Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 29 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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n ff flfl VÄ/V Till &ilV* fyQf Ul/O W 1/111 IUP 111/11/17 Q'll/Uil/lllfllllUlll/lli Ullftlflll/lliUlJUil/liC/eJt Erklärung. Die Unterzeichneten jüdischen jungen Leute aus allen Lagern des jüdischen thoratreuen Gemeindelebens in unserer Stadt sehen sich durch die letzten Vorgänge in Frankfurt a. M. zur folgenden Erklärung veranlaßt: Der in Kattowitz in einhelliger Begeisterung angenommene Beschluß, zur Lösung der jüdischen Gegenwartsaufgaben im Sinne der Thora eine Weltorganisation zu begründen, hat in den Herzen der jüdischen Jugend tiefen Eindruck hinterlassen und den Wunsch, mit allen Krästen für diese Bewegung „lehagdil tauro uletzaadiroh" zu arbeiten. — Wir beklagen es daher tutf das Tiefste, daß seit der Tagung in Kattowitz, die schon nicht ganz ungetrübt verlief, bis auf den heutigen Tag leider ein kleinlicher Streit und. Zank wegen der Mitarbeit des einen oder anderen Rabbiners, speziell unter Berücksichtigung der Frankfurter Gemeindeverhältnisse, sich cherausgebildet hat, ein Streit und Zank, der nichts mit den großen, .erhabenen Ideen der Agudah gemein haben 'kann und weitab von deren großen Zielen liegt. Es liegt uns fern, diese unliebsamen Streitereien in ihrer unerquicklichen Natur hier nochmals der Oeffentlichkeit gegenüber aufzurollen; wir beschränken uns vielmehr, wohl im Einverständnis mit der überwiegenden Majorität der besonnenen Gesetzestreuen aller Lager, darauf, hinzuweisen, daß die offiziellen Führer der Agudah von jeher selbst ausdrücklich'betont haben, daß die Aufgabe der jungen Organisation nicht der Kampf gegen Andersgesinnte, geschweige denn die sein kann, Streitigkeiten dieser Art unter — doch im Grunde — Gleichgesinnten anszutragen. Es" ist ferner mit Autorisation der bedeutendsten Geaunim festgelegt worden, daß federnder auf dem Boden des Schulchpn Aruch steht, welcher jüdischen Organisation oder 'Institution er auch! sonst seine Kräfte weihen »löge — sei es als Misrachist oder Zionist, Separatist oder „Gemeindeorthodoxer" usw. —■ der Agudah zur Mitarbeit willkommen ist (Siehe „Vorläufige Bestimmungen" der Agudas Jisroel). — Die gemeinschaftlichen Ausgaben, die alle Gesetzestreuen gemeinsam interessieren, im Sinne der Thora zu lösen, hat sich bereits jetzt eine große Anzahl von Jcreiim aller Länder zusammengefunden. Soll dieses im triebfähigsten Keim befindliche Werk nun durch unbesonnenes Vorgehen einiger Kampf-Elemente in beiden Lagern in seiner schönsten Entwickelung gestört oder gar vernichtet werdeu? Wir erwarten.mit Bestimmtheit, daß diejenigen, die für die Idee des Zusammenschlusses der gesamt e n Orthodoxie noch nicht reif sind, die Kon- Grzäktimgen. aus Miki uiiiC Talmuck. Das Reh am Morgen. Als David, von Feinden verfolgt, eine schreckliche, unruhige Nacht in einer einsamen, schaurigen Felscni klust aus dem Berge Hermon verbracht hatte, dichtete cr den klagcvolleu Psalm: „Löwen und Tiger lassen j ihr Heulen und Brüllen in meiner Nähe vernehmen; die Versammlung der Bösen und Schrecklichen