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Neue jüdische Presse · 1912-05-31 · Heft 21 (31.5.1912) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 21 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
Seite 3 (sequence 6)
Language
German
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I Nr. 21. y I 8 H t, n s n l« e. tt lo te S, tl-- eck, M M rr* irpit tdl nb ich i»ie!elncrr, nn mnn M ort Len tptkes in einzenncht iirb. oird licht Jene tina feit« Grein Das 'mal und ' die die ltur- Me lem, häui ge« fort« >nalmit :men des > die ivoll, der »elche kom« lissen lische, diese Üten, ügen. reitet r die eine Ortsitliche eine "UUg stehen muß. Nur durch eine starke Zentralisierung erhält aüch das geistige Leben innerhalb der Organisation die straffe Einheit des Denkens, die wiederum die Einheit im Wollen und im Handeln erzeugt, deren Erfolge wir überall sehen; Sozialdemokratie, Zentrum, Bund der Landwirte sind, um nls Beispiele politische Parteien zu nehmen, deutliche Beweise, was eine derartig im Denken Und Handeln geeinte Organisation vermag. Bereits jetzt. zeigen sich die folgen dieser Tätigkeit in dem Wachstum unserer Institutionen, die bereits vor einem Jahr auf einen Vermögensbestand von nenn Millionen. Mark nnd auf eine Jahreseinnahme von 800 000 JL gestiegen waren. . Dieses äußere Wachstum der Vereine, der Schekelgeldcr und der Sammlungen ist, soweit nicht die allgemeinen politischen Verhältnisse ihr Ergebnis beeinträchtigen, auch für das geistige Leben innerhalb unserer Organisation, für die fortschreitende nationale Erziehung unseres Volkes das beste Barometer. Denn dieses Wachstum kann. nur die Folge intensiver nationaler Arbeit, in unserer Mitte sein. So wird die nationale Propaganda zur Grundlage und Voraussetzung unserer Palästinaarbeit und erweist sich somit als echtes Kind unserer palästinozentrischen Nationalpolitik. Der Verlaus aller Zionistenkongresse vom 6. Kongreß im Jahre 1903 ab, wo zum erstenmal eine starke deutsche Landmannschaft erschien, ließ diesen hohen Rang, des deutschen Zionismus - besonders deutlich erkennen. Er hat seinen Grund nicht im zahlenmäßigen Aufschwung. Bilden doch, auch die deutschen-Juden nur öVeo/o des jüdischen Volkes, also eine verschwindende Zahl, —> nicht in der Fortentwicklung der nationaljüdischen Gedankenwelt, -deren Hauptvertreter wir mindestens in gleicher Anzahl unter unseren russischen, österreichischen und gälizischen Freunden finden, sondern in der Energie des Auftretens nach außen und in der Fähigkeit, die Kräfte organisatorisch zusammenzufassen. Die Zahl der organisierten Zionisten Deutschlands ist in den- Jahren 1910 und 1911 von 6'200 auf 8400 gestiegen. Wir marschieren damit schon rein zahlenmäßig an der Spitze der jüdisch-politischen Organisationen Deutschlands, und wir dürfen dieses Ergebnis um so höher anschlagen, als wir wirklich von unseren Anhängern mehr fordern als irgend eine andere jüdische Organisation: Umwertung aller Begriffe über das Judentum und seine Zukunft, Bestätigung der neugewonnenen Anschauung durch dauernde, oft mühsame Kleinarbeit und verhältnismäßig große Geldopser! Unter diesem Gesichtspunkt verdient festgestellt zu werden, baß wir in Deutschland in den beiden letzten Jahren für zentrale zionistische Zwecke — ganz abgesehen von den großen lokalen Aufwendungen für Propaganda und Organisation — über 300 000 JL aufgebracht haben. Und diese Summe setzt sich aus den unzähligen Beiträgen