Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 35 (6.9.1912)
- Date
- 1912-09-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Cette 4; r hervorgerufen. So läßt ein Graf Co ruh-Char el durch seinen Rechtsvertreter in der „Zeih" erklären, datz der „ehrenrührige Vorwurf"", der Graf habe in seinen Wern jüdisches Blut, jeder Grundlage entbehre. — Und das drucken die jüdischen Redakteure der liberalen „Zeit"' ohne Kommentar ab!. Lemberg. Folgende Zahlen illustrieren recht treffend den wirtschaftlichen Antisemitismus Galiziens: Bei der Galizischen Laudesbank genießen 120 polnische Genossenschaften einen Kredit von 15 Millionen, 64 ruthenische Genossenschaften einen Kredit von 2 Millionen und 800 jüdische Genossenschaften' einen Kredit von 750 OM Kronen. Budapest. Großberg, der Redakteur der Allg. Jüd. Ztg., bringt in seiner Zeitung „Marienbader Briese" und berichtet bei dieser Gelegenheit über eine Audienz beim Czortkower Rebbc. Drei Sekretäre habe der Rebbe zur Erledigung der täglich eingehenden Korrespondenz nötig. Die Einnahmen, die ihm von seinen Anhängern zufließen, sind sehr groß und. so bewohnt er in Czortkow ein Schloß und hält sich Pferd und Wagen. So war es auch für ihn eine Kleinigkeit, für seinen zweimonatlichen Aufenthalt in Marienbad 3000 Kr. Miete zu zahlen. Unter anderem sagte der Jiebbe, daß er ein begeiste rterAnhängerdcrAgudaßJisroelidee sei.' Er hoffe, daß die Differenzen zwischen Ungarn und Fran> furt, eine günstige Lösung finden. Lateres möge sich Herr Großberg besonders zur Notiz nehmen, denn gerade er hat bisher das seinige dazu getan, die Differenzen zu verschärfen. Rußland. Poltawa. Hiesige angesehene Juden erlassen in der Presse einen Protest gegen die Taufseuche, die hier infolge der grauenhaften staatsbürgerlichen Lage der Juden einen ernsten Charakter angenommen hat. Wtlna. Die Regierung revidierte die hiesigen jüdischen Anfangsschulen und entzog zehn Lehrern den Unterricht, weil sie zu wenig — russisch unterrichtet hätten. Palästina. Jerusalem. Seit 1. Juli ist die Augenklinik des „Lemaan Zion", wiederum eröffnet. Sie istjetzt, wie bereits früher berichtet, dem Spezialisten Dr. Ticho unterstellt worden. Während des Monats Juli kamen insgesmnt 4062 Behandlungen vor und wurden 11 kleine und 10 große Operationen ansgesührt. Von den 30 Betten, die bis jetzt in der Klinik aufgestellt sind, sind bcretts 24 belegt. Bon den 33 in der Klinik intern Behandelten wurden 14 als geheilt entlassen. Nach Erfahrimg sind die Monate August und September hinsichtlich der Augenkrankheiten die ungünstigsten des Jahres, so daß in diesen Monaten mit einer ganz besonders starken Inanspruchnahme gerechnet werden muß. In der Klinik selbst ist Raum zur Aufstellung von ca. 50 Betten. Der Verein „Lemaan Zion" richtet die dringende Bitte an alle Menschenfreunde, an die Freunde des heiligen Landes insbesondere, durch einmalige Gaben und durch Jahresbeiträge ihn in der Fortführung seines heiligen Werkes zu unterstützen. Freundliche Gaben nimmt entgegen: Jakob Dahlheim, Frankfurt a. M., Scheffelstr. 