Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Fviückfsrker FsrsÄttWe? DüMMlstA.' Seite 10. mal sie oft einen erstaunlich gute« Blick für die -beste Lösung schwieriger sozialer Probleme hatte.. Wer sie selbst war ganz eigenartig mittätig an den Werten der Nächstenliebe und Hilfsarbeit. So ' manche geschäftliche Existenz und dmnit manches Familienglück machte sie flott, indem sie ihre Krankenstube so lange in eine Geschästsfiliale verwandelte und ihren ' großen und vornehmen Bekanntenkreis als Kundschaft beschiel», bis sie dem eigentlichen Geschäftsinhaber ein treues Stammpublikum gesichert hatte. Das für die soziale Arbeit einzig richttge und gesunde Prinzip, den arbeitfähigen Armen nicht durch Almosen, sondern durch Beschaffung von Arbeit zu menscheMviirdigem Dasein zu helfen,-hat das junge, leibende Geschöpf gradezn vorbildlich verwirklicht. Gar manche jüdische und nichtjüdische Familie — ihr Herz hatte auch für die Not Andersgläubiger Raum — mag .darum in diesen Tagen mit den des einzigen Kindes beraubten Eltern um -das Welten dieser schönen Mcnschenblüte bittere Tränen vergossen haben; das Heim des jüd. Frauenbundes in Isenburg, das neue jüd. Kinderheim daselbst, der Israelit. Almosenkasten, die so manchen Beweis ihrer Liebe erhielten, trauern um sie. Frankfurt a. M. Eine wahrhaft jüdische Frau ist mit Frau Gittel Reumann, die nach kurzem Leiden im 73. Jahre hier verschied, dahingegangen. In Wjelun (Ruß.-Polen) geboren, wo sie in frühester Jugend durch ■ -ine tückische Krankheit Eltern und sämtlichc Geschwistcr verlor, gelang es ihr, infolge ihrer großen geistigen Fähigkeiten, sich durchzukämpfen. Sie heiratete dann einen bekannte» Talmudgelehrten ihrer Stadt und stand ' ihrem Manne auch dann noch, als bereits eine zahlreiche Kinderschar da war, nicht nur als Hausftau sondern auch als Verdienerin zur Seite. Bor Jahren siedelte sie zu ihren verheirateten Kinder nach Frankfurt, über, auch hier noch wirkend, indem sie ihren Kindern und Enkeln das Vorbild eines wahrhaft jüdischen Lebens . gab 'und Wellen Kreisen russisch-jüdischer Glaubensbrüder und «Schwestern mit Rat und Hilfe beistand. : - Frankfurt a. SK. In der trat 26. Febr. stattgebablen Versammlung der hiesigen Mllglieder der Alliance Jsraölite Universelle wurde eine Neuwahl des Lo kalk o m i t e e s vorgenommen. Es besteht nunmehr. aus folgenden Personen: Direktor Tr. Adler, Rcchtsanwall Dr. E. Baerwald, Justizrat Dr. Blau, Frau Dr. Jsaac Heinemann, Frau Bertha Holzmann, Rabbiner Dr. Nobel, Benny Oppenheimer, Alfred Rosenthal, Theodor Hein^ rich Schlesinger und Rabbiner Dr. Selig mann. ■ Berlin. Die Exvedition zur Erforschung des Toten Meeres, deren Kosten die Gesellschaft >. für Palästinaforschung und Herr Oskar Tietz ttagen, ist mit wichtigen Ergebnissen zurückgekehrt. —. Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Karl Liebermann ist anläßlich seines 70. Geburtstages von der technischen Hochschule in Braunschweig mll dem Dr. ing. honoris eausa bedacht worden. Berlin. Zn einer Polemik zwischen Abg. Dr. . Schisferer und Wg. Justizrat Waldstein erläßt; letzterer eine Erklärung, deren Schluß lautet: Daß die Herrn Dr. Schisferer freundliche Presse diesen Anlaß zu antisemitischen Ausfällen auf meine Person benutzt, wird Herrn Dr. Schisferer selbst sicherlich sehr mrerwünscht sein angesichts der Tatsache, daß an der Spitze seiner Fraktion im Abgeordnetenhause die Herren Dr. Friedberg und Schiffer stehen, zwei Männer, deren Wiege in einem