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Neue jüdische Presse · 1912-03-08 · Heft 10 (8.3.1912) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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„ zu Hl 10 ifes Frankfurter IsmeMslkm #ami(ien6(affe§. Frankfurter Berichte. Im Verein „Tiferes B a ch u r i m" sprach vorige Woche Herr A. Harbnrger über „Unsere Stellung nach innen n n d außen." Referent präzisierte die Stellung der Gesamtjudcnheit nach außen und zwar kulturell, wirtschaftlich und politisch, wobei er unter großen Gesichtspunkten auch auf die geschichtliche Entwicklung dieser Stellung einging. Er schilderte ferner die Stellung nach innen in religiöser Beziehung, indem er Iviedcruni unter geschichtlichen Rückblicken das Entstehen und Wirken der bedeutendsten für das Judentum tätigen Vereine und Verbände ausführlich behandelte. Dem anregenden, aber auch fast unerschöpflich weitgreifenden Thema schloß sich eine lebhafte Diskussion an. Eine schöne und eindrucksvolle Purim feier veranstaltete die von Rabb. Dr. Lazarus und Dr. Salzberger geleitete Religionsschule — Hebräische Unterrichtsanstalt — in der Aula des Philanthrop in. Die Feier wurde durch einen reizenden Mnsikvortrag von Schülern und Schülerinnen des Philanthropin eingeleitet. Alsdann wurde eine schöne, sinnreiche Deklamation „Mordechais Trost" von vier Knaben effektvoll vorgetrage». Darauf, folgte eine inhaltreiche, von echt jüdischem Geiste getragene Festrede von Fräulein Gr e t h a Krämer. Rednerin entwarf ein gctreuliches Bild von der Persönlichkeit Esthers als eine echte Jüdin, bei der starkes jüdisches Gefühl mit jüdischer Besonnenheit, also Idealismus und Realismus gepaart waren, auch Bescheidenheit zierte ähre große jüdische Seele, und mit Reiht dürfe sie daher den andern großen historischen Töchtern Judas, die in Zeiten der Not als Retterin entstanden, angereiht werden; die Verherrlichung Esthers durch „Megilas Esther" beweise zur Genüge, wie hoch die Frau im Judentum bewertet wird; unter den andern Völkern, die die Frau erniedrigt haben, konnte keine „Megila? Esther" entstehen. Rednerin richtete zum Schluß einen warmen Appell an die anwesenden Schülerinnen, gute Jüdinnen, treue Töchter ihres bedrängten Volkes zu sein, in Zeiten der Not ihrem Volke beiznstehen und in der Gegenwart für die Zukunft Israels sich vorzuberciten. Dem jüdischen Teil folgte der allgemeine, der gleichfalls glänzend verlief. Personalien n. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Freifrau Mathilde von Roth» s ch i l d, die Witwe Wilhelm von Rothschilds, dieses vorbildlichen Thorajuden, feierte am 5. dss. in Rüstigkeit ihre» 80. Geburtstag. Mathilde von Rothschild wurde als Tochter Anselm Salomon von Rothschilds, der später die Leitung des Wiener Bankhauses übernahm, in unserer Mainstadt geboren. Bald zeigte sich bei ihr ein hervorragendes musikalisches, Talent, das liebevolle Pflege fand und später nicht nur ' ausübend, sondern auch schöpferisch, in eigenen Kompositionen, in vollendete Erscheinung trat. Mer auch für die 'anderen Zweige der schönen Künste hatte die zu einem jungen Mädchen Herangewachsene lebendiges Interesse, dem sich dann später, an der Seite ihres Gatten, der Sinn für soziales Wirken hinzugesellte. Das israelit. Krankenhaus und Kinderkrankenhaus am Röderbergweg, die weibliche Abteilung des Gnmpertzschen Siechenhauses, das Israelit. Mtersheim auf der Zeit, das Israelit. Knaben-Waisenhaiis, die Israelit. Suppenanstalt, eine Stipendienstiftung des Knnstgewerbe. eine Stiftung für alleinstehende Frauen und Witwen ohne Unterschied der Konfession und noch manch' andre philanthropische Institution legen Zeugnis ab von dem sozialen Pflichtgefühl auch bei diesem Sproß der Rothschild-Familie. Zur Feier des 80. Geburtstages hatten sich im Schloß Grüneburg zahlreiche hohe Gratulanten eingesunken, so Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von . Hessen, Regierungspräsident Dr. von Meister, Polizeipräsident Ries von Scheurnschloß, Landrat Dr. von Marx. Der Magistrat der Stadt Frankfurt überreichte eine Glückwunschadrefse. Frankfurt a. M. Ein Mensch von außergewöhnlichen Qualitäten schied in der Frühe des verflossenen Mittwoch in dem erst 29jährige» Fräulein Elsa Eisemann vom Lichte dieser Welt. In der Novelle „Zwei Wiegen" von Wilhelm Jordan ist eine edle Fraueiigestalt verherrlicht, die durch eine körperliche Lähmung fast ihr ganzes Leben lang an die Krankenstube gefesselt ist, an deren Krankenlager aber die Schicksalsfäden zahlreicher, bedeutender Menschen zusammenliefen und geordnet wurden. Diese Gestalt wurde durch das zu früh verschiedene Fräulein Eisemann Wirklichkeit. Bon früher Kindheit an war sie durch ein schweres Leide» gequält, das die kein Opfer scheuende Liebe der Eltern und die Kunst der hervorragendsten Aerzte nur in Schranken zu halten, aber nicht zu heilen vermochte. Aber ohne Rücksicht auf die körperliche Behinderung, oftmals der eigenen Schmerzen spottend, griff dieses lebensvolle junge Menschenkind mit ihrem klaren Geist und ihrer llebersülle an geftmdem, wärmsten Empfinden mitten hinein in das Leben, wo es der Nachhilfe bedurfte Solange die junge Dame es vermochte, ging und fuhr sie selbst au die Stätten der Not und. schuß freudig Hilfe durch gütigen, das Richtige treffenden Rat und klingende Münze. llnd während der letzten Jahre, da sie fast immer ans Leidenslager gebannt war, stellte ihr Krankenzimmer eine eigenartige Zentralstelle der Fürsorge-Angelegenheiten dar. Hier fanden sich die Besten der sozial tätigen Persönlichkeiten Frankfurts ein, erzählten von ihren Plänen und ließen sich gerne von dem vornehmen Wesen mit seinem reichen Innenleben beraten, zu- Tel. 5736 LtzrvK. lÜMMtp.V Tel. 5736 Frankfurt a. Sk. Hochsin. 2, am Eschenhiimer Turm. " Spezial-Haus 1 ■—.- für Beleuchtungskörper in Gas. Hänge-Gas Elektrisch lind kombiniert. 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