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Neue jüdische Presse · 1912-07-12 · Heft 27 (12.7.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 27 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Leite 4_^_, _ -; > Die bekannte Schriftstellerin Jda Narb er feiert I ain ^3. Juli in Reichenhall ihren 70. Geburtstag. Sie ist seit Jahrzehnten eine gesuchte Mitarbeiterin der ersten Zeitschriften. Mein im „Pester Lloyd" sind aus Hier Feder mehr als 600 Feuilletons erschienen. Prag. Das Brody-Kinderspital der israelit. Kultus gemeinde gewährte 'im vergangenen Fahre '19824 Kindern (32«/o Juden, 68«/o Christen) ärztliche Hilfe. Bettkraiikc hatte es außerdem 1767. Badapeft. Sigmund Singer, Chefredakteur des „Pester Lloyd" ist in das Magnatenhaus berufen worden. ParlS. Elmaleh, Leiter der Schule der Alliance Jfraälite Universelle in Fez, der heim Einsturz eines Hauses int dortigen Mellah im November 1911 mit eigener Lebensgefahr eine Frau und fünf Kinder vom sicheren Tod errettet hatte, wurde von der Carnegie-Stif-- Ctung in Anerkennung seiner mutigen Tat mit einer Bronzemedaille And einem Preis von 200 Fr. bedacht. Brüssel. In den Senat find auch zwei Juden gewählt worden: Sam. Wiener und Herb. Speyer. Phlladelphla (Amerika). Benjamin Wolf spendete der Föderation os Dewish Charities 5000 Doll. Ihren 90. Geburtstag feierte in Rüstigkeit Frau AbraM S. Wolf. — In San Francisco verschied — 72 Jahre alt — Leopold 'Sachs, Präsident der Congregation Templc Emann-El und der Enreka Benevolent Society. New-Aork. Der junge Flieger Arthur L. Welsh wurde in Washington ein Opfer seines Berufes. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß auch das erste Opfer des Flugsports überhaupt, Otto Lilienthal, ein Jude war. — Jacob H. Schiff, S. R. Guggenheim, Ferdinand Sulzberger und Samuel Sachs spendeten je 50 000 D o llar für die neue Privstt-Abteilung des , Mo ute f io re-He im s für chronische Invalide. Jaffa (Palästina). Elf jüdische Aerzte wohnen jetzt hier, während vor fünf Jahren deren Zahl nur drei betrug. S Ißiiiffßfon. © Gerda. Novelle aus dem chassidischen Leben. Bon Terese Pom er an z-Elberfeld. (Fortsetzung stall Schluß.) „Herr Goldstein, nun wollen wir Ihre Tochter ablösen! Sie werden sich für einige Zeit mit einer anderen Pflegerin begnügen müssen, sonst haben wir in den nächsten Tagen wieder eine Schweckranke liegen!" Schweigend ließ es Reb Mordechai geschehen, daß Gerda sich über ihn beugte und ihn küßte. Sanft glättete er mit der mageren Hand' ihr weiches Haar und seufzte schwer auf. Chane ließ für Gerda ihr früheres Mädchenzimmer Herrichten, find Gerda schrie noch, bevor sic sich zur Ruhe begab, einige Zellen an Richard: Lieber Richard! Papa ist zwar aus der größten Gefahr heraus, aber noch sehr krank, tarn mich also nicht entbehren. Es grüßt - Gerda. ~ * Tr. Oppenheimer schäumte vor Wut, lief zu Tante Cäcllie und' schrie sie an, als ob er Gerda vor sich hätte: .1 „Nicht ent Wort der Entschuldigung, nicht ein liebes Wort hat sie für mich! Nach 14 Tagen schreibt sie eine Karte von zwei Zeilen. Ich reiche aus Scheidung ..ein, Tante!" „Tas wollen wir vorläufig .einmal hübsch