Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 38 (25.9.1912)
- Date
- 1912-09-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr 38 Seite 4. Ziel gesetzt worden. Die vornehmsten israelitischen Kaufleute haben auf Anregung der Herren Sigmund K o h n, Samuel Lemberg er und Weiß beschlossen, die Ge-, schäfte auch am folgenden Samstag geschlossen zu halten. Sehr bemerkenswert ist der Umstand, daß diese Bewegung aus dem Kreise der Freidenkenden Kausleute hervorgegangen ist, und von neologer Seite etwas zahlreicherer .Anschluß erfolgt ist als von orthodoxer Seite. Dem in ungarisch-orthodoxe Verhältnisse Uneingeweihten wird cs freilich überraschend klingen, wenn erzählt wird, daß hier ca. 60»/o der orthodoxen Kaufleute (Trennungsorthodoxen) Samstag offen halten. Selbst bieämal war eine kleine Anzahl Orthodoxer nicht zu bewegen, sich der allgemeinen Sperre anzuschließen. Sogar ein Mitglied der orth.'Gemeinderepräsentanz und der orth. Schulkommission war erst durch eine Deputation der zionistischen Jugend zu bewegen, das Geschäft Mittag zu sperren. Mft mehr Erfolg arbeitete diese Deputation, geführt von Herrn Esra Weiß, bei einigen Geschäften, die des Morgens geöffnet hatten. Der Sperre hatten sich angeschlosseu das bedeutendste Teppichhaus Westungarns I. Fornheim u Sohn, die großen Modewarenhäuser Sigmund Kvhn u. Komp., Weiß u. Fürst, Lemberger u. Putz, Louvre (Benö Ehrenfeld), Jeher Lipot, die landesbekannte Eisenfirma A. Neurath n. Sohn, Salamon Kvhn, Ignatz Neurath, das bedeutende Wäschehaus Weiß u. Heimler und B. Weiß, Eduard Fürst, Josef Schwarz, Brüder Klein, das Schuhwarenhaus Sonnenwirth u. a. Diese Bewegung, welche sich auch auf eine allgemeine Sabbcckfeier ausdehnen will, weist auch einen gewissen zionistischen Einschlag auf. Der wackere Schomre-Sabbat- Derein und die offiziellen Orthodoxen haben davon keine Noty genommen. Hingegen haben viele höhere orthodoxen Funktionäre in ihren Bureaus am Sabbat-Schuwo arb eiten lassen." MMir. © * lor de« Tore« Prags» Historische Erzählung von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung.) „Sohn, mein Sohn! Einziges Kind, das der Herr mir gegeben hat. Du willst mft Mllen in den Tod rennen!" „Vater, sei stille! Wenn der, welcher Tod und Leben in seiner Hand hält, sagt: Markus, Deine Stunde ist da! dann werde ich auch im Bette an einer Krankheft und ohne Blut sterben; Dein Schreien aber wird Dir und der Mutter auch nichts helfen. Wenn er aber unser Voll und Geschlecht zu Ehren bringen und Prag schützen will durch Deines Sohnes Hand, wird er ihn leben lassen, ob auch der Tod herumgeht, Ernte zu halten. Ich kann nicht leben, wenn Esther Katz mich verschändet und mich behandelt, als hätte ich die Pest! Soll ich sterben, so wlll ich in Ehren sterben, und daß sie soll ihr ganzes Leben über mich und über sich selber weinen müssen! — Vater! Ueberleg's mit dem Vorsteher und mft der Mutter! Sage mir morgen vor der Versammlung Bescheid." , Damft erhob sich Markus, griff zu Ranzen und Knüttel, nickte und schritt hinweg. ** , Esther Katz sitzt während' der letzten Vorgänge bei Rabbi Spira in ihrem Hause, in demselben Gemache im Oberstock, wo die grauseidenen Vorhänge die Fenster ' schließen, zu denen Markus hinaufgestarrt hatte. Dies Gemach ist ihr schönstes. Es stößt an ihr Schlafzimmer, und seine jüdisch-orientalische Pracht — kostbare Tapeten, Teppiche, Polster und silberne Gefäße — bilden einen grellen Kontrast zu des Hauses trübselig rauher Außenseite. Sie hat ihr schönes Haupt in die feinen, stark beringten Hände gestützt, nachdem sie von ihm das juwelenbesetzte Stirnband soeben herabgerissen „Ich vergehe vor Scham und Wut! Ich werde noch toll von dem Blick des Menschen!" murmelle sie. „Ihn lieben! — Und wenn ich so unsinnig wäre, und ich liibte ihn doch?! Gott meiner Väter, ich danke Dir, daß ich mich vor der Sara verschworen habe! Mein Schwur wird mich fest machen und hart und trotzig, daß mir keine Schwäche beikommt! Wahrhefftig, es müßte ein anderer Mann sein als der Markus, der der