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Neue jüdische Presse · 1912-10-25 · Heft 42 (25.10.1912) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 42 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches FamilienNati. Nr. 42. breitet und verfochten und daraus eine Berechtigung zur Anfei,chung und Bekämpfung der Juden hergeleitet. Wir Juden können dagegen fügen, was wir wollen, es nützt nichts. Nur etwas nützt: wenn es uns gelingt, durch wissenschaftliche exakte Beweisführung, wie sie eine richtige Statistik ermöglicht, dem Gegner zu parieren; denn der Respekt vor echter Wissenschaft, dem wir alle die gewaltigen Fortschritte der letzten 'Generationen verdanken, rst überall groß geworden. Wenn es beispielsweise gelingen würde, das Märchen Von dem Reichtum der Juden in Deutschland durch unwiderlegliche Zahlen zu vernichten, nmre ein fahrelanges Streiten über diesen Gegenstand überflüssig. Ter Geist der ungeschminkten Wahrheit, der sich nicht scheut, auch das Unangenehme herauszusagen, muß alle Böswilligkeit besiegen. Eine solche Aufgabe — nämlich die, mit den Waffen strengster Wissenschaftlichkeit und echtester Wahrheit Aufklärung über jüdisches Bolkswefen und Volksleben in die Watt zu tragen durchs statistische, demographisch:, ethnologische und anthropologische Bearbeitung des Stoffes — hat sich der „Verein für Statistik und Tcmcgraphic der Juden" gestellt, der jüngst nach den. Vorbilde von Berlin und München rn Frankfurt gegründet worden ist. (Vorsitzender: Rechtsanwalt Tr. Budge.) Er will reine, scharfe Waffen schmieden zum geistigen Kampfe gegen unsere Widersacher und will diese Waffen allen interessierten Personen und Gruppen zur Verfügung Hallen, auch! der Kommune und den, Staat gegenüber seine Feststellungen verwerten und nicht zum wenigsten uns selbst wertvolle Aufllärnngen und Fingerzeige geben. Dem Verein sind bereits Männer aller Berufsarten: Kaufleute, Beamte, Künstler, Lehrer, Merzte, Anwälte und Nationalökonomen beigetreten. Sie wollen in Frankfurt den gekennzeichneten Bestrebungen eine wissenschaftliche Arbeitsstätte errichten, besonders auch mit Rücksicht auf die zukünftige Universität, wo sie neue Arbeitskräfte zu finden hoffen. In einer demnächstigen öffentlichen Berfammllung wird man Näheres über den Verein hören. Feder Jude sollt« es sich zur Ehre rechnen, einen solchen Verein, wenn auch nur durch Beitritt, zu fördern-; denn jeder einzelne muß sich sagen: Tua res agitur (Es handelt sich um Tcine eigenste Sache). Frankfurter Berichte. Das Thema des Vortrags im Verein „Nachlaß Zwi" hatte eine solche Zugkraft, daß der Saal überfüllt war. Auf der Tagesordnung stand das jüngst erschienene Werk Provinzialrabbiners Dr. W. C a h n - Fulda „D i r religiösen Strömungen in der zeitgenössischen Judcnheit".*) Referent war Rabb. Dr.. Eduard Biber selb-Berlin. - Referent stellte zwei Behauptungen an - die Spitze seiner.Ausführungen. Daß Einigkeit stark mache, sei eine Banalität des Tages. Ebenso sei die Abkehr von dem Gedanke» des Golusjudentums zu verurteilen. Gerade imsere Kleinheit und unsere Schwäche haben sich als ein Palladium gegen unseren Untergang erwiesen. Bon diesen Anschauungen werde auch das Cahn'schr Buch getragen, das nur die Prinzipientrcue kenne. Das Cahn'sche Buch zerfällt in zwei Hauptteile, der erste ist ans dem politischen Tageskampf geboren, der zweite beleuchtet die Ideen des liberalen Judentums. Im ersten Teile werde dokumentarisch nachgewiesen, wie die führenden Persönlichkeiten der liberale» *) Erschienen bei Fänger & Friedberg - Frankfurt; 448 Seiten; Mk, 4.