Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1912)
- Date
- 1912-03-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5 I r, >11. en;en 46 90. «et illig fen tei S9 aus Czernikau zu. verdanken, der hierfür 10V 000 Frcs. hinterlassen hatte. . Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. 2l. Cohn-Basel. Er sprach Worte, getragen von tiefer Religiosität, die in ihrer Gedankentiefe und Erhabenheit einen mächtigen Eindruck auf die Andächtigen machten. An die religiöse Feier schloß sich ein solennes Festbankett mit 320 Teilnehmern in den Sälen des ,Mrrsaals" unter dem schneidigen Tafelmajorat des Herrn S. Erlanger- Braun und ein prächtiger Festball. —. Am Bankett wurden die Vertreter der Behörden, der umgebenden drei christlichen Konfessionen, der Delegierten der Schwestergemeinden der Schweiz. von Herrn . Stadtrat Erlanger begrüßt, und zwischen den vielen Toasten wurde ein glänzendes Unterhaltungsprogramm abgewickelt, mn das sich namentlich die Damen Frank. Frankel und Hnrwitz und die Herren- Keller und Max Erlanger verdient machten. Es war ein Ehrentag der jüd. Gemeinde von Luzern, der wohl allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird. G Min. Akiba. Historische Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung). (Fortsetzung.) „Auch Du, liebes Kind, — doch wie wirst Du auf Stroh schlafen können?" „Darüber mache Dir keine Sorge," erwiderte Rahel, „das Stroh ist frisch und rein, und ich habe ein sauberes Tuch darüber gebreitet, — und Du hast , mir von Akiba erzählt; — das genügt." Sie begab sich in das anstoßende Zimmer, das vom Schein des Vollmondes mild erhellt war. Es war ein armseliger Raum, namentlich im Vergleich zu den Räumen, die Rahel von Kindheit auf in dem Hause ihres reichen Vaters gewöhnt war, — und dennoch fühlte sie sich hier so frisch, so leicht, so durchdrungen von einem unnennbaren Glücksgefühl. Traumlos schlief sie, bis der Motgen graute« Doch auch dann erwachte sie Noch nicht, aber liebliche Bilder uMgaukelten ihre Sinne, sie fiihlte sich zurückversetzt in die Tage ihrer Kindheit, in den Garten ihres Vaters, als Akiba ihn noch Pflegte und tausende von duftenden Blumen und Blüten mit süßem Duft die Lust erfüllten. Sie sah sich selbst, als kleines 'Kind auf denk Arm ihres Freundes, der sie hoch emporhob, damit sie mit den eigenen kleinen Händen die rotwangigen Aepfel pflücken - und der Mutter bringen könne. Sie hörte sich selbst darob jauchzen. — Und dann war sie urplötzlich zur Jungstau gereist, — und' da kam ihr Freund mit den leuchtenden Augen über die sonnige Ebene, schon von Iveitem streckte er ihr die Arme entgegen, und mit lautem Jubelschrei eilte sie auf ihn zu, un& er umschlang sie mit beiden Armen, und drückte sie an sich, so fest, so fest, Laß sie nicht mehr atmen konnte und glaubte sterben zu müssen in übergroßer Wonne. Und dann erwachte sie, schlug die Augen auf und blickte staunend um sich in dem ärnrlichen und doch so traulichen Stübchen, das die Sonnenstrahlen dürchswogten. Im ersten Augenblick wußte sie nicht, wo sie sich befand. Doch da räusperte sich im Nebenzimmer die Muhme, und jetzt erinnerte sie sich an alles. Rasch sprang sprang sie auf, badete Kopf, Hals, Hände und Arme in kallem Wasser, kleidete sich an und begab sich int das andere Zimmer. Mer begrüßte sie die Muhme und machte sich dann rasch an die Arbeit. Es ging chr alles so flink und gut von statten, daß Frau Bele wiederholt versicherte, so schön hätte es noch niemals bei ihr ausgesehen, jetzt brauchte sie sich nicht zu schämen, wenn auch der Hohepriester sie besuchen würde. Rahel lachte und sprach ihren Zweifel aus) daß der Hohepriester ihre Tante hermsuchen tvürde. „Ich hübe das doch nur so gesagt; ich habe sagen wollen, Laß jetzt kommen kann, wer da will, — Und ich weiß auch, wer nrir hier lieber wäre als der Hohepriester." fe Rahel hatte ihre letzten Worte nicht gehört'. „Ich werde jetzr zu der Nachbarin gehen. Sie hat gesagt, wenn ich hier mit der Arbeit fertig bin, dann soll ich zu chr kommen." Sie hatte bei 'diesen Worten die Tür geöffnet und war im Begriffe, Las Zimmer zu verlassen, als Akibas hohe Gestalt chr