Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 0 FMetaa. © Attba. Historische Erzählung von Friedrich N o t t. ,Fortsetzung». Er drückte sic an sich und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen. Was müßte ich für ein Mensch sein, wenn ich Dich nicht gern hätte. Tu zuckeriges Weib! — Aber wenn ich einmal nicht habe daheim sein können, so hättest Du doch mit Rahel reden können. Ihr seid doch bisher so gut miteinander ausgekommen." „Mil Rahel — —" Sie richtete sich in seinen Armen ans, und trotz ihrer Frechheit konnte sie es nicht hindern, das; eine Blutwclle ihre Wangen höher färbte. .Hatte Rahel sie doch unmittelbar nach ihrem Rendezvous mit de», Garteupflegcr gesehen, als sie mit diesem aus dem Lvfthaus getreten war. „Mit Rahel ivcrde ich/ überhaupt nichts mehr reden. Denke Dir nur, als ich heute früh aufstehe, fällt mir mit einem Male ein, daß Du fortgefahren bist, ohne dem Gartenpsleger Weisungen zu geben. Darum bin ich gleichnachdem ich mich angekleidct hatte, hinunter in den Garten. Aber im Garten habe ich den Burschen nirgends gesehen, doch die Türe von dem Lusthaus war offen, da habe ich mir gedacht, daß er dort sein wird. Ich gehe schnell hin, sehe im Vorbeigehen, daß Rahel unter' dem Pfirsichbaum sitzt, der dem Häuschen gegenübcrsteht, und ins Weite starrt und finde wirklich den Burschen vor. Als ich dann nach einigen Minuten in Begleitrmg des Burschen wieder hinauskomme, — da macht Rahel ein. paar Augen, als ob ich die ganze Nacht mit dem Burschen in dem Lnsthäus gern feit wäre." „Das hat sic gesagt?" schrie Kalba Sabna. „Nein! Geredet hat sie ja kein Wort." „Alsdann redest Du Dir's nur ein." „Ich rede mir gar nichts ein, eine rechtschaffene Frau darf so ettvas nicht ans sich sitzen lassen." „'Aber Du läßt doch nichts auf Dir sitzen. Du sagst doch selber, daß sic kein Wort geredet hat." „Aber aufgeschrieen hat sic, und Augen hat sic gemacht." „Aber das ist doch ganz natürlich! Du sagst selber, sie hat nichi gesehen, wie Du hineingegangen, sondern nur, wie Du herausgckommen bist, da hat sic verwundert aufgcschrieen, mir scheint, das hätte ich auch getan!" „Und hättest auch so Böses von niir gedacht?" ' „'Aber tvohcr weißt Du denn, daß sie Böses von Dir gedacht hat, >venn sic kein Wort geredet hat?" „Aber sie hat. mich mit ihren Augen so mißtrauisch angcglotzt. Das sage ich Dir, ich kann mit einer, die so Arges von mir denkt, nicht unter einem Dache schlafen! Verheirate sic lieber heute als morgen!" „Bor der Jahrzeit um die Mutter tut sie's nicht, das hat sie gesagt,' da läßt sich nichts machen," „So? Da läßt sich nichts machen? Das wäre doch noch schöner als schön. Dn bist der Vater, und trenn sie Dir nicht gehorcht, ist sie Dein Kino nicht mehr und Du kümmerst Dich nicht mehr um sie!" „'Aber, Milka, ich tverdc doch nicht mein einziges Kind — —" „Dein einziges Kind?" — Sie neigte sich zu ihm und flüsterte ihm einige Worte ins Ohr. „Milka!" schrie er auf. Sie nickte ihm zu mit ihrem verführerischsten Lächeln. „Du tveißt jetzt, was Tu wissen mußt, und weißt auch, daß ich mich nicht aufregen, namentlich nicht ärgern darf. Aber tvcnn ich an ihre abscheulichen Glotzaugen nur denke, kocht alles in mir." „So darfst Du nicht daran denken, Milka. Gleich morgen in der Frühe werde ich mit ihr reden." „Aber mir scheint, Du bist zu gut, gehörig mußt Du mit ihr reden. Aus dem Haus muß sie, will sie nicht heiraten, wie alle jüdischen Mädchen, so kann sie gehen, wohin sie will. Du kümmerst Dich nicht weiter mit sie. Sv mußt Du mit ihr reden." „Habe keine Sorge, ich iveiß schon, »vie ich mit ihr zu reden habe. Meinst Du, ich sollte es noch heute turf? — Wenn Du meinst, tu ich's." Nach der Mitteilung, die sie chm gemacht hatte, -hielt er sich verpflichtet, alles zu tun, was sie verlangte,-mochte er es an und fiir sich gntheißen oder IlhW sie siirActe, sr wertze W tzej hex Mtvss Frankfurter Israelitisches Familienblatk. Seite 3. redung mit seiner Tochteraufregen und dadurch könne