jüdischen Hause gestanden hat Berlin, 29. Februar 1912. Waldstein, Mitglied des Reichstages und des Abgeordnetenhauses. Breslau. Mit d m Lode des Weinhävdlers Heinrich Büchler hat unsere Gemeinde einen Mann von bedeutender talmudischer Gelehrsamkeit verloren. Neustadt lAt-W-Bahn». Die jüdische Gemeinde baut ein neues Schulhaus mit Lehrerwohnung. Stuttgart. Kuchenvorsteher David Schwabacher ist mit der Karl-Olga-Medaille in Silber und Dr. med. S igm. Weil mit dem Titel Sanitätsrat ausgezeichnet worden. Hamdurg. Der Kunsthistoriker und Archäologe Dr. Marburg, der jüngst die Berufung an die Universllät Halle ablehnte, erhielt vom hiesigcir Senat den Titel Professor. Stratzburg. Am 21. August 1910 wurde die Gemahlin des bekannten Mitglieds des Israel. Konsistorllnns Aron D u r l a ch von der Equipage des Landesdirektors Baron von Gemmingeu, die vom Grafen Solms gelenkt wurde, überfahren. Frau Durlach ist noch heute nicht ganz hergcstellt. Da die Herrschaften sich, weigerten, eine Entschädigung zu zahlen, so mußte Herr Durlach einen Prozeß anstrengen. In dem Termin, der dieser Tage stattfand, . erlaubte sich nun der Vertreter der Beklagten mehrere antisemitelnde Redewendungen, was einen sehr unliebsamen Eindruck machte. Wiesloch Gerson Flegenbeimer und Frau Therese geb. Türkheimer feierten die gvldeneHochzeit. La-Chauxde-Fonds (Schweiz,. Anläßlich ihres 100. Geburtstages wurde Frau Rachel Nordmann von der Regierung mit einem Geschenk — einem prachtvollen Sessel — beehrt. Kiew »Rußland». Die G erich ts v erbau d lu n g gegen den des Mordes an dem Knaben Justschinsky angeklagten Inden Beilis findet im Mai statt. Ans -er zionistische« Bewegung. Zürich. Zur Purim frier des Studentenvereins „Bar-KochLa" hätten sich alle Schichten der hiesigen Judenhell eingesunden. Sind. med. Rom hielt die Festrede. Die darauf folgenden musikalisch-deklamatorischen Darbietungen ernteten lebhaften Beifall. Während der Tanzpausen wurden Studentenlieder gesungen und verschiedene Ansprachen gehalten. Aus letzteren sei die des Vertreters der jüd.-nationalen Verbindung „Makkabäa", sind. jur. Grünfeld hervorgehoben, der konstatierte, daß Lei den Züricher Akademikern das Interesse an der jüd.-nationalen Bewegung sichtbar zunehme. Budapeft. Anläßlich des Kongresses der jüd. Gemeinden veranstalteten die „Makkabäer," der bekannte Studentenverein, einen Kommers, an dem auch zahlreiche Nichtzionisten teilnahmen. Ansprachen hielten u. a. Hofrat Franz Szskely, Rektor Bacher vom Rabbinerseminär, Hofrat Winterberger, Franz M e z e i und Reichstagsabg. Samuel B a k o n Y i, der , in der zionistischen Jugend den Frühling einer besseren Zell^ sür das ungarische Israel sieht." Warschau. Ein Redakteur des „Heint" hat den berühmten Ärisker Raw Rabbi Chajim Soloweits ch i k, die hervorragendste talmudische Kapazität der Gegenwart, besucht und ihn in bezug auf die Vorstandswahlen in der hiesigen jüdischen Gemeinde gefragt, welchen Standpunkt der orthodoxe Jude zu der Wahl von Zionisten und Assimilanten zu Vorstehern ciuzunehmen hat. Rabbi Solowellschik Nr. 10. erwiderte, die Gruiidforderungen für das Borsteheraiiit seien neben einwandSfreier rechtschaffener und demokratischer Gesinnung ein lebendiges jüdisches Interesse und Liebe zum jüdischen Volke. Nach dieser Antivort hat Rabbi Solowellschik, der kein Anhänger der zlonistischeii Bewegung ist, nichts gegen die Wahl von Zionisten einzuivenden. Ans de« Vereine«. Berlin. Dem Berichte des Vereins „Jüdische Lesehalle und Bibliothek" (Oranienburgerstr. 