Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 20 (24.5.1912)
- Date
- 1912-05-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Geik4. AcamMrter NraÄiÜWL FamNischlaÜ. Nr. 20. Leider blieb ihm M Lebzeiten. nicht erspart, den Abfall seiner eigenen Kinder vom.Judentum initanznsehen. Nebst einer Tochter, die sich vor vielen Jahren hat taufen lassen, um in Paris einen ungarischen Aristokraten zu heiraten, ist erst in der letzten Zeit die Tochter seines einzigen Sohnes aus dem Judentum ausgetreten, um eiuen Offizier zu heiraten. Dieser Vorfall soll auch viel zur Katastrophe Leigetragen haben." «oSapeft. Der zum Katholizismus übergelrerene Student Alba Adolf Brill beschimpfte in einen: öffentlichen Lokale ohne jeden Anlaß, die anwesenden Juden. Es entstand "eine Prügelei, in der er blutig geschlagen ümibe. ' - Paris. Dr. Marc See, srühcr Chefarzt des Roth, schildspitals, Mitglied der medizin. Akademie und Offizier der Ehrenlegion, verschied im 85. Lebensjahre. Paris. Hier itarb im Alter von 75 Jahren Abraham Len Saude, Gründer und Ehrenpräsident der Lissabon«: jüd. Gemeinde. Er hinterließ' große Summen für jüdische Institutionen.' In seinem Testament spricht er den Wunsch aus, daß seine Erben auf seinen Namen der alten Synagoge in Lissabon eine jährliche freiwillige Steuer von 1000 Frcs. und dein Verein Somech Noflim seinen bisherigen Jahresbeitrag weiterzahlen mögen. Odessa. Ein jüdischer Führer, wie rs sie Gottlob noch in Rußland gibt, Advokat Me na sch eh Margulies, feierte dieser Tage unter Anteilnahme der weitesten Kreise der russischen Judenheit seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar wurde in Berditschcw als Sohn chassidischer Eltern geboren, besuchte den Cheder, die Regierungsschule und die Shitomirer Rabbinerschule, letztere auf Staatsrechnung. Er nahm jedoch keine Kronrabbiner- -stÄle an, sondern ging an die Kiewer Universität. Bereits als Student war er Mitarbeiter des damals von Rabinowitsch gegründeten „Rasswjet." Auch gründete er einen Studentenverein zur Verbreitung von Literatur unter der jüd. Masse. Er selber gäb S<ynmelbücher Wer jW. Geschichte und ' Literatur heraus. Als er sich dann -als Advokat in Odessa niederließ, wurde er sogletzh in allen jüdischen Wohltätigkeits- und Bildungsfragcn führend. Seine wissenschaftlichen Artikel sind unter dem Titel „Jüdische Lebensfragen" in Buchform erschienen. Warschau. 140 Häuser, meist Juden gehörig, sind in dem Städtchen Sawran (Podolien) abgebrannt. Xew-Aork. Das LSjährrge Jubiläum ihres Sonntaggottesdieustes beging die ' „Kencseth Jsrael"-Synagoge mit einem Synagogen-Kvnzert. —> Nicht weniger als 3300 jüdische gemein, nützige Organisationen gibt es in unserer Städte Baruch, der Bombemverfer Eine Skizze aus den Tagen der russischen Revolution ' ' ' ' von Andrej Niemvjewski. Uebersetzt von S. Horowrtz. , (Fortsetzung statt Schluß.) : Er ist's, der dem von Schreck demoralisiert«: Polizykorps neuen Mut einflößt, selbst ihm als Beispiel dient, wie man der furchtbarsten Revolution wagemutig .kratzt und aus dem Kampfe unversehrt hervorgeht. Solangeer aufseinem 'Posten steift, solange wird Mngeschwächt die alte Ordnung herrschen und die gcn-ährte Freiheit nur auf dem Papiere