schließt I mich ein, und keine Hilfe ist mjr nahe!" Aber auch nach dieser schrecklichen Nacht brach end- [ lich die Morgendämmerung an. Plötzlich drang ein leises Geräusch an Davids Ohr. Er sah ein junges Reis, das ihn mit blitzenden und treuherzigen Augen einen Augenblick betrachtete, um bald mit Windeseile über »Berg mrd Wiese davvnzujagen. Doch dieser eine Blick I schien zu sagen: „David, warum klagest Du, daß lAr keine Hülfe nahe ist, und warum willst Du Dich I vou den Aengstcn der Nacht übcrmannen lassen? Siehe, ich tauche jetzt auch aus der Finsternis empor, weil nnn- I mchr die Schrecken der Nacht vor dem göttlichen Strahl I srcudvolleu Lichtes tveichcn müssen. Sollte diese Erkenntnis, daß dem Grauen Nnd Zagen bald Freude und! Zuversicht folgen, -Dich nicht zu erheben und zum Lobe fdcs Schöpfers zu begeistern vermögen?" Da richtete David sein Auge aus die pnrpnrfar- I bene Morgenröte, und er fühlte sich durch diesen Ansequeuzen ihrer Anschauung ziehen und fern bleiben, zum mindesten aber der jungen Bewegung keine Steine in den Weg werfen, wie dies seitens eines jungen Rabbiners in einer jüdischen uilgarischen Zeitung jüngst geschehen ist. — Wir protestieren nachdrücklich gegen das unwürdige Spiel, das sich seit einiger Zeit in unserer Stadt entwickelt, und welches auch Herr Dr. Meier Hildesheimer in seiner Schlußrede in der hiesigen Agudah-Versammlung so treffend gekennzeichnet hat. Ein solches Spiel, wo von allen Seiten gehetzt nnd gestritten wird, ist nur geeignet, Zwietracht zu säen und die Orthodoxie als ein zerrissenes und zerfahrenes Gebilde erscheinen zu lassen.— Die jüdische Jugend weiß nichts von diesen gehässigen Streitereien nnd will von ihnen nichts wissen. Sie hofft, daß die Agudas Jiroel stark und geeint aus dem Feuer dieses Zankes hervorgeht, -und daß die Frankfurter Gesetzestreueil sich ein Vorbild nehmen an den Chassivlm imv Misnagdim, die bekanntlich trotz größter Gegensätze in ihren Anschauungen in der Agudas Jisroel gemeinsam durch ihre Geaunim und Führer vertreteil sind. Wahrlich an Männern von der überragenden Bedeutung des BriskerRaws und des Lubawits.cher Rebbe, die alle bisherigen Partei-Kämpfe zurückgestellt haben, und nur das Allen gemeinsame Ideal vor Augen haben, sollten sick^ unsere westeuropäischen Rabbiner und Laien ein Beispiel nehnien und ihre weit weniger tief gehenden Differenzen der großen, gemeinsameil Sache unterordnen. — Frankfurt a. M., Tischo-ba-Aw 5672. Robert Aron. — Jakob Ahrend. — Selmar Ansbacher. — Jos. Bamberger. — Noah Bender. — B. Bendix. — Jos. Bollag-Feuchtwanger. — Max Davis. — Fritz Eniden. — Emil Feuchtwanger. — Hernianil Frankenthal. — Edwin Feist. — Martin Feist. — Max Goitein. — Ernst Gottheimer. — Emil Gottlieb. — Leo Goldschmidt. — Js. Grünbanm (Nürnberg). — S. Hochschild. — 'A. Horovitz. — Ernst Herzfeld. — Hugo Hoffmann. — Emil Jsaac. — A. Kornblum. — Max Mainz. — Josef Mayer. — Max Mayer. — I. Michael. — Sally Michel. — .SB. Lehmann. — Julius Nußbaum. — Josef Oppenheimer. — Leopold Oppenheimer. — L. Perlmutter. — Gabriel Plaut. — Eugen Neuberger. — Milhelm Rosen. — Ernst Rothschild. — Jonas