Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1912-02-09 · Heft 6 (9.2.1912) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2692297-2692768-2692774--06741-2701772
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4. t a g. Rabbiner Nürnberger ist infolge seiner unermüdlichen Tätigkeit im Dienste der Philanthropie eines der geschätztesten Mitglieder des orthodoxen Rabbinerstandes Deutschlands. G FmUeloil. G Akiba. Historische Erzählung von Friedrich Rott. «Fortsetzung). „Und Du weißt, Las; Dein Vater Deine Verbildung mit Akiba noch lange, lange nicht zugebcn lvird." „Ich lvcrdc warten!" Vielleicht ivirst Du uich" so lange warten tönncn? Ich glaube nicht, daß der Vater sc seine Zustimmung geben wirb." Dunkle Glut überzog das Angesicht des jungen Mädchens. „Der Vater lvird mich doch nicht zwingen wollen?" Die Kranke zuckte die Achseln. „Wer weiß-" „Aber ich lasse mich nicht zwingen," rief Rahcl mit blitzenden Augen, „nie, — um keinen Preis!" „Kind, Kind, so darf tchm nicht reden!" „So darf man nicht reden?" wiederholte das junge Mädchen, sichtlich um Mäßigung ringend. „Mutterlicb, das weiß ich gar nicht. — Schau nur, wenn ich mich zwingen lassen und einen ander» heiraten würde, — und mein Mann hätte mich lieb, und ich hätte einen andern lieber als ihn — wäre das nicht schrecklich? — wäre es nicht Sünde?" „Kind, — dazu bist Du zu fromm." „Mutter, liebe Mutter!" Tränen entstürzten reu Augen des jungen Mädchens, und so sehr sie nach Fassung rang, um die kranke Mutter nicht aufzuregcn^ nur mit übergroßer Anstrengung unterdrückte sie ein lautes Schluchzen. „Du meinst, ich wäre zu fromm, um eine so große Sünde zu tun," fuhr sie flüsternd fort, „aber liebe, liebe Mutter, — tun werde ich gewiß nie mit Absicht, was verboten ist, — aber denken, fühlen^ empfinden, — wenn ich gezwungen werde. — Wie könnte ich's ändern?" Sie barg das Antlitz in den Händen und ließ den Kopf auf das Kopfkissen der' Mutter sinken, die mit ihren weißen, durchsichtigen Händen die tränenüberflutete» Wangen der Weinenden streichelte. „Glicht weinen! Es macht den Vater nur ärgerlich, wenn er Dein verweintes Gesichtchen sieht, dann sagt er gleich wieder, daß cs nicht länger so geht, daß Du heirateir mußt." „Ach, liebe, gute Mutter, wenn Du mich nur davor schützen wolltest!" „Sei unbesorgt, solange ich lebe, lvird der Vater Dich nicht zwingen." Lange herrschte Stille in dem Zinuner. Plötzlich sagte die Kranke: „Vielleicht sollten wirs doch einmal versuchen — —>" y,3Bas, Mutterlieb?" „Versuchen, den Vater schon jetzt unserem Wunsche geneigt zu machen!" Rahel war glühend rot gctvorden, sic ergriff beide Hände der Mutter und bedeckte sie mit ihren Küssen. „Ich denke, jetzt gleich nach dem Nachtessen den Versuch zu machen." Und so geschah es. — Rahel hatte das Zimmer verlassen, als die Mutter bei dem Vater wegeu des Herzenswunsches ihres Kindes vorsichtig sondierte. Ein Laut des Entsetzens entrang sich den Lippen des Mannes. „Mirjam!" schrie er, „bist Du verrückt oder bin ich's? — Kalba Sabua sollte sich den Meschores einsetzen, den er fortgejagt hat? So etwas hat die Welt noch nicht gesehen! — Und dabei weißt Du. daß unsere geschcidtc Rahel den Mcschores nicht hat ausstchen köimen. — Meinst Du, ich sollte sie zwingen?" Das war zu viel für die kranke Frau, sie preßte besde Hände gegen die schmerzenden Schläfen, in denen cs urcheimlich wild pochte. „Frage sic," flüsterte sic. „Was?" schrie er, fragen soll ich sic." Er riß die Tür auf und schrie hinaus: „Rahcl! geh' her, ich Muß Dich etwas fragen?" Sie war sofort zur Stelle. „Was wünschest Du, lieber Vater?" „Ach nix, Stuß, Narrischkeit — —" „Du wolltest mich doch etwas fragen." „Ach. Narrischkeit! — Die Mutter hat gesagt, ich soll Dich fragen, ob Du den Hungerleider heiraten willst, den Parach, den Lumpen, den fortgejagten Mc- Frariksurter ZfraMtlscheZ AarMenblatk. schores, den Akiba, den —- —" Rahcl stieß einen Freudenschrei aus. „Ob ich Akiba heirate» möchte? O, wie gern! Vater! lieber Vater!" Sie schien ihn umarmen zu wollen; er stieß sic zurück und