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Neue jüdische Presse · 1912-07-26 · Heft 29 (26.7.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 29 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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if. id st- >c-!r. ft. 8: hr iicu 5r, ich;e :t'. eil »6 lall er tat ernte kü. utt «r itt r).; in eh- :deban Nr. 29. _. „Ach ja, ich höre , ja schon seit einiger Zeit, jeden Morgen das Winterhörnchen in der Synagoge blasen." „Das ist kein Winterhorn, das ist ein Widderhorn, Bürgermeister." „Lassen Sie doch Ihre Witze, Herr Machoel, ich wollte schon lange einmal fragen, warum Sie an Ihrem Neujahrstag auf einem Widderhorn blasen." „Ei, es wird geblasen, um die Leute ein bissel auszurütteln zum Buße tun, damit sie an das jüngste Gericht denken. Wir wissen nämlich, daß am Neujahr unsere Taten von dem Richter da oben geprüft werden." „Das verstehe ich Wer warum blast' ihr dann gerade auf einem Widderhorn?" „Stuß! Bürgermeister, wenn wir auf einer Trompete blasen würden, tätest Du fragen, tvarum wir auf einer Trompete blasen!" „Nein, Herr Machoel, es must doch nicht ganz egal sein, in der Religion hat jeder Brauch seine Bedeutung, und ihr Juden tut doch auch wohl nichts, ohne daß ihr eine bestimmte Absicht damit verbindet." „Höreinmal, Bürgermeister, ich bin kein Rabbiner, der Dir das alles glatt verdeutlichen kann." „Na, dann machen Sie es, so gut Sie können, ich möchte es gern wissen." „Ich glaube, Bürgermeister, es ist so: Wir bitten um lieben Gott um allerlei, um Verzeihung unserer Anden und um Bescherung recht vieler guter Dinge, lvic Gesundheit, langes Leben, reichliches Brot, und Butter wollen wir möglicherweise auch noch dazu. — Da wir nun alle sündige Menschen sind, glauben wir, daß wir nicht allzuviel 'Anrecht auf alles das haben, was wir erbitten; da erinnern wir den lieben Gott an das Verdienst unserer Stamniväter Abraham, Jsüak und Jakob. Was der liebe Gott uns zulieb nicht bewilligen kann, das soll er dem Verdienst unserer Stammväter zulieb tun." (Fortsetzung folgt.) amBFihiiniSGhBFits-u Plncenez SXrfi:5-0 Grosse Auswahl in amerik. und deutscher Optik. J. W. Albert, Ecke Nene Haimerstr. n. Websfranenstr. 11. Baute Chronik. 12 »81 I tor II ife u. in. ter, angift >en, ater! des teil. U. MS« irstichalt sine er- Et« russisch-jüdisches Kuliurbild. »Der Moment", eine Jargon-Tageszeitung in Warschau, verzeichnet folgendes Knlturbild: In dem Städtchen G. kamen einige 'Dutzend junge Leute auf den Gedanken, statt in der freien Zeit Karten iii spielen, zu lesen, und sie gründeten eine Bibliothek. Darin sahen jedoch einige der tonangebenden Balattim eine Möglichkeit zur llujüdischkeit, und sie drohten eher den Uebeltätern, sie bei der Behörde anzuzeigen. Nun bemühten sich die jungen Leute bei dem Gouerneur um die Erlaubnis. Nach einigen Monaten >angen Harrens traf die ersehnte Erlaubnis ein, unsere ungen Leute mieteten ein Zimmer, brachten ihre Bibiothek dort unter und hingen den Erlaubnisschein unter "las auf. . Jetzt verlegte man sich auf parlamentarisches Verhandeln. Gegen „goische" Bücher habe man nichts, nur egen hebräische und jüdische. Denn in der modernen ebräischen und jüdischen Literatur finde sich viel Unlauben. Die jungen Leute erwiderten, „goische" Bücher che es genug in den jüdischen Häusern des Städtchen, och sie seien bereit, mich „goische" Bücher in ihre Bibliothek zu stellen, nur möge man ihnen das dazu ötige Geld geben. Mit Entsetzen wurde diese Zumutung on der anderen Partei abgewehrt. Also möge man ’elb zu jüdischen und hebräischen Büchern geben! Das ier noch weniger! — Die Verhandlungen waren gecheitert. . . Einige Wochen' vergingen. Da, eines