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Neue jüdische Presse · 1912-08-30 · Heft 34 (30.8.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 34 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Geite 4. UrmckM« Rt. S4. er sich gu Eollorejio, „Spira, Ver Rabbiner^ ist ein achtbarer Mann, soweit es ein Jude eben sein kann, un8 Hat Geld genug, um den Sohn vom Strick loszükaufcn, falls es mit dem jungen Kerl nicht richtig ist." „Du bist ein Viehhändler," sagte Czernin, „d'er Sohn eines Gelehrten? Pfui doch!" „Abraham und Jakob, unsere Väter, sind auch Mihhirten gewesen, gnädiger Herr," cntgegnete Markus leise. „Feist und stark, wie'n Ochse selber, sicht er aus," - lachte Colloredo. „Er paßt für sein Gewerbe! . . . Du magst initkommen, Jude, aber .Du tvirst uns im Tor über Deine Reise Rede stchen müssen, che Du ins warme Nest kriechst!" Damit trat der General in die geöffnete Pforte, und die übrigen folgten ihm. Die innere Tochallc war mit Reisigen, Mllizcn und Spießbürgern gestillt, -welche die Torsperre übten. „Bei Euch ist nähere Botschaft von den Schweden nicht eingelaufen?" wendete sich Colloredo zu dem Anführer. „Meines Wissens nicht, Herr Statthalter. Jeder behauptet 'was anderes/ niemand aber weiß Sicheres. Bon. den Türmen toard noch nichts geschen." „Schließt die Brückenpfortc und öffnet sie niemals, wer es auch sei, bis die Sitzung aus dem Rathausc vorbei ist; es wäre denn, ein Bote käme von Kaiserlicher Majestät!— Tritt in die Wachstube, Jude! Sage mir: Bon wo kommst Du, und' was hast Du erhandelt?!" — damit traten sie alle in. dre Torhalle. Rindvieh und Hammel, gnädiger Herr, an die achthundert Stück." „Wozu aber?" „Wozu? Gnädiger Herr, als cs in diesem Frühjahr gewiß gewesen ist, daß die Schweden noch einmal ins böhmische Land kommen, habe ich gedacht, cs ist doch besser. Du kaufst den Bauern das Bich ab, als daß es ihnen die Schweden wegtreiben oder totschlagen. Da habe ich mich dann aufgemacht und habe zusanunengekaust, was ich habe kaufen können. Ich meine, wir werden das Bich hier wohl brauchen, wenn die Schweden kommen; kommen aber werden sie eher, als wir's uns versehen." „Wo hast Du denn das viele Vieh nur her. Schuft? Nach aller Wüsterei im Lande sollte man . glauben, in ganz Böhmen seien nicht halb so viel Klauen aufzutreiben." „Es ist aber doch so, gnädigster Herr Statthaller. Ich bin eben nicht dahin gegangen, wo es noch still ist und die Menschen noch keine rechte Furcht haben, also wich nichts gern hergcben. Ich bin lieber in die bedrohte Gegend geangen, z wo die Leute vor den Schweden nicht mchr sicher sind und Angst haben. Die haben mir gleich i§r Vieh gegeben. — Warum? Den Dukaten kann man vergraben, die Ochsen und die Hammel aber nicht! — Warum habe ich sie aber gekauft? Nun, wenn die Schwätzen die Dukaten bei den Bauern finden, können sie sie nicht essen, uns aber wird das Vieh doch schmecken?" „Aber Schweine hast Du doch auch gekauft, Judenhund!" lachte Clam-Martinitz. „Du paßt zu ihnen!" „Gnädiger Herr," erwiderte er den von den jübrigen mll schallendem Gelächter aufgenommenen, etwas verbrauchten Witz, „ich habe geglaubt, daß es schön Schweine genug gibt in Prag und habe die paar aufm Lande den Schweden gelassen, damit ein Schwein das andre frißt!" „Du hättest Dich unter die Schweden gewagt, Jude?" rief- Graf Colloredo. „Ich sag's ja," lachte Kinsch von Wischinitz. „Spira's Sohn ist