auch ihre nächtliche Ruhe gestört werden; darum pflichtete sie ihm bei, daß sie vie Angelegenheit doch noch einmal beschlafen wollten. Doch die nächtliche Erwägung brachte keine Acndcrung ihres Beschlusses. Früh anr andern Tage, nachdeni er mit dem Vater des von ihm als Schwiegersohn ins Auge gefaßten jungen Mannes alles eingehend besprochen hatte, trat Kalba Sabua in das Zimmer seiner Tochter und teilte ihr in freundlichem, doch bestimmten Tone mit, daß am Abend' ihre Verlobung mit dem jungen Jechcskel, Sohn des Rcb Schimnie, jtattsindeu werde. Rahel .erblaßte bis auf die Lippen. „Vater, lieber Vater! Du weißt doch, daß ich mich im Trauerjahr nicht verloben will!" „Das weiß ich. Aber Minhag ist nicht, daß geschieht, ivas das Kind will, sondern das, was der Vater will, uno darirm — —" „Aber Du selbst hast gesagt, tvenn ich durchaus nicht -tvill, so wollten »vir warten bis nach der Fahrzeit." „Aber Du selbst hast gesagt, wenn ich den Lumpenhund, den Meschores einsetzcn möchte, dann könnte wegen Deiner gleich Knaslegen sein. Jst's wahr oder nicht?" Rahel war im Moment glühend rot. „Es ist wahr," flüsterte sic, „denn ich weiß, das wäre der Mutter — sie ruhe in Frieden! — sehr recht gewesen. Das weißt Du doch auch." „Ich weiß, >vas ich. weis;, — aber, Kind lieb, Tein Vater ist auch nicht auf den Kopf gefallen-" Erblickte ihr forschend in das Angesicht, in dem die Färbe wiederholt wechselte. „Also, Kindlieb, sage mir, wenn wir ivarten bis nach der Jahrzcit, möchtest Du dann keinen Widerstand leisten? Möchtest Du dann ohne alles Getue den Jechcskel nehmen?" Rahel errötete über und über, ihr Blick haftete am Boden, aber kein Laut entrang sich ihren bebenden Lippen. „Na, warum redest Du nicht? — Alsdann frage, ich Dich noch einmal, »virst Du nach der Jahrzeit den Jechcskel nehmen und keine Geschichten mehr machen? — Sv rede doch! rede!" „Nein!" stieß Rahel endlich hervor, „nein! — nie werde ich den Jecheskel heiraten oder irgend einen andern als den, von dem die Mutter geredet hat." Ihr Vater brach in ein lautes Hvhngelächtcr mis. „Narrele, Narrele, bist Du denn ganz mit' gar meschugge, daß Dn Dir cinbildest, ich möchte den Meschores einsetzcn? Den Lumpenhund?" „Er ist kein Meschores mehr," stammelte das junge Mädchen, „und ein Lumpenhund ist er nie gewesen, sonst hätte die Mutter nicht gesagt, daß er ihr recht gewesen' nräre." „Rede keine Narrischkeiten!" schrie ihr Vater sie an, „Du weißt ganz gut, daß die 'Mutter nicht mehr gewußt hat, was sic redet." Aber jetzt endlich faßte Rahel Mut und teilte dem Vater in wenigen Worten mit, daß sie Akiba geliebt habe, seitdenr sie denken könne, daß sic ihn veranlaßt habe, den Posten bei ihrem Vater aufzugebcn und daß sie nie einen anderen heiraten ivcrde als ihn. (Fortsetzung folgt.) OPTIK ]. W. Int, lab. P. Wanlerey, Ecke N>ue Halnzerstr. II. Welssfiauenslr. n. Elektr. Kleinbeleuchtung. Taschenlampen. Plattfuss andern Fussschmerzen 'verschwinden ln anseren patentamtl. gesell. Arigulusstiefel- (Individuelle Anfertigung). Eberhard Müller 8 Söhne, 48 Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-W äsche. Georg Amenilt, jVachf. Bleidenstrasse 10. ßoSSmarkM7. Haarfilzhute von M.650an. Jn feineren Qualitäten alle bekannteren Marken-Fabrikate. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. X. — — Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl* Frankfnrt a, M.,. Stallburgatr. 9. Tel. 259 n. 714. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 9. März (=20. Adari Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 45 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 05 Min. in Berlin 6 Uhr 40 Min. Wochenabschnitt: Ki-Sisso. — Die Schckelsteuer (nach der Tradition zur Anfertigung der Silberfüße zu den Brettern des s-tiftszeltes). 'Am.Eingang des Stiftszeltes stehe ein .kupfernes Waschbecken. 