13. Aus den Vereine«. Wien. Die Mensa jadaica academica begann ihre Tätigkeit am 1. November 1911. Sie verabreicht täglich durchschnittlich 255 Mahlzeiten zu 52 Heller mittags und 40 Heller abends (Nichtmitglieder zahlen 56 bezw. 44 Heller). Telegramme. Berlin, 4. Sept. Sitzung des Zionistischen Zentral-Komitees. Räch Fortsetzung der Generaldebatte wird eine Budgettommission gewählt, die das vom Aktions-Komttee ausgestellte Budget prüft. Gemäß dem Vorschläge dieser Kommission wird das Budget in Höhe von 193000 M. bewilligt. Darauf .spricht Herr Dr. Lev in über die kulturelle Entwickelung Palästtnas und teilt mtt, daß Herr Feldstein einen Betrag von 42M0 Fr. zur.Verfügung gestellt hat zur Schaffung einer dem Aktionskomüee angegliederten Justttution, welche gemäß den Beschlüssen des letzten Zionistenkongresses kulturellen Ausgaben in Palästina dienen soll. Gemäß dem Anträge des E. A.-K. wird beschlossen, den XI. Zio - nistenkongrcß Ende August in Wien zu"vera n st alten. Nach Erledigung interner organisatorischer Fragen wird die Tagung mit einer Schlußrede des Vorsitzenden, Professor Marburg, geschlossen. Visitenkarten in 2 Stunden. Papeterie H. Oppenheim . Börsenplatz!. Tel. 2005 gtmtTfttrtcr Israelitisches FamMenölatk. Bor de« Toren Prags. Historische Erzählung von A. E. Brachvogel.' (Fortsetzung). Ich habe zu mir gesagt: Marcus, der Königsmark in Eger hat es ^auf Prag abgesehen. Carl Gustav wird sich nicht rühren, wenn er nicht muß, der Königsmark kann aber Aber 'Kaaden und Pestelberg oben herum nicht anmarschieren, denn von der Eger wie dev Elbe sind alle Brücken abgeschmissen. Von Süden her über Pilsen und Beraun über die Beranka und die Elbe, um auf unsere Ostseite zu kommen, 'das können die Schweden aber auch nicht, denn da ist überall kein Steg mehr, keine Brücke. Wenn sie uns überfallen wollen, müssen sie's aber doch rasch und heimlich tun. Das werden Sie, gnädige Herren, passen Sie nur auf! Da habe ich mir also gedacht, - wenn die Schweden Prag überrumpeln wollen, brauchen sie von Eger über Laubentz und Horosedtz nur die gerade Straße auf Klädno loszugehen, — dann haben sie uns, wie' sie uns haben wollen. Deshalb habe ich die Bauern auf der ganzen Strecke von Eger bis Prag in den Wäldern ausgesucht und ihr Bich gekauft, daß die Schweden nichts finden, und die Bauern häben's vor Angst gern gegeben." Die hohen Herren sahen mit Erstaunen auf den jüdischen Viehhändler. ^,Du kennst das Land und seine Sttaßen merkwürdig genau, Schlingel!" sagte Colloredo. „Sprichst da von der Schweden Kriegsoperationen, als verständest du etwas davon."' Der Jude lächelte. „Wenn man immer im Lande herum handelt, kennt man zuletzt jeden Winkel. Es ist ■ auch noch nicht sehr lange her, daß mich mein Vater zu Verwandten nach Spanien geschickt hat; auf-n Rückweg aber haben mich die Schweden gepackt, und ich habe zwei Jahre unter ihnen dienen müssen, wenn ich nicht wollte gehängt werden. Darum weiß ich mit'n Marschie- . ren und Mit den Schweden ganz gut Bescheid." „Teufel auch, Jude! Zum Kriegsknecht haben sie dich gepreßt?" fuhr Czernin auf, „freilich, die Schweden nehmen Heiden, Juden und Zigeuner unter die Fahne, da sie doch: nur in Teufels Namen fechten. Du hältst dich versichert, daß sie westlich, also auf der Hradschinseite, anrücken werden?" „Ich denke, sie werden es tun," erwiderte Marcus, „denn von der Kleinseite können