Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 23 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23. - ' UraMurier Nraelüisches Familienblati. Enk 5 um Rat fragen? Vielleicht Israel Las Herz ansschütten? Mer nein! Blamieren würde er. sich nur, Israel würde sägen: „Das 'kann nur bei einfachen Balbattim Vorkommen, darüber sind rabbonische Häuser erhaben!" Und Leitsche könnte darunter 'leiden! So ging er hinauf und Ivollte es mit guten Worteil und Versprechungen versuchen. „Gcrdale, komm' mal zu Deinem Papa, meine kleine Daitschke, und höre zu, was ich mir für Dich ausgedacht habe! Paß auf, Kind! Zuerst, als meine ungezogene Gerda noch Gitsche heißen durfte, hatte ich vor, wenn mein Töchterchen heiratsfähig wird, nach Lemberg in die Jeschiwah zu fahren und den besten Talmudjünger für Dich zum Manne herauszusuchen." „Unr Gottes Willen! Papa!" „Bitte, Liebling, nicht unterbrechen, ich bin noch lange nicht fertig. Jetzt für meine Gerda, die leider durch meine Schuld eine „Gerda" geworden ist, ivill ich dem Leiser Rubin, der dem Doktor Safier den Schiddich aüsgeführt hat, sagen, er möchte für mein Töchterchen einen feinen Gutsbesitzer aussuchen, keinen Chassid, aber einen jüdischen jungen Mann, denn, mein Kind, w i r sind und bleiben CMssidim und dürfen zu Len Apikorsim keinerlei Beziehungen haben, aber es ist: ja leider schön geschehen, und Rat nach Tat komUlt bekanntlich zu spät, denn ich hätte Dich ja nie und »immer in ein deutsches Pensionat schicken dürfen! Mer ich ivill büßen! Also, mein Kind, ich gebe Dir nicht weniger als Leitschen, obwohl Du keinen Rebben nehmen sollst, und ' ich ' kaufe Dir eine Equipage, wie Tante Sara hat, und Du bleibst in unserer Nähe und ziehst nicht ins Ausland, — zufrieden?" „Aber, liebster Papa! Begreifst Du denn nicht, daß ich einen Mann liebe und allein mit ihm glücklich werden und nur den glücklich machen; kann? Wie kann ich, wo jede Faser meines Herzens Richard Oppenheimer gehört, einen anderen betrügen, seine Frau werden und ihn unglücklich! machen? — Papa! Sollte das Sprichwort „Wo Taurc da Chochme" bei Dir nicht anwendbar sein? — Verstehst Du nnch denn nicht, Papa? O doch! Du willst mich nur nicht verstehen! Gib Dir keine Mühe, mein liebes Väterchen! Richard oder keiner wird mein Mann, und'wenn Du mich unbedingt zu einem andern zwingen iviklst, so heirate ich überhaupt nicht und werde Krankeirschwester!" „Wä —, w—a—a—s? Was willst Du iverden? Was ist das? Verstehe ich Dich'wieder nicht? Taufen also! O Ihr, meine Owaus, steht mir bei!" „Aber, Väterchen, warum denn taufen? Kennst Tu Dein Kind so schlecht? Ich würde lieber vor Herzeleid sterben, üls mich taufen! Was fällt Dir denn ein, Papa? Es gibt doch jüdische Krankenhäuser, und dort sind Pflegerinnen nötig, und als solche ivill ich mich nützlich machen!" „Ah, so, so, Kind, also doch noch ein jüdisches Herz, doch iwch nicht ganz verdorben! — Aber warum heiße» die denn „Schwestern"? Es gibt doch kein jüdisches Kloster, jedes jüdische Kind soll doch heiraten! Zur Krankenpflege gehören ältere Frauen, wie Deine alte Chane. Man muß nur alles den Andersgläubigen nachäffen und sich „Krankenschwester" nennen, das sind. I sie eben, die Apikorsim! — — Kind, ich hoffe, cs I wird noch alles gut zwischen uns beiden, denn Du I hast doch noch ein jüdisches Herz, bist "doch, noch meine I gute Tochter!" I „Ja, Papa, ich hoffe auch, daß alles iwch gut I wird, und daß Du endlich, einsehen wirst, daß es I mein gutes Recht ist, einen Mann, den ich liebe, und I der mich liebt, zu heiraten." I „Ich sehe ein, daß Du in den Sphären bleiben I solltest, in die Du gehörst, und in 'die wir alle gc- I hören, meine Tochter." I „Papa, es gibt überall Juden, auch gute