entgegentrat'. „Akiba!" schrie sie auf und wich zurück ins, Zimmer junii lehnte sich zitternd geigen die MM ,^JH habe Dich erschreckt," sagte er mit seiner sanften, wohllautenden Stinime, nach der sie sich so oft gesehnt hatte. „Das tut mir leib) verzeche, Rahel. — Aber hast Du mich denn nicht erwartet?" Rahel war noch nicht imstande, ein Wort hervorzubringen. Der Hals war chr wie zugeschnürt, sie schüttelte nur verneinend den Kopf. „Nein," sagte Frau Bele, „sie hat Dich nicht erwartet, denn ich habe ihr nicht gesagt, daß Du kommen werdest; hätte ich's gesagt, sie hätte kein Auge die ganze Nacht zugetan. — Doch nun setze Dich, Akiba, dort auf. die Bank, und Du, Rahel, setze Dich her zu mir. Der Nachbarin habe ich's schon gestern AbeirL gesagt. Laß Du erst nachmittags zu ihr kommen . wirst." Rahel nickte ihr dankend zu, während sie, ihrer Aufforderung entsprechend, sich neben sie setzte, während Akiba sich chr gegenüber niederließ. Mit heißen, forschenden Augen blickten die Liebenden zu einander hinüber. Sie Hatten einander so lange nicht gesehen, — und beide hatten sich in dieser Zeit merklich verändert; beide waren noch schöner geworden, wenn auch Akibas Angesicht Len rosigen Schein verloren hätte. Len der stete Aufenthalt im Freienihm ehedem gewährt, sein Gesicht schien dadurch nur noch mähr durchgeistigt, und seine wunderbar schönen 'Augen funkelten noch feuriger. Rahel sah und fühlte, wie der Blick chres Freundes staunend Aber ihr 'Antlitz glitt, und wie eine Träne in sein Auge ttat. „Mir scheint, ich gefalle Dir nicht mehr," sprach sie lächelnd. „Rahel!" rief er, und Las Beben seiner Stimme verriet die Unmöglichkett, auf ihren Scherz einzugehen, „wie kannst Du nur so reden! — Schöner, ungleich schöner bist Du geworden, als ich geglaubt habe, daß ein Mensch werden könnte, — und das dunkele Geringe! auf Deiner glatten, weißen Stirn, es stcht Dir geradezu wunderbar. — Aber das hast Du doch nicht im vorhinein ivissen können, — und auf die Gefahr hin, für lange Zeit entstellt zu werden, hast Du Dich Deines herrlichen Schmuckes, Deiner wunderbar.schönen Haare beraubt, — um meinetwillen!" fügte er flüsternd hinzu. „Wenn ich nur wüßte, wie ich mich, solch heiliger Liebe würdig machen könnte!" „Ach, sprich nicht so, . was ich getan habe, ist Loch nicht der Rede wert." „Wäre nicht Ler Rede wert? — Mir scheint, solange die Welt stcht, hat iwch kein Wchb so viel für einen Mann getan, wie Du siir mich. Wenn ich Dir's doch vergelten könnte!" „Du hast es mir längst vergolten!" „Ich hätte Dtt's vergolten? Hätte je etwas für Dich getan? — Tun können?" „Weißt Du denn nicht, daß Du meinen Wunsch erfüllt und mich dadurch stolz unL glücklich gemacht hast?" Akiba lachte. „Bist doch noch ganz die Alte, wenn Du auch viel größer und viel, viel schöner geworden. Bist noch meine liebe, kleine Herrin oder, wie Deine Mutter, — sie möge in Frieden ruhen, — Dich oft genannt hat, ihr liebes Drehköpfchen, well, wenn Deine Gespielinnen Dir zuweilen Deine Spielsachen .weggenommen hatten, Du immer behauptet hast. Du hättest sie ihnen längst schenken wollen. Erinnerst Du Dich nicht?" ^Wie sollte ich mich nicht an meine eigene Kindhett erinnern? Weißt Du, was mir diese Nacht geträumt hat? Wir wären in unserem Garten gewesen, und Du hättest mich die schönen roten Aepfel pflücken lassen." „Dieser Traum wird sich schwerlich je verwirklichen," sagte Akiba, plötzlich ernst werdend. „Deines Bateirs Groll gegen mich hat eher zuals abgenommen." „Leider! leider!" „Jawohl, leider, denn ich habe seinen Haß nicht verdient, er ist recht eigentlich das, was wir einen grundlosen Haß nennen. — ITnb daß er aus Haß gegen mich Dich ■ verstoßen hat, sein eigenes, einziges Kind' —. —" „Ich weiß nicht, ob sein Haß gegen Dich, Len ich leider nicht in Abrede stellen kann, dabei im Spiele ist- — Ich glaube vielmehr, es ist Nachgiebigkett gegen seine Frau, die er für einen Engel hält, und die es weiß, Laß ich sie nicht für die Unschuld halten kann, die zu sein sie vorgibt. Aber wenn es auch jetzt nicht zuni Bruch gekommen wäre, gleich nach der Jahrzeit wäre es auch ohne chr Hinzutun dazu gekommen, denn schon vor seiner Verheiratung ist mein Vater in mich gedrungen, ich. müßte heiraten. Ich erllärte chm. Laß' ich mich im Trauerjahr um keinen Preis verheiraten würde oder auch nur verloben, außer mit demjenigen, den ihm meine Mutter am letzten Abend vorgeschlagen hat." (Fortsetzung folgt). IIDTIK J-W-«tat, Id- P- IMeig, U I* I I »R Ecke Neue Halnzerstr. u. Welssfrauenstr. N. Elektr. Kleinbeleuchtung, Taschenlampen. Schlafzimmer-Einrichtungen Betteniabrikation, Bett-Wäsche. Georg Aniemlt, Nachf. Rleidenstrassc 10. _ Halber Friedrich Quelle .