu befallen, denn er hatte etwas bemerkt, das ihm nicht geheuer schien. „Markus," hatte er ihm gesagt, „ich habe auf dem Flusse eine Erscheinung bemerkt-, die Dir sicher entgangen ist. Ich habe vor deni Statthalter noch geschwiegen, weil ich mich ja täuschen kann; Deine Sache aber ist's, da Du den Turm einmal bewachst, streitbarer Jüd', hiernach zu forschen." „Großer Kreuzmeister, was ist es?" „Gestern abend spät gegen elf Uhr war ich auf dein Kastell, um Luft zu schöpfen und zu scheu, was Deine Leute machen. Ich blicke gerade den Fluß nördlich hinab, da — siehst Du den Weinberg, der Euren! Viertel schräg gegcnübertiegt — dort erblicke ich drüben auf einmal eine Laterne am Ufer, dann ist sie auf dem Wasser in einem Kahn lvahrscheinlich — endlich verschwindet sie am Lande in Eurem Viertel." „Richtig, großmächtiger Meister, ich habe das Licht auch gesehen!" *) Spanische Reiter sind dicke, ziemlich lange Balken, durch welche kreuzweise starke, spitze Eiseustäbc so gezogen lvorden sind, daß auf den untersten die Balken wie auf Füßen ruhen, die obersten aber schräg wie Stacheln heransstehen und das Andringen des Feindes verhindern. «eile 5. „Weshalb fährt man da so spät über den Fluß? .1 Wenn der Mensch, der das tut, ehrlich ist, wasgeht^ er nicht am Tage über die Brücke? Weshalb hat er auf dem Wasser ein Licht bei sich? Weißt- Du, was das bedeutet?" „Es bedeutet, daß lvir nicht lange mehr ruhig, jj sitzen werden, sondern ehe ein paar Tage um sind-, die Schweden kommen. Morgen abend werden wir I das Licht Wiedersehen, und in der Nacht, wodie. j Feinde nahen, wird das Licht auf dem Wasser tanzen!" „Markus, ich will nicht' hoffen, daß Du einen;J Scherz mit mir treibst!" „Wenn's Spaß wäre und die Schweden kämen - s lieber nicht, so war" es schon besser, gnädiger Meister. Es ist aber heißer Ernst, und ich habe recht gehabt^ mit meiner Unruhe und meiner Vorsicht! Ter Mensch, M der mit dem Lichte übers Wasser in unser Viertel T kommt, ist ein Aufpasser, den ich alle Nacht drüben « angestcllt habe. Er soll sofort Nachricht geben, wenn -Jj da irgend Dinge passieren, die nicht richtig sind. Seiti gestern abend nun ist dort was im Werke; daß eAH mit den Schweden znsammenhängt, darauf können Sir-H sich verlassen." „Davon muß der Statthalter hören, Markus!"^ „Nein, ehrlvürdiger Meister, das muß er nichtr es ist genug, wenn Sie cs ivisscn. Sagen wir's dem- Herrn Grafen Colloredo, so glaubt er's entweder ) nicht, und da hilft es nichts, oder er glaubt es, und J schlägt vorzeitig Lärm. Ich will die Gefahr abwartnrjz und nreine Schuldigkeit tun, ist dann das Unglück öir, J so jst es Zeit, daß der Herr Statthalter die Augen aufniacht!" „Ich werde die nächsten Nächte auf dem Kastell v§ wachen, Markus!" „Und ich nicht weit davon! Dann werden vier Augen sehen, was geschieht, uni» Sie werden mir bezeugen können, daß nicine Furcht nicht umsonst war."Z Dies Gespräch hatte Großmeister von SternbergH höchst nachdenklich gemacht. Wenn er auch nicht Collo-iß redo von dein auffälligen Laternensignal Anzeige^ machte, so deutete er ihm doch an, daß MarkusM Spira nächster Tage das Erscheinen der Schwedens ernstlich besorge und bereitete den Konvent seinerU Krcuzherren vor, die Flußseite des Ordenshauses' zur-D Not zu verteidigen. — — (Fortsetzung folgt.) Offenbacher Druckluft -Anlag« Ottenbach ». H. Telsfon 123. (Anschluss mit FranHart^ Bewährteste TaPDlehi’atntavne, 100,000 qm jährlic sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernretnlgung __mittelst Druckluft und Wasserdampf._. faalser Frledricti Quelle - OiTenb&eb a. Ä. ■■ Gegen Gicht and Bhesmatismns bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl* Frankfurts.*., Günthersburg-Allee 37. TeL250u.714. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Busch.) Samstag, den 30. November 25 Kislev, Sabbat-Anfang m Frankfurt a. M. 4 Uhr — Min. Sabdat-AuSgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 20 Mm : in Berlin 4 Uhr 48 Min. Wochenabschnitt: Wajeischew. — Jakob hatte JAeW einen bunten Rock machen lassen. Dies erregte den HaßD der Brüder, der sich noch mehr durch Josefs TräünwU steigerte. Jakob sendet Josef aufs Feld, um sich den Brüdern umzusehen. Diese wollen Josef umbringhchM verkaufen ihn aber schließlich an eine nach ZlegtzKenM ziehende Karawane und senden dem Pater den in BüstW getauchten Rock Josefs. — Josef wird Diener bei ' Hofbeamten Potiphar, der ihn liebgewinnt und ch sein ganzes Hans anvertraut. Die Herrin aber wilW lüstern Josef zur Sünde verführen, und da er widepM steht, zeiht' sie ihn der Verführung. Durch diese 8era| lenmdnng kommt Josef ins Gefängnis. Doch auch dörM ist Gott mit ihm. Er wird Aufseher über alle. Gl fangenen. Im Gefängnisse weilen auch der ObcrschenM und der Oberbäcker des Königs. Josef deutet ihre Sränmedp Die Drntnng wird Wahrheit. Der Schenk wird wie in sein "Amt eingesetzt, der Mundbäckcr ausgehängt. DeA undankbare Mundschenk vergißt Josefs. ' ' C h a n n k a. Mitrwoch - Abend beginnt Chanuka. Geschichte. — Tic Juden waren mit den GriechoiW in Berührung gelommen. Geblendet durch deren schölH Künste und Wissenschaften schämten, sie sich, Juden sein, verleugneten ihr Volkstum und ihre ReligioiM verspotteten beides, drängte» sich den Syrern auf veranlaßten deren König Antiochus Epivhancs^ gegen du Trcugcbliebenen unter ihnen vorzugehen. So wurde" Sabbat-, Fest- und Nenmondfeier, Miloh, Speisegeseb Thorastudium usw. untersagt, «Lottes Heiligtum du Schweinefleisch entweiht. Biele starben den MärtyrerkW andere flohen. — Da sandte Gott durch die Priest samilie der Makkabäer Hilfe und Rettung (167—16