'Aufzählung der Gewürze zur Bereitung des Salböls. Die Spezereien zur Herstellung des Räucherwerks. Nachahmung beider verboten. Das Gebot des Sabbat als Bundeszeichen. —. Moses weilt auf dem Berge, um das übrige Gesetz zu empfangen. Das Volk wird ungeduldig, zweifelt an Moses Rückkehr und zwingt Ahron zur großen Nationalsünde. 'Aus Ohrringen undanderem sschmuck entsteht das goldene Kalb. Moses kehrt vom Berge zurück. In Entrüstung zerbricht er die Steintafcln. Gott will das Volk vernichten. Moses wünscht sich selbst den Tod. Seine ergreifende Fürbitte für Israel. Gott verzeiht. Der Gott treu gebliebene Stamm Leoi schart sich um Moses; sie bestrafen die Sünder durchs Schwert, Gott außerdem durch eine Seuche. — Moses schlügt die Stiftshütte außerhalb des Lagers auf. Gott will nicht selbst das Volk nrehr sichren. Moses sieht von neuem um Wohlwollen, Gott willfahrt ihm. — Moses steigt auf den Berg, um zum zweiten Male steinerne Tafeln zu er- . halten. — Die Gebote der Fernhaltung von Vermischung mit den heidnischen Ureinwohnern Palästinas, der Pflicht der Wallfahrten und der Weihe der Erstgeborenen. —> Moses Antlitz strahlt beim Abstieg vom Berge der Sonne gleich; er. verhüllt sich, wenn er zuin Volke redet. P ar s ch as-P or o h: „Parschas Poro", der Abschnitt von der „roten Kuh," ist rätselhaften Inhalts. (4. Bch. AI. Kap. 19.) Wir hören von einer vollständig roten Kuh, die als Sühnopfer geschlachtet werden sollteum dann zn Asche verbrannt zu werden. In den Brand warf man Zedernholz, Asop und Karmesinfaden. Die 'Asche wurde in verschiedenen Urnen aufgehoben. Wenn nun jemand eine Leiche berührte oder ein Grab, einen Leichenknochen, Leichenstaub oder Gesäße, die mit Toten in Berührung kamen, oder wer „mit einer Leiche unter einer nnd derselben Bedachung geweilt," der war „tome" (unrein) mindestens 7 Tage. Er wurde vom Priester „entsünöigt" oder gereinigt: man füllte ein Gefäß mit Quellwasser, mischte darin von der Asche der roten Kuh nnd besprengte mit dieser Mischung vermittelst Nsop-Stengelche» den „Unreinen" am 3. und 7. Tage. Erst dann war der Genuß gewisser Opfergaben oder cventl. der Eintritt ins Heiligtum gestattet. Warum wird der 'Abschnitt jetzt verlesen? Israel sollte am Erev Pesach das Pesachlamm schlachten. Da sollte jeder rechtzeitig die Reinigung durch „Sprengwasser" vornehmen, falls er „tome" geworden, also nicht das Heiligtum betreten kann. So sollte Parschas Poro rechtzeitig mahnen zur Vorbereitung auf das Pesachfest. Wochengottesdienste in Frankfurt. Morgens: 6 Uhr 15 Min. (Hauptsynagoge nnd Synagoge Königsteinerstr. 7 Uhr 30 Min.). Abends: 5 Uhr 30 Min. (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge Königsteinerstr. 7 Uhr). Taschentücher empfehlen in grosser Aaswahl und allen Preislagen F. 6. Strubberg & Co. 23 Nene Mainzerstrasse 23. Spende«. Für den Jüdischen N a t i o n a l f o n d s gingen bei Herrn Martin Levigard ein: Purim-Sammlung der kleinen Elsa Levigard 60.— „ft N. N. Machazis-ha-Schekel __ 0,50 „ 60,50.ft Beim Franks. Israelit. Familienblatt gingen ein: 'A. K. gratuliert Dr. Gottlieb 1,— .ft Karl Rosenheimer dankt Zahnarzt Bruno Strauß für Gefälligkeit 2,— „ D. F. anläßlich Wette_3,— „ Frankfurter Familiennachrichteu. Geboren. E. Tochter, Marens (March), Fijcherfeldstraße 8. — E. Sohn, E. Carlebach (Carlebachl, Obermainstr. 12. — E. Sohn, B. Rosenblum (Eschborn), Günthersburgallee 48. Verlobte. Recha Stern, Brückenau mit Armin Meyer, dahier. — Frieda Dalberg, Kassel mit Moritz Kanter, Schloßstr. 48. — Relly Seligmann, Hölderlinstraße 5 mit Moritz Wallcrstein, Hanauerlandstr. 32. — Recha Schwarzschild. Eschenheimeranlage 19 mit Emil Birnbaum, Scheffelstr. 23. — Recha Ettlinger, Hanauerlandstraße 5 mit Ludwig Schiff, Frankfurt a. M.-Homburg v. d. Höhe. A u f g e b o t c it. Isaak Einil Schloß, «andweg 33 mit Geltende Rosenthal, Mittelweg 34. Eheschließung. Moritz Schönberger mit Helene Rosenthal, Börnestratze 27. Gestorben. Mathilde Freund geb. Cahn, 68 I., Ulmenstr. 37. — Moritz Hofmann, Beethovenstraße 3a. — Elsa Eisemann, 28 I. Bockenheimerlandstr. 107. — Elisa Wetzlar geb. .Ettlinger, 49 I. ,