von mannhafterem Schlage als' das übrige Judengesindel." „Erzähle: Was hast Du geschen? Wo stchen die - Schweden, Markus!" rief Graf Czernin. „Gnädige Herren," cntgegnete dieser, „zwischen die Schweden mitten hincingewagt habe ich mich nun gerade nicht. Aber gehört und geschen von ihnen habe ich genug. Karl Gustav steht noch über der Elbe um Aussig, Kulm, Teplitz und Dux herum, wahrscheinlich wegen der Bayern. Dahin gekommen bin ich aber nicht, ich habe es nur in Laun gehört von jüdischen Leuten, die die Schweden da oben herum gesehen haben." „Wo bist Du denn gewesen, verdammter Mauschel?!" rief Colloredo ungeduldig. „Denkst Du, wir wollen hier den ganzen Morgen Deinetwegen stchen?" ,/Hoben Sie Gwuld mit mir, großmächttger Herr Statthalter! Es .ist besser, die Herren wissen alles; genau."! (Fortsetzung folgt.) . f Jüdischer Humor. Warum stellen die Chasonim zu den Dumawahlcn keine Kandidaten auf? Stimmen haben sie doch! * Wird sich' Nisselowitsch oder Kalmanowitsch aufstellen lassen? — Wahrscheinlich, beide, da jeder will, daß der andere durchfällt. * Merkwürdig! Man setzt keine Hoffnungen, mehr auf die Duma, —. und doch ist sie in der Gefahr, cinzufallen. * / ■ Was für eine gefährliche. Krankheit der Antisemitismus ist, sieht man .daran, daß er sich, auch, in allen Kurorten aufhält und nicht besser wird. „Haint". AmepihanischBFits-u Fincenez Grosse Auswahl in smerik. und deutscher Optik. J. V. Albert, Ecke Nene Hainxeratr. u. WamframiiBtr. 11, SchlafzimmerrEinrichtungen Bettenfabrikatiori, Bett-Wäsche. . ' * - , -7. Georg A inend t. Xaclif. - Bleidenstrasse 10. Eingesandt. In der Sitzung der Repräsentanten-Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde ani 30. Juni 1912, wiedergegebcn im Gemeindeblatt vom 12. Juli 1912, wurde seitens einer Anzahl Re- Präsentanten eine Interpellation an den- Gemeindevorstand gerichtet, die sich u. a. mit der Petition beschäftigte, welche seitens des Vorstandes unseres Vereines zur Erhaltung des überlieferten Judentums am 3. März. .1912 an die . beiden Häuser des preußischen Landtages' und an die Königs. Staatsrcgierung gerichtet worden War. Die Kritik, welche, unsere Petition sowohl seitens der Interpellanten wie des Gemeindevorstandcs erfahren hat, zwingt uns, gegenüber unseren Mitgliedern wie gegenüber der jüdischen Oeffentlichkeit, die folgende Erklärung abzugeben: 1. Unsere Petition haben wir eingereicht krast des jedem preußischen Staatsbürger verfassungsmäßig zustehenden Rechtes. (Artikel 32 der Verfassungsurkunde für den preußischen Staat). Gegen jeden Versuch einer Schinälerung dieses verfassungsmäßigen Rechtes müssen wir von vornherein Verwahrung , eiulegen. 2. Die von den: Begründer der Interpellation, Herrn Dr. Kali scher aufgestellte Behauptung: „Es gibt andere Wege, die Erfüllung wirklich religiöser Wünsche zu erlangen, sie sind bei den Geineindebehörden noch nie vergebens geäußert worden, wenn es in ihrer Macht lag, sie zu erfüllen" steht, wie Herrn Dr. Kalischer bekannt sein mußte, mit den Tatsachen in schneidendem Widerspruch. Es seien in aller Kürze nur einige Punkte 'erwähnt, zu denen unser Verein innerhalb der letzten Jahre Vorstellungen bei dem Gemeindevorstand erhoben hat: a) Gesuch, auf dem Friedhof in Weißensee bei Gelegenheit der Errichtung einer neuen Leichenhalle eine Einrichtung zu treffe», die auch den Kohanim den Eintritt in die Halle ermöglich!. b) .Protest