Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 18 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nr. 18. Frankfurter JsmÄitisches FamilieMati. Seite 5. »Knabe, — vielleicht weint er b'er Hartherzigkeit seiner ^Mutter wegen, die ihre Liebe Fremden spendet? - -V rft I Tie Quäl steckte jeden Tag neue Dornen in den Rosenbusch, sodaß er zu »Velken begann. „Was tatest Du mir,. Mar-Ubka?" klagte Jefta. „Es war der Wille des Herrn," antwortete der Philosoph, „wollen wir sie alle lieben." Und Jefta versuchte, sie alle zu lieben, aber ihr Herz war immer in Wallung. Während der Nacht verlieh sie ihr Bett und ging zu den Kindern, in ihren Zügen ein Etwas suchend, das ihr ihren wahren Sohn offenbare. Auch des Tages über verwandte sie kein Auge von den Sieben, von ihren Reden, ihrem Tun und ihrem Wesen. ,' Aber alles umsonst: ihre Zweifel verschwanden nicht, und sie konnte nicht ausfindig machen, welcher dieser Knaben für sie der erste und für Gott der siebente sei. * Die Knaben wuchsen wie die Zeder» heran und waren der Mutter mit' gleicher Liebe ergeben. Der eine brachte chr goldene Ringe, der andere seidene Kleider aus Milet. Und während einer ihr goldene Schnallen gab, brachte der Jüngste ihr wohlriechendes Del aus Gilead. - Aber ihr Herz konnte nicht stärker werden durch diese siebenfältige Wärnie. Sie zehrte in der Sehnsucht nach dem Sohne, den sie nicht kannte, und den sie nicht mehr lieben konnte als die andern. Und der Rosenbusch welkte und welkte, bis er verwelkt war. Die sieben Söhne, betrauerten sie treuen Herzens, wußten aber nicht, daß die Mutter ihrethalben aus der Welt der Lebenden geschieden war. Mar-Ubka zehrte in der Sehnsucht nach ihr ebenfalls ab. Und als er die Nähe des' Todes fühlt/', da betete seine Seele zum Herrn aller Herren: „Herr, Du bist weise, iirdem Tn das menschliche Auge die sterbliche Existenz nicht begreifen läßt. Ich brachte ■ Dir ein Opfer, weil es Dein Wille war. — Du warst gnadenvoller gegen Abraham, den Patriarchen, da Du seinen Sohn nicht als Opfer nahmst. — Dennoch murrte ich niemals. — Meine Augen sahen nicht, und ich wußte nicht, welcher von den sieben es tvar,- dem ich mehr Liebe, mehr Fürsorge schuldete. Aber nun, o Herr! da Du mich zu Dir rufest, und ich. Deines Lichtes teilhaftig, von Deiner Höhe auf meinen Sohn hinabschauen werde, der bloß im Besitze eines Teiles meiner Liebe ist, da fürchte ich, o Gott, daß ich gezwungen sein werde. Dich eines großen Unrechts zu zeihen. — Gönne mir deshalb, daß ich ihn noch auf Erden erkenne und segne." Und er berief seine Söhne zum Segen. Sie kamen, aber seine scheidende Seele konnte den wahreil Sohn zwischen den Stiefsöhnen nicht unterscheiden. Traurig legte er' seine Hand auf ihre Stirnen, traurig sprach er zu ihnen: „Dies ist der letzte Wünsch meines Lebens: die eine Hälfte meines Reichtums gehöre meinem Sohne, die andere Hälfte mag in sechs gleiche Teile unter meinen Söhnen geteilt werden." * ' Mar-Ubka starb, und seine Söhne wollten die Erbschaft teilen. Sie gingeil zunl Richter Benoah, der wegen seiner Wundertaten bekannt und berühint ivar, und spracherr zu ihm also: „Unser Bater befahl, daß ein Teil seines Reichtums seinen« Sohne gehöre, der andere Teil aber gleichmäßig unter seinen Söhnen verteilt lverde. Du, lvciser Richter, magst entscheiden, wem die eine. Hälfte des Vermögens gehöre." Benoh erwiderte: „Ich kann kein Urteil geben, da ich nicht weiß, wer Mar-Ubkas Sohn ist." Als sie das hörten, wurden ihre Gesichter fahl, und sie riefen einstimmig aus: „Wir alle sind seine Söhne!" „Das kann unmöglich sein," antwortete der weise Mann, .