sie am . besten jetzt heran. Alleweile stehen sie um Buchau her, das sie geplündert und verbrannt haben. Das wenige Landvolk, was noch da ist, macht überall, daß es' Hals über Kopf wegkommt!" „Bei Buchau hast du die Schweden selbst gesehen?" fuhr Colloredo auf. „Mit eigenen Augen, nahe genug, gnädigster Herr." „Weshalb sollen sie es gerade auf Hradfchin und Kleinseite abgesehen haben, die am verteid-igungsfähigsten find, nicht auf Alt- und Neustadt, in welche sie schon im vorigen Jahr eindrangen?" „Voriges Jahr haben die Schweden nicht in Eger gestanden, sie sind von Schlesien gekommen. Sie brauchten bloß nachts das Roß- und 's Korntor zu stürmen, so waren sie drin. Von Eger aus können sie's aber nicht. Sie werden Küchen, von der Kleinseite und über die Steinbrücke hereinzukommen, so wahr ich lebe! Schlau genug anfangen werden sie's schon, darauf können wir uns verlassen." „Unsinn, Jude!" lachte Czernin. „Redet der Kerl nichtwie wenn er 'n General wäre?!" rief Graf Wratislaw. „Eher will ich glauben, daß die Seele einer Sau in dir wohnt, Mansche, als die eines kundigen Soldaten!" Der Jude fuhr zusammen und verbeugte sich achselzuckend. Sein Gesicht zeigte Bitterkeit. „Muß . ein jÄ>er selbst am besten wissen, gnädiger Herr," sagte er düster, „'tvias ferne Seele für'n Ding ist, in 'nes andercin Seele wissen wir doch nicht Bescheid." „Haha, da habt Jhr's," lachte Kinsky. „Wo aber hast du all dein Vieh denn gelassen?" „Versteckt im Wald ist es, unterhalb beim Flusse. Eli Reb Socheser, unser Schlächter, und mein Knecht Joel sind bei den Tieren. Ich aber bin allein hereingekommen, um erst zu bitten, daß mir der gnädige Herr Statthalter den Passierschein etteilt, dann will ich's Bich über die Moldau setzen und durch's Roßtor hereintteiben." „Du Narr!" rief Colloredo, „weshalb nimmst du den Umweg üher den Fluß und willst dir die Plage Nr 35. lekt ou ur ir Dt.!om üh' lg» machen, das Vieh mühselig überzusetzen, wenn du cz doch von der Kleinseite Hereintreiben kannst?" „Gnädiger Herr! Die Schweden wissen schon, das ich das Bich angekauft habe; Kundschafter haben sie und Verräter auch überall. Sind wir mit den Tiere» erst auf der anderen Flußseite, so sind wir geborgen. Treiben wir sie aber von der Kleinseite ein, könnten am Ende die Ochsen am Schwänze auch die Schweden mi! >n hereinziehen! Ich Null doch gewiß nicht den Feinde» den Weg nach Prag zeigen?" Die Edelleute sahen lachend einander ins Gesicht und schüttelten die Köpfe. . „Nun gut, du bestehst auf deiner Behauptung," LJ, entgegnete Colloredo. „Du sollst den Schein haben, feit wenn du dir einen billigen Preis für dein Vieh ge fallen läßt." Er setzte sich an den Tisch der SEorjtube] und schrieb die Erlaubnis. Dann sagte er: „Mach, daß dein Vieh noch heute in die Stad! kommt! — Ich glaube, das Fleisch wird uns sehr zw gute kommen, meine Herren, falls sich der Königs mark uns lange vor die Mauern legt." Damit schritt der Statthalter seinen Genossen vor-! aus aus der Torwache, am Ordenshause der Sternkreuzhcrren vorbei und dem Altstädter Ring zu, tuo[ sie vom Magistrat und anderen Standesgenossen schm sehnsüchtig erwartet wurden. Marcus Spira, den Geleitsbrief in der Hand! hatte in tiefer Verbeugung die Edelleute