aller unserer Freunde zusammen — kein einzelner Mäcen hat sie gestiftet! — und so wird sie zum Beweis für die allgemeine, unsere ganze Organisation bnrchdringende Opferwilligkeit. Höher aber als diese Sprache der Zahlen bewerten wir den Umschwung, den das geistige Leben der deutschen Judenheit der kraftvollen Energie und Einheitlichkeit der zionistischen Propaganda zu verdanken hat. Nur fünfzehn Jahre trennen uns von den ersten merkbaren Anfängen zionistischen Lebens in Deutschland, nnd schon jetzt gruppiert sich die gesamte deutsche Juden« hei't je nach der Stellung znm Zionismus in zwei Lager. Unsere I d e e n w e l t hat schon heute eine feste Heimat in der deutschen Judenheit gefunden. Sie ist nach einem Kampfe weniger Jahre znm Schiboleth des deutschen Judentums geworden und hat die 'Aufmerksamkeit der unabhängigen Gebildeten Deutschlands gesunden. Unsere Ansichten von Selbstbewußtsein nnd Bolksgefühl, von der Bedeutung der Kolonisation Palästinas, ja sogar von deni Wiedercrwachen der hebräischen Sprache -ringen immer tiefer in nichtzionistische Kreise ein. Hand in Hand mit der Vermehrung unserer Schekeleingänge ging das A n w a ch.s e it unserer Gruppen. Wir haben seit dem 12. deutschen Delegiertentage, der 1910 in Frankfurt a. M. stattfand, in über zwanzig Orten neue Stützpunkte gewonnen. Einige von ihnen haben , sich in ganz kurzer Zeit zu selbständigen Zentren unserer Idee entwickelt. Unsere Gruppenverbände sind jetzt mit Ausnahme einiger unbedeutender Bezirke überall durchgeführt und haben die ihnen unterstehenden Gruppen zu intensiver Arbeit zusammengefaßt. Wir können wohl konstatieren, daß wir hierin eines der erfreulichsten Ergebnisse des Frankfurter Delegiertentages sehen dürfen. Diese Ergebnisse verdanken wir im wesentlichen dem systematischen Zusammenwirken folgender Faktoren: unseren Propagandaschriften, der Korrespondenz unseres Büros, unserm Parteisekratariat und unserer Presse. Die Broschüre Richard Lichtheims. mit ihrer ruhigen Sachlichkeit und ihrer glänzenden Diktion hat uns einen neuen Typus einer Propagandaschrift geschaffen. Sie entspricht den Bedürfnissen des gebildeten Mittelstandes, dem ja die deutsche Judenheit im wesentlichen angehört, in vorbildlicher Weise und hat uns in den verschiedensten Kreisen die besten Dienste geleistet. Den äußern Erfolg beweist der in acht Monaten erzielte Slbsatz von 17000 Exemplaren. .. Aehnliche Erfolge erwarten wir von der Broschüre unseres nach Palästina übergesiedelten Gesinnungsgenossen Elias Auerbach: „Palästina als Judenland", die vom Zionistischen Zentralbüro auf unsere Anregung vor zwei Monaten herimsgegeben wurde und in und außerhalb Deutschlands die größte Anerkennung gefunden hat. Das „Zionistisch^ Merkbuch" Hugo Schachtels, das wir Ihnen zum vorigen Delegiertentage in erster. Auflage hatten vorlegen können, ist inzwischen in zweiter und dritter,- verstärkter und verbesserter Auflage erschienen und bereits ent un« gaaUTjitfet NrMitWA WmiWmNSÜ. _ entbehrliches Vademekum für jeden Zionisten geworden. I Seme beredte Zahlensprache ersetzt vielfach die eindringlichste Propagandafchrift. - Ms' Speziälschrift über die Fragen der Gemeindeorganisation gaben wir die klar und populär geschriebene Broschüre von Rechtsanwalt Koklenscher »Lionismus und liberales Judentum" heraus. In der Flugblätterliteratur begnügten wir uns mit dem Flugblatt: ,Mas will der Zionismus?" Auch dieses Propagandamittel hat sich» wenn auch