Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 12. FranHurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 8. mit Erwartung auf die neue akademische Jugend, die hier im Entstehen begriffen ist. Jeder möchte möglichst viele von dieser für das Ideal zu. gewinnen suchen, dem er sein Leben geweiht hat, und da er sich in seiner Studentenzeit mit Gleichgesinnten in Verbindungen zusammengeschlosscn hat, so beginnt, um im studentischen Ausdruck zu sprechen, bei allen Verbindungen ein „Wchsekeilen." Und da ist es interessant zu beobachten wie die einzelnen Studentenvcrbände die getreuen Abbilder der großen Organisationen sind, die hinter ihnen stehen. Der K. C. entspricht aufs genaueste dem Zentralvercin, der B. j. Ä. der Freien Vereinigung, der K. Z. V. in zionistischen Organisation, und höchstens dem B. j. C. ,ehlt das Urbild seiner Tendenz. Diese Beobachtung konnte man in den letzten Wochen für die erstgenannten beider Verbände in Frankfurt machen, nämlich in einem Vortrag im Montesiorevcrein und in einem Artikel des Israelit. Der Schreiber dieser Zeilen kennt den Bortrag des Herrn Dr. Rotschild nur aus den Besprechungen. Aber der Eindruck, den er daraus erhielt, war so charakteristisch, daß er wohl glaubt, ein richtiges Bild davon erhalten zu haben. Der junge Student, der vom Judentum nichts kennt als die Abwehrbewcgung, der wird ohne weiteres von den Ausführungen überzeugt worden sein, daß es in der Studentenschaft nur eine Möglichkeit für den Juden gibt, nämlich sich der K. C. Bewegung anznschließen. Denn der K. C. tritt stets für das Judentwn mannhaft ein, wenn es beleidigt wird — von Nichtjuden natürlich — und erzieht seine Mitglieder so, daß sie, wie sie hofsen. sich in nichts mehr von dem stranlincn deutschen Verbindungsstudenten unterscheiden. Positiv jüdische Bestrebungen sind ihnen so fremd wie dem Zentratverein, und daher die ausfallende Tatsache, daß von den andern jüdischen Verbände» keiner in dem. Vorträge erwähnt wurde, ein Zeichen dafür, daß in v diesen Kreisen ein positives Judentum nicht einmal mehr verstanden wird. Dem gegenüber steht der Artikel im Israelit, der ans einen beträchtlich positiven Ton gcstiiiiiiit ist. Und das ist' sein Verdienst, geradeso wie bei der Freien Vereinigung dieses Verdienst stets anerkannt werden muß. Aber de» einen Fehler teilt jener Artikel mit dem Gros der Orthodoxie, die Verachtung jeder andern Auffassung des Judentums als die ihre. Er verschließt seine Augen vor der Tatsache, daß eine Ucberzcugnng nicht Grundlage eines Volkstums sein kann, wenn man nickt jedem Glicdc des Volkes verbieten will, eigene Gedanken zu denken. Niemand wird etwas dagegen haben, wenn diejenigen, die dieser Ucberzcugnng sind, sich zusammenznschließe» zu Verbänden —. wie im B. j. A. — und ihr Judentum pflegen. Aber gegen die Methode muß energisch Front geniacist werden, die positives Juden tnm mit Orthodoxie identifiziert. Denn diese Art hat uns schon mehr brauchbare Glieder gekostet als die Taufprämien von der andern Seite. Das Unheilvolle dieser Art ist das, daß der aus orthodoxen Kreisen stammende junge Mann, der diese Ueberzcngung nicht mehr teilen' kann, zu leicht glaubt, er sei jetzt kein Jude mehr und die Konsequenzen daraus zieht. Für den, dem an der Erhaltung eines lebendigen G e s am tjudentums gelegen ist, gibt es im akademischen Leben zwei Möglichkeiten: B. j. C. und K. Z. B. (Bund jüdischer Corporationen und Kartell zionistischer Verbindungen). Der Unterschied zwischen beiden ist der, daß das K. Z. V. die letzte Konsequenz ans den Ideen gezogen hat, denen auch der B. j. C. seine Existenz verdankt. Der B. j. C. will seine Mitglieder zu bewußten Juden mit positiven jüdischen Idealen erziehen, das K. Z. B. sagt, das führt in seiner Konsequenz zum Zionismus. Das Programm des B. j. C. ist das weitere, die Arbeit extensiver, das. K. Z. B. hat das engere Programm und kann intensiver arbeiten. 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