„sein Sohn kann nur einer sein, da er im Testamente, wie Ihr selbst sagt, einen Unterschied machte zwischen seinem „Sohne" und seinen „Söhnen". Geht heim und fragt Eure vertrauensvollsten Diener, — wag sein, daß die mehr wissen als ich." Sie gingen nach Hause und fragten die Diener, aber auch diese konnten ihnen keine Auskunft geben.' . „Mar-Ubka," sagte einer, „zog sechs fremde Kinder mit seinem eigenen heran, aber weder er noch.seine Frau oder-sonst jemand' wußte, wer der wahre Sohn sei." - . , Die sieben Söhne begaben sich zurück zu Benoah und einer von ihnen sprach - als 'Wortführer: ' - „Sage uns, weiser Rabbi, wem gehört die. Hälfte ' des Reichtums?" „Stellt die Frage nicht an mich, sondern an Mar- Ubka!" „Wie sollen wir den Toten vor Deinen Gerichtsstuhl 'vufen?" Benoah streichelte seinen grauen Bart, und, nachdenl et eine Zcitlang gedacht, sagte er: „Betet zu Gott, daß er mir die Kraft des Propheten Elijah verleihe. Ich werde Mar-Ubka ans dem Tode wecken und zum Geständnis zlvingen. Nehmt diese sieben Stäbe, die aus den Aesten des Wünderbaumes ge- . flochten sind, .und geht zum Friedhofe gerade zu der Zeit, wo der Abendstent in die Mitte des Firmaments steigt. Dann mögt Ihr mit den Stäben aufs Grab Mar-Ubkas schlagen und rufen: „Mar-Ubka, im Namen Benoahs, des wunderstiftenden Rabbis, befehlen wir Dir, vonr Grabe aufzustehen und Rechenschaft Deiner Taten zu geben." Die Söhne wären bereit, so zu tun. -ft , Als der Abendstern die Mitte des Firmaments erreicht hatte, gingen sie zu Mar-Ubkas Grabe und stellten sich je drei an einer Seite. Elijah aber, der Jüngste, stellte sich zu Häupten des Toten. Nächtliche Stille lag über dem Friedhofe, nur aus der Ferne hörte man das Krähen eines schlaflosen Hahnes. Tie Söhne bebten, als sie diesen prophetischen Ruf vernahmen und erhoben ihre magischen Stäbe. Ta begann der Wind in den Büschen zu rauschen, als wenn die Toten in den Gräbern seufzten. „Die Gräber öffnen sich," sagte Elijah, „Brüder, laßt uns keine Sünde begehen!" Die sechs Brüder geboten ihm fluchend zu schweigen und erhoben lvicderum die magischen Stäbe. Aber Elijah rief wieder: - „Brüder, seht, Flammen Feuers dringen aus den Gräbern empor. Die Toten sind enrpört, weh uns, wenn sie Gott gegen uns anrufen." Tie Frevler achteten aber nicht auf seine Worte und stürzteri mit Ungestüm aufs Grab. Elijah' versuchte, sie zurückzuhalten. „Brüder, wartet! Stört Mar-Ubka nicht in seiner Ruhe. Er war Euer Vater, nicht meiner. — Rechnet mich nicht als einen von Euch; — Ihr braucht mir nichts zu geben. — Tie Erbschaft mag Euch gehören, teilt sie in sechs Teile — laßt mich den Enterbten sein; — aber schont dieses Grab; — die Ewigkeit hat ihr heiliges Siegel darauf gedrückt; versucht nicht, sündhaft die Ewigkeit zu stören!" Aber die Brüder hatten kein Ohr für feine Worte« Ter Wind erstarb, die Feuerbündel erloschen. Stille und grauenhafte Finsternis herrschte im Friedhofe, — nur in der Ferne hörte nian Ivie zuvor das Krähen des Hahnes. Die Söhne bebten und erhoben ihre magischen Stäbe. Wildes Geschrei entrang sich ihren Kehlen, und die Hände aller fielen mit Macht gleichzeitig aufs Grab. Aber 'Elijahs Hand entfiel kraftlos der Stab; er selbst warf sich nieder auf des Vaters Grab, bedeckte es mit seinen! Körper und jamnierte laut: „Schont das Grab, o schont cs, Ihr Helligtum- Entweiher!" Aber sic hörten ihn in ihrem iotfoen Zorn nicht und schlugen auf ihn los> daß er vor Schmerz schrie. Doch er bedeckte das Grab, und kein Grashalm auf dem heiligen Hügel wurde berührt. Ohne Anchören beschworen die Sechs Mar-Ubkas Geist inr Namen Benoahs, des Wundertäters. Aber das 'Grab öffnete sich nicht und gab den Toten nicht heraus, zu dem Elijahs blutiges Opfer langsam hinuntersickerte. * Als die Brüder das Unnütze ihres Tuns endlich sahen, - da verließen sie die Stätte des Todes und gingen zu Benoah. Ohne Rücksicht störten sie ihn in seinem Schlaf und schrieen ihn an: „Tn hast uns betrogen! Deine Wundertaten sind nichts wert, da Mar-Ubka doch nicht, auferstanden ist." Benoah aber entgegnete: „Meine Kraft kommt von Gott, sucht den Fehler in Euch selber." „Wir taten, wie Du uns geboten." „Habt Ihr das Grab Mit Euren Stäben angeschlagen?" „Wir Men so." „Alle