—, geb. Mk. 5,50. Judeuheit gegen die vitalsten jüdischen Interessen handeln. So habe das heftige Anlümpsen a»S den liberalen jüdische» Kreise» gegen de» Zcdlitzschc» Bolksschulgesctzentwurf — 1891 —' die antisemitische Bewegung ungemein gestärkt. In diesem Gesetzentwürfe wurde des ferneren zum ersten Male die „geduldete" jüdische Religiousgeineinschaft als eine „anerkannte" , erklärt, jedoch das Fallen dieses Gesetzentwurfes vernichtete " auch diesen bedeutungsvollen Erfolg. Referent beleuchtete dann nach dem Cahnschen Buche besonders das Verhalte» des Verbandes der Deutschen Inden bei dem spätere» Volksschulgcsetzeiitwnrf und in Sachen des obligatorischen Religionsunterrichts. Zum Schluß würdigte er de» zweiten Teil des Buches, der zeige, daß zwischen dem orthodoxen und dem liberalen Judentum eine weit größere Differenz als zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus gähne. Der Unterschied zwischen dem orthodoxen und dem liberalen Judentiun müsse der jüdischen Masse zum Bewußtsein gebracht werde». Man möge deshalb sür Verbreitung des Buches Sorge tragen. In der Debatte stellte sich zuerst Arnold H a r - burger als liberaler Jude vor und verlangte, daß die Orthodoxie den seelischen Kämpfen des liberalen Juden Verständnis, ciitgegenbringen inögc. Jacob R o s c n h c i m meinte, daß der Kampf gegen das liberale Judentum keine Lieblosigkeit sei, sondern uni der Selbstcrhaltung der Orthodoxie willen notwendig sei. Das Cahnsche Buch möge besonders auch der herangcwachsenen Jugend i» die Hand gegeben werde». Direktor Dr. Lange erkennt dem liberalen Judentum überhaupt nicht mehr den Namen ' „Judentum" zu. Da cs nicht ei»mal vor den Grundlagen des Judentums halt mache, so sei cs eine ganz neue Religion^ Leopold Perlmutter vertrat die Ansicht, daß man an der geschichtlichen Entwirtlung des Liberalismus nicht Vorbeigehen dürfe. Das liberale Judentum - sei aus der Assimilation entstanden. Das, was das liberale Judentum infolge seines Assimilationsstrcbeiis in jüdischer Hinsicht negiert, möge die Orthodoxie prüfend ins Auge fassen. Sic könne nur dadurchlernen, denn auch die.Orthodoxie verliere beständig an ihrem Bestände. Auch 'der Orthodoxie seien die Betonung des jüdischnationalen Moments, das Vertiefen in die jüdische Geschichte und die Beherrschung der hebräischen Sprache als Bollwerk gegen die Assimilation zu empfehle». Der Referent sprach sodann noch einige Schlußworte. .... Daß der Grdankengang Dr. Biberfelds unzutreffend ist, braucht nicht erst gesagt zu werde»!. Gvlus und Schwäche sind uns in unseren „Tauchochaus" als Fluch zngedacht worden; nach Biberseld aber sind sie das alleinige Heil Israels. Zn welchen Konsequenzen dieser Gedankengang führt, beweist die ungeheuerliche Bibcrseldschc Ansicht; daß „die Stärke der Einigkeit nur eine Banalität des Tages ist." Dienstag Abend hatte der A » s f ch u ß der i s r