unseres Vereines, gegen die Annahme der Dr. Cohn'schen Stiftung, die auf die Sabbat hentweihung seitens jüdischer Handwerkslehrlinge eine Prämie in Gestalt beträchtlicher Geldunterstützungen anssetzt. cj Wunsch um Enthebung des Herrn Dr. Kellermann von seinem Amte als Religionslehrer der jüdischen Gemeinde, nachdem Kellermann in Wort und Schrift das Judentum schmähendeAeußerungen getan hatte, und nachdem er durch; seine Veröffentlichungen sich zu' einem unverhüllten Pantheismus bekannt und dantit sich' selbst außerhalb der Lehre des Judentums gestellt hatte. d) Gesuch um Einrichtung von Jugendgottesdiensten an den hohen Festtagen nach dem überlieferten Ritus. Bisher wird der Jugendgottesdienst an diesen Tagen ausschließlich in einer Form abgehalten, die die Teilnahme gesetzestreucr Kreise ausschließt. Der Erfolg dieser Vorstellungen und.Eingaben war in allen diesen Fällen, wo es sich; unbestritten um „wirllich religiöse^ Wünsche. handelte, —: die Liste ließe sich; iwch er^blich verlängern — der gleiche. Die Eingaben wurden zu den Akten .gelegt, während wir eine Antwort überhaupt nicht oder erst nach Jahren erhielten. Das ist die Behandlung, die die Gemeindebehörden den Vertretern des überlieferten Judentums innerhalb der Berliner jüdischen Gemeinde seit Jahren angedeihen lassen. Durch die geplante Anstellung der besoldeten Vorsteher mußten wir befürchten, daß die zur Zeit gegen das überlieferte Judentum verfolgte Praxis, von der wir hofften, daß sie bald eine Aenderung erfahre» für unabsehbare Zeiten verewigt werde. Um das zu verhindern, Waren wir gezwungen, dem Vorstand auf dem von ihm zuerst eingeschlagenen Wege zu folgen und um die Ablehnung des von ihm inspirierten Gesetzentwurfes die beteiligten Körperschaften anzugehcn. Ob wir damit wahrhaft jüdische Interessen verletzten oder nicht, vielmehr, wie wir glauben, ihnen in hervorragender Weise gedieht haben, darüber haben nicht der Vorstand und die Repräsentantenversammlung zu entscheiden, sie sind hier entgegen, den elementarsten Rechtsgrundsätzen Kläger, und Richter Tu einer Person,mnd ihrem Urteil werden wir uns nicht beugen. Auch dann nicht, wenn man, wie es in jener Sitzung leider geschehen ist, unseren Verein und die Mitglieder unseres Vorstandes durch« Schmähungen zu perunglimpsen suchte. Wir legen die Entscheidung über die Berechtigung unseres Vorgehens gegenüber der Jahrzehnte lang systematisch betriebenen Unterdrückung aller Forderungen des überlieferten Judentums jit die Hände eines größeren Forums: des „Kelal Jisrocl." Eine ausführliche Kritik der in jener Sitzung ausgestellten Behauptungen behalten pur uns vor. Die vorliegende, 'in der ersten nach den Ferien abgehaltencn Sitzung unseres Vorstandes beschlossene Erklärung, soll nur einstweilen zeigen, daß wir nicht gewillt sind, jene Angriffe unerwidert zu lassen. Berlin, Aug. 1912. Der Vorstand des Vereines zur Erhaltung des überlieferten Judentums. I. A.: Moritz A. Locb, Vorsitzender. Stifungen für Nervenkranke. Die Kurdirektion der Heilstätte für Psychoueurosen (erschöpsnngs-, vorstellnngs-, gefühlsbedingte Nervosität und verwandte innere Leiden) in Komotau - Alaunseebad (Böhmen) gibt hicrniit bekannt, daß' von einem stillen Wohltäter mehrere Freiplätze für nervenkranke Juden gestiftet wurden. — Diese Freiplätze erstrecken sich; auf den unentgeltlichen Gebrauch der Kurmittel von Komotau- Alaunsccbad einschließlich der kostenlosen ucrvenärztlichcn Behandlung. Zuschriften von Bewerbern nimmt die Kurdirektion Komotau-Alauuseebad entgegen.