Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 45 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1Ö Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 45. voll Klall Jisroel zwberufen, „darauf', so schloß Rabbiner Breuer, „wollen linr heute nicht eingehen." I. Im 64. Lebensjahre verschied der Buchdruckerejbe- Mer Louis Golde, dem erst jüngst von Herrn Mlbbiner Dr. B.r euer der ivohlverdiente Chower-Titcl - v«:lwhen worden war. ' Louis Golde war eine Persönlichkeit, wie sie in unserer hartdrängenden Zeit selbst in den Kreisen der - traditionellen Judenheit selten geworden ist: er ließ sich von den Wogen unserer Zeit, die so leicht das materielle Streben des Menschen zum Schaden seines ideellen Innenlebens und seiner idealen Ziele sördern. nicht besiegen: er blieb in «inein aufreibenden. Berufe ein Idealist und freute sich auf jede Stunde, die er für sein Streben nach jüdischer Erkenntnis abringen konnte. Echt jüdisch waren auch feine Bescheidenheit und große Herzensgüte, die ihm allseitige Beliebtheit eintrugen. - Eine» schönen Abend hat der strebsame Verein selbständiger israclit. Handwerker u. Gewerbetreibender seinen Mitgliedern mit seinem dritten Stiftungsfest veranstaltet. Ein abwechslungsreiches musikalisch-deklamatorisches Programm (Fritz Frank, Dav. Wallach, Curt Steinheim, K. Rosenthal und Strauß) ein lustiges, gut gespieltes Theaterstück (Frl. Rost Schloß, Frau Jos. Meier, K. Rosenthal Fritz Frank und Josef Meier) und dann Tanz. ' Montefiore Verein. Die Sonntag-Nachmi!- tagsveranstaltungc-n von 4—7 Uhr, eine Neueinrichtung des Vereins finden allgemeinen Beifall und sind stets gut besucht. Die Darbietungen, die abwechselnd, in Vorträge», Gesang und Musik, Gesellschaftsspiele .usw. bestehen, sorgen, daß die wenigen Stunden den Mitgliedern nur zu rasch! vergehen. : Diesen Samstag wird im Russ.-Poln. Beth-Hamidrasch (Hinter der schönen Aussicht 11) Kantor Schmulowitz Mls Warschau, ein hervorragender Chason, singen. Derselbe Herr wird Sonntag, abeiws 8>/° Uhr, im Rechneisaal (Langestraße) ein Konzert geben. Eingesandt. Sehr geehrter Herr Redakteur! ' Ich bitte Sie um Aufnahme folgender Zeilen: Der in Nmmner 45 des „Israelit" unter der Ueberschrist „Eine Kundgebung Jungzions" veröffentlichte Berscht aus Cöln, enthält, abgesehen von der tendenziösen Zustellung überhaupt, einige grobe Entstellungen meiner Abführungen. Es ist vollständig unwahr, daß ich mich dahin geäußert hätte, „daß der sich zum Christentum bekennende Jude, .wenn er zur jüdischen Nation wie der Deutsche zur deutschen stehe, als Volljude zu gelten habe". Ich habe eine solche Aeußcrung weder deni Wortlaut noch dem Sinne nach getan. Wahr ist, daß ich in Erwiderung auf die Ausführungen des Herrn Dr. Lorsch, der aus meinen Worten unbcgründetcriveise eine Folgerung im Sinne der obigen Behauptung zu ziehen versuchte, klipp und klar erklärt habe, daß ich mich gegen eine, solche Folgerung entschieden verwahren müsse. Ebenso unwahr ist die Schlußbemerkung des Berichts: „Es gehe nicht an, daß der Zionismus mit Rücksicht auf die paar Orthodoxen, die ihm, wie der Misrachi beweise, ja doch schließlich nur Schaden brächten, seine Prinzipien verleugne". Wahr ist, daß ich folgendes gesagt habe: Es ist uns ein Gebot der Gesinnungsaufrichtigkeit und — Würde, das nationale Kriterium in seinem ganzen Umfange und bis zu seinen letzten Folgerungen zu vertreten, ohne uns von etwaigen taktischen Rücksichten dazu verleiten zu lassen, durch Verdunklung und Halbheit den einen oder anderen westeuropäischen Orthodoxen, der für die nationale Idee noch nicht empfänglich ist, für unsere Partei zu gewinnen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Leute, die ohne klare Erkenntnis unserer nationalen Grundlage gelegentlich unserer Bewegung sich angeschlossen hatten, gelegentlich auch unsere Reihen wieder verlassen haben. Die tendenziöse Darstellung meiner Ausführungen überhaupt nötigt mich, meinen Gedankongang, um alle Mßverständnissc aus dem Wege 'zu räumen, hier kurz wiederzugeben.' Ich führte, wie in dem „Stadt-Anzeiger zur Kölnischen Ze tung" rom 4. Nove.nber in objektiver Weise berichtet wurde, folgendes aus: „Ein Ideengehalt kann nicht das Kriterium des Judentums bilden. Die Ideen