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Neue jüdische Presse · 1912-06-28 · Heft 25 (28.6.1912) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 25 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Frankfurter Berichte. Die Herren Direktor Dr. G. Lange und Jsaac Wolfs versenden de» folgenden Aufruf: „Die Einrichtung einer Walderholnngsstätte in Isenburg, die toir vor 8 Jahren, angeregt durch die Munifizenz einiger edler Wohltäter, getroffen haben, hat sich von Jahr zu Jahr besser bewährt. Waren es im ersten Jahr nur 50 Kinder, denen ivir einen ca. vierwöchentlichen -Waldaufenthalt gewähren konnten, so ist ihre Zahl in wenigen Jahren ans über 100 an-> gewachsen. Was will diese große Zahl aber sagen, wenn man bedenkt, daß sich über 250 Kinder z n r Aufnahme gemeldet hatten, und daß der untersnchende Arzt bei fast allen .Kindern eine llnterernährnng konstatiert hat, die einen solchen vicrwöchentlichen Aufenthalt im Walde bei guter Verpflegung für fast alle in höchstem Grade wünschenswert erscheinen ließ! Es war uns nur möglich, diejenigen Kinder heraus zu suchen, die der Erholung und Pflege am bedürftigsten waren. Zu unserer Freude konnten wir bei allen ein sehr gutes Resultat feststellen. Die steigende Teuer u n g aber, die sich auf jedem Gebiete und insbesondere bei den Verpflegungs-Kosten der Kinder bemerkbar macht, läßt cs befürchen, daß uns die Mittel auch . für die Aufnahme von nur 100 Kindern nicht reichen. An der Art der Verpflegung, die sich so gut bewährt hat, aus Sparsamkeitsrücksichten etwas zu ändern, wäre gewiß ein Unrecht, wir würden uns deshalb gezwungen sehe», 'die Anzahl der Kolonisten zu vermindern, wenn uns nicht größere Mittel zur Verfügung stehen werden. Und das iväre doch zu beklagen! Wir richten daher an jeden, der für eine solch Fürsorge für die Jugend Interesse besitzt, die innige Bitte, uns durch Gewährung eines Betrages in den Stand zu setzen, ivtznigstens tvieder ca. 100 Kinder, wie im Vorjahre, anfnehmen zu können: . ." Isidor Adler tvurde auf 3 Jahre zum Vorstände der Synagogengemeinde Frankfurt-Bockenh e i m gewählt. Hierdurch hat die Bockenheimer jüdische Gemeinde ei» weiteres eifriges Mtglied in ihrer Vorstandschaft erhalten. Montag Abend 8>/- Uhr wird Herr Dr. Meier- Hilde s h e i in e r - Berlin im großen Saale des Börscnrestaurants über das Thema „Was ist und was will die A g u d a ß I i s r o e l" sprechen. Dem Bortrage ivird sich eine Diskussion anschließcn. Auch Damen sind willkommen. Aus der zionistische« Bewegung. Men. Bei den Kultusgemetnd ewahlen in Mährisch-Ostrau eroberten die Zionisten zehn Sitze. — Im 68. Jahre verschied hier nach langem Leide» Bankier Salme »Deiches, einer der ersten Mitarbeiter Theodor Herzls und stets aktiver Zionist. — Dr. Die ad), Kreisobmann der zion. Organisation Südmährens, ist an die aschkenasifche Gemeinde in Konstantinopel als Rabbiner berufen worden. Cleveland. Hier findet vom 30. Juni bis 2. Juli die 15. Jahresversammlung der Föderation der amerikanischen Zionisten statt. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Berlin. Der Verein jüdisches Genesungsheim Berlin (Rosenstr. 2/4) gewährte im vergangenen Jahre in seinem Heim in Lehnitz 560 weiblichen Personen Aufenthalt. Die Snmine der Berpflegungstage erreick)te 18 294. Die Verpflegung kostet pro Tag und Kopf 1,10 Jk — __ KarlL. Netter, Borstandsmitgl. der jüd. Gemeinde, erhielt den Titel.K ommerzienrat, — Fritz Adam das lippisck)e Ehrenkreuz 4. Klasse, — Willy Schlesinger das Offizierskreuz des bulgarischen Zivil-Verdienstordens, — Fabrikbesitzer Dr. Georg Hahn den Roten Adlerorden 4. Klasse. — Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Fritz Straßmann ist zum ordentl. Mitglied der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen ernannt worden. Ans der Lehrerwett. München. In der Landtagssitzung vom 20.Juni erwähnte Wgcordneter Schubert die t r o st l o s e L a g e der jüdischen Lehrer Bayerns. Worurs- Mittwoch, den 3. Juli feiert die jüdische Gemeinde das 40jährige Ortsjubiläüm ihres verdienten und in allen Kreisen