a e l. Gemeinde eine Sitzung. Zuerst wurde» Dr. W. H a u a u c r und Leo Isaak zu Revisoren der Gcmciiidcrcchiiung gewählt. Sodann erstattete Hugo Frankel Bericht über die Rechnung des Hospitals. Trotz erhöhter Ausgaben und bei einer Belegung mit 875 Patienten g-gen 808 im Vorjahre, betrug der Zuschuß der Gemeinde nur 55 000 JL gegen 5(5 000 im Vorjahre. Das ist neben sorgfältiger Verwaltung dem Umstand zu verdanken, daß die 1. und die 2. Klasse bedeutend mehr als srühcr in Anspruch genommen werden. Eine längcrc Debatte entspann sich erst bei dein nun folgenden Punkte der Tagesordnung. Die Gemeinde hat testamentarisch 50 000 ../& für eine Ludwig n n d E r n e st i n c M v s b a ch c r - S t i f t u n g erhalten, deren Zinsen zu Pesach und zu Roschhaschonöh an hiesige bedürftige Israeliten vergeben werden sollen. Dr. W. Hanan-er ergreift hierzu das Wort. Zinn ersten Male seit vielen Jahren erhalte die Gemeinde direkt eine größere Stiftung. Es sei notwendig, daß die Mitglieder hänsiger die Gemeinde testamentarisch bedenken. Auch die anderen Redner äußerten sich im gleichen Sinne, und .es wurde beschlossen, den Vorstand zu ersuchen, die Mitglieder in geeigneter Weise — durch die jüdische Presse — auf die Bedeutung derartiger (Stiftungen für die Frankfurter Jndenhcit anfmerisam zu machen. Hugo F r 8 ii k e l sprach den Wunsch aus, daß in der Verwaltung .der Mosbacher - Stiftung auch der Ausschuß vertreten sein möge. Syndikus Justizrat Dr. B a e r entgegnete hierauf, daß, da nach der Stiftinigsurtmidi nur der Vorstand znni Verwalter der Stiftung, eingesetzt ist, das nicht angägig sei. Nach dieser Antwort wurde bit| prinzipiell wichtige Frage nicht weiter erörtert. Nach unserer Ansicht muß in jeder Kommission des Vorstandrauch der Ausschuß vertreten sein, — und es würde de», Geist der Geineindeverfassung widersprechen und dem Geis; der Stiftiingsurkiiiide der Mosbacher-Stiftung diirchan nicht widersprechen, wenn in ihrer Verwaltung auch cii> Mitglied des Ausschusses säße, denn der Vorstand wir! erst mit dem Ausschuß ein Ganzes. Die Schenkung des Her r n Henry B n d g i von 50 000 M k. sür den Neubau des Hospitals zu» Aiideiilen an seine Eltern Moritz und Henriette Bnd<p wurde dankend zur Kenntnis genommen. Zum Schluß wurde der Fehlbetrag von 991. Marti der C r e i z e n a ch - S t i f t ii n g, die die Witwenu,ib| Waisenpensioiien des Philantropin zahlt, bewilligt. Dieser Tage verstarb dahier im 68. Lebensjahnl Dr. Rüben Pinczower zum tiefen Bedauern aller,! denen cs vergönnt war, ihn durch näheren Umgang zu kennen. Schmerzlich vermissen wir den Jerei Schomajim, den äußerste Bescheidenheit zierte, dessen innige, ungeschminkte Frömmigkeit sich unwillkürlich allen Beobachtern mitteilte. In dem Dahingeschiedencn haben wir eine, Ben Tora verloren, dessen ausgebrcitete talmudisch Kenntnisse sür seine Zuhörer ein steter Born der Belehrung Ivaren. Ein Jsch Chajil im wahrsten Sinn: des Wortes ist in ihm dahingegangen. Er war ein wackerer Kämpfer, der aus seiner Toraliebe die letzte Konsequenz zog, indem er sich durch Aneignung ihres eblen, lautern Gehalts zur älliimfasseiiden Menschenliebe durch-1 ziiringen wußte. Soeben ist das Programm des Vereins füii j ü d i s ch e Geschichte