Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 31 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31. ©eite 10, . . , hier Am eine Umkehrung der wirklichen Tatsachen. Tatsache nämlich ist, daß nicht der Jilde Antisemitismus herborruft, der sich zu .seiner jüdischen Nationalität er» kennt, sondern derjenige, der sie leugnet. Der Antisemitismus in seiner verstärkten, politischen Form ist die Folge der Assimilationssucht der deutschen Juden dies ist eine These, an deren absoluter Richtigkeit heute gar nicht mehr zu zweifeln ist. Dies bestätigt nicht nur der gesunde Menschenverstand, dies bestätigen auch alle Mußerungen von Nichtjuden zu dieser Frage. Und den Sombartschen Satz: „Ein stolzer, nationaler Jude ist uns Nichtjuden viel lieber und angenehmer als ein Assinrilant!" wird jeder Nichtjude unterschreiben. Wenn darum in allen Angriffen gegen mich, sei es in Zeitungen oder Diskussionen, der erste und vornehmste Borwurf der ist, ich sei gar Antisemit — aus Ritterlichkeit Kmzediert man mir meist die mildernden Umstände, ich' sei es nur unbewußt und ungewollt — und rufe Antisemitismus hervor, so kann ich ihn ruhigen Herzens und mit besserem Rechte zurückgeben. Wenn es wirklich in den Augen der Gegner des nationalen Judentums das schlimmste Verbrechen ist, „Risches" zu machen und Antisemitismus zu erregen, so müssen sie' flugs — Nationaljuden werden. Wie gegen alle Uebel der Judenfrage, ist auch! gegen Liese die 'nationaljüdische Idee das beste, das einzige Heilmittel. Wenn sich der Antisemitismus wirklich ganz ausrvtten läßt, so wird es nur durch den Zionismus möglich sein. Darum müßten unsere Gegner, die immer imd immer vor „Risches" zu zittern, zuerst uns kommen. Das wäre logisch und konsequent. Doch sucht alles beim Assimilationsjuden, nur Logik und Konsequenz sucht nicht. Diese hat er in der Assimilation, mit viriem anderen hinweggegeben. Dem Mangel an Logik und Konsequenz .sind all seine Fehler und Irr» tümer zuzuschreiben, dem Mangel an Logik und Konsequenz ist auch die Entrüstung und Hetze ob meiner Aenßerungen in der Sombartversammlung zuzuschreiben. Frankfurter Berichte. Der „Montefiore"- Verein wird 'Sonntag, den 11. August, abends präzis 8 Uhr, seine zweite diesjährige gesellige Veranstaltung (Sommerfest) indem Garten und sämtlichen festlich geschmückten Räumen seines Vereinshauses, Bleichstraße 70, abhalten. — Wie wir hören, sind eifrige Vorbereitungen im Gange, um den Abend zu einem genußreichen zu gestockten. ^__ Aus Der zionistischen Bewegung. - Frankfurt a. M. Unserrm eigenen Berichte in der vorwöchentlichen Nummer sei heute der offizielle Bericht über die Sitzung des Zentralkomitees des Misrachi in Bmlin angefügt. Er lautet: Am 28. und 2g. Juli tagte in Berlin' das Zentralkomitee des Misrachi. Außer den Mitgliedern des Zentralkomitees aus Berlin, Hamburg-Altona, Lübeck, Antwerpen, Lida, Charkow, Warschau^ waren einige hervorragende Gesinnungsgenossen auf besondere Einladung als Gäste erschienen, darunter die Dozenten Dr. Ban et h. Dr. Eppenstein, Königl. Bibliothekar Dr. Pick und Hermann Struck. Nach Begrüßung der Erschienenen, erstattete der Vorsitzende, Dr. Frank-Altona, den Geschäftsbericht. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten ist ein bemerkbarer FvrÜchritt der Bewegung zu verzeichnen. Die Arbeit würde noch erfolgreicher sein, wenn die Vertrauensmänner prompter auf die Zuschriften des Zentralbüros . FranyurÄr FsraeWWeS FamllieMKk . anwvrten würden. Die Agitation in Rußland ist sehr schwer; es sind aber auch dort eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten neu gewonnen worden. In Galizien sind.infolge der Agitationsreise des Rabvinatsassessvrs Schußheim mehrere neue Gruppen entstanden. In .Amerika hat Herr Struck die Bewegung neu organisiert, und es' ist von seinen Bemühungen reicher Ersatz zu erwarten. In Aden (Arabien) ist eine neue Gruppe entstanden. Ebenso wurden die.Beziehungen zu Südafrika gepflegt. In Deutschland, Holland, England, Frankreich, der Schweiz, Italien und Dänemark, sowie auch' in ber Türkei wurde eine rege Tätigkeit entwickelt. In der Person des Redakteurs .Berlin hat die Partei Linen sehr rührigen Generalsekretär gewonnen, dessen Aufgabe darin besteht, die angeknüpften Verbindungen — insbesondere in Rußland und Galizien —. weiter zu pflegen und die Bewegung in den östlichen Ländern — darunter Ungarn und Rumänien — zu organisieren. Das Organ des Misrachi —, die Misrachi - Ko r r e s Po nd e n z — kann zur Zeit in nur geringem Umfange erscheinen; sie verlangt auch noch einen erheblichen Zuschuß aus der allgemeinen Kasse. Im Vordergründe des Interesses steht die'Begründung der Gartenbaukolonie, deren Realisierung energisch betrieben wirb. Es wurden namhafte Beträge für den Zweck .gezeichnet. Die Angelegenheit der Tachkemo nie schule wird eingehend gewürdigt. Zum Schlüsse wird berichtet, daß das Zentralbüro verschiedene Flugblätter in hebräischer und deutscher Sprache verbreitet hat. Agitationsbroschüren sind in Arbeit. Referendar Möller-Altona erstattete sodann den Kassenbericht, der trotz größerer Aufwendungen für Büro, S<Mre usw. doch balanziert. Es wird nachjdrücklichst darauf hingewiesen, namentlich den Organisationsfonds zu stärken. In der Debatte wurde dem Zentralbürv die Anerkennung für die geleistete Arbeit und das Vertrauen ausgesprochen. Anträge betreffend Ausgestaltung der Parteipresse, Begründung eines Büros in Palästina und Begründung der Gartenbaukolonie fanden einstimmige Annahme. lieber die Stellungnahme des Misrachi zur Agudath- Israel referierten Dr. L e w h » Charlottenbürg und Jurovitz-Berlin. Nach' sehr lebhafter Debatte konstatierte das Zentralkomitee sein Einverständnis mit der Teilnahme des Vorsitzenden Dr. Frank an der Konferenz in Kattowitz und ,der Zurückweisung der Breuerschen Angriffe. Es wurde folgende Resolution .gefaßt: Die in Berlin versammelten Mitglieder des Zentralkomitees des Misrachi protestieren aufs schärfste gegen die Beschimpfungen des Misrachi durch Rabbiner 'Dr. Breuer auf der Konferenz in Kattowitz. Sie erwarten eine offizielle und .öffentliche Zurückweisung dieser Angriffe durch' das provisorische Komitee, da sie sonst nicht in dm Lage sind, den Mitgliedern des Misrachi den Anschluß an die Agudaß-Jisroel zu empfehlen. Das auf Grund des neuen Organisationsstatuts der Gesamtbewegung notwendig gewordene neue Misrachistatut findet vorläufige Annahme, da die endgültige Beschließung dem ordentlichen Delegiertentage Vorbehalten bleibt. Danrit ist die Tagesordnung erschöpft. Schluß der Sitzung 29. Juli abends 8 Uhr. Knust und Literatur. Die rekigions'geschichtlich'e Bedeutung Rabbi Akibas von Räbb. Prof. Dr. I. Hirsch und Der Kampf um die Emanzipation der Juden von Rabb. Prof. Dr. A. Deutsch. 