Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 28 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2692768-2692796--07081-2702134- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr 28. €co> 4 ,_ Jaftrow. Anläßlich des lOOjäbrjgen Beftehkns seiner Fabrik spendete Kommisswnsrat Engen Sr mon für den Ban des städtischen Krankenhauses, für seine Arbeiternnterstütznngskasse, die Synagogengememde, das Siechenhails be§ Kreises und die städtischen Armen n a mhafte Beträge. Petersburg. Zum 10 jährigen Todestag des berühmtst Mischen Bildhauers Antokolski hat sein gleichfalls berühmter Kollege Gins bürg der „Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden Rußlands" 500 fftuBel als ersten Beitrag für eine Antokolski- Stiftung überiXicht. Rom. Simone Capua, Zolldirektor in PUigliano, wurde zum Kavalier des Maurrzren-Ordens und Dr. Arnold Finzi, Direktor her „Agenzia Stefan!", zum Kavalrer des Kronenordens ernannt. ' London. Die englische Bibelgesellschaft hat nunmehr die Bibel auch in die Zigeunersprache übersetzt. Die Bibel ist damit das - erste Buch', das in der Zigeunersprache erschienen ist. Die Bibel existiert jetzt in 440 Sprachen. Reu-Vork. Im M a i trafen hier 4819 jüdische Einwanderer (im ,Mai 1911: 4390) ein, von denen 3668 hier blieben. Ihre Barmittel betrugen in Summa 148 222 Dollar, also 31 Dollar pro Kopf. Chicago. Viktor Rosewater, der Vorsitzende der Mublikanischen Konvention zur Ernennung eines republikanischen Kandidaten für die Präsidentenwahl, ist eines der einflußreichsten Mtglieder der jüdischen Gemeinde Omaha (Nebraska) und nimmt an allen jüdischen Angelegenheiten lebhaften Anteil. G IßiuMon. 0 Gerda. Novelle aus dem chassidrschen Leben. Bon Terese P o nr e r a n z -- Elberfeld. (Schluß- Wochen vergingen. — —* Dr. Oppenheimer wartete von Tag zu Tag auf ein Lebenszeichen von seiner Frau, indes vergeblich. „Nein, Tante CSnlie, zum Pantoffelhelden lasse ich mich nicht machen. Sie ist jetzt meine Frau und . darf nicht so lange bei ihrem Vater bleiben." Da erhielt er eines Tages einen Brief: Mein lieber Richard! Wenn Du diesen Brief bekommst, bin ich gewiß schon tot, und in meiner letzten Stünde fühle ich, wie sehr idy Dich liebte. Aber es dürste nicht sein, ich genügte Dir nicht. Jetzt bestimmst Du größere Pflichten. Erziehe Dein Kind zu einem brauchbaren Mensche», ob es ein Junge oder ein Mädchen ist; lasse fiir jeden Fall den religiösen Tell der Erziehung meinen Vater leiten. — Einen Jungen nenne Joel, und wenn's ein Mädchen ist, soll es meinen Namen erhalten, dann wird sich Papa trösten. Dies ist meine letzte Bitte an Dich. Lebe wohl, ich kann nicht mehr. Gerda. * Tr. Sasier griff zum letzten Mittel. Einerlei, was die Angehörigen oder die junge Frau selbst sagen würden. Hier war wefter nichts zu verlieren, denn Gerda wollte nicht leben, das sah er. und sagte es dem Vater jeden Tag. „Der Wille zum Lüben ist auch eine Lebensbedingung, «Ser Ihre Tochter, Herr Goldstein, will nicht leben." Uni» er schrieb Dr. Oppenheimer den ganzen Sachverhalt. * 24 Stunden später ratterte ein Fiaker über das holprige Pflaster von R. Die Kutscher sahen dem Fremden nach und machten faule Witze: „Sag', Zankel, wo will der ftemde Herr hin?" „Nach Billa Gerda!" rief Jankel. „Ich habe die Taitschke schon zweimal gefahren. Damals, als sie ihrem Vater weggelanfen ist, hat sie mich für Mitternacht bestellt, das war eine wMe Jagd, sage ich Euch, ich konnte nicht schnell genug fahren. Und bezahlt hat sie, na, alle Tage gesagt, und vor einigen Wochen, wo sie ihrem 'Mann weggelaufen ist, habe ich sie vom Bahnhof nach Hanse gefahren." „Ihrem Mann, sagst Du? Hat'sie denn überhaupt einen Mann?" _ „Das denke ich, 'ich weiß es zwar nicht genau. Aber mitgebrwht hat sie etwas. Las konnte ich merken v . . Na, man kann dem reichen Volk auch seine Zores gönnen, sonst vergessen sie ja, daß ein Gott im Himmel ist. Ich