lachte grell auf. „Bist Du auch verrückt, daß Du gemeint hast, ich möchte im Ernst den Parach einsetzen? Ist das eine Schmach mit dem Frauensvolk.!" Seine Stimme war lauter und lauter geworden, und je lauter er schrie, desto stärker wurden die Zuckungen der Kranken. „Vater! um Gott, Vater! hör' doch auf! — Schau auf die Mutter!" Aber Kalba Sabua, obgleich er seine Frau in seiner Art aufrichtig liebte, schrie weiter; wenn ihn die Wut übcrmannte, kannte er keine Mäßigung, dann war" und handelte er vollständig sinnlos. So schrie und tobte er ohne Rücksicht auf die Kranke, die er mit den unflätigsten Schimpfworten anschrie, sie beschuldigte, daß sic ihr Kind air den ersten besten Lumpen verschachern wolle und dergleichen Unsinn mehr. Aufgelöst in Tränen kniete Rahel vor ocm Bette der Mutter, hatte beide Arnrc um ihren Hals geschlungen und bemühte sich, mit ihren Händen o'.e Ohren der Kranken zu bedecken, damit sie die unflätigen Worte des sinnlosen Mannes tvcnigstcns nicht verstehe. Aber die Zuckungen nahmen in beängstigender Weise zu, Rahcl, der Verzweiflung irahc, sprang endlich auf, umklammerte den Vater mit beiden Armen und drängte ihn zimr Bette. „Schau, was Du angestcllt hast!" schrie sie ihm ins Ohr, „Du ivirst die Mutter morden!" Das brachte den im Moment Wahnivitzigcn doch zur Einsicht. Noch halblaut einen greulichen Fluch ausstoßcnd, rannte er zur Türe hinaus, die er donnernd ins Schloß ivarf. Die Kranke fuhr zusammen, im Moment wurden die Zuckungen noch ärger, aber Rahel hatte ivieder beide Arme um sie geschlungen und flüsterte ihr Schnieichclworte ins Ohr, die schon nach' einiger Zeit der Kranken.hin und wieder ein mattes Lächeln entlockten, und endlich, endlich kamen auch die Glieder zur Ruhe, die Zuckungen hörten auf. Aber vollständig erschöpft lag die Kranke da, während Nahet noch immer vor ihrem, Bette kniete, ihr bald einige Tropfen Orangensaft einflößtc, bald einen Löffel Zitronemvasser. „Wenn Du wüßtest, Mutterlicb, ivie leid cs mir tut, daß Du Dich um meinetwillen so aufgeregt hast und dadurch hast leiden müssen — —" „Du bist im Irrtum, Kind, nicht um Deinetwillen habe ich jetzt mit dem Vater gesprochen, sondern um meinctlvillen, weil ich Dich so gern als glückliche Braut sehen möchte." Rahcl errötete über und über. „Das wirst Du init Gottes Hilfe! Aber ivir müssen Geduld haben, Mutterlicb, cs wird schon alles so werden, wie Gott es bestimmt hat, — und mir kommt cs immer so vor, als ob Gott das beste für mich bestimmt hätte, ich meine den Besten — —" „Du meinst Akiba." „Wen sollte ich sonst meinen? — Du ivirst sehen, mit keinen; anderen werde ich unter der Chüppoh stehen als mit iijm. Nur Geduld! Geduld!" „Nnr Geduld!" wiederholte die Kranke, schwer aufattncnd. „Aber jetzt ist es Zeit, liebes Kind, daß Du Dich auch iriederlcgst." Rahcl küßte der Mutter die Hand und suchte die eigene Lagerstätte auf. Seit der Krankheit der Mutter schlief sic ntit ihr in demselben Zinuner, um, falls die Kranke nachts etwas benötigen sollte, sofort zur Stelle zu sein. Auch heute hatte sie sich, vorgeiwmmcn, möglichst wachsau; zu sein, nicht fest zu schlafen, um auch nicht den leisesten Ruf der Kranken zu überhören, name;ttlich da ihr die Mutter in den späteren Abendstunden schwächer als in den jüngsten Tagen vorgekommen war, verinutlich infolge der übermäßigen Aufregung. Kaum hatte Rahel jedoch ihr Nachtgebet beendet, hatte ihre Seele dem Schutz des Allgütigcn empfohlen u;ü> alle ihre großen und ihre kleinen Sorgen dem Hüter Israels, der nicht schläft und nicht schlummert, als sie selbst vom Schlummer übermannt in die Kissen zurücksculk und die Augen schloß. Sic schlief fest und ruhig, wie nach, heftiger Erregung nur die Jugend schlafen kann. Sie merkte cs daher nicht, daß die Kranke sich noch, lange ruhelos von einer Seite auf die andere wälzte, daß die Polster raschelte;;, daß die Bettstatt hin und wieder knarrte, daß hin und wieder ein schlecht unterdrücktes Stöhnen sich von dort her bcnterkbar. machte und das Geräusch, als ob ein Mensch nach. Atem ringen würde. Doch