Juden, I kannst Du Dir das denn gar nicht vorstellen?" I „Ja, gewiß, ich kann es mir schon vorstellen, I aber nicht flir Mordechai Goldsteins Tochter! — Gerda! I Zch bitte Dich und flehe Dich an, vergiß diesen Men- I scheu, denn es wird uns beide ans ewig trennen. Ich I werde mich von Dir nicht überzeugen lassen, wer mir I zunr Schwiegersöhne paßt, darüber habe ich zu be- I stimmen, verstanden?" I Hier schlug Reb Mordechai die Tür hinter sich I zu und ließ seine Tochrer allein. I __(Fortsetzung folgst^ _ I amerihanisctiB Fils und Pincenez SÄ6 l- I . Grosse Auswahl in »raerik. und deutscher Optik. IJ. W. Albert, Ecke Neae^Haimerstr. u. Weissfraneostr. 11. Eingesandt. Hochgeehrter Herr Redakteur. Ich las soeben in ihrem Blatte den Artikel, überschrieben: „Religiös" und „National." Die Abhandlung ist zweifellos gut —. vom .Standpunkte des Verfassers aus gesehen. .Ich könnte nun sagen: vom objektiven Standpunkte aus —. will aber nicht so anmaßend sein und lieber sagen: von meinem .subjektiven Standpunkt aus betrachtet, fordert eigentlich jeder Satz zum Widerspruch auf. Doch nicht einen ebensolangen Gegenartikel möchte ich schreiben —> dazu reicht die Zeit nicht mehr —, sondern nur zu einem Kernpunkte gestatten Sie und der geehrte Verfasser mir, mein« Meinung zu äußern: Der Verfasser wundert sich darüber, „daß die jüdische Religion sich von Anfang an völlig ftei von all' jenen Tendenzen zeigte, die im Blute jeder monotheisierenden Religion stecken müssen: dem instinktiven Verlangen nach Ausdehnung und Erweiterung ihrer ideellen Macht, kltrz von dem Verlangen, Proselyten zu machen und Menschen zu bekehren. Proselytenmacherei liegt nämlich im Wesen jeder monotheistischen Religion, denn wenn es nur einen Gott und folglich eine Religion geben kann, so können natürlich andere Götter uiü» Religionen neben dieser einzigen nicht mehr geduldet werden usw. Immer wird nur gegen Vermischung mit andern Völkern auf strengste verwahrt.daraus spricht sich deutlich die Angst unr seine eigene Nationalität aus." So weit im .Ganzen und Großen der Verfasser. Mir scheint, daß ihm hier ein Fehler unterlaufen ist. der seinen ganzen Artikel und die Artikel und Whandlungen der meisten modernen Bibelkritiker mit ihm beherrscht. Es ist ein furchtbarer Irrtum, zu glauben. Judentum oder monotheistisch« und polytheistische Religion unterscheiden sich nur den Begriffen nach, während doch ein Wesensunterschied vorliegt. ~ Und kein geringerer wie der in dem Artikel so sehr verketzerte Pros. Herm. Cohe n, hat es außer in seiner Ethik (S. 452 ff. u. a. S. 1) besonders in seinem Aussehen erregenden Vortrag immer und immer wieder hervorgehoben: Gott, wie das Judentum diese Vorstellung lehrt, ist so sehr das Msolute, für Sich Seiende,- daß jede Art von menschlicher Vorstellung von ihm fern gehalten werden muß. Vielleicht ist diese Forderung am besten wiederzugeben mit den Worten Gabirols: Einig bist Du; an dem Geheimnis deiner Einheit stehen staunend alle Weisen still, denn sie wissen nicht, was sie ist. Einig bist Du, —: nicht gleich einer aus Teilen gewonnenen oder gleich einer gezählten Einheit; denn bei Dir ist weder Vermehrung noch Veränderung denkbar, es kommt Dir keine Eigenschaft, keine Bezeichnung zu. Einig bist Du; meine Denkkraft vermag, nicht. Dir Bestimmung oder Ziel anzuweisen. . . Du bist; Dich begreift kein Ohr, keine Auge, au» Dich ist kein Wie, Warum noch Wo anwendbar. . . Du bist; verborgen, unerforschlich ist Dein Geheimnis, tief, tief unergründlich (Vgl. Kether Malchuth). Das ist die jüdische Gottesvorstellung, von der ein Abraham, ein Mose, rin Samuel, Leviten, Propheten, — nie aber ganz und gar die große Masse des Volkes durchdrungen war. Und doch ist sie