Sänger. — I. Schalmann. — Manfred Schames. — Adolf Schwarzschild. — Isaak Weil. Hugo Weingarten. — Ludwig Westheim. — Isidor Wohlfahrt. — Benno Wolf. — Gustav Zuntz. | blick beruhigt und getröstet. Er sah deir Gottcsstrahl wachsen und zunehmen, Freude und Segen über die ganze Erde ergießend. Anbetend sank er vor oem Weltenschöpfer auf sein Angesicht, und seine frühere Klage verwandelte sich in Lobgesang, den er „Al Ajeles haschachar, das Reh und die Morgenröte" nannte. Sehr oft in späteren Zeiten wiederholte cr diesen Psalm, um Gott für die Errettung aus Gefahren in Jugendtagen zu danken, und auch in seiner späteren Berztveislung war cs dieser Sang, der ihn tröstete. Heilige Morgenröte, Tochter des Allschöpfcrs! An jedem Morgen erstrahlest Du, um Himmel und Erde eine neue Weihe zu verleihen'. Blicke auch auf mich nieder und weihe auch mein Herz, daß es rein und lauter bleibe, um alle Zeit die Wnnderkrast des Weltenschöpfers zu Preisen! Der kvniglicheSänger. Der königliche Sänger hatte wieder einen wundervollen Psalni gedichtet, und der süße, melodienreiche Ton zitterte noch auf seiner Harfe, als auch schon der Versucher an ihn herantrat, um Stolz und Hochmut in sein Herz 51t legen. „Herr," sprach David, „gibt es denn unter all den Wesen, die Du ins Dasein gerufen hast, auch nur ein einziges Geschöpf, das Dich melodischer und harmonischer preisen könnte als ich?" Kanal hatte cr das gesagt, da flog durch das offene Fenster eine Heuschrecke ins Gemach und setzte sich auf den .Saum des königlichen Gewandes. Dieser einen folgten? bald mehrere, die flügelschlagend ihr Aus ver zionistischen Bewegung. Köln. Nachstehendes Schreiben des bekannten greisen Bibliophilen Dr. Josef C h a s a n 0 w i tz - Bialy-- stock an Dr. Jakob Klatzkin -- jröln dürfte besonders für die zionistische Oeffentlichkeit von Interesse sein: „ . . . Seit 10 Jahren befasse ich mich mit Sammeln von Büchern. Ich habe bereits ei» großes vermögen dafür ausgegeben (so kaufte ich bei einer Jluktion in Amsterdam ans einmat Bücher für 700 Rubel). Man hielt mich wohl für einen sehr reichen Mann. Man sandte mir literarische Werke, aber' Nicht, um die ideelle Sache zu unterstützen, sondern gegen gute Bezahlung. Nach der Minsker Konferenz wurde ich im Laufe einiger Jahre seitens der Zionistischen Organisation in meiner Sammeltätigkeit pekuniär unterstützt. Doch seit, mehr als 5 Jahren hat weder das Inland noch das Ausland für diesen Ztoeck etwas übrig. Ich hoffte, daß die Zionisten mir in meiner Sammeltätigkeit beistehen werden, doch bekoinme ich auch von dieser Seite nichts, loeder Bücher, noch Broschüren, noch kulturhistorische Dokumente, Statuten jüdischer Vereine, Wahlproklamationen. Briefe und Bilder hervorragender Persönlichkeiten, Bilder von Synagogen, Schulen, ^Krankenhäusern, ebenso wenig wissenschaftliche Werke. Ja, nach dem Pogrom hatte ich ca. 3000 Kilo Bücher nach Jerusalem gesandt, darunter eine ca. 00 Kilo schwere Chanukka-Menorah. Bor ein paar Monaten erfuhr .ich, daß man es bis jetzt nicht einmal der Mühe Wert gehalten hat, die Bücher, Kupserstiche, Bildnisse usw. auszupacke». Wahrscheinlich sind sie schon den Motten zum Opfer