bleiben lassen, Junge! Erst besinne Dich, ob' auf Deiner Seite gar keine Schuld liegt! Tu hast Deine Frau vernachlässigt. Gerda ist eine vornchme, aber etwas empfindliche Natur. Ich habe noch keine Pensionärin wie Gerda .Goldstein gehabt. Ich bekam sie mit 13 Jahren zur Erziehung und habe sie gleich licbgewonnen, als ob sie mein eigenes Kind wäre. Ich wäre Herrn Goldstein dankbar gewesen, wenn er sie mir gelassen hätte, ohne mir einen Pfennig zu bezahlen. Gerda ist eine Tarne im wahren Sinne des Wortes!" „Ach, Tante! Du warst immer ganz eingenominen von ihr, Du allein bist schuld daran, daß ich mich so toll in 'sie verliebt habe. Deute ewigen Lobgesänge und ihre süßen Augen haben mir den klaren Verstand' geraubt. Ich hätte schließlich doch lieber ein deutsches Mädchen nehmen sollen." „So! Ach was! Du glaubst also, Du hättest Dir viel zu vergeben. Laß Du Gerda genommen hast? Weißt Du, was sie für Dich geopfert :Hat? Sie^ die zu Hanse einen königlichen Prunk entfalten durste,'eigene Equipagen, eine eigene Billa und ein Haus voll Dieitcrschaft besaß, läuft dem Vater, den. sie abgöttisch Frankfurter ZsraelitWeS FamWenblAk. ' Nr 27. verehrt, davon, um die Frau eines jungen Arztes zu werden und sich mll 5 Zimmern iuw einem Dienstmädchen zu begnügen. Und der Herr Gemahl, rer vormittags im Krankenhause wellt und nachmittags Sprechstunde hat, geht abends in den Klub, weil er die rotgeweinten Augen nicht sehen kann. Anstatt ihr die Tränen wegzuküssen und das arme Kind zu trösten, wirft er ihr die polnische Abstammung vor. — Jetzt bist Du der gekränfte Gatte!" „Gerda hatte an Dm doch eine Stütze wie an einer Mutter!" „Gewiß, das hatte sie! Und sie liebt mich auch wie eine Mutter, aber ich' bin doch ein altes Fräulein und sie eine verheiratete Frau. Und da gibt es manches, was sich Gerda einer unverheirateten Dame zu erzählen genierte. Und Dich, hat sie kaum zu Gesicht bekommen. Nach dem Frühstück liefst Du ins Krankenhaus, die kurze Mittagspause, dann die Sprechstunden und Krankenbesuche — und endlich abends,. — der Klub!!" „Gerda hat also Deiner Ansicht nach kein Unrecht begangen, und ich soll als Strohwitwer inein Leben ■ listen? Ich danke, Tante Cäcllie." „Liebst Du Gerda nicht mehr?" „Aber gewiß liebe ich sie, sie ist aber doch nichjt da!" „Sic wird 'schon kommen, Du holst sie Dir selbst. Der Alte wird jetzt mürber sein, er wird nicht gern eine verheiratete Tochter mit Anhängsel bei sich halten wollen, wenn es nicht unbedingt nötig ist!" „Anhängsel, Tante? — — — wo — woher weißt Du?" Richard erblaßte. „Wie, weißt Du denn nicht?" „Ich? Nein!" „Ja, dann natürlichlaß Dich sofort scheiden," sagte Fräulein Oppenheimer höhnisch. „Aber Tante! Ich zweifle doch, nicht an Gerdas Ehre, so habe ich Las nicht gemeint. Ich bitte Dich doch, was denkst Du von meiner Frau??