keine philosophische. Nichts wäre falscher wie das, ein Grundfehler der Modernen —: .auch jüdischer Prediger — zu glauben, daß die Propheten je philosophiert hätten, wozu leider der aus fremder Quelle stammende Midrasch von der Reflexion, die Abraham anstellte, gar zu sehr verführt. Nein: Gott ist, — das ist die ihnen geoffenbartc Gewißheit, — und weil er ist, darum ist er absolute Einheit, und darum werden alle Völker ihn anerkennen, wenn sie geistig reif genug sind. Verstehen Sie jetzt, warum das Judentum, obwohl monotheistisch, keinen Zwang auf andere aus übte, warum es seine Bolksängehörigen nur abschloß. Weil seine Gottesvorstellnng nur eine 'innere Erleuchtung, ein Niederkämpfen des Instinktiven, des Tierischen in uns, ein. Stirb und Werde, ein Emporsteigen, ein sich Emporringen des Göttlichen im Menschen ist. „Wcjodato hajaum wahascheiwaufo el lewowecho", erkennen und beherzigen, Grundsätze Hervorbringen, Gesinnungen erwirken. Grundsätze sind frei. Gesinnungen leiden ihrer Natur nach keinen Zwang. Sic gehören dem Erkenntnisvermögen des Menschen Und müssen nach dem Richtmaße von Wahrheit und Unwahrheit entschieden werden. (Vgl. Mendelss. Jerus. S. 294). Darum hat das Judentum nie einen Zwang auf andere ansgeübt. Darum „baute cs nur seine Altäre und rief im Namen den Namen Gottes an." Darum drohten seine^ Propheten in der Blütezeit seines Staates dem eigenen Volke den Untergang an und waren zugleich versichert, daß, wenn nicht Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit, wenn nicht die Idee —; wenn nicht das geistige Bewußtsein aus der Welt schwindet — das Judentum nie schwinden wird', darum sagte derselbe Prophet: Der Rest des untergegangenen Volkes, er wird noch dezimiert werden — also noch schlimmer wie Teilhaber —: vgl. Jes.: - VI 3 und doch: Einst am Ende der Tage werden die Völker hinwallen zum Hause des Gottes Jakobs und sie werden umschmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebmessern und Volk gegen Volk wird das Schwert nicht mehr erheben .-. . Jes. II, 2 sf. Das sind keine Widersprüche für den, der jüdisches Gottesbewußtsein hat. Aber der fragt auch nicht: Warum machten und macht das Judentum keine Proselyten: Weil niemand Jude zu werden braucht, um Gott zu dienen. Auch die Gerechten der Heiden sind der zukünftigen Welt teilhaftig. Wer glaubt, daß nur sein Glaube selig macht, der hat menschliche Vorstellungen von Gott, der erkennt nicht den Gott der Menschheit, sondern gleich den alten Griechen: seinen Gott, einen Gott oder besser Götzen, — wie ja auch der alteGrieche nur sich für den wahren Menschen hielt. Rur die Religionen, die nicht im Sinne des Judentums r ein monotheistische sind, die gehen mit Feuer und Schwert, mit Brand und Gewalt und Zurücksetzung vor: nicht also die Religion, die den Einen, rein geistigen Gott anbetet, der den Menschen in seinem Ebenbilde geschaffen, den Abraham erkannt, oder der Abraham erkannt, erkor: „damit er gebiete seinen Kindern und seinem Hause nach ihm, daß sie wahren den Weg des . Ewigen: Gerecht handeln und gerecht denken!" Dr. B. May. , Allgemeine Mitteilungen. Das altbekannte Restaurant Cohn in Norderney ist mit Beginn dieser Saison in dem Besitz des .Herrn No« Berlin aus Cöln übergegangen. Als es im Jahre 1871 gegründet wurde, betrug die Zahl der Besucher von Norderney etwa 8000 Personen jährlich. In den letzten Jahren hat die Besucherzahl die gewaltige Höhe von etwa 46000 Personen im Jahr erreicht. Daß unter diesen ein ganz erheblicher Teil unserer Glaubensgenossen sich befindet, den man mit etwa ein Drittel der Gesamtbesucherzahl sicherlich nicht zu hoch veranschlagt, und daß weiter unter diesen Glaubensgenossen ein sehr großer Prozentsatz rituell