Sabbatmorgens, ar die Tür zur Bibliothek erbrochen und der Erlaubnischein und die Bücher verschwunden. Aus „heiligem" Uebereifer den Sabbat "entweiht, in er Jugend einen Haß entzündet, — das war das Resultat, mit dem nur das Gegenteil von dem Grollten erreicht worden ist. In diesem kleinen Kn'lturausschnitt zeigt sich die ianze Unfähigkeit der Väter im Osten, die Verbindung u ihren Söhnen herznstellen. Kauft «ad Literatur. Hebräisch-deutsches Liederbuch. Die jüdischen Schulen im Orient leiden unter dem lkangel an Schulbüchern, die der Eigenart ■ des Orients Entsprechen. Bisher werden dem Unterricht notgedrungen »leist Bücher zu Grunde gelegt, die kür europäische Länder geschaffen sind' und in der 'Hauptsache in Natur!- und ^nlturverhaltnissen dieser Länder wurzeln. Der Hilfsverein der Deutschen Juden ist Pun daran gegangen, Schulbücher herauszugebeu, di? k.en Bedürfnissen des Orients mehr angepaßt »liid. Der Anfang ist mit einem hebräisch-deutschen Liede» gemacht worden, das von Herrn A. Z. Id el - lohn, Gesanglehrer an den Schulen des' Hilfsvereins per Deutschen Juden in Jerusalem, unter Mitwirkung kompetenter Persönlichkeiten zusämmengestellt wurde. Fnmkfmker N«ÄiWW FamWenblaÄ. Singen gehört, wie Zeichnen und - Turnen, zu den Schulfächern, die im , Orient —i trotz Wer großen Bedeutung — noch nicht recht zur Entfaltung gelangt sind. Die Welt des Liedes, die einen unsagbaren Zauber hat, der jüdischen Jugend in jenen Ländern zu erschließen, wo das Schicksal der Juden seit vielen Generationen Not und Elend ist, bÄeutet nicht nur einen Fortschritt auf pädagogischem Gebiete, sondern eine Bereicherung Heranwachsender Generationen mit großen Werten für das ganze Leben. Zudem bietet das Singen auch ein Hilfsmittel ersten Ranges für den Sprachunterricht. Das hebräische Liederbuch enthält neben biblischen und mittelalterlichen Dichtungen Schöpfungen moderner jüdischer Dickster. Es bietet viel Eigenartiges, insbesondere was das musikalische Element' bettisft. Die echte Bolksmelvdie kommt darin zum.Ausdruck, wie die Volksseele sie geschaffen hat. Die Lieder dieser Art sind zum Teil unmittelbare Volkslieder aschkenasischen oder fephardischen Ursprungs, zum Teil sind sie von verschiedenen jüdischen Tonsetzerv komponiert; Jdelsohn selbst hat einen großen Teil davon geliefert. Manche der Lieder haben allerdings auch fremdländische Melodien, die sich in der jüdischen Bevölkerung eingebürgert haben. Die Stimmfähigkeit der orientalischen Schüler mußte besonders berücksichtigt werden, da die Knaben im Orient nicht einen Sopran wie in Europa, sondern eine Altstimme, hohbn und niedrigen Mt, und die Mädchen einen Mittelalt und Mittelsoprav, (AMezzosopran)) haben. Die Noten sind, da die Lieder in hebräischer Schrift von rechts nach links geschrieben sind, gleichfalls, abweichend von der üblichen Schreibweise, . von rechts nach links gesetzt, was übrigens schon einen Vorgang in der Praxis arabischer Musiker hat. Das deutsche Liederbuch bringt eine kleine Auswahl verbreiteter Lieder in allgemein bekannten Melodien berühmter Musiker, teilweise ärit Aenderungen in der Harmonisierung und der Tonart in Rücksicht auf den Stimmumfang der orientalischen Knaben und Mädchen. Um den verschiedenen Bedürfnissen der einzelnen Gegenden und Schälen zu entsprechen, sind die Lieder in drei Ausgaben erschienen, in einer hebräisch-deutschen Sammlung, die in einem Bände vereinigt ist (Bezugspreis brosch. 0,75 JL, geb. 1.— JL) und in je einer hebräischen (Bezugspreis brosch 0,50 JL, geb. 0,80 JL) und einer deutschen Sonderausgabe Bezugspreis brosch 0,26 JL., geb. 0,50 JL). Rahel Varnhagen. Eine biographische Skizze von Ellen Key. Einzig autorisierte Uebersetzung aus dem schwedischen Manuskript von Marie Franzos. 