an sich vorübergehen lassen. Dann steckte er sein Papier .ein un! eilte dem Judenviertel zu. .Er wählte nicht den radesten Weg über die volkreicheren Sttaßen über bciE^ Altstädter Ring; denn er wollte sich nicht den üblicheiMto Schmähungen aussetzen, mtt denen die christliche Bevöl kerung damals, gegen die Juden höchst -freigebig waM°" Er b.og. an der Karpfengassenecke links in den S^ niterweg ein dis,zur Pinkus'gasse, die ein großes hölzernes Tor verschloß, den Eingang zur Judenstadt, welchen der Wächter erst öffnete, als Marcus Aas hebräisch! Erkennungswort gegeben hatte. An der berühmten Alt-Neuschule vorbei stieß Marxus auf die Hompasgasse. An der Ecke, die sie nüMtc der Rabbinergasse bildet, blieb er vor einem alters»^ grauen, großen Hause stehen, dessen untere Fenster millsMc Eisen vergittert waren, über dessen schmaler Tür abcrlKo, das rohe, höchst primitive Steinbild! einer Katze sich »"ick befand, welche sich bückt,— ob zu räuberischem Sprunge oder um leise sich heranzuschleichen — war ungewiß.«,, Marcus erhob halb scheu, halb sehnsuchtsvoll nachRdn den Fenstern des Oberstockes, welches alte, grauseidenM^ Vorhänge verschlossen, den Blick, als erwarte er, jema zu sehen. Doch nur an dem einen Fenster bewegte fidj leise die Gardine, wie wenn sie einer noch fester zöge! (Fortsetzung folgt). M«» tu it k IU§ ui b -ass a Ax eg et ,ai a chä ü UmBPfhanisGliBFits-n Pincinez Wickel „ 4.-J Grosse Aaswahl in amerik. and deutscher Optik. J. W. Albert, Eck« Nene laionntr. n. ffeissfranenstr. Hl Kaiser Friedrich Quelle —-- Offenbach a. JL — Gegen Glcbt and Bheunattamna bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl, FrankfOrta.lL, Günthersburg-Allee 37. Tel.259 u. 714. F ve> vo!zw Wochen-Saleuder. ^Zeitangaben nach dem l-oaoh.) Samsrag, den 7. September i— 25 Ellal . Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 30 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfutt a. M. 7 Uhr 45 Min. in Berlin 7 Uhr 35 Min. -Wochenabschnitt: Nizowim und Wajeilech. -d Moses ermahnt Israel, dem göttlichen Gesetze Treue z» wahren. Für. die Nichtbeobachtung stellt er Sttafen i» Aussicht: Kranktzett, Zerstteuung unter die Feinde usiv. Die Thora, das göttliche Gesetz, ist jedem „nahe"; jeder kann sie erfüllen. Aufruf von Himmel und Erde als Zeugen, Israel das „Gute" und somit das „Leben" zur freien Wahl vorgelegt zu haben. — Ermahnungen Mosel au Israel, Strafverkündigüngen beim Abfall. Die Pflicht, die Thora abzuschreiben und so zu deren Wahrung bei' zutragen. . . > l M Sonntag beginnen die Selichaustage. Mittwoch ist Erew Rausch-haschonoh. Eck werden mehr Selichaus (Bußgebete) als an den vorherk gehenden Tagen verrichtet. Das Schofarblasen unterbleibt! um einen merklichen Unterschied zu machen zwischen be»| bisherigen freiwilligen Blasen während ganz Ellul mit jenem am Rausch-haschonoh, an dem cs Pflicht ist. Der Tag sei dem Ernste und der Buße gewidmet! Aussöhnung Befeindeter, Besuch des Friedhofs, Almosen spenden, Fasten. Das Wichtigste des Tages ist die Aus^ söhnung Befeindeter, denn wer sich mit seinen Mitmenschen! nicht versöhnt, der kann von Gott keine Verzeihung verlangen. IP lufi Idei Je Ibc Ibii litii kt luii Ifti Im sic je! [m ta 1U lir [bi p> b, di