lebt, braucht kmim besonders hervorgehoben zu werden. Diesem gewaltigen Anschwellen des Verkehrs und den gesteigerten Ansprüchen des modernen Reisepublikums vermochte das alte Restaurant Cohn vielleicht nicht mehr vollauf zu genügen. Es war daher ein glücklicher Gedanke, daß der neue Bescher das Haus in moderner, geschmackvoller Weise hat umbauen und neu einrichten lassen, und daß er auch für eine vollständige Erneuerung des Inventars Sorge getragen hat: Und daß der neue Besitzer alle Ansprüche seiner Gäste befriedigen wird, daß er ihnen den Ausenthalt in fernem Lokal gemütlich zu machen, verstehen wird, daß Küche und Keller ihnen das Beste bieten werden, dafür bürgt der Ruf, der Herrn Berlin von seiner langjährigen Tätigkeit als Oekonom der Rheinland-Loge in Cöln vorangeht. Diejenigen unserer Leser, die .sich durch einen eigenen Versuch überzeugen werden, werden uns Recht geben, daß wir dem neuen Unternehmen ein so günstiges Prognostiken gesteUt haben, sie werden ihm nrit uns reichen Erfolg wünschen. Kaiser Friedrich Quelle ——— Offenbach a» S. ■ ——— Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl» Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9. Tel. 259 u. 714. Wocheir-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Loacb.) Samstag, den 15. Juni l— 30. Siwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Sabbat-AuSgang in Frmckfurt a. M. 9 Uhr 40 Min. in Berlin 9 Uhr 30 Min. Wochenabschnitt: Ko rach. — Korach verbindet sich mit Datan und Miram Und 250 angesehenen Männern gegen Moses und Ahron» denen sie Ueberhebung und Herrschsucht vorwerfen. Moses erniahnt die Empörer; die Leviten erinnert er an ihre ohnedies bevorzugte Rangstellung als „Diener des Stistzcltes." Am andern Morgen soN ein von allen zu bringendes Räucherwerk dartnn, wen Gott als Auserwählten will oder nicht. Datan und Älbiram zeigten sich besonders trotzig und überhäufen Moses mit noch andern schwerbeleidigenden Vorwürfen. Am andern Tag hatte sich die ganze Gemeinde aufwiegeln lassen. Gott will sic alle vernichten. Moses betet für sic, Gott will Verzeihung gewähre», wenn die Verführten sich von den Verführern absondern. Dies geschieht. Nur Korachs „Anhang" bleibt demselben. Moses verkündet, daß diese Empörer eines ungewöhnlichen Todes sterben werden zum Beweise seiner göttlichen Sendung. Daraus öffnet sich die Erde und verschlingt sie. Die 250 Mann, die das Räucherwerk gebracht, sterben durch Feuer. Die Räucherpfanne» sollen als Erinnerung zu Beschlägen an dem Altar verwendet werden. Dennoch erhebt sich wieder die Gemeinde mit Murren und Borwürfen, als hatten Moses und Ahron den Tod der Bösewichte verschuldet. Es sterben hieraus 14 709 Mann an einer Seuche. Gott will sie alle vernichten. Ahron bringt zur Sühne Räucherwerk dar. Zum zweiten Mal will Gott zeigen, daß Moses und Ahron göttliche Aufgabe haben. Moses läßt sich die Stäbe aller Stammfürsten geben, für den Stamm Levi Ahrons Stab. Er bringt sie in die Stiftshütte. Am andern Morgen ist der Stab Ahrons in voller Blüte. Moses zeigt ihn der ganzen Gemeinde. Der Stab wird zum dauernden Erinnerungszeichen im Heiligtum aufbewahrt. Ten Schluß der Sidra bilden verschiedene Vorschriften über Priester- und Levitenabgaben. — S chabbos Rausch-Chaudesch. Wochengottesdienste in Frankfurt a. M.. Morgens: 6 tlhrxsHauptsynagoge 7 Uhr, Synagoge Königsteinerstraße p Uhr 30 Mn.). Abends : 7 Uhr 15 Min. (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge Köuigsteinerstraße 7 Uhr). Offenbacher Druckluft - Anlage OHsnbach a. H. Telefon 183. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tapolcbrainlganp. 100,009 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernreinigun*; mittelst Druckluft und Wasserdampf.