sieben! — Denn bloß dieserart konnte die .Beschwörung eine Wirkung haben/' Da trat Elijah aus der Reihe, und, ehrerbietig den Rockschoß des Richters küssend, sagte er: „Ich allein war ungehorsam, konnte aber nicht anders. Mein Herz blutete, als ich sah, wie meine Brüder hie Stille des heiligen Grabes störten. Sie geißelten mich, aber das Grab blieb unberührt." Da umarmte Benoah den Jüngling. „Tu hast das Grab Deines Vaters beschützt, mein Sohn," sagte er. Uno, die andern ansprechend, setzte er mit aestrengem Tone hinzu: „Dieser Jüngling da ist Mar-Ubkas eigener Sohn! Ihr lvart bloß die Söhne seiner Güte. Ich beschwor Mar-Ubkas Geist; seht, er sprach durch den Respekt seines Sohnes. Tenn der Respekt eines Sohnes ist weiterschauend als die Liebe einer Mutte r."_ fIBTI K i- W. Mißt 1. p. teleiej. M Wr I I II Ecks Neue Mainzerstr. u. Waissfrauenstr. fl. Elektr. Klsihbsleuchiung, Taschenlampen- Schlafzimmer-Einrichtungen Betteniabrikation, Bett-Wäsche. Georg Ainenilt. Nachf. Bleidenstrasse 10. Kaiser Friedrich Quelle - Ottenbach a. M. —— Gegen Gicht nnd Bhematimnaa bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl» PranhJnrt a. M.» Stallhnrgstr. 9. Tel. 258 n. 714. Wocheu-Kalerrder. (Zeitangaben nach dem I>oa«h.) Samstag, den 11. Mai (--24. Ijar): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 25 Min. SabVat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 55 Min. in Berlin 8 Uhr 37 Min. Wochenabschnitte: Behar und Bechukansei. — Alle sieben Jahre soll ein sogenanntes „Brachjahr" sein. Weder Feld noch Weinberg darf bestellt werden! Nur das ,Kildgewachsene" ist einzuheimsen. Dieser „Sabbat der Erde" im siebten Jahre .lehrt —r gleich dem wöchentlichen Ruhetag — die Anerkennung Gottes als Herrn der Welt und Eigentümer aller Güter! Nach einem Zyklus von sieben Brachjahren folgt das fünfzigste als Sabbatjahr, sodaß sowohl im 49. als im darauffolgenden Jahre die Feldarbeit ruht. Außerdem fällt inr fünfzigsten Jahr aller veräußerter Grundbesitz wieder zurück an die betr. Familie und den betr. Stamm. Knechte können „frei ausgeheu," was übrigens auch in jedem siebten Jahre mitunter geschieht. Geldschuld verfällt. Diese soziale Gesetzbestimmung schließt im jüd. Staat eine ungesunde Verschiebung des Besitzes, blendenden Reichtum auf der einen und drückende Armut auf der anderen Seite von vornherein aus, ebenso menschenentwürdigende Leibeigenschaft. —. Die große „Strafpredigt," Tanchocho genannt. Alle 'Exilsleideu werden prophetisch vorausgesagt: Bedrückung, Hungersnot, Pest, Scelenpein, Tod ' durchs Schwert, Vertreibung aus dem Heimatsland, Hohn der Feinde, aber auch Schutz vor völligem .Untergang. Gesetzliche Bestimmungen darüber, wenn jemand den Wert eines Feldes oder Viehes fürs Heiligtum bestimmt. Einsegnung des Monats Silvan (Ransch-Chaudesch: Freitag). abend (10. Mai) — 39. Omer „ (11. ., ) 40. „ (12. „ ) 41. .. (13. .. (14. „ (15. _ .. (16. Wochengottesdienste in Frankfurt. Morgens: 611 hr (Hauvtsynagoge 7 Uhr, Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr 30 Min.). Mcnds: 7 Uhr und 8 Uhr 50 Min. (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr). Freitag Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerslag ) 42. ) 43. ) 44. ) — 45. Frankfurter lYlobolmagazin flobeiT 5imon Ausstellung compl.Wohnräume Gr.EschenhGimersiT.39u.39a 5chiller5rr. 26. Frankfurter Familieunachrichlen. Geboren. E. Sohn, Hugo S trupp (Wimmelbacher), Mauerweg 36. —. <5. Sohn, Eh. Saphir (Grünewald). Seilerstraße 13. — E. Tochter, Ludwig Lefor (Blumenfeld), Bauniloeg 60. —, <5. Tochter, F. Kaufsmann (Kneheim), Staufenstr. 31. — E. Sohn, Hugo Weinberg (Strauß), Hölderlinstraße 12. — E. Sohn. Max Strauß, Westendstraße 92. — E. Tochter, Seo Benaxio (Bing). Barmizwoh. Jul. Aschenbrand, Fischerseldffr. 16. Moritz Robinso», Allerheiligeustr. 76, in der Synagoge Börneplatz. — Marcel Rosenbaum, Windeckstr. 31, in dev Synagoge FriedbergeranlüM, -