bestehen. Nuchem sah ihn stehen, dort auf der Straße, von .Polizei und Militär umgeben, die ganze Stadt heran ssford-ernd, ein schöner Mann, den. die Frauen haß'.en mnd liebten zugleich. Nuchem blickte wieder nach der Wmlduhr. deren Zeiger langsam Wer stetig vorwärtsrückten.' Es war, -pls hätten alle drei das gleiche gedacht, dem: Rahe! stöhnte, 'tue Lände ritzend: „Du wirft chm nichts tun und nur unschuldige NIenschen tötem die Dir fluchen werden, statt Dich zu segnen/'. Baruch dachte eine Weile nach, dann sagte er: - "" „Es. gcht nicht anders. Opfer müsse» fallen, und l . . wenn man zum Aeußersten entschlossen ist, vielleicht gelingt es zu verhüten, daß mehr fallen, ' als notwendig ist." - Die alte Rahel hatte 'anfgchört zu weinen und starrte ihren Sohn an, als wäre er ein Phänomen, ' das jeden Augenblick im Nebel zerfließen könnte. Sie erinnerte sich eines Buches' über das Verhältnis zwischen -Kind Und Ellern, das er einst nach Lause ge- ' bracht, Mnd einer Stelle drinnen, .wo ein Vater schrieb: /Mein Kind ist meine Unsterblichkeit". Und da Rahel chren Sohn betrachtete, da dachte sie, daß nun ein höherer Wille sie ihrer Unsterblichkeit beraube. Ach/ sie hatte ja noch andere, jüngere Kinder und hatte --stets geglaubt, daß sie" sie gleich, tief liebe. Nun kam " es ihr zum Büvußtsein, daß sie den Erstgeborenen doch 'am meisten liebte, lveil. er so schön, so .gut gewesen, den karg«: Lohn -mit - seinen Eltern sttts geteilt, weil er an die Geschwister dachte, -iuld — obf gleich Revolutionär — die Liebe rind die Pflichten den Seinen gegenüber nie vergessen hatte. Sie sah ihn an, und im Geiste wiederholte sie: „Du, meine Unsterblichkeit." Und der Sohn schaute sie an, als könnte er ihr die Gedanken vom Gesichte ab-lesen. — Aber schon ist er gerüstet zu der grausigen Tat, trägt im Mantel, im Hute jene schreckliche Maschine, er wird gehen;- — ob in die Unsterblichkeit? In diesem Augenblicke streckte Baruch die Hände nach ihr aus und flüsterte: „Mutter, segne mich auf diesen Weg . . ." Ta erhob sie sich, und sich rasch die Wangen trocknend, lächelte sie seltsam glückselig. Ter Sohn trat auf sie zu, sie drückten sich die Hände und küßten sich. Jetzt legte der alte Nuchem die Hände auf das gebeugte Haupt des Sohnes, einen hebräischen Segensspruch beginnend. Doch er brachte ihn nicht zu Ende. Tränen würgten ihn. Da küßte Baruch rasch die Mutter auf die Stirn, drückte das Haupt des Vaters an seine Brust, noch ein leises „Lebet wohl," ein Blick auf die Wanduhr, — und er eilte hastig von dannen. II. Die beiden Trottoirs der Marschallstraße entlang n-ogten zwei Ströme Publikums, jenes beircglichen, lebhaften Warschauer Publikums, das immer 'und namentlich um diese Stunde Eile hat. An der Mündung der Heiligen Kreuzstraße insbesondere herrschte ein ungewöhnliches Gedränge. Vom Sächsischen Garten und der Bagnagegend kamei: -fortwährend Trambahnwagen angefahrcn, deren Schellen den ^Straßenverkehr hemmten. Nächst der Kreuzung an der Haltestelle sammelten sich Gruppen von Passanten an, die auf Trambahnwagen warteten, und inmitten dieses Gewimmels kreuzten Droschken, langsame Einspänner und galoppierende, kotspritzende Gummiradler. An dieser Stelle, hatte der Verkehr etwas von der