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Neue jüdische Presse · 1912-04-26 · Heft 16 (26.4.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 16 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16. i Endlich aber chn nicht länger, die Sehnsucht nachder GatEnirdrohtc ihn zu übermannen, unL er beschoß, sic zp besuchen. Die Zahl seiner Schüler schätzte inan zu dieser Zeit schon auf tausend, dreihundert von ihnen beschlossen, den hochverehrten Lehrer zu begleiten. Gefolgt von dieser stattlichen Schar, machte er sich auf den Weg. Die Kunde seines Kommens war ihm vorausgeeilt. Tausende waren in Jerusalem znsammengeströmt, den großen Mann von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Auch in Frau Beles Häuschen war die beglückende Kunde gedrungen und hatte die Herzen der einsamen Frauen mit Jubel erfüllt. In ihrer Freude' hatte Rahel wie zum Empfang des Passahfestes in den ärmlichen Räumen das Unterste zu oberst gekehrt, und überall blinkte es vor Sauberkeit. Wie zum Empfang des Wochenfestes hatte sie Türen und Wände mit griinen Reisern und mit farbenprächtigen Blumen geschmückt, und süßer Blumendust erfüllte die Räume. Und ihre Arbeit unterbrechend, war sie wohl mehr als zwanzigmal uh Laufe des Tages der Muhme um den Hals gefallen, vor Freude bald lachend) bald weinend. Die Alte hatte ihr die rosigen, oft tränenfeuchten Wangen gestreichelt und' den herrlichen Schmuck der Räunie bewundert. „Gut ist's, daß wenigstens Du das alles bewunderst," sagte Rahel lachend, „ich glaube, 2lkiba wird cs nicht einmal bemerken." „Du meinst, er wird für nichts anderes Augen haben, als für seine liebe, kleine Herrin — —" „Ach nein, das habe ich gerade nicht gemeint, aber — — Höre doch nur das Lärmen da draußen, was mag da Vorgehen?" „Was sollte da Vorgehen? Milka sagte mir heute morgen, es wogt geradezu von Menschen in den Gassen. Wenn, da nur viertausend reden, hört sich's an, als würden zweitausend schreien." Aber Rahel glaubte es besser zu wissen, ihr Herz pochte plötzlich so laut, und sie eilte hinaus. Liebevoll lächelnd blickte die Alte ihr nach. Rahel hatte recht. Der Lärm, den sic vernommen, war nicht das laute, gleichmäßige Geräusch einer Menschenmenge, es war der jubelnde Lebehochruf einer jauchzenden Masse. Akiba hatte mit seiner Schaar soeben eines der Tore Jerusalems durchschritten und war von dem Jübelruf einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge begrüßt worden. Alles umdrängtc ihn, die angesehensten Männer wollten chm die Hand drücken, die jüngeren Leute wenigstens den Zipfel seinen Mantels an ihre Lippen führen. Da entstand plötzlich eine Betvegung in der Menge, eine junge Frau in unscheinbarer, beinahe ärmlicher Kleidung drängte sich mit Gewalt durch die Masse, in deren Mitte der Gefeierte sich! befand und eilte mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu. ' Die ihn umgebenden Schüler wollten sie zurückhalten. Akiba aber rief ihnen zu: „Lasset sie, sie ist mein Weib, und was ich bin und was Ihr seid, alles danken wir ihr!" Da neigten sich die Schüler ehrfurchtsvoll vor der hehren Frau in dem ärmlichen Gewände; sic aber geleitete im Triumph den . Heißgeliebten in ihr ärmliches, blumengeschmücktes Heim. Niemand folgte ihnen. Doch noch lange uimvogte die Menschenmenge das ärmliche Häuschen, und hin und wieder drangen laute Jubelrufe zu dessen Bewohnern. Die angesehensten Männer 'Jerusalems befanden sich unter der Menge, die den Heimgekchrten begrüßt hatte, und als das Volk chn nochmals und abermals durch jubelnden Zuruf ehrte, wandte sich einer der Männer zu zwei anderen. „Tic jubelnden Hochrufe des Volkes, die unscrm großen Rabbi gelten, werden sicherlich auch in dem prächtigen W'ohnhausc seines reichen Schwiegervaters vernommen: vielleicht durchdringen sie die Eisrindc, die das Herz des reichen Mannes verhärtet hat. Lasset uns gemeinsani nochmals unser Heil bei Kalba Sabua versuchen; vielleicht gelingt cs uns, ihn mit seinen Kindern auszusöhnen, wenn ivir ihnr den Ruhm seines