__ 9 Schweizer Stickereien 9 q F. C. Strabberg Co. q Q 25 Wene Mainzergtrasse 25. Q Kunst «ud Literatur. Ein Jude. Roman von Meier Aaron Golds ch m i d t. 462 Seiten. 4 Jk Berlin, Axel Juncker. Ein durch und durch moderner Roman. Es ist, als ob Goldschmidt einer jener sei, die aus dem Nichts und der Verneinung ihres jüdischen Daseins heraus nach einenk .positiven Judentum ringen. Man kennt in unserer Zeit diese Menschen^ Durch den Antisemitismus im materiellen Alltagsleben wie im idealen Geistesleben zu ernstein Nachdenken über sich selbst gebracht, suchen sie, wenn sie anständige Charaktere sind, den Weg ins Judentum, während die unanständigen Charaktere überhaupt nicht suchen, sondern den Sprung in das bequemere Christentum machen. Doch wer ist Meier Aaron Goldschmidt, wer ist der Mann, der seine Angehörigkeit zum jüdischen Volke schon mit seinem Namen der ganzen Welt stolz verkündet? Schlägt man das Konversationslexikon auf, so erlebt man eine Ueberraschung. Meier Aaron Goldschmidt, geboren 1819, gestorben 1887, hervorragender dänischer Publizist und Novellist usw. 60 Jahre sind seit der Veröffentlichung des Romans verflossen, von dem uns der Verlag Juncker heute eine vorzügliche deutsche .Uebersctzung aus der Feder Ernst Guggenheims liefert.' Der Verlag 'hat sich mit der Veröffentlichung ein Verdienst erworben, denn der Roman ist sicher einen der besten in der deutschen jüdischen Belletristik und sowohl in seiner dichterischen als auch in seiner jüdischen Bewertung bedeutend höher als die Schöpfungen z. B. von Kompert und Franzos einzuschätzen. Auch wenn man ihn mit den neuzeitlichen Schöpfungen seines speziellen Genres, so z. B. mit „Jettchen Gebert", vergleicht, überragt er sie weit. Goldschmidts „Ein Jude" zwingt den Leser zur inneren Anteilnahme, und legt er nach Stunden der Spannung das Buch' hin, so spürt er es, daß er als Jude einen Gewinn hätte. Kaiser Friedrich Q(teile -_ Ottenbach a. K. ——— Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrieh Stahl, Frankfurt a. M., Günthersburg-Allee 37. TeL259 u. 714. Wocheit-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem I-uaeh.) Samstag, den 31. August (— 18. Ellnli: Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 40 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M 8 Uhr — Min. in Berlin 7 Uhr 45 Min. Wochenabschnitt: Ki-sowaü. — Pflicht, die Erstlingsfrüchte nach Jerusalem zu bringen. Es war ein freudiger Mt. Dankbar warf man einen historischen Rückblick aus Israels Leidenszett, bevor es das Land besaß, dessen erstgereiste Frucht, man dem Priester übergibt. Man erwähnt Jakobs schwere Dienstjahre bei Laban, die Knechtschaft in Egypten, die Erlösung, den Besitz des schönen Landes Kanaan. (Das Hinaufziehen mit Erstlingsfrüchten war nicht an eine bestimmte Zett gebunden. Es erstreckte sich' bis in die Winterzett. Man vereinigte sich meist zu ganzen Karawanen, unter Pvsaunenschall urid frommen Liedern dahinziehend). — Der „zweite Mauser" den der Eigentümer selbst in der Gottesstadt zu verzehren hatte. Auch hierbei wurde bin Bekenntnis (Widduis abgelegt. Mindestens alle drei Jahre mußte man den ,Maaserscheini" aus dem Hause. Mumen, d. % nach Jerusalem bringen. — Aufstellung von zwölf

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