2. durchgesehene Auflage. Verlag von Elgar Thamm, Halle an der Saale. Schon der Name Ellen Key, der hervorragenden Essayistin unserer modernen Zeit, verbürgt für den Wert dieser Skizze. Wieviel größer muß jedoch unser Interesse werden, da der Inhalt derselben eine „Rahel Barnhagen" bettisft. Ellen Key enttvirft in ihrer Studie ein Bild Rahels. wie cs sich nach Rahels eigenen Aussprüchen ergibt. Für sie ist Rahel „die größte Frau, die das Judentum hervorgebracht hat und zugleich die größte Frau, die Deutschland seine Tochter nennen kann." Sie schildert in ethischer Beziehung, den gewaltigen Einfluß Rahels. den die größten Geister ihres bedeutenden Jahrhunderts, des 'Zeitalters eines Goethe, in tiefer Dankbarkeit anerkannten. Daß sie leider dem Judentum verloren ging, war eine typische Erscheinung der Aufklärungsperiode. Niemals verleugnete sie indes ihre Herkunft, und ihre letzten Worte wären: „Was solange Zeit meines Lebens mir die größte Schmach, das herbste Leid und "Unglück war, als Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möcht' ich das jetzt missen." Die Absicht der Verfasserin ist, Rahels Andenken der Nachwelt zu erhalten, damit dm: Zauber ihrer Persönlichkeit auch auf spätere Geschlechter noch zu wirken imstande ist. Ein erhöhtes Interesse wird die Frauenwelt ihr entgegenbrinaen. Denn wie man heute danach strebt, die Persönlichkeit der Frau zu entwickeln und für sie die gleichen Rechte fordert wie für den Mann, so hat Rahel schon ein Jahrhundert früher dasselbe verlangt, und ihr unbändiger Freiheitsdrang hat ihr manche Schmerzen bereitet. E. G. Das Land, welches jedem heilig ist, von Oberrabbiner Josef G r ü n b a u m in Balazsfalva. Miszellen aus einer palästinensischen Gesellschaftsreise. 2. Auslage (1. Auflage ungarisch). 146 Seiten, 3 Kr. Selbstverlag des Verfassers. Wir haben das Tagebuch des Autors vor uns, und auch jene Aufzeichnungen, die keine Beziehungen zum Gegenstand des Buches haben, sowie die, die rein persönlicher Natur sind, sind geblieben. Damit hat das Buch die Vorzüge und die Nachteile eines Tagebuches. Die.Vorzüge, daß es manche interessante, lehrreiche Notiz aus anderen Gebieten bringt, die Nachteile, daß es auch Nebensächliches, Gleichgültiges bewahrt. Jedenfalls wird das Buch bei seinen Lesern das Interesse für das Land der Väter heben. Die Speisegesetze von Rabb. Dr. Wolf-Cöln. Erster Teil. 32 (Seiten, 50 Pfg. Die Vorschriften für die Trauerzeit von Rabb'. Dr. Wolf-Cöln. 36 Seiten, 60 Pfg. Die Vorschriften für die Mahlzeit von Rabb. Josua Schill-Preßburg. 54 Seiten. Diese im Verlage der Bibliothek des Jüdischen Bolkssreundes, Cöln erschienenen Schriften sind jedem, der unser jüdisches Gesetz gewissenhaft beobachten will und nicht imstande ist, zum Schulchan-Aruch zu greifen, dringend zur Lettüre zu empfehlen. Wenn er sie ein- Seite 5. mal gelesen hat, wird>• er sich gern immer wieder aus chnen informieren. Der Preis der Schriften ist derartig gering, daß ihrer Massenverbreitung nichts im Wege steht. Der Verein „Mekize Nirdamim" (Bors.: Pros. D. Simonsen-Kopenhagen: 2. Vors.: Dr. A. Freimann- Franksurt) behändigte in seinem abgelaufenen Geschäftsjahre seinen Mitgliedern folgende Werke: Divan des Jehuda Ha-Levi, Bd. 3, Hest 2. Bearbeitet von Dr. H. Brody. Siddur Raschi, Heft 2, mit Anmerkungen von Salomon Buber s. A. Herausgegeben von Rabb. Dr. I. Freimann. Kommentar zu den Sprüchen Salomos von Joses ibn Nachmias. Herausgegeben von Dr. Samuel Poznanski und Dr. M. L. Bamberger. . Für das lausende Jahr ist die Herausgabe soigender - Werke beabsichtigt: Divan des Jehuda ha-Levi, Bd. 3, Heft 3. Bearbeitet von Dr. H. Brody. Einleitung zum Kommentar des Eliezer aus Bcangency zu Ezechiel und 12 kleine Propheten. Bon Dr. S. Poznanski. Sefer Rubiah von Eliezer ben Joel Ha-Levi. Herausgegeben von Dr. B. Llptovitzer. Kobez al Jäd. Chibbur Ha-Meschicha we-ha-Tischboret. Herausgegeben von Prof. Dr. M. Guttmann. Anmeldungen (Jahresbeitrag 10 JL) und Zahlungen an Leo Mainz, Frankfurt, Uhlandstr. 