gefallen. Diese Nachricht hat mich tief erschüttert und .auf meinen Organismus eine böse Wirkung ausgeübt. Bald darauf erkrankte ich schwer, lieber 3000 Bücher habe ich für die National - Bibliothek gesammelt und mehr als 4000 Rubel aus eigener Tasche für diesen Zweck imsgelegt. Nun bin ich alt und krank und habe Familieusorgen. Ich kann nicht mehr so viel Geld opfern. Auf den zionistischen Kongressen wurde verschiedentlich über die National-Bibliothek gesprochen. . . . Auf dem letzten Kongreß sogar ein Komitee gegründet — Lebenszeichen hat es aber bisher nicht von sich gegeben. Das Volk steht dieser nationalen Sache beschämend fern. ... Es ist eine Schande siir den Zionismus, für die erste Kulturarbeit nichts getan zu haben." Lffenbach a. M. Trotz der heißen Witterung veranstaltete die Zion. Ortsgruppe anläßlich des Jahrzeitstages Theodor Herzls eine Versammlung. Die zahlreichen Besucher lauschten aufmerksam der Gedächtnisrede unseres gesch. Herrn Oberl. T ach a n e r - Frankfurt über die Bedeutung -Herzl's für das Judentum. Rach dem Bortrag fand eine Sammlung zu Gunsten der Oelbaumspende statt, die die Pflanzung von vier Bäumen ermöglichte. Anschließend fand nach einem Referate über den 13. Delegierte »tag eine Besprechung der dort .gefaßten Resolutionen statt, an der sich Wb d 0 w s k i, Diamant, Erbesseld und Schulmann beteiligten. Es wurde im allgemeinen der Befriedigung über die zwischen den früheren beiden Richtungen zustande gelommene Einigung Ausdruck gegeben, jedoch die Resolution bezüglich Erhöhung des Mitgliederbeitrags zum Zwecke des Zwangsabonnements aus die Rundschau scharf kritisiert und für die Offenbacher Verhältnisse als ungeeignet bezeichnet. Schließlich wurde eine Resolutton einsttmmig angenommen, die den Vorstand ersucht, bei der Leitung dahin vorstellig zu iverden, daß in die Freiheit der Wahl des -Organes nicht eingegrisfen werde. I. W.V schrilles Zirpen vernehmen ließen. Nach einer Weile kamen Nachtigallen angcflogen und stimmten ebenfalls ihr weiches, lockendes Konzert an. Des Königs Ohr öffnete sich diesen Tönen. Aber er vernahm nicht nur den Gesang in seinem Gemach, sondern auch das Singen und Klingen draußen in der Statur: das Sprudeln der silberklaren Quelle, das leise Rauschen der Laubkronen, das geheimnisvolle Flüstern des Morgensternes, die entzückende Melodie 8er ausgehenden Sonne. 'Auftnerksam lauschte er den wundervollen Harmonien dieser Sttmmen, die unaufhörlich sorttönten. Ihm kanl jetzt die Erkenntnis, daß sowohl das sanfte Wehen des Windes wie das betäubende Brüllen des Löwen weise Anordnungen Gottes sind und wohlgefällig seinen Ohren. David schien es, als wäre sein eigener Gesang schon sogar von dem- Zirpen der Heuschrecke übertroffen, die noch immer am Saume seines Gewandes saß. Demut und Bescheidenheit zogen wieder in sein Herz ein. Er griff wieder nach der Harfe, um ein neues Saitenspiel zu beginnen und seinen Empfindungen dev Bewunderung durch ein neues Lied Ausdruck zu geben: „Lobet den Herrn, all ihr Geschöpfe. Wer lobe und Preise auch Du, mein Herz, und singe, meine Seele, voller- Demut von seiner Allmacht, Größe und Weisheit!" 4780