des Judentums sind, gerade weil sie hohe ethische Werte repräsentieren, in ihrer Anlage dazu bestimmt. Gemeingut der ganzen Menschheit zu werden, und können daher nicht den Bestand der Volksindividualität gewährleisten. Nicht die Erhaltung der Idee, sondern die Erhaltung der nationalen Daseinsformcn, wie hebräische Sprache und Kultur, kann die jüdische Wesensart vor dem Untergänge bewahren. Die Bedingung hierfür ist die. territoriale Konzentration der Juden in Palästina/? — Der Vollständigkeit halber füge ich hinzu, daß ich noch hcrvorgehoben habe: Während die liberale Auffassung vom Wesen des Judentums als eines - bestimmten Jdoenkomplexcs und einer Weltanschauung notwendigerweise das Judentum seiner Sonderart beraubt und zu einer allgemein - inenschlichen Idee sich verflüchtigen läßt, hat die orthodoxe Definition des Judentums den Vorzug einer engumgrenzten und geschlossenen Gemeinschaft. Gemeinsam ist beiden Auffassungen der Gedanke, daß das Judentum ein Bekenntnis zu einen» bestimmten religiösen oder nwralischen Ideal bedinge. Die nationale Ausfassung des Judentums erblickt hingegen" in de« jüdischen Kultur- und Lebensformen, wie Sitte, Sprache und Literatur den Ausdruck und die Entwicklungsmöglichkeit der jüdischen Eigenart. Hochachtungsvoll D r. 'Jacob Klatzkin. Sehr geehrte Redaktion! Der „Israelit" veröffentlichte in seiner vorwöchentlichen Nummer einen Bericht über meine Rede in Cöln, der in der Wiedergabe der ans das Referat folgenden Debatte grobe Entstellungen enthält und. so geeignet ist, weitesten Kreisen eine durchaus falsche Vorstellung von der in dieser Debatte von Dr. Klatzkin und mir dargelegten Theorie des jüd. Nationalismus zu geben. Im Interesse der nationalen Bewegung bitte ich Sie daher, der folgenden Richtigstellung in Ihrer Zeitung Aufnahme zu gewähren. 1. Es ist unrichtig und entstellt, baß Herr Dr.. Klatzkin erklärt habe, „der Zionismus habe an die Stelle der Religion den rein nationalen Gedanken gesetzt",, was so aussieht als wollender Zionismus das jüd. Volk der jüd. Religion abwendig machen. Vielmehr haben Dr. K. und ich folgendes gesagt: Es ist unniöglich, die Zugehörigkeit zum jüd. Volke von der Anerkennung einer Idee oder einer Summe religiöser Ideen abhängig zu machen. . Ideen sind Inhalte, Inhalte aber sind niemals etwas rein Nationales, sondern allgemein Menschliches; jede Idee hat die Tendenz, universal, Gemeingut aller Menschen zu werden, zumal, wenn es so hohe Ideen sind wie die des Judentum». Vielmehr sei nur die F o r m etwas Differenzierendes, etwas Nationales. Demzufolge sei das Wesen des Judentums wie auch das Kriterium unseres Nationalismus in einer Form zu suchen, in der Form unseres nationalen Schaffens. Daß weder Dr. Klatzkin noch ich gegen die Religion gesprochen haben, zeigen die Schlußausführungeu (s. Punkt 3), zeigt vor allem die Verherrlichung des Talmuds, die mein Vortrag enthielt. ... 2. Es ist durchaus unwahr, daß ich erklärt habe, „Herr Dr. K. hätte aus taktischen Gründen dieses Prinzip nicht so ohne weiteres aussprechen sollen". Diese Behauptung ist für mich im höchsten Grade beleidigend, da eine solche Erklärung meinerseits einem bewußte» Verhüllenwollen der Tatsachen, einer Täuschung gleichkäme. So habe ich denn auch unmittelbar, nachdem Herr Dr. Lorch mir diese Erllärung zuschrieb, mich energisch dagegen verwahrt. Was ich gesagt habe, war dies: Die Definition unseres nationalen Kriteriums als Form sei nicht durchaus Neues; in der Hauptsache seien auch die Pro- Nof- und Kammerphotograph Franke & Mer - von Bosch Atelier: 34 Katserstrasse 34, I. Etage. Telephon 814. Ehe Sie sich photographieren lassen, betrachten Sie die umfangreiche Ausstellung der künstlerischen Ausführungen meiner Aufnahmen. Grosse Portraitur ,jrSÄlenApreÄe) billige Preise. Bansieoglern and Instaliab'ons-fteschkft H. Honigsberg Ziegelgasse 9. Telephon 4690. OasnndJWasserleitnngen, Klosetnnd BadeeinricMnngen. Separatoren aUerArt prompt n. billig. Anfertigung TOn fQ^-Oefen. Eine Annonce in dieser Grösse kostet Mk. 2.50. E. Tapezierer und Dekorateur, Frankfurt a. ■«, H. d. sohBnen Aussicht 13, Telephon 9368 ‘ empfiehlt sieh für alle in das Fach einschlagenden Arbeiten. 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