in beschränktem Maße, bewährt. Es scheint freilich, daß die Bedeutung der Flugblätter für die Propaganda in Deutschland nachgelassen hat. . - Unseren Ortsgruppen - und Mitgliedern gaben wir schließlich in unserem „Jahresbericht für das Jahr 1911" zum erstenmal eine kurze Uebersicht über unsere Tätigkeit und unsere finanziellen Leistungen im Geschäfts- .jahr, die viel Anklang gefunden und bereits in .7000 'Exemplaren verbreitet ist. Ergebnislos geblieben ist leider unser Preisausschreiben ftir eine Jugendschrift über Palästina. Doch haben wir in dem Buch von Trietsch „Bilder aus Palästina" einen guten Ersatz erhalten. Der jüdische Verlag befindet sich seit seiner Uebersiedlung nach Berlin in ständiger,, sehr erfreulicher Entwicklung. Wir haben ihm daher die Buchhandlungs-Abteilung des Verlages „Jüdische Rundschau" übertragen. Die Korrespondenz unseres Büros ist in den letzten zwei Jahren vollständig umgestaltet worden und hat sich im wesentlichen in eine Einzelkorrespondenz umgewaudelt. Sie erstreckt sich weit über die Qrtsgruppeuvorstände hinaus und hat insbesondere zwischen den' vielen zerstreut wohnende» Parteigenossen nnd Berlin ein dauerndes Band geschlungen, das wesentlich dazu beigetragen hat, die Stimmung im Landesverband zu vereinheitlichen und die Schlagkraft der Organisation zu erhöhen. Die Korrespondenz belief sich bereits im Jahre 1911 auf 28 000 Sendungen und ist seitdem weiter gestiegen. Vom 1. Januar bis 15. Mai sind 9896 Briefe, 383 Postkarten, 7333 Drucksachen und 150 Pakete hinausgegangen. So haben Presse und Parteisekretariat, Zentralbüro und Literatur zusammengewirkt und, sich gegenseitig ergänzend'' und. befruchtend, zum Aufschwung unserer Organisation beigetragen und uns befähigt, auch außerhalb . unserer Reihen unseren Einfluß geltend zu machen. Ich brauche nur an die Tätigkeit unserer Freunde bei den Gemeindewahlen in Koniqsb erg: Posen und Berlin nnd anderen Orten, an den Kampf im Deutsch- Israelitischen Gemeindebund und in der Alliance, an die Entwicklung des Esra zu erinnern. Daß diese und andere jüdische Organisationen unsere Mitarbeit zu schätzen wissen, habe ich in anderem Zusammenhänge erwähnt. Wir ton» statieren das gern. Uns selbst aber müssen wir sagen, daß die Mitarbeit in antinationalen Organisationen ihre großen Bedenken hat. Sie absorbiert viele Kräfte und nimmt viel Zeit in Anspruch, und der Erfolg steht nur. selten in Einklang mit der angewandten Mühe. Um so dankbarer ist es anzuerkennen, daß viele unserer besten Arbeiter sich diesen mühevollen Arbeiten mit so viel Eifer unterziehen. Die Organisation muß aber darauf achten, ~ baß die direkte Arbeit fürunsere Bewegung hierunter nicht leidet. Jede neue Bewegung — das lehrt die Geschichte der Ideen in allen Ländern und allen Zeiten — muß, wenn sie erfolgreich sein will, ihre Generation finden und versuchen, der Heranwachsenden Jugend ihren Stempel anfzudrücken. So haben wir uns seit dem ersten Tage unserer Bewegung immer in erster Reihe an die Jugend gewendet. Und so ist das jugendliche Alter unserer Anhänger, daS uns so oft Höhnisch vorgehalten worden ist, unser größter Stolz, unsere beste Sicherung für die Zukunft. Es mag sein, haß der zahlenmäßige Ausbau unserer Organisation leichter wäre, wenn wir die trennenden Momente gegenüber anderen positiv gerichteten jüdischen Bestrebungen in der täglichen Arbeit znrücktreten ließen. Es ist auch nicht zu verkennen, daß wir mit diesen Richtungen