und Literatur erschiene» (Siehe: Inserat in der heutige» Nummer). f Der erste Vortrag findet bereits nächsten Mittwoch statt. Rabb. Dr. Nobel wird über die Weltanschauung der Propheten sprechen. Dem Oberlehrer a. D. der Realschule der Israelit. SKcligionsgesellschast Pros. Dr. A. S n l z b a ch, der im I Frühjahr sein 50 jähriges Dieiistiibiläiini feierte, Hai! die philosophische Fakultät in Halle das Doktor-l diploni erneuert, das sie ihm vor fünf Dezen-! inen erteilt hat, unter lobender Anerkennung der wisscn-I schaftlichen Leistlingen des Jubilars ans jüdisch-theolo-I gischem Gebiete. Die T e h i l l i m - B ö r t r 8 g e des Herrn Rabbiner Dr. N o b e l beginnen Sonntag Nachmittag '6 Uhr wieder. GLellLior & SCHIEFERS! Telephon 13430. Im Trotz 88. Telephon 13430. B MM Gas*, Wassernnd Heizungs-Anlagen. —Moderne M BSder nnd Closets. zi W_Reparaturen prompt hei zivilen Preisen._W j Beret«s-Kale«der. Freitag. „T a l m n d Thora" -- Verein, nach Schluß des Gottesdienstes) Synagvge Börncplatz: Vortrag. — Verein „Mckor Chajim", nach Schluß de- Gotte-dienstcs, Hörsaal Friedberger Anlage: Mikro-Vortrag (Emanucl Kaufmann); 8V2 Uhr, Langestr. 18: Gemütliche Zusaininciikunst. — „Montefiore"-Berein, 9 Uhr, Bleichstr. 70: Gemütliche Zusammenkunft. Samstag. „M 0 n te s i 0 r e"-Ver e i 11, 11 Vi Uhr, Bleichstr. 70: Schinr-Vortrag (Dr. B. May). — Verein „M ekor Chaji in", 12 Uhr, Hörsaal Fricdberger Anlage: Sefer Schcmuel (Prof. Weyl); 3:,/i Uhr, Längcstraße 18: Ein Jaakvb (Schachnowitz). Sonntag, „T a l m n d T h 0 r a" - B e r e i n, '6 Uhr, Synagoge Börneplatz: Tehillim-Bortrag (Rabb. Dr. Nobcl). — „M 0 11 tefiore"-Verein, 4—7 Uhr, Blcichstraße 70: Gesellige Zusammenkunft der Mitglieder und ihrer Angehörigen. — 6 Uhr, Langestr. 18: S. Breuer). Dienstag. F ü d. Frauen Vereinigung, Hotel Drexel, 83/4 Uhr: Nachexilische Geschichte bis zur Vertreibung der Inden aus Spanien (Dr. I. Boirdi/. Mittwoch. Verein sür jüd. Geschichte und Literatur, 9 Uhr, Frankfurt-Loge: Die Wcltansrhauung der Propheten (Rabb. Dr. Nobel). Sc »ein „M ekor Chaji in", öchulchan - Aruch (Rabb. Dr. ELonszertalooncie, veranstaltet von der RedLalition der Zeitschrift „Ost ULIXCL West^ Unter Mitwirkung von Bella Falk-Mlntschin, Konzertsängerin; M. Magidson, Konzertsänger; Betty Tennenbanm, ViolinVirtuosin. Am Klavier: Arno Nadel. Zum Vortrag gelang«» eine grössere Anzahl kfinstlerisch bearbeiteter, noch unveröffentlichter jüdischer Volksmelodien ans der Sammlung Leo Winz. Die Konzerte finden statt in: Frankfurt a. K., Dienstag, den 5. November, im Kleinen Saal des „SaalbaheB“. Kartenverkauf: Konzertdirektion B. Firnberg, Schillerstrasse 20. Preise der Plätze: 5, 3, 2 Mk. Zogursten des Heims des Jüdischen Frauenbundes. ^Leipzig, 31. Oktober im „Städtischen Kaufhaus“ Breslau, 2. Nov. im „Breslauer Konzerthaus“ Cöln a. Bh.< 7. Nov. in der „Lesegesellschaft“ Manchen, 9. Nov. im Hotel „Fier Jahreszeiten“ Närnberg, 11. Nov. im Hotel „Goldener Adler“ Berlin, 16. Nov. (I. Progr.) u 1 Dez. (H.Progr.) im Festsaal der „Gesellschaft der Freunde“ Mamburg, 18. November im „Curio-Haus“ Posen, 21. November im „Stern’schen Saal“ Mannover, 24. November' im „Aulasaal“ c-

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