Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1912-10-18 · Heft 41 (18.10.1912) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 41 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2692297-2692768-2692809--07254-2702315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Heitftfle flu Rr. 41 ites fanftfiirfet ifmettfifto FammmKMs. Die Aewish Kolonisation Association (I. C. A.) im Jahre 1S11. Das Kolonisationswert in Amerika. In dem Kolonisationswert der I. C. A., dieser von Baron Hirsch im Jahre 1891 gegründeten jüdischen Kolonisationsgesellschaft, in Argentinien, ist seit 1903 ein erfreulicher Umschwung eingetreten; in diesem Jahre wurden nämlich die Anteile der einzelnen Bauern von 150—230 da und darüber hinaus vergrößert. Zwar sind die früheren Handwerker und Kleinhändler dadurch, noch keine richtigen Bauern geworden. Nach wie vor kennen sie kein geduldiges, kühles Äkbwarten, nach wie vor trachten sie, auf einmal reich ziu werden und setzen immer noch alles auf eine Karte, indem sie mit allen Kräften sich auf ein bestimmtes Gebiet der Landwirtschaft Verlegen. So haben sie bis vor wenigen Fahren große Kapitalien in der Viehwirtschaft investiert. Seit zwei Jahren wird die Viehzucht vernachlässigt, um alle Kraft und sämtliche verfügbaren Mittel auf den Getreidebau zu konzentrieren. Dabei wird die Landwirtschaft nach den verlotterten Methoden der Eingeborenen betrieben, die möglichst große Flächen bestellen, dem Boden keinen Dung geben und ihn solange ausplündern, bis er völlig erschöpft und in eine Wüste verwandelt ist. Immerhin find aber die Erfolge der Kolonisten einstweilen sehr bedeutend. Wenn auch nur die Hälfte des Bodens Ertrag bringt und wenn die Erträgnisse pro da auch minimal bleiben, so haben: doch hie Kolonisten im Jahre 1910/11 gegen 25,000 Tonnen -Getreide im Werte von 8,850,000 Frs. geerntet. Nach Abzug der sehr großen Unkosten, die auf 46o/o veranschlagt werden dürfen, blieben den 2265 Kolonisten noch 4,800,000 Frs. übrig. Dazu kommen die Einnahmen aus der fteilich sehr znrückgegangenen Viehzucht, in Mauricio und .Mosesville noch die kolossalen Gewinne aus den ewig blühenden, vier bis sechs Ernten im Jahre bringenden und 47,000 da umfassenden Luzernefeldern. Dah.er find die Kolonisten im Berichtsjahre sehr gut vorwärtsget'ommen und haben der I. C. Ä., cher „guten reichen Tante in Paris", die sie großmütig mit so umfangreichen Ländereien beschenkt hatte, 1,511,844 Frs. an Rückzahlungen geleistet. Diese Rückzahlungen sind seit 1901 in stetem Wachsten begriffen; sie haben seit dem Jahre '1900 der I. C. A. 7,329,000 Frs. eingebracht. Die Kolonie Mauricio allein hat in den letzten sieben Jahren 1,847,000 Frs. zurückgezahlt. Dennoch ist die F. C. 3k. um die Zukunft ihrer Kolonien in Argentinien seit einigen Jahren nicht ganz ohne Besorgnis. Durch die allzu reichliche Dotierung der Kolonisten mit Land hat sie ihren Bodenbesitz im Umfange von 569,000 da bis auf einer: Rest von 100,000 da aufgchrancht. Die Erde ist weggegeben, und neue Ländereien in Argentinien in bisherigen: Umfange zu erwerben, ist umso schwerer, als die Bodenpreise inzwischen stark gestiegen sind. Daneben haben sich die allzugroßen Anteile der Bauern auch Von einer anderen Seite als bedenklich erwiesen. Nicht nur werden sie dadurch fast unwillkürlich zur Extensivrvirtschaft und zun: Raubbau veranlaßt, sie sind auch gezwungen, in ganz kleinen Grüppchen zu wohnen, da sonst der Weg vom Hause zur Arbeitsstätte und zuriick täglich einige Stunden verschlingen wiirde. Der Jude fühlt sich aber nicht wohl, wenn er alleii: ist, auch ist er dann gegen Ra:tb und Mord weniger geschützt. So sind durch die verschwenderische Dotierung der Kolonisten mit Land Gefahren heraüfbeschworen worden, welche die Zukunft des ganzen argentinische Kolonisationswerks ernstlich bedrohen. Die I. C. A. sucht daher seit zwei Jahren geeignete Elemente mit kleinen Anteilen anz::siedeln, Anteile, ans denen die Bauern nebst etwas Wtreidvauch Obst- und Gemüsebau treiben und einen namhaften Teil ihrer Einnahmen aus der Viehzucht und der Milchwirtschaft