-Sag, Tante Cäcllie, hat GerUa Dir selbst erzählt --?" „Nein, Frau Aschkenasy h'at's mir gesagt." „Sichst Du, Tante, auch Vas ist unrecht von Gerda. Ich, habe ihr verboten, mit Landsleuten zu verkehren." „Du hast ihr überhaupt viel verboten und sehr wenig geboten. Landsleute! Was heißt das? Gehl, frage die andern, — — ob sie bei Juden Landsleute unterscheiden! Wir Juden sind alle Landsleute, ganz gleich, wo der Zufall den einen oder andern geboren werden läßt. — Uebrigens, wir wollen uns doch jetzt iticht mit der Polittk beschäfttgen. Ich habe Dir meine Ansicht gesagt; also, was gedenkst Du zu tun?" Da kniete Dr. Oppenheimer vor seiner Tante nieder und benetzte ihre Hände mit Tränen. „Tante, hilf mir Gerda versöhnen, ich halte cs nicht länger aus. Meine Frau liebt Dich wie eine Mutter, schreibe Du ihr, Tante." — — — * Gerda war übermüdet, die ungewohnte Anstrengung und Auftegüng der letzten Tage hatten sie so sehr mitgenommen, daß sie, als sie sich. zur Ruhe begab, micht so leicht wieder aufftMn konnte. Dr. Sasier erlarchte unter keinen Umständen, daß Gerda die Pflege ihres Vaters fortsetzte. „Sie sind jetzt kränker als Ihr Herr Vater, Frau Doktor! Sic dürfen nur, wenn Sie unbedingt wollen, eine Stunde vormittags und eine nachmittags mit Krankenbette zubringen, aber aus keinen Fall die ganze Pflege übernehmen, es könnte Sie das Leben kosten, und das will Ihr Herr Vater gewiß nicht! Er ist schon zufrieden, wenn er Sie sieht." Und Dr. Sasier hatte recht. Reb Mordechqi lächelte zufrieden, wenn Gerda erschien. „Du bist viel schöner geworden, Gerdäle, Du gleichst jetzt ganz Deiner seligen Mutter," sagte er eines Tages zu ihr. Dr. Sasier hielt es für geraten, als Herr Goldstern auf dem Wege der Besserung war, ihm den Zustand seiner Tochter mllzuteilen. Reb Mordechai erholte sich zusehends. Gerda dagegen wurde jeden Tag schwächer. Sie lag teilnahmslos und apathisch da, die meiste Zeit das' Gesicht der Wand zugekehrt; kaum haß sie mit Chane ein Wort sprach. Der Arzt ermahnte sie und machte sic aus ihre Pflicht dem Vater gegenüber aufmerksam. „Papa geht es Gott sei Tank gut," erwiderte sie. Reb Mordechai brachte jetzt Stunden an Gerdas Krankenbett zu, wagte jüwchj ' nicht) mit ihrvon ihrer Ehe und ihrbm Zustand zu sprechen, da der Arzt jede Aufregung streng verboten hatte. (Schluß folgt). AmBFihanisEhBFits-u Pincenez Grösse Auswahl in amerik. und deutscher Optik. J. W. Albert, Ecke Neue Hainzerstr. u. Weinfrauenitr. II. XofmaMisXoteI?aUt. »Einziges rituelles Hotel auf Hans I. Banges, den Nordseeinseln. 80 Zimmer. MSssige Pensionspreise. Haiser Friedrich Quelle - Offenbach a. I. —— Gegen Hiebt and BhenmatiBmis bew&hrt* Alleiniger General-Vertreter: Friedrich .Stahl! Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9. Tel 259 n. 714. Wocherr-Kalender. (Zeitangaben nach dem Loacb.) Samstag, den 13. Juli (= 28. Tamns): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 30 Min. in Berlin 9 Uhr 25 Min. Wochenabschnitte: Mattaus und Masse i. — Die Verordnungen, welche sich auf Gelübde und sonstige Versprechen der Ehefrau beziehen. — Israel wird zum Kriege gegen Midjan aufgefordert, weil dieses Volk Israel zur Sünde und zum Abfalle verleitete. Pinchas wird Ansührer. Im Anschluß an diesen Krieg werden Gesetze zur „Reinigung" von Geschirren und Geräten mitgeteilt, die heute noch für die religiöse Praxis von grundlegender Bedeutung sind („Käschern"). Die Kriegsbeute wird unter den Mitkämpfern, der Gemeinde und de» Leviten geteilt, ebenso kam