->— Offenbach a. M. ■ Gegen Gicht and Rheumatismus bewahrt. Alleiniger General -Vertreter: Frledrioh Stahl« Frankfurt a. lff», StaUburgstr. 9. TeL 259 a- 714. Wochetr-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 30. März (=12. Nissan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 20 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 40 Min. in Berlin 7 Uhr 15 Min. Wochenabschnitt: Zaw. — Die beständigen Altarfeuer, die besonderen Arten von Speiseopfern, Borschristen für das Sündopfer, Schuldopser, Fciedensopfer und Tankopfer. Zell- und Reintzeitsvorschrift für den Genuß der Opfertelle. Unerlaubte Gennßstücke. Einkleidung und Weihe der Priester für chren heiligen Dienst. (Aehnliches in Tezaweh). Salbung mll Olivenöl, siebentägiger Anfenthält im Borhof des Stiftszeltes. Sch abbos-Hagodanl. — Der Sabbat vor Pesach führt den Namen Schabbos-Hagodaul (der „große" Sabbat) zur Erinnerung an das große Wunder, das sich an unseren Borfahren in Aegypten vollzog. Sie stellten das von den Aegyptern göttlich verehrte Lamm znm Schlachten bereit, und doch schwiegen ihre Zwingherrn dazu! Das war gleichsam ein Wahrzeichen der bevorstehenden Erlösung. Pesach. Festesbeginn: Montag abend 6 Uhr 45 Min. (Frankfurter Zeit). Während des Pesachfestes, das an die Begründung des jüdischen Volkskörpers durch die Erlösung aus Aegypten erinnert, ist alles Gesäuerte znm Genüsse.und zum Besitze verboten. Ter Chomezgenuß ist schon am Ere.w Pesach von ungefähr 9 Uhr untersagt; der Verkauf bis gegen 10 Uhr 20 Min. gestattet. Weder im Hause noch sonstigem Eigentumsraum darf Chomez bleiben. Sonst ist es selbst nach Pesach zum Genuß verboten. An Nichtifraeliten verkaufe mans mit richttgem, nicht Scheinvertrag. — Am 13. Nissan abends findet,Vchikas Chomez" statt. Brocho: Al Mur Chomez. Bezieht sich zugleich ans das morgige Verbrennen. (10 Uhr). Das „Chomezlegen" eigentlich unnöttg. Man spricht die Formel ,Kol-charniro" abends und morgens in der vorgeschriebenen Form. Dadurch gibt man das Eigentumsrecht auf. Es ist Süte, daß am Erew Pesach die erstgeborenen Söhne fasten. Man nimmt am Erew Pesach „Challo" von Mazzos; mehrere Pallete vereinige man zu diesem Zweck unter gemeinschaftlicher Ueberdeckung. Man esse nicht Mazzos; Gebackenes daraus zum Genuß erlaubt. Haärscheeren, Nägelschneiden vormittags, da nachmittags zur Tempelzeit Jomt.ys war wegen Darbringung des Pesachlammes. Der Seder: Hierüber Näheres in jeder Hagadah! Omer zählen: Omer war ein gewisses Maß, das man voll Gerstenkörner am 2. Tag Pesach brachte. Bon da an zählte man sieben Wochen bis Schowuaus. Lehre hieraus: a) das Erstgeschnittene dankbar Gott zu weihen; 1>) Pesach und Schowuaus gehören zusammen, erst die Gesetzgebung krönte den Auszug aus Aegypten. — Man zählt nachts; kanns auch am anderen Tag —. ohne Brocho — nachholen. Wer einen Tag ganz übergangen, darf die folgenden Abende nur ohne Brocho zählen. Samstag, den 6. Aprll (19. Nissan). Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 30 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min., in Berlin 7 Uhr 30 Min. Dienstag abend ( 2. April) 1. Omer Mittwoch ,, ( 3. „ ) 2 Donnerstag „ (4. „ ) — 3' ,, Freitag „ ( 5. ) — 4. Samstag „ (6. ., ) — 5. „ Sonntag „ (?. „ ) — 8. Montag Tiestag ,, ( 8. „ — 7. ,, „ (9- „ ) — 8. Mittwoch „ (10. „ ) 9. „ Donnerstag (11- „ ) — 10. Offenbaeher Prnekluft - Anlage Telefon 123. OHanbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewührteete TappIchralntflaDO. Taschentücher empfehlen in grosser Answahl and allen Preislagen F. 6. 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