Elcmentarheit eines Stromes an sich. Keine Polizistenhand lenkte ihn, wie ein brausender Wildfluß vor einem Tamm schwoll das Publikum auf dem Bürgersteig an, wartete, bis die Trambahn vorbei passierte, und flutete dann über die Straße, uw sich auf dem gegenüberliegend«: Trottoir weiter zu wälzen. An den Straßenecken standen vier Soldaten, die bald die Schaufenster der Geschäftslädcn, bald die vorübergehenden Franc:: angafsten. Ein Polizeigardist, ein Mann mit einer ziemlich cingeschüchterten Miene, stand inmitten der Straßenkreuzmu; und wies 'automatisch von Zeit, zu Zeit die Wagen nach links und rechts, obgleich ihn: die Droschkenkutscher gar keine Aufmcrksamkcit schenken; ja mancher, seinen Gaul aiftreibend, traf in: Vorbeifahren das Ohr des Polizisten mit seiner Peitsche, der sich nur wie nach einem Mückenstiche schüttelte, nicht wie ehemals Krakelst machte, nicht die .Droschke anhielt nick» auch nicht notierte. Er glotzte weiter in die Straße, uiü) seine Seele Gott befehlend, gestikulierte er mechanisch nach links und rechts. In dem ganzcir Straßcnbilde herrschte, eine Ordmlng, wie sie nur die freie Natur, der Wind, die Flüsse urür die Himmelskörper kennen. Ja selbst alle Abweichungen waren periodisch und wiederholten sich fast mit mathematischer Genauigkeit, sodaß die Straße auf den Beschauer die gleiche Wirkung ausühte wie eine große Mühle, die durch den Lärm betäubt und durch! die ungezivnngeiie Ordnung in Erstaunen setzt. Plötzlich erfuhr diese Ordnung eine Störung. Die Droschken begannen gegenseitig aneinanderzuflvßen, und die Kutscher schwenkten, sich zurückwendeyd, als Signal die Peitschen in die Höhe. Die Tramwayführer läuteten heftig, die Wagen zum Stehen bringend. Auf den Bürgersteigen entstand ein Gedränge, und hier ruck» da erscholl sogar ein Schreien, als trete mm: auf jemanden. Eine Verwirrung griff um sich. Die Trambahnwagen, die stehen bleiben mußten, bildeten auf beiden Linien lange Züge. Dasselbe geschah mit den Droschken. „Was geht vor?" fragte man ringsum. . Jemand rief mit halblauter, warnender Stimme: „Eine Revision der Pässe und der Passanten!" „Wer nimmt sie vor und wozu?" - Aber das Publikum fand rasch eine Antwort. „Ist es doch fünf Uhr! Er ist aus seiner Amtsstube Letrcten, der Minister der Marschüllsstraße und Umgegend, her oberste Herr des linken Teiles des elften Bezirkes der inner«: 'Stadt. Oben, an der Spitze, verändern, sich die Minister, ihre Gehilfen, die Abteilungschcfs, er unten ist unveränderlich, der böse Geist der Straße, ein blutiger Paragraph des Henkerrechtes, /mutig für fünfzehn vorangehende .Vorfahren der Bc- . amten-Hierarchie, eine Rachje für deren verletzteuStolz, eine Gcmigtumig für ihre , durch die Revolution eingeschränkte Willkür. Unergreifbare Legionen von Kämpfertrupps demolieren Monopolladen, berauben Regieriingskassen, plündern rollende Postzügc, räumenun'er Generälen, Staatsanwälten und allerhand Polizeichargen und Spionen auf! Für" all dies nimmt ec an dem wehrlosen Publikum Rache, er straft cs >vie eine Mutter den Sohn, aber er straft es nicht bloß, er demütigt cs, und diese Demütigung ist für ihn eine Wonne. „.Halt!" kommandierte er, und das m«:schliche Element blieb stehen. - „Die Hände in