gemeinsame Gegner haben: Die Mfallsbewegung und den Jndifferentismus, nnd daß es unsere Aufgabe ist, diese beiden Gegner mit den allerschärfsten Mitteln zu bekämpfen. Die Waffen aber, die die nichtnationale judenheit in Deutschland gegen Abfall und Jndifferentisgeschmiedet hat, haben sich als stumpf erwiesen. Sie haben mehr geschadet als.genützt. Wenn wir die programmatischen Erklärungen dieser Kreise verfolgen, wenn wir ihre Zeitungen und Broschüren, die Predigten ihrer Prediger lesen, so sehen wir überall eine satte Zufriedenheit Platz greifen. Die Zahl der Synagogen,, so hören wir, vermehre sich, das Ansehen der Rabbiner sei im Steigen begriffen, das Gemeindeleben nehme einen neuen Aufschwung, das Vereinsleben entwickele sich rapide, der Abfall nehme zwar nicht ab, bedrohe aber den Bestand der deutschen Judenheit nicht mehr. Diesen Sirenenklängen müssen wir immer wieder den ernsten Mahnruf entgegenhalten, daß das gesamte jüdische Volk noch niemals eine so schwere Krisis durchgemacht hat, wie jetzt. Der 'Abfall von der angestammten Gemeinschaft, zunehmende Mischehen, das Zweikindershstem, die traurigen ökonomischen Folgen der unaufhörlichen Wanderungen vom Lande in die Stadt, von Osteuropa nach Amerika, die Unkenntnis der hebräischen Sprache, der Verlust des Zutrauens zur Zukunft, das Schwinden der alten Ideale nagen an seinem Bestand. Es gibt kein Reservoir mehr für die Erneuerung unserer Volks kraft, das wir für Generationen gesichert sehen, auch nicht im Osten. Allerdings, die Zahl unseres Volkes hätte noch nie den heutigen Bestand erreicht. Selbst in d.er Blütezeit jüdischen Lebens hat es kein Zwölfmillionenvolk jüdischen Stammes gegeben. Die Zukunft eines Volkes beruht aber nicht auf der Zahl, sondern auf dem Geist, der es beseelt, auf dem Willen zum Leben, der in 'ihm herrscht. Deswegen dürfen wir unsere Kräfte nicht verschwenden, indem wir die alten Halbheiten mitmachen. Deswegen müssen wir der satten Zufriedenheit der Assimilation ' immer wieder die Lehre entgegensetzen- 6eite & daß das Judentum nicht gefunden kann, wenn nicht sein nationales Fundament wieder anerkannt wird, wenn nicht seine alte Zukunstshoffnung, die Schaffung eines neuen jüdischen Lebens im alten Palästina, wieder zum Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns wird. Und so kann auch nur durch geistige Heilmittel, nur durch eine Radikalkur der drohende Untergang der deutschen Juden abgewandt' »Verben. Nichts hat die Assimilation so erregt, als dieses Wort. Auch wir gebrauchen es nicht gern. Wir würden wahrlich am liebsten nur pon der Zukunft unseres Volkes sprechen. So trennt uns von allen anderen Richtungen im Judentum eine breite Kluft. Wir dürfen nicht versuchen, sie anzufüllen, indem wir von unserem Standpunkt ablassen, sondern wir müssen geduldig arbeiten» bis die deutsche Judenheit den Weg zit uns findet, wie groß die Entfernung auch sein mag. Von dem weiteren Verlauf des Delegiertentages bringen wir vorläufig folgende Resolutionen: „Der 13. Delegiertentag hält unerschütterlich an dem großen Gedanken des Baseler Programms fest tmd erklärt, daß die Agitation für die Palästinaarbeit bei jeder größeren Kundgebung im engsten Zusammenhang mit der Propaganda des Zionismus steht und das zionistische Endziel — Lösung der Judenfiage durch Schaffung eurer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina — betonen muß." ,Der 13. Delegiertentag der deutschen Zionisten erinnert in