48 Seiten. r Krone. Prag, Verein zur Förderung und Verbreitung der Wissenschaft des Judentums „Afike - Jehüda". < . AÄbas epochale Bedeutung besteht darin, daß er' unseuWolk über die kritischste Zeit, die es in seinem w-kMireichen Dasein durchlebte, hinübergerettet hat. Denn nichMnur physisch, sondern auch psychisch befand sich danwls das jüdische Volk in der kritischsten Situation./ Galt es doch, das jüdische Volk vor dem gewaltige Dimensionen annehmenden Christentum eines Paulus zu feien! Der vorliegende Aufsatz zeigt, was hier aus dem Spjelc staiid, und wie Akiba das Werk der Rettung bewertstelligte. Auch die zweite Arbeit, „Der Kampf um die Emanzipation", ist instruktiv. Er beginnt bei den Wurzeln der Deklassierung der Juden, bei dem christlich gewordenen Rom, und schildert bann kurz all die Vorarbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts, die schließlich zur Emanzipation führten. Sören Kierkejaard: Gesammelte Werke. I. Band: Entweder — Oder. Jena, Verlag Diederichs. 1911. Die interessanten Schriften des seltsamen und eigenartigen nordischen Denkers werden jetzt gesammelt vom Jenenser Verlag Diederichs herausgegeben. Kierkejaard gehört zu jenen Schriftstellern, deren Persönlichkeit noch interessanter ist denn als Denker, ja deren ganzes Denken nur ein Abdruck ihrer eigenartigen Natur darstellt. Kierkejaard ist stets durchaus persönlich, in jeder Zeile eigenartig, originell, in jedem Worte er selbst. Der erste Band umsaßt neben hochinteressanten Schriften ästhetischen Inhaltes, darunter die tiefsinnige Schrift über den „Don Juan" Mozarts das bekannte „Tagebuch eines Verführers", ein Meisterstück subtilster psychologischer-Analyse und in seiner Darstellung durchwegs ein wahres Kunstwerk. Unter all den. vielen interessanten Gestalten des Nordens ist Kierkejaard gewiß eine der interessantesten und problematischsten, -und die Lektüre seiner Schriften bietet nicht nur vielseitige Belehrung und Anregung in höchstem Maße, sondern bringt künstlichen Genuß und Gewinn. Die Ausgabe ist eine vorzügliche und die llebersetzung meisterhaft. Spenden. Bei der Geschäftsstelle ging für den Nationalsonds ein: Für 1 Oelbaum auf den Namen von Frau Auguste Schloß geb. Ebler, gest. am 11. 8. 11 6.— Jakob Wechsler n. Frau Flora geb. Goldschmidt, Nürnberg bei ihrer Hoheit 2 Oelbäume_. ' _12.—Jf. Offenbactier I>ruckluli - Anlage Offinbach a. H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt'. Bewährteste TapalChmlnlgailff. 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernreinigung __mittelst Druckluft and Wasserdampf. _ Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Das reformierte „Cheder". — Aus den Ereignissen des Tages: 1. Die Liquidation der Allianceschule in Palästina; 2. Der Antisemitismus in Amerika. — Aus aller Welt. — Personalien und Kleine Mitteilungen. — Aus der Lehrerwelt. — Feuilleton: Der Bürgermeister als Rabbi. — Wochen-Kalender. — Familiennachrichten. — Briefkasten. Inhalt der Beilage. Artikel: Deutscher Nationalismus und jüdisches Selbstbewußtsein. — Für die Jugend. — Frankfurter Berichte. — Aus der Zionistischen Bewegung. — Kunst und Literatur. Strümpfe m Socken in Wolle,' Baumwolle, Fil d’Ecosse und Seide nur la Qualitäten, grosse Auswahl in jeder Preislage. WM" An- und Neustrickerei 'd> « -w».___ ___ Spezialgtnunpfgggcjigfl; Goethestraise 30. 'Verzinnung von kupfernen n. eisernen Küchengeräten sowie Neuliefemng aller Arten CasseroUen, Töpfe u. s. w. Willi. Albacta, Ludwigstrasse 17. Fernspr. 9786 Amt L flDlD mit Zinkdach für Mk. 50.— zu verkaufen. Offerten sind zu richten an Postfach 36 in Wiesbaden. ROdirllf e*ne Tochter aus acht- WiSuUll barer Familie, sehr selbständiges und seriöses Fräulein. 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