gewinnen sollen. Als ersten Schritt auf diesen! Wege ist die Begründung der Kolonie Dora in der Provinz San- . tiago anzusehen. Dieselbe umfaßt „nur" 3000 da und soll 100 Kolonisten beherbergen, die, da ihr Boden zur Bewässerung geeignet ist, mit ihren 30 ha zweifellos ihr Fortkommen sinden werden. Gleichzeitig sucht die I. C. A. in den aMrrKÄ«^' nien erprobte Arbeiter anzusiedeln, die Obstw' Gemüsebau betreiben und so den anderen Kokanisten als Muster dienen sollen. Daneben aber hat sie schon vor mehreren Jahren nach einem neuen Kolonisationsgebiet Umschau gehalteu, aus dem sie das in Argentinien gefährdete Werk auf neuer Grundlage sortsetzen könnte. Ein solches Gebiet fand sich im benachbarten Brasilien, wo der Boden noch reichlicher und zu niedrigeren Preisen als in Argentinien zur Verfügung steht. Hier hat sie im Jahre 1904 in der Provinz Ri» Grande de Sul versuchsweise die Kolonie Philip pson begründet, deren Einwohner ursprünglich nur 25 bis 30, später 50—60 ha Land, von dem etwa 40 ha Urwald sind, erhalten. Letzterer bringt jeder Familie 200 Mark jährlich ein. Der Ackerbau wird nur in geringem Umfange betrieben, sodaß von 5500 ha' der Kolonie nur 503 bestellt werden. Immerhin ziehen die 50 Kolonisten aus dem Getreidebau etwa 30,000 Mark, dazu kommen noch etwa 20,000 Mk. aus der Viehzucht, sodaß ihnen ein Reingewinn von etwa 1100 M. pto Familie verbleibt. Nunmehr hat die I. C. A. in Brasilien einen zweiten Schritt getan und in der gleichen Provinz ein Gebiet von etwa 92,000 ha erworben, von dem 40,000 ha mit Wald bestanden ist. Dieser soll mit Hilfe judi- . scher Arbeiter rationell ausgebeutet werden. Aus^raus Mel und faCmuiL Bon M. Pulver mann. Salomos Traum. Es war finstere Nacht. Der Schlaf hätte seinen sanftschwingenden Stab über des' Königs Augen gelegt, der, wachend, über Judas' Gefilde herrschte und Furcht und Entsetzen dem fliehenden Feinde einflößte. Doch in dieser stillen, nächtlichen Stunde störten keine Staatsgeschäfte, keine Regierungsangelegenheiten seinen friedlichen Schlummer. Mer der Traumgott gab chm höhere Gedanken ein und ließ ihn himmlische Erscheinungen schauen. „Heil Dir, Liebling Gottes!" hörte er eine himmlische Stimme rufen. „Erde, Luft und Wasser gehorchen Deinem Befehle, und selbst höhere Wesen müssen Deinen Willen vollbringen. Wer cs sind noch vier Sachen vorhanden, die Dir noch, nicht zu eigen sind; diese will ich Dir jetzt zeigen, und Du kannst eines davon wählen, das 'Dir gehören soll. Geht Deines Herzens Sehnen danach, daß Deine Macht auf Erden unbeschränkt sei und'bis'in die entferntesten Erdenwinkel dringe, wo selbst die Sonne mit ihren Strahlen nicht hingelangen kann? Sollen Fürsten und Völker vor Dir sich beugen und Dir untertan sein?" Während der König noch verwundert diesen Worten lauschte, erschien vor chm die „Macht" in majestätischer Gestalt, mit Kronen und Szepter behängen, zugleich aber auch mit Schwert und Panzer umgürtet. Auf ihrem Angesichte war holdselige Lieblichkeit, aber auch Schauer und' Furcht eingeprägt, ihr sanftes Lächeln war mit Zorn vermischt, wie der Gewittersturm, wenn er hinter rosigen Wölkchen sich verbirgt, um bald verderbenbringend hervorzubrechen. Aus ihren Augen aber sprühten Blitze, als wollte sie alles Bestehende vernichten, alles Festgefügte zu Atomen zermalmen. Ein Schauer und Beben erfaßte den König, als er diese Gestalt erblickte. Er wendete sein Gesicht zur Seite und winkte abwährend mit der Hand. Die „Macht" verschwand. Der Engel sprach dann weiter: „Oder willst Du lieber große Reichtümer besitzen, daß die Erde alle ihre ungezählten Schätze Dir zu Füßen lege, daß die Wände Deines Hauses aus reinem Gold, das Pflaster Deiner Straßen aus reinem Silber bestehe, daß unschätzbare Edelsteine, wie sie noch keines Menschen Auge gesehen haben, Deine Kammern füllen?" Salomo dachte nach, und vor ihm erschien der „Reichtum", auf dessen Haupt eine unendliche Last von Juwelen und kostbaren Steinen funkelte; seine Gewänder bestanden aus Purpur, mit Diamanten behängen, und in seiner Hand glänzte ein goldener Stab, der Ebenfalls mit Juwelen