Esther Katz Gemüt bezwingen will! Es ist aber etwas fürchterliches um Saras Prophezeiung! Redet .der Geist in mir wahr, warum soll er denn lügen in Saras Munde?! Ich weiß ein Mittel) das mir Ruhe bringt! Ich will die heilige Schrift meiner Väter auffchlagen und — und-ja, die zehnte Zeile vom zehnmal zehnten Blatt vom dreimal neunten Abschnitt! Was da steht, laß meine" Leuchte sein, Herr!" — und sie machte das Segenszeichen vor ihrer Stirn. Wir sind' der Ansicht, daß/ es noch; kein Weib gab, so großgeistig und stark es immerhin veranlagt sein mag. Frankfurter Israelitische Famklienblatk. das nicht dennoch eine gewisse Dosis Aberglauben besäße, der zurzeiten, wo die Seele in besondere Bewegung gerät, stets sein Recht geltend zu machen weiß. Das ist so bei Christen, Juden und Heiden gewesen durch alle Zeit. Nirgends leichter aber wird der Geist verführt, dem Aberglauben und Prophezeiungen zu fröhnen, das Orakel der Zukunft zu befragen, als bei Personen, welche nrit der Kabbala bekannt sind. Die geometrischen, linguistischen und Zahlenformeln, unter denen sie ihre geheimsten Offenbarungen zu verschleiern liebt, verführt selbst geistessichere Hirne oft zu den phantastischsten Abschweifungen. Esther Katz, um ihre inneren Regungen und Erregungen zu bannen, nahm also zu einer Prozediur ihre Zuflucht, die selbst für sie, die sich des Besitzes und'der Kunde sehr alten und verborgenen .Wissens rühmte, nicht leicht war. Sie hätte sich durch plötzliche Eingebung dafür entschieden, daß die zehnte Zeile des zehnmal zehnten, also des hundertsten Blattes, im dreimal neunten, also welche sie ererbt hatte, die Lösung enthalten solle, die sic beruhigen, ihr über ihren eigenen Zustand Licht geben werde. Sie wies die demütig gebotenen Dienste ihrer alten Rahel rauh zurück und verschmähte Speise wie Trank. Sie wollte erst Gewißheit haben, was das heilige Buch an der bewußten Stelle ihr verheiße! Zunächst schrieb sie die Zahlen auf, um sie nicht zu vergessen, denn der Geist, wie sie fest glaubte, hätte sie ihr ja eingegeben, und daß es nur der Geist Gottes in ihr sei, darauf wäre sic gestorben; die Zehn, die Drei und was mit der Drei teilbar ist, sind ohnedem nach der Kabbala Ziffern, die einen göttlichen Inhalt haben. Als Esther sich also derselben versichert hatte, trat sie in ihr Schlafgemach an die bunte, bematte, mft vergoldetem Blech beschlagene Truhe bei ihrem' Bett, siebenundzwanzigsten Abschnitt jener Geheimschrift, Dieser ungeheure Kasten war ihr Schatzhaus. Er enthielt ihren Reichtum, ihre Juwelen, ihr Gold und — das Herrlichste von allem — die ererbte Schrift, dieses Palladium, auf welchem ihr Stolz, ihre Seelenruhe, ihr Ansehen in der Welt, ihre eigene Selbstschätzung beruhten, eine Selbstschätzung, welche, wie wir gesehen haben, bereits über den gesunden Menschenverstand stark hinausging. Sic zog aus der Truhe eine anderthalb Fuß lange, silberne, sehr dicke Kapsel, öffnete das Behältnis und brachte eine Pergamenttolle hervor, die >vohl mehrere tausend Seiten umfaßte und um einen Stoch gewickelt war, an denr die einzelnen Blätter befestigt waren. Wie in Andacht versenkt, trug sie das geheimnisvolle Buch in. ihr Wohngemach, legte es auf den Tisch, küßte cs und verrichtete ihr Gebet, che sic an die Ausführung ihres Vorhabens ging. Ein einzelnes Blatt, das' zwischen den beiten ersten Seiten lag, enthielt den Schlüssel der Geheimschrift. Ehe sie diesen Schlüssel, nach der ihr von dem verstorbenen Vater erteilten mündlichen Anweisung in Gebrauch nahm, schlug sic wohlweislich erst den dreimal neunten, also siebenundzwanzigsten Abschnitt des Konvolluts auf, "bnnit das hundertste Blatt und suchte endlich auf ihm die zehnte Zeile. Als sie die Stelle gefunden hatte, schriL sie dieselbe mit größter Genauigkeit auf ein Blatt Papier ab, prüfte die Richtigkeit der Abschrift, Zeichen um Zeichen, und nun erst wagte sic den.Schlüssel zu lösen. Dieser Chiffreschlüssel ivar indes nicht etwa ein System von Zeichen oder Zahlen, sondern eine mathematische Figur. Diese Figur