gesck)ätzten Religionslehrers S. Rothschild, der auch seit 38 Jahren an der stüdtisckicn Volksschule als Klassenlehrer wirkt. Budapest. Oberrabbiner Jakob Schwarz in Czaktornya erhielt anläßlich seines 50jährigen Amtsjubiläums das goldene Berdienstkreuz - mit d er Kr one. ~ Budapest. In Hajdn-Szamson verschied, 84Jahre alt, Rabbiner Jsaac Taub. Baltimore (Amerika). Der hervorragende Talmudgelehrte Rabbiner Aba Chajim Lewinsohn ist — 59 Jahre alt — verschieden. Er war aus Diußland gebürtig und amtierte 10 Jahre in Rochester und 26 Jahre hier. Der Bahre folgten Tausende von Menschen. - Chicago. D-e Swoigemeivde bat das Gehalt itres Rabbiners Dr. Emil Hirsch, des bekannten radikalen Reformers, auf 20 000 Dollar erhöht. Eingesandt. Auf Ihre unbestreitbar von politischer Weitsicht getragenen Ausführungen über das Kattowitzer Bergarbeiterprojekt gestatten Sie mir einige Zeilen. Auch die Initiatoren des Werkes waren der Eventualitäten, denen Sie Ausdruck gaben, bewußt, und trotzdem sind sie mit Recht über das Erreichte froh. Dreihundert beschäftigungslosen, am Hungertuche nagenden frommen Jehndim Arbeit und damit Brot geben, — ist das keine große Sache? Sollte diese Tat nicht vorbildlich wirken, indem sie »och weitere große Gaben zur Ausdehnung dieser 'Art von Aktion veranlaßt? ,Menn dein Bruder strauchelt, stütze ihn," lautet eine der größten Mizwaus, die wir haben. Und dann eine Aktion im Dienste der Sabbatheiligung, also im Dienste unseres heiligen Thorajudentums! Wer sich das alles vor Augen hält, der kann sich doch bei der dringenden Forderung des Tages keine Sorge um die Eventualitäten der Zukunst machen? Jede SaiM-, die l'schem schommajim geschieht, hat Bestand, sagen unsere alten Weisen. Vertrauen wir daher bezüglich der Zukunft auf Haschem; wir können nur unsere Pflicht tun. X. Y. Daß das Bestreben der Kattowitzer Initiatoren, Hunderten unserer armen Brüder unter Beibehaltung des Sabbats Brot zu verschaffen, löblich ist, wer wollte es bestreiten? ,Ftol hamkajem nefesch achas mejisroel, keilu kijem aulom mole" sagen unsere Weisen. Mer gerade, weil es sich uni Hunderte von Existenzen handelt, ist es erst reck)t die Pflicht einer gewissenhasten Presse, die Sache zu untersuchen, Licht und Schatten zu messen und sich darüber zu vergewissern, ob nicht gewisse Gefahren — für die Notleidenden wie auch für den Kellal — entstehen könnten. Gewiß wacht der Gott Israels, der es stets vor Gefahren schützt, eine Tatsache, die wir Juden bei allen Aktionen mit in Rechnung ziehen müssen. Allein: „En sanmck)in al Hanes," sagten unsere Weisen: ebenso wie im Privatleben, so ist auch in Sachen des Kellal Vorsicht geboten. In Sachen des .Lellal" besonders in Anbettacht der beschränkten Msttel, die zur Linderung des großen jüdischen Elends zur Verfügung stehen und angesichts der Tatsache, daß es ganz sichere Aktionen gibt. Unsere Pflicht — sowohl gegenüber den Initiatoren wie auck) gegen die Wohltäter — war es, auf die Zukunfts- Erzäktmigen. aus üi6eC unif SaCmuif. Arons Tod. Mit Trauer und Wehmut hatte Moses das Wort Gottes vernommen, daß nunmehr die Zeit für seinen Bruder Aron gekommen war. Schlaflos wälzte er sich auf seinem Lager und dachte darüber nach, wie er die Trauerbotschaft dem Bruder schonend beibringen könnte. Als die Morgendämmerung endlich! hereinbrach> stand er auf und ging zu Aron. Dieser war über den frühen Besuch! erstaunt. 'Moses sagte: „Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, und mein Geist ist bekümmert, tveil ich den Sinn verschiedener Gesetze in der Thora nicht fassen und deren Bedeutung nicht begreifen kann. Willst Du mir Aufklärung geben?" Aron sck)lug das heilige Buch, auf, und genieinsam singen sie an, von Anfang an zu lesen. Nach jedem Satze aber sprachen beide: „Dieses ist uns klar, denn cs ist weise und gerecht." Bald 'kamen sie zu der Erzählung von Adams Sündenfall. Plötzlich begann Moses bitterlich, zu weinen, und' er rief: „D, Adam, durch Dich ist der Tod in die Welt gekommen!" Aron aber sah ihn vertvundert 'an. „Warum bist Tu so traurig, mein Bruder;? Ist denn »licht der Tod die Pforte zum ewigen Leben?" „Weil es schmerzlich und traurig ist, zu wissen, daß auch wir sterben müssen! Wie viele Jahre denkst Du wohl, daß >vir noch leben werden?" „Das können Mir nicht wissen, das kann nur Gott allein bestimmen. Aber ich- 'denke, daß wir vielleicht noch zwanzig Jahre leben können." „Ich glaube nicht, daß es noch so viele sein werden!" „Damr sicherlich noch zehn, oder wenigstens noch fünf Jahre." / „Aiuch nW einmal füfif welKyt?s sein!" Zögernd sprach -Aron: „Sollte es etwa nur noch ein einziges sein?" Traurig schüttelte Moses sein Haupt. „Auch nicht ein einziges!" Aron sckzwieg voller Angst und blickte seinen Bruder voller Erwartung an. Und dieser fuhr fort: „Siehe, mein Bruder, denkst Tu nicht daran, daß man auch von Dir wird bald sagen können wie von dem Erzvater Abraham, daß er zu seinen Vätern eingesanmielt wurde?" Als Aron noch immer schwieg, fuhr Moses fort: „Wenn Gott, der Heilige, zu Dir sprechen möchte. Du habest noch hundert Jahre zu leben, was würdest Du da sagen?" „Ich würde sagen: Er ist gerecht in seinem Tun und heilig in all seinen Werken!" „Und wenn es ihm gefallen sollte. Dich, noch heute abzuberufen, was würdest Du da sagen?" „Ich würde sagen: Er ist gerecht in seinem Tun und heilig in all seinen Werken!" „Dann erhebe Dich und folge mir." Aron gehorchte. Sie nahmen noch Eliasar, Arons - ältesten Sohn, mit, und alle drei bestiegen den Berg Hör. Tie Israeliten sahen die drei vornehmsten Männer der Gemeinde das Lager verlassen. Da sprachen sie: „Sollte der Herr uns noch eine zweite Thora offen- ■ baren wollen?" Aber Josua erwiderte: „Dicin! Der Herr ist einzig, und seine Lehre bleibt einzig, und uns wäre wohl, wenn wir auch nur die eine befolgen möchten. Aber ich fürchte, anstatt uns noch ein Kleinod zu geben, wird ein solches uns genommen tverden!" Als die drei die Spitze des Berges erreicht hatten, öffnete sich vor ihnen eine geräumige Höhle, die sie betraten. Sie fanden da ein Bett aufgeschlagen, auf das Aron sich niederließ. Moses aber brach in neue Klagen aus: „Wehe mir! Als unsere Schwester Mirjam starb, da waren wir beide Brüder an ihrem Sterbelager, um ihr die Todespein zu erleichtern. In Deiner letzten Stunde, mein Bruder, bin ich wenigstens bei Dir. Wer aber wird mir das Scheiden erleichtern, wenn meine letzte Stunde gekoiMen ist?." Ta aber vernahm er eine Himmelsstimme: „Fürchte Dich nicht, mein treuer Knecht, ich werde bei Dir sein!" An der einen Sette des Sterbelagers stand nun Moses und an der andern wieder Eliasar, und abwechselnd küßten Bruder und Sohn die Stirn des Sterbenden. Dann nahm Moses die Gewänder von Aron, ein Stück nach dem andern, und legte sie Eliasar an, und als das letzte Stück von Aron genommen war, da schwebte eine Sttberwolke herbei, um seinen Körper zu umhüllen. Aron schien zu schlafen. Rach einer SBtife fragte Moses: „Was empfindest Tu, Bruder?" „Ich empfinde nichts, nur die Wolke, die mich umhüllt." Nach einer Weile fragte Moses abermals: „Was empfindest Tn jetzt?" Mit schwacher Stimme kam die Antwort: „Die Wolke hindert mich und beraubt mich aller Freuden." Bald Hatte Arons Seele den Körper verlassen, und. als sie zum Himmel emporschwebte, rief Moses zum dritten Male: „Wehe, Bruder, wehe! Du gehst von uns! Was empfindest Du denn jetzt?" Und die Seele rief jauchzend: „Ich empfinde herzliche Wonnen, wie sie der menschliche Geist, vom Körper umhüllt» nicht zu fassen vermag!" Da sprach Moses: „Ein milder, friedvoller Tod ist Dir geworden. Q, daß auch mein Ende diesem gleichen möchte!" Als das Volk sah, daß Moses und Eliasar allein vom Berge herunterkamen, weinten und jammerten Männer, Frauen und Kinder, denn sie wußten nicht, was init Aron geschehen war. Da erhob sich der Sarg, der Arons irdische Ueberreste barg, hoch in die Luft, um bald zwischen den Wolken zu versc^oinden. Das ganze Volk bettauerte Arons Tod dreißig Tage lang. Moses aber sprach getröstet: „Ter Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, gepriesen sek der Name des Herrn!" 78

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