Uebereinstiinmung mit den Kongreßbeschlüssen an die Notwendigkeit, alle Mittel zur Vorbereitung und Ermöglichung einer Immigration nach dem Orient zu ergreifen." „Der Delegiertentag der deutschen Zionisten legt allen Gesinnungsgenossen ans Herz, eine energische Propaganda für den Agrarktedit in Palästina einzuleiten." sowie die Schlußworte des Präsidenten Dr. Hantke: Die Debatten haben wiederum gezeigt, worin die Stärke der deutschen Landesorganisation beruht: In der straffen organisatorischen Zusammenfassung der Kräfte und in dem entschiedenen Auftreten nach außen, das keine Kompromisse kennt. Der Friede, den wir auf dieser Tagung konstatieren konnten, ist ein wirklicher Friede, und wenn wir in dem Geiste, in dem wir heute versammelt sind, auf dem nächsten Kongreß erscheinen, so werden wir in der deutschen Landsmannschaft keine Majorität und Minorität haben und unsere Beschlüsse werden von einheitlichem Geiste beseelt sein. . Ilm 7 Nhr abends schließt der Vorsitzende die Tagung. Aus aller Meü. Deutsches Reich. Dresden. Die Internationale Hygiene- Ausstellung Dresden 1911 richtete an Rabbiner Dr. Max Grunwald-Wien ein Dankschreiben. In diesem Schreiben heißt es: „In eifrigster und angestrengter Arbeit haben Ew. Hochwürden sich bemüht, in allen Teilen Europas und der neuen Welt Material für die Hygiene der Juden Sei zu machen und uns zur Verfügung zu stellen. ie Schwierigkeiten, die sich dabei, ergaben, waren sehr groß, teils durch die Neuheit der Idee, teils auch durch die geringe Anzahl von Objekten, die für dieses Gebiet jüdischer Kultur existieren. Um so erfreulicher ist der Erfolg gewesen. Mit Stolz können wir und können Sie auf bas erreichte Ziel zurückblicken, und das Bewußtsein von dieser Leistung wird Ihnen mehr noch als unser Dank ein reichlicher Ausgleich für Ihre viele Aiühewaltungen sein. Um aber auch unsere Anerkennung für Ihre Tatkraft und Ihr Interesse an unserer Sache nach außen hin zu dokumentieren, haben wir beschlossen. Ihnen die höchste Auszeichnung, die die Ausstellungsleitnng zu verleihen hat, das Ehrendiplom für wissenschaftliche Mitarbeit bei der Historischen Abteilung, zustellen zu lassen." Oesterreich-Uugar». Me«. In der „Jüd. Ztg" lesen wir: „In der vergangenen Woche sah die Wiener Bevölkerung eine Demonstration jüdischer Würde und jüdischen Kraftgefühls, deren Eindruck überwältigend war. Die empörenden Vorgänge an den Wiener Hochschulen, die Verfolgung und Relegierung jüdischer Hochfchüler, die es gewagt hatten, ihre Ehre zu verteidigen, die unverhohlene Stellungnahme der akademischen Lehrer zugunsten roher, antisemitischer Buben, hatten tausende Bürger und Studenten in Erregung gebracht und in den überfüllten Sälen des Hotel Continental versammelt. Die großartige Protestkundgebung bedeutet einen Sieg der jüdischnationalen Idee und liefert den Beweis, wie fruchtbardie Tätigkeit des vor kurzem noch st» klemen Häufleins der Wiener Zionisten gewirkt hat. Sie liefert den Beweis dafür, daß die endgiltige Bereinigung der jüdischen Bevölkerung Wiens im zionistischen Lager nur mehr die Frage kurzer Zeit ist. Die Demonstration hat aber andererseits wieder den Beweis erbracht, daß diejenigen,- die sich heute noch die Führung anmahen, auch im größten Augenblick jämmerlich klein bleiben. In einem Momente, da es um keine Parteiangelegenheit ging, sondern da es galt, eine Kulturschande zu brandmarken, die Ehre hundert-

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