die Höhe!" Hunderte Hände erhoben sich, und der stattliche und elegante Kommissär besichtigte die Pässe und allerlei Ausweispapicrc, tvährend die Soldateu die Hände in die Taschen der Passanten tauchten, -ihre Beine, Rücken und Bnlst betasteten, und auf ordinäre Weise alte Frauen, junge Mädchen, Schülerinnen, Backfische, Kinder revidierten. „Aufs Polizei-Kommissariat!" kommandierte der Kommissär bei einigen Passanten. „Haut ihn!" schrie er zu einem Soldaten, auf einen Handwerker iveiscnd, der etwas in den Bart brnlnmtc. Der Soldat versetzte den: Manne einen Kolbenschlag in die Brust.. Dieser wankte gegen die Mauer, Blut quoll aus seinem Münde, und' ec sank zusammen. „Man telephoniere um die Rettungsgcsellschaft!" kommandierte der stattlich-elegante, in seiner grausamen Ruhe immer gleichnüißige Polizcileiter. Einer der Polizisten ging, den Befehl'auszuführen. Der Komm: sär fühlte auf sich irgend einen Blick ruhen. Er Ivand e den Kopf nur. In einiger Entfernung stand ein kecker Schuljunge und fixierte ihn mit einem herausfordernden Blick. „Man verhafte ihn!" sagte der Kommissär ruhig. „Kanaille!" brummte oer Schüler zwischen den Zähnen. „Iwan," — rief der Kommissär,' sich an den Rcvieraufsehcr<Mtiiendend, — „diesem Rotzjungen," — hier senkte e^oie Stimme — „Rutenstreiche!" Der Knabe entwand, sich den Soldaten, sprang auf den ^Kommissär zu und wollte ihm einen Schlag ins Gesicht versetzen. Dieser, ein starker Mann, packte mit erhobenem Arm den Jungen, drückte ihn nieder, der Junge sank ins Knie, vor Schmerz zischend; der Kvmmissär ließ ihn los, ihm einen Fußtritt versetzend, und .die Soldaten schlugen ihn mit den Gewehrkolben nieder. Auf der Straße herrschte dumpfe Stille. „Genug," kommandierte der Kommissär. Die Durchsuchungen wurden eingestellt. . „Die Hände nach unten!" Hunderte Hände senkten sich. „Anscinandergehen!" . ..._ (Schluß folgt.) J. 1 JUDert, Inh. P. Mercy, Ecke Neue üalnzerstr. u. Welssfrauenstr. II. Elektr. Klafnbeleuchtung. Taschenlampen. Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wäsche. Georg Amendt, Nachf. Bleidenstrasse tO. Haiser Friedrich Quelle . Offenbaoh a. M. —— . Gegen Gicht and BhenmatlBmns bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Statlbargstr. 9. Tel. 259 n. 714. Wocheit-Kalertder. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 25., Mai (— 9. Siwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. SaVbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 15 Mn. in Berlin 9 Uhr 05 Min. - Wocheuabschnitt: Rosau. — Die Dienste der Leviten beim Tragen der Stiftshütte, als diese zum Weiterzichen abgebrochen wurde. Das Dienstalter der Leviten ist vom 30. bis zum 50. Lebensjahre bestimmt. — Aussätzige und andere „Unreine" sollen außerhalb' bes Lagers bleiben.—Wer „Untreueft begeht an den Heiligtümern Gottes, hat Ersatz zu leisten und ein Sühnopfer zu bringen. —. Verfahren gegen das treulose Eheweib. — Der „Näsir" ober Enthaltsame. Gott zu Ehr«: meidet er Meingenuß oder sonsttges berauschendes Getränk, läßt sein Haar frei wachsen und berührt Temen Tot«:.- Das Nasirgelübde kann sich! auf Jahre hinaus erstrecken, mindestens aber auf 30 Tage. Wird' "die Nasirperiode durch! Berührung einer Leiche unterbrochen,