46. Das jüdische Religionsgesetz in jüdischer Beleuchtung von Dr. I. Wohlgemuth. Heft 1, 06 Seiten. Beigedruckt dem Jahresbericht des Rabbiner-Seminars zu Berlin. Inhalt: I. »Das Gesetz" und das Christentum (a) „Das Gesetz" im Lichte der christlichen Dogmatik, b) „Das Gesetz" im Lichte der neueren Bibelkritik» e) „Das Gesetz" im Lichte der christlichen Geschichtswissenschaft). — II. Das Wesen der pentatcuchischen Gesetzgebung nach dem Wortlaut des Pentateuch (a) lieber die Einteilung der pentateuchischen Gesetze, b) Die einzelnen Geboten beigegebene Begründung, c) lieber Ziel und Zweck der, gesamten Gesetzgebung, ck) Einzelne Charakterzüge der pentateuchischeu Gesetzgebung). Eine systematische Schilderung von dem Wesen des jüdischen Religionsgesetzes zur Selbstbesinnung im eigenen Lager und auch als Apologetik gegen die nichtjüdische Welt will die Arbeit Wohlgemuths sein. Das jüdische Religionsgesetz wird im Urteil des Judentums nach jeder Periode gesondert dargestellt» die gewonnenen Resultate werden dann verglichen, um zum Schluß festzustellen, wie der Gesamtgeist des Judentums zum Religionsgesetz Stellung genommen hat. Wohlgemuths Schreibweise ist — bei aller Wissenschaftlichkeit — leicht und populär, sodaß seine Arbeit auch dem Laienpublikum als Lektüre warm empfohlen werden kann. NiintPniDV XofraraXotetfaK. llUIUululjJ, Einziges rituelles Hotel aal Haus I. Banges, den Nordseeinseln. 80 Zimmer. Massige Pensionspreise. Kaiser Friedrich Quelle ■ Offenbach a. N. Gegen Gicht nnd Bhemnatbmw bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. 31., Güntheraburg-AUee 37. TeL259 o. 714» Wochea-Kaleader. (Zeitangaben nach bem I-uaeh.) Samstag, den 27. Juli (--- 13. Aw): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 35 Min. Sabbat-Ausgang in Fraiüfurt a. M. 9 Uhr 10 Min. in Berlin 9 Uhr — Min. Auf den größten jüdischen Nationalträuertag folgt stets der Trostsabbat Schabbos-Nach amu, so genannt nach dem Anfangsworte der zu verlesenden Haftoro: „Nachamn, nachamu ami", tröstet ttöstet mein Volk! (Jesaja 40.) (Im Morgengottesdienste verschiedene Einschaltungen). Stets ist für diesen Sabbat die Sidra „W o e s - chanan" der laufende Wochenabschnitt. Wir hören zunächst von Moses' Bitte, das gelobte Land sehen zu dürfen. Vielfache Ermahnungen ergehen an Israeldem Gottesgesetze tteu zu bleiben. Hinweis.auf die Zeichen und Wunder bei der Erlösung aus Egypten. Erwähnung der sechs Zufluchtsstädte für den nicht vorsätzlichen Mord. Wiederholung der „10 Gebote" aus dem 2. Buch Moses, die jedoch an Manchen Stellen in der Fassung abweichen. Den Schluß bildet der erste Abschnitt von Schema und. öftere Ermahnungen, sich des gelobten Landes würdig zu zeigen. Mit dem Schabbos-Nachamu beginnen, die „sieben Trostpredigten", in ununterbrochener Reihenfolge als Haftoros verlesen. 'Sie alle sind. von dem redegewaltigen Jesajah. — Am Montag (29. Juli) ist Chamischoosor - bo aw — 15. Aw! Ein.Halbfeiertag, der an verschiedene freudige Ereignisse erinnert. (Aufhören des Sterbens in der Wüste, Beerdigung der Toten Betar's, Absetzung der jerobamäischen Beamten usw.). Es wird kein Tachanun gebetet. —, In der Tradition ,Haum tevar Homagol" genannt. Tag des Zerbrechens der Axt. Man beendete nämltztz das Holzfällen für den Tempels da

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