Schwiegersohnes schildern, und die Ehren, die ihm geworden." „Ich werde mich nicht ausschlicßen," entgcgnete der eine der Angeredeten, „wollt Jhr's nochmals versuche», Kalba Säbuas Herz zu erweichen, ich bin dabei. Ich. hatte chn einmal schon fast umgestimmt, — da stürzte das. elende Weib herein und machte ein Geschrei, daß ich ihren weichherzigen Gatten hätte überrumpeln wollen!, Jch habc ihr gesagt, daß ich mit iht nichts zu Frankfurter Israelitisches FamUienKaÜ. reden habe, sondern mit Kalba Sabua, der ihr Herr. ist. Da hat sie grell aufgelacht: „Tut-sich was mit Herr sein!" und in Meinen! Beisein ist sie dem alten Kerl um den Hals gefallen und hat ihn geküßt und gestreichelt und hat chn richtig dazu gebracht, daß er mich angeschricen hat, er habe keine Tochter und werde sich nie um sie kümmern. Also was ist da zu erwarten?" „Versuchen wir's dennoch , vielleicht ist das Weib nicht daheim und — —" „Gut, gut, ich habe doch gesagt, ich bin dabei, — aber führen wird es zu nichts." Tie drei wackcrn Männer durchschritten die Straßen Jerusalems, in denen es heute von Fremden wogte ivie ehedem nur an den Wanderfesten. Sehr bald hatten sie das Wohnhaus des reichen Mannes erreicht und traten ein. Seltsam kontrastierte die Stille,' die in demselben herrschte, mit dem Trubel in den Gassen. Eine alte, verstört 'aussehende Dienerin trat ihnen entgegen und fragte nach ihrem Begehren. „Ist Tein Herr zu Hause?" Die Alte blickte den Fragenden betroffen an. „Gott, wo sollt' er denn sein? Er liegt doch drinnen auf dem Bett und jammert." „Kalba Sabua ist krank?" Tie Alte zuckte die Achseln, „'s wird schon so sein. Heute vor Tag ist er fortgefahren, es hat geheißen, er kommt erst am Abend nach Haus, aber nach einer halben Stunde war erwieder da, er hatte etwas vergessen — was? weiß ich nicht. — Er geht hinein ins Schlafzimmer, und ich habe mich wieder hingelegt und schlafe noch 'ne Stunde, imd als ich dann wieder aufstche und hiuauskomme, höre ich ächzen und winseln in dem Zimmer, wo der Herr und die Frauschlafen, — das heißt, ich habe gemeint, der Herr wäre tvieder fortgefahren, sonsthätte ich mich doch nicht hincingetraut. — Aber wie das Aechzen und Winseln nicht aufhörte, habe ich doch gemeint, ich muß schauen, was es gibt, — ich mache die Türe auf und habe gemeint, niich trifft der Schlag, das ganze Zimmer war voll Blut, und der Herr liegt auf der Erde und ächzt und stöhnt — —" Tie Männer blickten einander betroffen an. „Ihr habt doch den Arzt gerufen?" „Versteht sich." „Was hat er gesagt? Was ist Kalba Sabua geschehen?" „Einer muß ihn gestochen haben, ein scharfes, spitziges Messer ist ihm zwischen die Rippen gefahren." Ein Schauer durchrieselte die Herzen der Männer. „Armer Kerl!" sagte der eine. „Kann man zu ihm hineingehen?" fragte der zweite. „Sein Weib ist verniutlich orinneu bei ihm," bemerke der dritte. (Schluß folgt.) flDTIK j. w. leit. UM. Ra*«!. U r I I II Ecke N'ue Mainzerstr. u. Waltttiauenstr. n. Elektr. Klaiiiäeleuchtung. Taschenlampen. i Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wäsche. Georg Amendt, Nachf. Bleidenstrassc 10. , Kunst und Literatur. Jüdisches Wörterbuch, enthaltend alle hebräischen und chaldäischen Wörter, Ausdrücke und Eigennamen, welche in der jüdischen Sprache gebraucht werden, mit Aussprache und Akzent rmd mit Beispielen von Redensarten und Sprichwörtern, in welchen sie Vorkommen. Versaßt von Dr. C. D. Spivak n. Sol. Bloomgardcn. 340 Seiten. Wörterbucheinband. Preis 10,50 Mark. Frankfurt a. M., I. Kauffmann. Tiefes Werk wird auch außerhalb der fünf Millionen Juden, die das Jüdische als Muttersprache spreche», freudig begrüßt werden. Ter jüdische Gelehrte Westeuropas wird es bald als Nachschlagebuch und infolge seines kulturhistorischen Wertes schätzen. Speziell in den Sprichwörtern gibt cs bedeutsame Einblicke in die jüdische Volksseele. Tie Ausstattung des Buches ist nicht nur hinsichtlich des Einbandes, sondern auch in bezug .ans Truck und Papier eine tadellose. Offenbacher Druckluft - Anlage Telefon 123. Oftonbach N. H. Telefon 123. Unfibertrolfene bewährteste Tapplchrallllgaiig.. Seife 5. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbaca a. Mi —— . Segen Siebt and Bbevmatbmw bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. S. TeL 259 n. 714. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Iwaeh.) Samstag, den 27. April l—10. ljar»: Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 05 Min, Sabvat-AuSgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 25 Mine in Berlin 8 Uhr 10 Min. Wochenabschnitte: Acharei-maus und Kedau» sch im. — Die Opferhandlnngen des Hohenpriesters am Jaum-Kippur. Er hatte für sich, für die amtierenden Priester, endlich für ganz Israel Sühnopfer zu bringen und Sündenbekenntnis zu sprechen. Einer der Sühnböcke sollte in die Wüste geschickt werden. Räucherwerk ist darzubringen. ' Kein Opfer ist außerhalb der Stifts« Hütte darzubringen. Verbot des Blutgenusses, denn „das Blut ist das Leben", und ihr „sollt nicht das Leisten mit dem Fleische verzehren.". — Das Blut geschlachteten Wildes und Geflügels ist mit Erde zu bedecken. — Verwarnungen, die Gräueltaten und Unsitten der heidnischen Ureinwohner nicht nachzuahmen. „Sonst wird auch euch das Laich ausspeien." Es sind die für eheliche Verbindungen streng verbotenen Verwandtschaftsgrade anfgeführt. („Erwaus"). — Der Wochenabschnitt Kedauschiin ist einer der' inhaltreichsten im ganzen Pentateuch. Gebot der Sabbatheiligung, Verbot des Götzendienstes, Vorschriften für den Genuß der Opfer, Ärmenabgaben in Feld und Weinberg, Verbot des Diebstahls, des Fluchens, der Verleumdung, der Rache, das Gebot der reinen Menschenliebe („Liebe deinen Nächsten wie dich selbst") das Verbot der Mischgattungen in Feld und Weinberg, bei Gewandstoffen und Tiercuten; Gebot der Enthaltung vom Genüsse der Baumfrüchte während der ersten drei Jahre nach der Anpflanzung; Fremdlinge zu lieben, richtiges Maß und Gewicht zu haben usw. Freitag abend (26. April) — 25. Omer Samstag ,, (27. ) 26 Sonntag ,, (28. ) - 2< Montag ,, (29. .. - 28. „ Dienstag (30. Mittwoch „ ( l. Mai) 30[ " Donnerstag „ (2. .' ) - 31. „ Wochengottesdienste in Frankfurt. Morgens: 0 Uhr (Hauptsynagoge 7 Uhr, Synagoge Köuigsteinerstraßc 7 Uhr 30 Min.). Abends: 7 Uhr (Hauptsynagoge 4 Uhr). I Taschentücher II empfehlen in grosser Answahl und allen Preislagen II F. C. Strubberg & Co. II 25 Nene Mainzerstrasse 25. |D Spende». Bei der Geschäftsstelle gingen für den Natwnalfonds ein: Anläßlich der Verlobung Flora Goldschmidt—Jakob Wechsler stiften auf den Namen des Brautpaares je 1 Oelbaum im Lazar Mainz-Wald: ,. Caroline Hamburger, Isaak L. Goldschmidt, Leo Goldschmidt, David Hamburger, Frankfurt a. M., Heinrich Rosenbaum, Fürth i. B. 30.— .16. Desgleichen Siegmund Rosenbaum und Hermann Mansbach, Mannheim 6.— „ Anläßlich des ersten Schulbeginns ihres Sohnes Leo stiften Bernhard Löwmstein und Frau Erna geh. Gottselig einen Oelbaum 6.— ,, Johoua Krieff, Sossc (Tunis) für 1 Oelbaum 6.— „ Staniol u. Zigarrenspitzen Geschwister Josef, Sandweg. Eingänge für den Jüdischen - Nationalfonds bei Herrn Martin Levigard. K Aus Büchsen: 753 S. H. Goldman» 10.— .#, D 572 E. Lion, Sandweq 52 7.-, ., D 1842 E. Pcssel 5.01„ K 714 Frl. Flaum 23» K 1827 Martin Wolfs 0.34 K 821 Sieg. Moranz 9.—' „ K 815 W. Steigerwald, Rohrbachstr. 22t D 570 Tr. Siegfr. Schwarzschild 23.-,, 58.89.16 frankfurter Möbelmagazin Kober! 5imon Ausstellung compl.Wohnräume Gr.Eschenheimer5fr.39u.39a Schillerst. 26. Frankfurter Familiennachrichteu. Geboren. E. Tochter, L. Schweizer (.Herzfeld), Äettenhostveg 121. — ß. Tochter. Ludwig Maier (Rosenthal), Augsburgerstr. 10. — E. Tochter u. E. Sohn, Elias Herz (Ledermann), Friedbergcrlandstr. 43. — E. Sohn, Leopold Haas (Stern), Tiergarten 42. — E. Sohn, Oscar Bacharach (Lcvy). Reuterweg 64. — E. Sohn, Isaak NMiadomski (Grünberg), Rechneistr. E. Sohn, L. AiMgenheimer (Schaumberg), Krautmarkt 7. .f'-v E. Tochter, Martin Ansbacher (AnSb«her>, Schpsmeni i t

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