mußte zuvörderst nach dem Rezept, welches Esther erteilt worden war, in ihre Bestandteile zerlegt werden. Diese Bestandteile erst ergaben in ihrer Reihenfolge das Alphabet der Charaktere, in ivelchem die geheime Schrift abgefaßt war. Begreiflich ist, daß dies schon für einen scharfen Denker eine sehr schwierige Aufgabe war, weil es dabei allein auf Ruhe, schärfste Ausinerksamkcit und die genaueste Ausführung der anzuwendcnden Methode ankam, sollte sich nicht das Ganze total verwirren. Die Zerlegung einer solchen Figur in ihre Grundbestandteile gleicht etwa der Abwickelung eines verworrenen Knäuels, das sich nur noch unlöslicher verfitzt, wenn statt des richtigen Fadens aus Berschen der falsche zuerst abgewickelt wird. Esthers jetzige Verfassung war nun nicht gerade danach angetan, Ruhe, Auftnerffamkcit und Genauigkeit innezuhalten. Indessen war sie ein Weib von ebenso starkenr wie zähem Willen. Der Tag war bedeutend vorgerückt, und die Schatten wurden bereits lang, als sie erst imstande ivar. den Text ins Hebräische zu übertragen. Brennend vor steigender Begierde und Ungeduld unternahni sie diese letzte Mühe, und unter ihrer Feder bauten sich Wort unr Wort folgende Sätze auf: „Weib voll Dünkel der Weisheit — Du bist eine Närrin! Mann ohne Geist — Du bist nur ein Tier! ' Bist Du ein Mann, ttachte nach Wahrheit! Bist Du ein Weib, strebe nach Güte! Bor allem sollt Ihr Liebe haben, sie ist das Höchste! Aus ihr quillt Weisheit und Güte, Männliches und Weibliches,. Sie hebt die Seele zum Licht, sie schafft alle Dinge!" Einen Augenblick starrte Esther die Worte an, welche sic zu ihrem Orakel erkoren hatte, dann sank sie hänoeringend und wehklagend auf die Knie und beugte unter Strömen von Tränen das zitternde Haupt bis aus des Fußbodens Teppich. „Die Liebe also ist das Höchste!" hatte das heilige Buch gesagt, — Esther aber hatte int Stolz und Dünkel ihrer geistigen Vorrechte sich gebläht! Bedenft man, daß Esther im Bewußtsein ihrer hohenpriesterlichcn Geburt!. und ihres fürstlichen Reichtums von den Ihren ebenso erzogen worden war, wie nian etwa bei uns Prinzen von Geblüte erzieht, daß die Geschichte ihres Geschlechts mit diesem alten Schriftwerke unlöslich verbunden war, daß ferner ihr Temperament orientalisch-feurig, ihr Charakter energisch war, so wird man sich von den bitteren Seelenkämpfen eine Vorstellung machen, denen sie zum Opfer fiel, inneren Orkanen, denen ihr Gemüt wie ihr Geist zu erliegen schienen. Sie brachte den Rest des Tages, die schlaflose Nacht und den anderen Tag bis nach Tische in einer fiebrischcn Exaltation und Seelenpein zu; ja oft kamen Augenblicke übersie, wo sie in Grimm und Verzweiflung sich den Tod wünschte. (Fortsetzung folgt.) AmBPihiiniscbB Fits - u Pincenez .ssss? Grosse Auswahl in amerik. und deutscher Optik. J. W. Albert, Ecke Sens Maimenitr. n. ffeissfraptnstr. 11. Amenüt. Bleidenstrasse 10. 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Während des Festes sei die Sukko - unsere Wohnung, in der wir unsere Mahlzeiten einnehmcn und uns möglichst biel aushalten. Nach Kiddusch bezw. nach Moze die Brocho „Leischef basukko". Frauen „entzünden" in der Sukko. Das Lnlof. Beim Schütteln in der Rechtenmit dem Rückgrat vorm Gesicht. Essrog links. Am Jomtauw zum Lulof Wasser nachschütten; am Halbfeiertag neues nehmen. Wer morgens nicht geschüttelt, kann's bis. zum Abend nachholen. Schabbos unterbleibt das Schütteln. Die Gebete. Siehe Machsor. Samstag: Sabbat-Ende: 7 Uhr (Frankurter Zeih. Mittwoch: Haschaanoh-Rabbo. Ernstheiligen Charakters, in Beziehung gedacht zum. Jäumkippur. In der Vornacht das sogen. „Lernen", Mittwoch Morgen vermehrte Hoschaanohgebete, Bitten um Fruchtbarkeit durch Wasser. Sieben Umzüge mit Thorarollen. Synagoge wie Jäumkippur dekoriert. Drei der fünf Weidenstengel als Freudenausdruck auf die Erde schlagen. . Sch mini-Az eres. Fest Anfang: Mittwoch Abend 5 Uhr 45 Min. (Frankfurter Zeit). Er uw Täwschilim Bedeutung: Rückblick auf die Feste im Tischrft — Am 1. Tage das große Bittgebet um die.Regenspende