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Neue jüdische Presse · 1912-06-07 · Heft 22 (7.6.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 22 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4, Nr. 22. toäuleu flankiert, von nwtersturken Mauern gestützt. In der Mitte eine Kanzel. —. — Plötzlich geht ein Rauschen durch, die Menge. Alle wenden den Kopf nach! einer Seite hin. Ein Mann betritt die Kanzel. Tiefes Schweigen. —Er sprach. — Jlrtb als er sprach, da wurde seine Gestalt größer, seine Stimme mächtiger, sein feuriger Blick flammender. —r— 1 Der Raum schien zu wachsen, —> die Kanzel, sich zu heben, — immer höher und höher, bis Jjcr Mann bei dem Redepult ganz allein oben stand und, eine unabsehbare Menge .zu seinen Füßen. —* — Er sprach'. — Da begann eine ungemein seine und .zarte Musik, — so keusch und traut wie das' erste Sehnen des Menschenherzens, so tiefbewegt und anmutig, daß den Kindern die Tränen in die Augen kamen und die Mten erstaunt fnnehiclten. So innigsüß, daß ^die Nachtigallen, die von Ferne zuhörten, herzbrechend schluchzten und durch die wetterstarken Mauern ein leises Raunen zog. Ein ' Instrumentertönte, mit weichem, nwlligem Klange, erst — — der Jüngling, den das Hoff«! die Brust erweitert, —^ chie Jungfrau, die in tiefer Sehnsucht - nach dem Glück des Lebens lauscht, — — dann immer stärker und Wrker. — Und die Stimme des Mannes wurde. immer gewaltiger und. gewaltiger, —. Her liebliche Klang seines Wortes versteinert sich, das Wetterleuchten seiner Augen erstarrte in einem strafenden Blicke. —. Und, je lauter er sprach', je mächtiger und ergreifender seine Stimme durch den Raum schallte, desto stärker wurde auch die Musik. —, — — — Güvaltige Ströme ergossen sich in den Raum, prächtige Fluten, vor denen es keinen Kalt gab, bahnten sich, alles vor sich niederreißend den Weg —« Schäumende Wogen stellten sich! drohend auf, schienen das gebrechliche Pult zu zertrümmern, —, dejr Mann sprach von seinem Lebern Bon dem' ungeheuren Akute, an dem Fanatismus, widerlicher Neid des Pöbels' nichts abbröckeln konnte, — von der Energie, die, einem Felsen im Meere gleichalle (Angriffe zurückwies mit ihrer granitnen Entschlossenheit, —: von dem begeisterten Blicke nach oben, — von dem ehernen Wunsche, Ideales zu schaffen, den Materialismus zu besiegen, —. von den vielen Wmpsen mit dem unverstandenen Volke, das für Geistiges, Reinsittliches nicht zu haben ivar, —, von den vielen Enttäuschungen und Schnurzen-— Da stiegen die Wogen immer höher, weißlicher Schaum spritzte ihm ins Gesicht, greulicher Gischt zerrte ihn Wnisch hinab- Das Instrument klagte und heulte wie ein Löwe, dem man das Junge geraubt, wie ein todwundes Element, das im Kampfe mit dem elenden Menschen den Todesstoß abwehren will, — wie ein Schmerz, hervorbrechend in unendlich ergreifende!', erschütternder Weise aus tausend, und abertausend Herzen, wie ein Weh',., für das es keinen Balsam mehr gibt, wie ein Leid, das unser Jilnerstes erfaßt hat, das nicht von uns weichen kann. —>-• ... Die Stimme wurde schwächer, der Andrang. der gewaltigen Wogen wich zurück, die klagenden Töne beruhigten sich'. — -- Milde und sanft, doch zugleich stark und fest ertönten die herrlichen Weisen. — — Der Mann sprach von der Güte. Bon jener Güte, die über alles Schlechte und Niedrige hinweg den Weg zum Herzen des Menschen findet, die dem Schmerze seinen bittern Stachel raubt, die tränende Augen trocknet, die unendliches Leid verkürzt und heilt. Von der-Güte, die der Edle aus seinem Herzen heraus für die andern schöpfen rnuß, die sich wie 'ein Mantel der Vergessenheit über alle Schwächen der Erdenkinder breitet, die im Verstehen und Verzeihen menschlicher Schwächen und Fehler wurzelt.-- Von jener Güte, die einem nicht geraubt werden kann! —. — Die Fluten sanken immer tiefer, die Kanzel senkte sich, der Redner kmn wieder herab. —. — Eine gütige Akelvdie, getragen von den Engeln der Unschuld und Liebe zittert durch den Raum — — Er spricht von Versöhnung. Versöhnung allen, die ferne oder nahe stehen! Friede! Friede! .Und bie bösen Wasser verflüchtigen sich, — die Kanzel steht an der gewohnten Stelle. Als ich die Augen aufschlug, sah ich eine schluchzende Menge, die dichtgedrängt den Ung. Broder Tempel füllte, um von ihrem Rabbiner Abschied zu nehmen. Da gab es Nur eine weinende Seele, nur ein schluchzendes Herz —. — Mir hartgesottenem Sünder fielen zwei Tränen auf . die Hand — —" OPTIK j. p. Ecke Neue Malnzerstr. u. Welssfrauenstr. tl. Elektr. Klefiibaleuchhing, Taschenlampen. Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wäsche. Georg Aniendt, Xaclif. Bleidenstrasse 10. Kaiser Friedrich Quelle -— Offenbach a. M. ■ Gegen Gicht and BhenmatismnB bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., StaUburgstr. 9. Tel. 259 n. 714. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Lvach.) Samstag, den 8. Juni H23. Siwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min. in Berlin 9 Uhr 25 Min. Wochenabfchnitt: Sch c lach-lecho. — Die Kleingläubigkeit des Volkes. Trotz der göttlichen Versicherung, daß Palästtua ein gutes Land ist, sende» sie S Kundschafter nach. dorten, darunter Josua gmd . Nach 40 '' Tagen kehren diese heim, bringen riesengroße Trauben mit, auch Datteln und Feigen. Sic loben' das Land, slößeu aber dem Volke Furcht und Grauen ein vor den riesengroße» Ureinwohnern. — Das Volk murrt, will eine neue Regierung einsetzen und nach!. Egypten zurück. Josua und Kaleb suche» zu beruhigen; das Volk will sie dafür steinigen. — Da erscheint Gottes Herrlichkeit. Wie bei der Sünde des goloneu Kalbes soll die ganze Nation vernichtet werde», um auf Wkvses allein ein -anderes, besseres Volk aufzubauen. Moses fleht iubxünstig. Die Strafe wird gemildert. Das ganze lebende Geschlecht —. Josua und Kaleb ausgenommen — soll in einer vierzigjährigen Wüstenwanderung die Sünde abbüßen; nur das jüngere Geschlecht wird ins gelobte Land kommen. Dis Lügenkundschafter starben sofort. Trotz Verwarnung will das Volk auf eigene Faust hineinzieheu. Zu spät — sie werden geschlagen. Der Wvchenabschnitt enthält ferner Vorschriften für die Speise- und Gemißopser. — Vom Teige ist eine Hebe für Gott — Challo genannt — abzusoudern. Lehre daraus: Weihe des täglichen Genusses. —* Sühne für Vergehen durch Götzendienst und abgöttliche Berehrungsarten. — Ein Sabbatentweiher wird betroffen, interniert bis zur göttlichen Entscheidung über dre Art seiner Bestrafung. Er wird schließlich gesteinigt. —• Schluß der Sidra ist „Parschäs Zizis," bekannt aus dein täglichen Gebete. Die Schausäoen au den.Kleiderecken lehre», mit dem tierischen Körper auch das Tierische zu verhüllen, die Leidenschaften und bösen Triebe zu zügeln! Einsegnung des Monats Tamus (Rausch-Chaudesch Samstag und Sonntag, 18. und 16. Juni). Bekanntmachung. LiS MM 1. jtttfgttff wird das Original 1|2 Pfund-Paket des neuen selbsttätigen Wasch- und Bleichmittels NV2 „Kei lern" nvs anstatt zu 35 Psg. MM MorMgKpreiS von 35 Mg. abgegeben, damit sich die w. Hausfrauen aus billige Weise von der Güte desselben überzeugen können. nttD 99f&OtXXin“ wäscht vollkommen selbsttätig, ohne Zusatz von Seife und Soda und macht die Wäsche blütenweiß! ^OXOntiOXt HtltfchSdkich! Erhältlich in den einschlägigen Geschäfte», wo nicht, wende man sich an I. Michek & Go.- Herrermk - Werttievgixan&fuxi o. M Auch General-Vertrieb der -ifcn Königin von Saba-Seise: Doppelstück 30 Psg. Auf Wunsch -nprrr über „Sei rein" und „Saba-Seife". Der Isr. Metzgergeliilfenverein begeht am 6. Oktober seine Fahnenweihe. Zu der 4 Uhr nachmittags beginnenden Feier, welche in der Frankfurt-Loge stattfindet und mit Konzert nnd Ball Verbunden ist, wird das bestehend ans “IBQ-Speisen und Getränken, vergeben. Angebote von unter Aufsicht stehenden Geschäften müssen bis Ende dieses UonatB an obigen Verein, All er heil igenstrasse 52, schriftlich eingereicht werden. Dar Vorstand• 8Dampfwaschanstalt GEBR. VOGEL FRANKFURT a. M., Rödelheimer Landstcasse 21 Telephon Amt II, 2067. Telephon Amt 11, 2067. Sauslia.ltimgswäsolie Jeder Art (weiss und bunt). Berechnung nach dem Trockengewicht (pfandweise). Nasswäsche* — Trockenwäsche. — Mangetwäsoha. Sorgfältige Ausführung. . - Schonendste Behandlung. Uetezät: 2—8 Tage. - Garantiert ojhne Chlor. — Lieferzeit: 2—8 Tage. Ich habe mich hier sSBii als prahl. Optiker nnd Spezialist fiir orthopäd. Brillen niedergelassen und bitte um geneigten Zuspruch. Carl Müller — Telephon Amt I 11139. — ' ——— Filialen: Wiesbaden, Berlin, London, Mainz. —— in allen Handelsfächern, sowie Schönschreiben, Stenogr. und Maschinenschreiben erteilt unter Garantie eines sicheren’ Erfolges Tel. I, 9644. Kaiserstrasse 51. =— Prospekt freL ——= Tel. I, 9644. 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