eine Abgabe davon ins Heiligtum. — Rüben, Gab und der halbe Stamm Menasche erheben Anspruch auf das Ostjordanland, das sich seiner vielen Wiesen halber für die reiche Viehzucht dieser Stämme besonders eignet. Moses sieht darin bedenkliche Sonderbestrebungen. Schließlich erhalten sie Ostjordanien gegen das Versprechen, als Kombattanten einst ihren Brüdern im Westen beizustehen. Die verschiedenen Lagerstätten, wo Israel seit dem Auszüge aus Aegypten geweilt, werden der Ordnug nach aufgezählt. Wiederholt ist eingeschärft, im Umgang mit den Ureinwohnern Palästinas die größte Vorsicht zu gebrauchen. Schonung der Heidenstämme wird die Nachahmung von deren Gräueltaten im Gefolge haben. — Es werden die Grenzen Westjordaniens festgestellt für neuneinhalb Stämme. Die Geometer bei der künftigen Aufteilung dieses Landes werden bestimmt; es sind. Stammsürsten. Die Leviten sollen keinen eigentlichen Anteil am Lande erhalten. Nur Städte mit Gemarkung ringsum werden ihnen zugewiesen. Für den ohne böswillige Absicht begangenen Mord wird die Einrichtung getroffen, daß der Mörder in eine sogen. „Zusluchtsstadt" fliehe, wo er vor der Rache der aufgeregten Blutsverwandten sicher ■ ist. Dort verweilt er bis - zum Tode des Hohenpriesters. Drei „Zusluchtsstädte" lagen diesseits des Jordan, drei jenseits! Der absichtlich begangene Mord soll jedoch mit aller Strenge abgeurteilt werden. Im Schlußteil werden noch Bestimmungen über das Erbfolgerecht, nutgeteilt,- dabei wird wiederholt aus den einschlägigen' Fall der Töchter Zelofchads hingewiesen. Damit schließt da§ 4. Buch Moses. Montag. Rausch - Chandesch Aw. — Mit dem 1. Aw beginnen die sogenannten „9 Tage". Die Nationaltrauer wird verstärkt durch Enthaltung von Fleischgenuß, Weingenuß usw. (Am Sabbat ist's erlaubt, Fleisch und Wein zu genießen.) Wocheugottesdieuste in Frankfurt a. M. Morgens: 6 Uhr Wanptsynägloge 7 Uhr, Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr 30 Min.). Abends: 7 Uhr 15 Min. (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge Königsteinerstzaße 7 Uhr). Offenbacber Druckluft-Anlage Olfenbach a. H. Telefcn 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tcpolchrelnlgnnt!. 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernreinignng mittelst Druckluft und Wasserdampf. Allgemeine Mitteilungen. Der Hauptanziehuimspunkt sür die Zehntansende, die jetzt anläßlich des Schützenfestes täglich zum Fest- Platze hinaus ziehen, dürfte Alt-Frankfurt ser». Jedem entringt sich ein freudiger Ausruf des Erstaunens, wenn er dieses Frankfurt längst entschwundener Zellen mll seinen Giebeln ruid Ecken und mit seiner großväterlichen -Gemütlichkeit betritt. Und ist er dann durch die Gassen der alten Reichsstadt geschlendert und hat die Gaben der Meßzeit mit Ohr und Aug' ans sich einwirken lassen, dann wird er halt machen vor einem der grünen Kränze, um beim Glase Bier oder Apfelwein ' zu träumen und zu sinnen, ' i t'.r Spendem K.' . V Bei der Geschäftsstelle gingen für den Nationalfonds ein: . Dr. Siegfried Schwarzschjld zu- Herzl's Todes-: . : -- täg einen-Oelbaum--im Her'zl-Wald- - - 6.— M

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