Kr. 6 schließlich verstummte auch dieses, lautlose Stilb herrschte, nur unterbrochen durch-- die regelmäßigen leise säuselnden Atemzüge des schlafenden junge, Mädchens. Zur gcivohnte» Zeit erwachte Rahel,. Ihr erste; Blick war ivie innner auf das Bett der M uttcr gcricht - - abce dort regte sich nichts. Lautlos, um den Schlaf der Mutter nicht zu stören erhob sich Rahel von ihren; Bette und kleidete sich an. Dann verließ sic nnhörbarcn Schrittes das Zi», mcr, n;n das Frühmahl für die Kranke vorzubereiten. Doch als sie mit demselben zurückkam, ivar die Mutte noch nicht erivacht. (Fortsetzung folgt.) liti fcci na 9C! 1t nii A w t'C OPTIK J. W. Albert. «.!>.' Ecke N.ue Mainzers», u. Weissfrauenstr. N. Elektr. Kleinbeleuchtung. Taschenlampen Schlafzimmer-Hinrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wäsche. Bleirienstrasse 10. Plattfuss äderen Fusssctimerzen ■verschwinden ln unseren patentamtl. gesell. - Ansulusstiefel (Individuelle Anfertigung). Briefkasten. H. P. Wie die meisten künstlichen Nährpräparat ist auch B i o s o n in ritueller Hinsicht nicht cinwandsfrei! K. Reichstagsabg. Dr. Ludwig Haas wurde 187: ' in Fieibnrg geboren: er ist Expräsidcnt der Karl Fried richs-Logc U. O. B. B. und Vorstandsmitglied de Landesverbandes Baden des „Zcntralvcreins deutsche Staatsbürger jüd. Glaubens." Reichstagsabg. Dr. Z Wald stein wurde 1865 in ©liefen geboren; ans den letzten Judentage war er als Delegierter anwesend. naher Friedricii Quelle -- Offenbach a. X. - ■ ■■ Gegen dicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frledrioh Stahl, Frankfurt a. M., Stallbnrgatr. 9. Tel. 259 n. 714. 1 Wocheu-Kalender. v (Zeitangaben nach dem I-uaeb.) Samstag, den 10. Februar i— 22. Schwat): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 05 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 25 Min. in Berlin 5 Uhr 50 Min. Wvchenabschnitt; I i s r a u. — Jisrau führt feine; Schwiegersohn Moses Frau und Kinder zu, die er i Michail zurückgelassen. Moses geht de»; Schwiegervatc entgegen, sie küssen sich, und Jisrau kehrt in Moses Zc> ein. Moses erzählt von dem wunderrcichen Auszug a» Egypten; Jisrau freut sich darüber. —. Moses setzt fit nieder, um in eigner Person das ganze Volk zu richte, Jisrau bemerkt, wie unpraktisch und ermüdend dies fü beide Teile sei. Er rät, Beamte und Unterbeamte einz; setzen. Es geschieht. —. Jisrau kehrt wieder heim. - Israel betritt die Wüste Sinai, um aus dem Berg Sinc die Lehre zu empfangen. Gott läßt das Volk bei ' warnen und vorbereitcn. Das Volk verspricht Gchorsan Sie waschen ihre Kleider und halten sich drei Tag heilig. Der Berg wird nmzäumt. Während des Offen barungsaktes darf ihn niemand berühren oder besteige« Am dritten Tage gibt Gott das Gesetz unter furchtbare, - Erscheinungen der Natur: Der Berg Sinai erbebt! flammte und rauchte. Eine dichte Wolke lagert über de« Berg, mächtiger Posaunenschall ertönt. Moses allein ha den Berg bestiegen. Gottes Stimme kündet die „zch Gebote." Das Volk fürchtet die allzugroße Nähe Gotte! Moses beruhigt das Volk. — Den Schluß der Sidr bildet ein Abschnitt über Wesen und Bedeuttmg des Erd altars. Aus Gründen der Sittsamkeit und Selbstheiliguu sollte er nicht durch Treppenstufen bestiegen werde« Es führte eine schiefe Ebene, eine Rampe, zu feine Höhe hinan. Wochengottesdicnste in Frankfurt. ' Morgens: 6 Uhr 45 Min. (Hauptsynagoge und Synagog Königsteinerstraße 7 Uhr 30 Mi;;.). Abends: 5 Uhr (Hauptshnagoge 4 Uhr, Syüagoge König steincrstraße 7 Uhr). Offeubaeber Druckluft-Anlag« Telefon 123. OffSDbach 8. H. Telefon 123. Unübert'offsna bewahrtest» TannlChra tnlaMnO- Frankfurter Familieunachrichten. Geboren. E. Sohn, S. Moneta (Schtvarzmanii Obermainstr. 5. — E. Tochter, N. Kahn (Finsterkvald Elbestr. 25. — E. Tochter, Mfred Mayer (Liebmann Königsteinerstr. 18. —i E. Tochter, Weißbraun (Rabiner Sandweg 64. — E. Tochter, A- Rothschild (Eichelshein, Baumweg 14. — E. Tochter, A. Wolfsthal (Hirschbergcr Battonstraßc 0. — E. Sohn, Nathan Stein (Moses 1553

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.