58) entnehmen wir folgendes: Der Bücherbestand hat —.. insbesondere Dank den Zuwendungen des Deutsch-Israelit. Gemeindebundes und des Herrn Gehcimrat Geiger — eine Bereicherung um 700 Bände erhalten und umfaßt jetzt. 8000 Bände. In den Leseräumen, deren Besucherzahl sich auf 31336 Personen bezifferte, liegen 86 jüdische Zeitungen aus. Der Kassenbericht schließt mit rund 8000 JL in Einnahmen nnd Ausgaben ab. '; Ziegenhain. Am vergangenen Mittwoch ist hier ein Frauenverein gegründet worden. Sämtliche Flauen unserer Gemeinde sowie zwei auswärtige sind demselben sofort beigetteten. Die Verwaltung liegt in den Händen der Vorsteherin Frau Höxter und Frau Anhalt. Kassiererin ist Frau David. Vereinsversammlungc» sollen vorerst alle Vierteljahr stattsinden. Bunte Chronik. „Sie werden doch nicht des Teufels sein!" Um den Wsatz der von ihär ins Leben gerufenen Berliner Porzellanmanufaktur zu fördern, hatte Friedrich der Große bekanntlich befohlen, daß die Juden bei ihrer Verheiratung bestimmte Mengen von Porzellan aus der staatlichen Porzellanfabrik kaufen sollten. Auf das jeweilige Bedürfnis wurde keine Rücksicht genommen, wie z. B. die Leiden menschengroßen, grünen Porzellanaffen beweisen, welche sich noch in Besitze der Familie Mendelssohn befinden. Als die Einnahmen der Porzellanfabrik trotz dieser Gewaltmaßrcgeln schwach blieben, verfügte Friedrich der Große, es sollte den Juden der Ankauf größeres Mengen von Porzellan anbefohlen werden. Gegen diese Verfügung wurde das Ministerium in einem längeren Berichte vorstellig, in wekhssm u. a. die Besorgnis ausgesprochen wurde, die Juden könnten, um solcher Mehrbelastung zu entgehen, massenhaft zum Christentum übertreten und dadurch die Lebensfähigkeit, der Porzellanmannfaktur ganz in Frage stellen. Friedrich der Große las den Beruht nnd schrieb kurzerhand an den Rand: „Sie werden doch nicht des Teufels sein!" Kunst nnd Literatur. Nord und Süd. Eine Halbmonatsschrift, herausgegeben von Ludwig Stein. 1. Märzheft 1912. Berlin. Das vorliegende Heft enthält u. a. einen Aufsatz des Generaldirektors der ,,Jca" Prof. Dr. Sigmund Souuenselb.. Der Aufsatz, betllelt „Jüdische Bauernkolonien," 'beschäftigt sich! in kurzen Strichen mit der Gründung der Jca und mit deren argentinischen Kolonien. Durch die Versetzung unseres Herrn Rabbiners in den Ruhestand wird die Kaddinal88tvllv in unserer Gemeinde zum 1. April d. Is. frei unfTsoll baldmöglichst wieder besetzt werden. Das Ansangsgehalt bettögt 4500 Mt jährlich und steigt von 3 zu 3 Jahren um je 510 Mk. vis zum Höchstv.ettage von 6000 Mk. Für die Erteilung des Religionsunterrichts au den höheren Schulen sind außerdem bisher er. 260 Mk. jährlich vergütet worden. Nebcneinnahmen sind vorhanden. Die Pcnsionsversicherung des Rabbiners und die Fürsorge für seine Hinterbliebenen sind sctzungsgemäß gewährleistet. Akademisch gebildete Theologen deutscher Reichsangehörigkeit.weiden gebeten, ihre Meldung mit Lebenslauf und Zeugnisse bis zum 1. April d. Is. an den Unterzeichneten gelangen zu lassen. . T-ilsit, den 25. Februar 1912. Dbp Vorstand der Kreis-Spagagen-EeniEind*. Dr. Rosenkranz. & pr E Zur selbstständigen Führung meines kteinen Haushaltes (3 Personen) suche per I. April ein tüchtiges Fräulein gegen hohen Saläir. Dasselbe muß perfekt in der Küche sein und die Pflege meines 8jähr. Töchterchens mll übernehmen. Dienstmädchen vorhanden. 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