Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 47 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47, Frankfurter Zsraelttifches FamÜienölatt. Seite 11. B««te Chronik. Jüdische Leistungen. Der 24 jährige, aus Rußland eingewanderte Jude Nathan V e h r i m in N ctoljo r f, schrieb bei einem Stenographen - Wettschxeiben 278 Worte in der Minute, eine bisher nochvon niemand erreichte Leistung. I s a b e l l a A b r a m o v i c z legte an der Kiewcr Universität ein solch' glänzendes Mathematik- Examen ab, das; das Professorenkollegium an den Unterrichtsminister das Ersuchen richtete, Frl. Abramovicz den Besuch der Kiewer Universität zu gestatten, damit sie nicht gezwungen sei, im Anslande ihre Studiein sortzusetzen. Doch wahrscheinlich wird die Dame, da sie siir die russische Regierung das Unglück hat, eine Jüdin zu sein, im Anslande weiter studieren müssen lote der Student Liber Achowski, der seht in Paris ein Werk über die E n t st c h n n g der Kometen versaßt hat. Der berühmte Astronom F> l a m m arion tritt mit seiner ganzen Person für die neuen, umstürzlerischen Theorien dieses Werkes ein. _ Das jüdische Kind. Aus einem Vortrage des Herrn Dr. F. Piukus, der das jüdische Kind zum Gegenstand hatte, sei folgendes wiedergegeben: Betrachtet man einen Hansen spielender Kinder, so erkennt mau darin sofort das jüdische Kind. Auch in den südlichen Ländern, trotz der größeren Aehnlichkeit. Aber nicht nur im äußeren Typus zeigt sich der Unterschied, sondern, auch in dem seelischen Gepräge. Die Persönlichkeit erscheint beim Juden stärker entwickelt, der Eigenwille wird — bedingt durch eine größere Intelligenz — häufiger betont. Das jüdische Kind kommt in der Schule schneller vorwärts, aber es ist häufig altklug und mangelt des Harmloseir und Fröhlichen. ES spielt lieber Schule, Vater und Mutter, Kausen,- selbst das Spiel soll einen Zweck haben. Auch unsere Kinder hören gerne Märchen erzählen, aber sie höron anders zu, sie fragen. Ich. erzähle einein jüdischen Knaben, der 4 Jahre alt ist, von einem König mit einer goldenen Krone, lind der jüdische Knabe fragt: „Eine ricljtige Krone?" — „Ja, eine richtige Krone." — „Was kostet so eine Krone?" — „Verschieden." — „Und wo bekommt man solche Kronen zu kaufen?" Auch das isteine Folge der jüdischen Vergangenheit, die den Sinn ernster und frühreifer gemacht hat. Viel trägt dazu auch bei, daß jüdische Kinder aus den Erzählungen der Eltern schon frühzeitig von dem Ernst des Lebens erfahren. Im Zusamnienhang mit diesem Mangel an Harmlosigkeit steht der scharfe Sinn für die Wirtlichkeit des Lebens und ein größerer Mangel an Phantasie bei unser» Kindern. 'Das jüdische Kind baut sich wohl auch ans einfachen Schachteln eine ganze Eisenbahn auf, aber es verliert doch nie das Bewußtsein dafür, daß es in Wirklichkeit keine Eisenbahnwagen, sondern doch nur Schachteln sind, die es vor sich hat. Wo aber wieder dieser scharfe Wirklichkeitssinn fehlt, kommt es leicht zu einem Ueberwuchern der Phantasievorstellungvn, cs ivird zum Phantasten, es kommt iu den Zustand der Verträumtheit. Manche Lügenhaftigkeit des jüdischen Kindes ist weniger als ein bewußtes Abirreu von der Wahrheit zu erklären, als vielmehr durch ein kindliches Gefallen au seinen phantastischen Gebilden. Andrerseits ist der Mangel an Tollkühnheit beim jüdischen Kind wieder aus diesem Wirklichkeitssinn zu verstehen. Das jüdische Kind ist nicht seiger als andre, aber es sieht schärfer die Gefahr, das macht es besonnen. 'Auch ein scharfes Beobachtnngsvermögen ist ihm eigen, verbunden mit einem guten Gedächtnis, weshalb man vor Kindern mit seinen Reden vorsichtiger fein sollte und sich vor ihnen nicht gehen lassen darf. Weil das jüdische Kind seinen Eigenwillen schärfer hervorkehrt, ist es leider auch zu früh selbständig und ansdringlich mit seinem Urteil, oft auch eher unbescheiden selbst gegenüber Erwachsenen. Zu .achten ist auch auf den Ehrgeiz in der Schule, der eher zu unterdrücken als zu begünstigen ist, >vie denn bei jüdischen Kindern es vielleicht besser ist, nicht zu viel nachzugeben, sondern ihren Eigenwillen LN breche», im Gegensatz zu andern Kindern. Eine Besonderheit, die noch ganz besonderer Beachtung erfordert, ist das frühere Eintreten der Geschlechtsreife, was weniger auf die Herkunft vom Orient zurückzuführen ist, als darauf, daß wir seit Jahrhunderten Städtebewohner gewesen sind- Es gilt da schon bei den Zehnjährigen aufzupassen. ÄuS all diesem ergeben sich manche Winke für die Erziehung des jüdischen Kindes. Wir Inden haben den Fehler, daß wir unsere Kinder zu sehr lieben. Wir wollen sie auch zu viel lernen lassen. Aber wir habe» es leichter bei uns, gerade weil wir in nnserm Volk dieses Verständnis siir das Leben in seinen Wirllichkeitserscheinungen treffen, unsere Kinder zu edlen Menschen zu erziehen, denn es geht ihnen bald das Verständnis - dafür auf, daß die Menschheit gut und edel sein müsse., weil nur, wo Recht und Wahrheit gelten, das Einzellcben gedeihen kann. Kunst und Literatur. Don Quixote — ins Hebräische übersetzt. Ch. R. Bialik, der größte hebräische Dichter der Gegenwart, hat den altberühmten Romain des Miguel de Cervantes „Don Quixote de la Mancha" ins Hebräische übersetzt. Der erste Teil dieser Uebersetznng ist soeben im Berlage „Tnrgeman" in Odessa erschienen (Preis 75 Kopeken, zu blichen durch M. Ussischkinj Odessa, Chersonskaja 46). Der Verlag „Tnrgeman" (.Dolmetscher") wurde durch die Stiftung der Frau Moses Zeitlin zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten begründet und hat den Zweck, die besten Bücher der Weltliteratur in hebräischer Sprache heranszugeben, und zwar in einer Bearbeitung für die Jugend. Es sind bisher folgende Werke in dem Berlage erschienen: „Onkel Toms Hütte", aus dem Englisch«»' übersetzt von F. Ch. Tawjew, „Tausend und emo Jean Kilo J'lachf. Telephon 5736 Jflh. LSrüK. ülMMlCr Telephon 5736 Frankfurt a- Nl. Hochstrasse 2, am Eschenheimer Turm für Beleuchtungskörper in Gas Hä/üfifO' Gr^iS Elektrisch und kombiniert. Umänderung vorhandener Gas- und Kerzenlüster für elektrisch Licht oder kombinierte Beleuchtung. Installation für Gas-, Wasser-, Elektr. Liebt-, : : : Klingel- und Kraft-Anlagen. : : : Grosses Lager in Badewannen, Badeöfen, Heizöfen, Gasherden n. s w. Technisches Büro für sanitäre Anlagen. Für unseren diesjährigen WeifmachtSDerkaujf haben wir grosse Posten Leib-, Bettu. 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