besetzt war. „Erhebe Dich, Sohn Davids," sprach der „Reichtum" flockend und schmeichelnd; ich beherrsche Welt und Menschen, und alles will mir huldigen. Doch Dich will ich mir gern zum Herrn wählen!" Ein. leises Lächeln umspielte des Königs Lippen bei dieser Verheißung, und seine Hand bewegte sich, als wollte er sie dem „Reichtum" entgegenstrecken. Da bemerkte er plötzlich, daß alles, was diese Erscheinung mit ihrem Fuß berührte, in Tränen und Seufzer sich verwandelte, daß neben ihr die Armut in Sack und Asche gehüllt wandelte, daß der „Reich-, tum" wie ein Magnet alles Kostbare und Glänzende an sich zog, sodaß im ganzen Raum nur häßlicher, gemeiner Staub zurückblieb. Da senken sich des Königs Augenlider tief herab, um das Gleißende und Funkelnde von seinen Blicken auszuschließen. Noch eine Weile blieb der „Reichtum" in seiner ganzen Pracht stehen, als erwarte er noch eine Antwort, aber er verschwand, als keine solch« erfolgte. Da nahm der Engel wieder das Wort und sprach: „Möchtest Du vielleicht lieber den Ruhm besitzen, daß 'Dein Name und' Deine Taten in' alle Welt hinausklingen, daß das Flüstern der Bäume, das Rauschen des Meeres Deine Weisheit verkünde, daß aus jedem Munde Dein Ruhm und Deine Größe ertöne?" Kaum waren diese Worte verhallt, als auch schon der „Ruhm" in weithin leuchtender Gestalt erschien. Auf deni Haupte ruhte der Lorbeerkranz, während das Gewand aus Myrthenzweigen zusammengesetzt war. Voran schritten zahlreiche Fanfarenbläser, gefolgt von vielen Wesen, die gleich den Tieren des Waldes auf Händen und Füßen krochen und weiße Märmorbiloer und Denkmäler auf den Rücken trugen, deren Gesichtszüge denen des „Ruhmes" glichen.' Salomo sprang erregt ans und wollte sich gerade in die ausgebreiteten Arme des „Ruhmes" stürzen, als er an ihm emporgeringelt zwei' Schlangen erblickte, die er als „Hochmut" und „Eitelkeit' erkannte. Das 1 Ganze gestaltete sich allmählich zn einer unförmigen Masse, dehnte sich immer mehr und mehr irr die Breite! aus. bis es wie eine mit Luft gefüllte Blase aussah» um schließlich auseinanderzuplatzen und in nichts zu. zerfallen. Der König drückte beide Hände auf die Augen, uiw diesen häßlichen Anblick zu vermeiden; voller Wscheu wendete er sich weg. > Der Engel lächelle beftiedigt und sprach«: / „Nun sollst Du auch das vierte schauen; vielleicht, daß Du danach ein größeres Verlangen trägst," Salomo öffnete seine Llugen, und vor ihm stand die „Weisheit", eine jugendftische Gestalt mit eyrem schneeweißen Mantel bekleidet. Ihre Züge waren lieblich, kindlich/ zugleich aber auch'nachdenkend! und tief I ernst. Aus ihren Augen strahlte ein heiliges Feuer/ und ihr Blick war in die Fern« gerichtet, als wollt«;j sie irgend ein Geheimnis erforschen. Ihr zur Seite I waren zwei holde Knaben, auf deren Brustschilder di« Worte „Tugend" und „Wahrheit" eingegraben waren, > die sich mehr und mehr an die „Weisheit" drängten, bis sie mit ihr verwachsen zn sein schienen. Kaum hatte Salomon dieses Gebild erblickt, da 'I stürzte er zn itzin hin, di« Arme verlangend Nach ihm ausgestre'ckt. ' - „Mögen andere Sterbliche nach jenen Nichtig- > keiten und Trugbildern begehren und lechzen," rief er, - „ich trage nur nach dieser Verlangen! Weisheit, Du / Erstgeborene des Himmels, nimm mich in Deine Arme > und lasse mich Dir angehören! Dn allein sollst mein Führer und Wegweiser für die Zukunft sein- und j nur Dir allein will ich mein Leben weihen! Tugend und Wahrheit sind Deine Begleiter, darum bist 'Du allein das köstlichste Gut auf Erden, nach welchem mein Herz begehrt!" Die „Weisheit" lächelte fteundlich und übergab ihm ein Buch» das er bald als die heilige Thora erkannt«. „Wohl vermag ich das Menschenherz zu bej glücken," sprach sie mit wohllautender Stimme, „und / gegen Not und Leid unempfindlich zu machen; doch i wisse, der wahre Quell des Lebens ist nur dieses Buch; denn „der Anfang aller Weisheit ist die Gottesfurcht!" /> Seit damals ruhte der Geist Gottes auf König Sa- - lomo, — und er ward weiser aE alle Menschenlauf 1 Erden. . -; 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.