denke, der alte Goldstein hat jetzt fernen Teil bekommen." * An Vw Hlmchglocke der Billa Gerda stand Leib, det Dieners und öffnete jckem die Türe, '< unü E Dr. Frankfurter Israelitisches FamNieMati. Oppenheimer die Klingel ziehen wollte, faßte ihn Leib so -erb am Handgelenk, daß er ihm schier den Knochen durchbrach. . „Weiß der Herr nicht, daß wir schon acht Tage die Glocke nicht in Bewegung setzen dürfen — und gerade heute, wo das Fräulein todkrank ist. Und das Enkelchen schreit so schon genug und kann nicht schlafen, Reb Mordechai tanzt den ganzen Tag damit herum!" „Was ist es denn, das Enkächeu?" „Nun, was soll es sein? A Bub' ist es!" * Im Hausflur begegnete - Dr. Oppenheimer einer älteren Frau, der er sich vorstellte, und die er nach denr Krankenzimmer fragte. „Aber, bitte, ganz leise, Herr Doktor," - sagte Chane, „denn 's Kind ist sehr krank." „Und meine Frau?" „Nun ja, sie mein' ich ja. — Das Klei,re ist ganz mobil, obgleich Dr. Sasier meint, der kleine Bengel hätte noch einige Wochen Zeft gehabt. Ilber Gerda, — gesurü» und stark soll sie sei», ich habe sie ja geschenkt —, ist auch a bissel zu früh gekommen und das hat der seligen Frau das Leben gekostet, — nicht Gerda gesagt." Hier spuckte Chane dreimal aus, schneuzte sich in den Schürzenzipfel und wischte sich die Tränen aus den Augen. — — — Richard stand am Krankenbette seiner Frau. Gerda war noch nicht aus der Narkose erwacht. Reb 'Mordechai saß da und hielt den kleinen Schreihals in seinen Armen. Da schlug Gerda die Augen auf, und Richard beugte sich über sie, um sie zu küssen. Da riß ihn Reb Mordechai zurück. „Was wollen Sie, Herr?" - „Das ist meine Frau!" Dr. Safier flüsterte Reb Mordechai etlvas zu, mrd er schwieg. „Wo ist mein Kind?" flüsterte Gerda. „Hier, mein Gerdale, hier ist Tein Sohn." „Gib mir Deine Hand, Papa," sagte Gerda, indem sie Richards Hand ergriff und sie in die seinige legte. „So, Papa, mein Sohn soll Euch vereinigen, und wir nennen ihn Scholaum." Tr. Safier stieß Herrn Goldstern an. Dieser, um seine Tochter vor weiteren Auflegungen zu bewahren, seufzte schwer auf. „Hier, mein Sohn Richard, ninrm Tein Kind." Richard umannte seinen Schwiegervater, dann küßte er sein Kind. * 14 Tage später erhielt Tante Cäcilie eine» Brief von Gerda folgenden Inhalts: Liebe Tante! Denke Dir, liebe Tante, ich bin gar nicht gestorben. Ich darf mein Kind selbst erziehen, — aber Tu mußt mir dabei helfen. Die Brißmihloh kann erst in der vierten Woche stattfinden, da unser Liebling noch etwas schwach ist. Tu sollst mit Richard' Gevatterschaft nehmen. Bitte, liebe Tante, kontme bald und leiste , mir Gesellschaft, denn von Richard und Papa werde ich in den letzten Tagen ganz vernachlässigt. Sie plaudern wie zwei gute Freunde, die sich schon 20 Jahre nicht gesehen haben. Wer hätte das gedacht! Uno weißt Du, wer's fertig gebracht hat? Unser Sohn, unser Scholaum. Ich hätte Dir ja nochso viel zu schreiben, aber Richard meint, es strengt mich noch zu sehr an. So schließe ich denn und bleibe Deine Dich sehnsüchtig erwartende glückliche Gerda. flmBFibaniscbBFifs-ii Pincenez SZSEi “■ Grosse Auswahl in amerik. und deutscher Optik. J. W. Albert, Ecke Nene Mainzergtr. n. Wemfranenetr. 11. Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wäsche. Georg Aniendt. A'aclif. . - nieidenatrHSSC 10, Kunst und Literatur. I e r u s a l e m, den 23. Juni 1912. Das Komitee zur Beschaffung, eines Fonds für die Herausgabe des „Talmud -Jeruschalmi" erlaubt sich, allen Freunden der Palästinaliteratur in Erinnerung zu bringen, daß das Jubiläum der 30jährigeu wissenschaftlichen Tätigkett des Herrn A. M. Luncz, des verdienstvollen.Herausgebers I;be§ „TälmütiJerüschalmi," auf heu 28. Juli *"“• Beiträge für den Fonds wolle man direkt oder durch Vermittelung, der Gemeinderabbinen an die Anglo- Palestine-Co. in Jerusalem gelange» lassen. Alle» Förderern dieses sür die jüdische: Wissenschaft hochwichtigen Werkes sagt im voraus innigsten Dank: Das Komitee: Ephraim Cohn, David Iellin, Dr. A. Masie, Dr. I. Lcvy, Markus Kahan. Sabbäthäusgang. Du Sabbathstille! . . . Nun gehst du voll mir. . . . Die dunllen Nächte stehn vor der Tür. Nun kommt der Kampf. Nun kommt das Leid lind aller Unrast Bitterkett. Nun kommt die harte, .kalte Hand', Die inir so oft schon den Friedeil entwand. Du trautes Sabbathlichtelein! Leuchte noch, einmal in meine Seele hinein, Daß ich die grauen Wandertag' Deinen heimlichen Zauber im Herze,i trag. Du! . . . Seliger Trost in aller Qual. . . . Ich seh' dich vielleicht das letzte Mal. Allsllang. Jiil Beben deiner heißen Land, Mit . deiner Blicke feruhten Floren, Dein. jäh zerbrochner Stolz gestand: Ich Hab' mich ganz und — dich verloren. Und konntest nur die eine Qual, Die in dir aufstieg, nicht verwinde». Daß jene Stunoe Mm1 einmal. Da bu dich müßtest wiederfinde». Diese Proben sind einem soeben beim Jüd. Verlag- Berlin unter dem Titel „Am Tor des Abends" erschienenen Gedichtband des sympathischen Dichters und warmblütigen Juden Theodor Zlocisti entnommen. Der Titel ist mit Bedacht gewählt, denn nicht die ruhige Stille des Abends lagert über diesen Schöpfungen der Muse Zlocistis, sondern in ihnen spricht ein Untertan llirrender Kdtteii, kämpfender Schlverter, es ist das Tagesgetös, der Widerstreit im Menschenherzen und die Tragik des Juden, die noch in die Harmonie des Abends hineintönen. Urnny Hofmamis Hotel Jalk. lllwji Einziges rituelles Hotel auf Hans I. Banges, den Nordseeinseln. 80 Zimmer. Massige Pensionspreise. Kaiser Friedrich Quelle —— Ottenbach a. JE. ——— Gegen Gicht und BhenmatiBmiB bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frledrloh Stahl, Frankftarta.IL, Günthersbarg-Allee 37. TeL259 a. 714. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Lunch.) Samstag, den 20. Juli (--- 6. Aw): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfutt a. M. 9 Uhr 20 Min. in Berlin 9 Uhr 13 Min. Wochenabschnitt: Habeworim. — Moses wirst einen Rückblick auf die Wüste,lwandern,lg, berührt die mannigfachen Verfehlungen, lvie. die Sünde der Kundschafter, des goldenen Kalbes, das Vergehen bei den Haderwassern, das Verhalten gegen die stamiilverwandten Völker Edom, Adoab und Ammo,l> die Besiegung der Riese,iköiiige Sicho» und Og nnd Verleihung deren Länder an die drillhalb Stämme. Dieser Wochenabschnitt wird stets am Sabbat vor dem 9. Aw verlesen. Nach der Haftara des Tages wird der Sabbat „Schabbos-Chassann" genannt. In vielen Gemeinden schaltet man im Morgengebet die „Ahawo" vom Sabbat vor dem Wochenseste ein: „Aus-cho kol hajaum kiwiint." Ebenso als Sulas „beosneinu schömann." Wie am Sabbat vor SchowUans so auch heute das' Gebet für das' Andenken der Märtyrer: „Aw Horachämim." Sinn desselben: - Um der Thora willen starben die Frommen, ihr Tod ist gleichbedeutend mit dem Tempeluntergang. „ Tischo-bvaw Dienstag ist der Fasttag Tischo - boaiv (9. Aw), unser größter Trauertag. Er erinnert an den Untergang des 1. nnd 2. Tempelheiligtums, beides am gleichen Tage. Der 1. Tempel durch die Babylonier, der 2. Tempel 656 Jahre später durch die Römer. Auch andere Trauerfälle meldet die Tradition für diesen Tag. , Das Fasten beginnt Montag Abend 8 Uhr 20 Min. und endet Dienstag Abend 9 Uhr 10 Min. (Frankfurter Zeit). Wochengottesdienste in Frankfurt a. M. Morgens: 6 jllhr (Hauptsynagoge 7 Uhr, Synagoge Köiiigsteinerstraße 7 Uhr 30 Min.). Abends: 7 Uhr 15 Min. (Hauvtsynagogc 4 Uhr, Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr). SCHMIDT & SCHIEFER Telephon 13430. Im Trutz 88. Telephon 13430. Gas-, "Wasser- und Heizungs-Anlagen. — Mederae Bäder, nnd Closets. Reparaturen prompt hei zivilen Preisen. Allgemeine Mitteilungen. Die Kunstausstellung im Hause Wronker -bringt gegenwärtig eine aus 108, Nummern bestehende, 'sehr sehenswerte Kollektion-Leo Rnu,th>Leidig:..